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J6S- Fernsprecher Nr. 8. «

Sr. 129

At«stl>S den 1. November

1904.

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 28. Oktober 1904.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises, welche meine Verfügung vom 6. d. Mts. J. I. 7107, Kreisblatt Nr. 123, betreffend: Einreichung einer Nachweisung über Beschauergebnifle der Hausschlachtungen in der Zeit vom 1. April 1903 bis 31. März 1904 noch nicht erledigt haben, werden hierdurch veranlaßt, diese Verfügung nunmehr biszum 5. November d. I s. zu erledigen, anderenfalls eine Ord­nungsstrafe von 3 Mark festgesetzt werden wird.

I. I. 7107. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz,

Geheimer Regierungs Rat.

Hersfeld, den 28. Oktober 1904.

Die Herrn Ortsvorstände des Kreises, welche meine Versügung vom 1. Oktober 1880 I. Nr 11469, KreiS- blott Nr. 79, betreffend Bericht über die Höhe des ver> kauften Gemeindeobstes noch nicht erledigt haben, werden hiermit veranlaßt, diese Verfügung nunmehr bis spä­testens zum 5. November d. Js. zu erledigen, anderenfalls eine Ordnungsstrafe von 3 M a r k festgesetzt werden wird.

I. I 7907. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz,

Geheimer RegierungS-Rat.

Am 17. d. MtS. gegen 7 Uhr morgens hat stch der Goldarbeiter Karl Trapp geboren am 27. November 1834 zu Amorbach i/Bayern aus seiner hiesigen Woh­nung, Bebraer - Bahnhosstraße Nr. 16, entfernt und ist bis jetzt nicht wieder dahin zurückgekehrt. Die vor­liegenden Umstände lassen vermuten, daß ihm ein Leid zugestoßen ist, oder daß er sich ein solches selbst zugesügt hat. Trapp ist 1,601,63 m groß, von schmaler Statur, hat graumeliertes-lockige» Kopfhaar, etwas Glotze und grauen Vollbart. Er war bekleidet mit dunkelblauem Zacket, dunkelgrauer Hose und Weste, trug schwarzen-weichen Filzhut und Zugstiefel mit kleinen Knöpfchen an den äußeren Seiten. Wertgegenstände trägt Trapp nicht bei sich, hat aber vermutlich seine Brille mitgenommen, welche

Die Durchgänger.

Roman von Karl von Heigel.

(Nachdruck verboten).

(Fortsetzung.)

Lassen Sie sich nicht aushalten, und wenn Ihre Vermutung zutrifft, sagen Sie dem Leutnant, ich fühlte mich in Ihrem Hause, außerdem unter der Aussicht meines guten Baron Lindenau sicher wie in Abrahams Schoß."

Unser Gastfreund war so betroffen," meinte der Herzog nach Schäfers Abgang.Wie denken Sie, Lindenau? Er wird doch nichtI ?"

Der Adjutant konnte seinen Gebieter beruhigen. Erst heute wieder hatte er mit dem Herzoglichen Hof­bankier über den Kommerzienrat gesprochen. Ein Mann in den günstigsten Vermögensumständen, lebt nur noch von seinen Renten.

Freut mich. Sie wissen, heutzutage wer singt jetzt?"

Lindenau horchte, sah auf das Programm und sagte: Mademoiselle Caron von den BouffeS-Parisien«. Die famose Caron, Hoheit."

Ah, die I Das wollen wir denn doch nicht ver­säumen."

Die muntere Chansonettensängerin so wunderlich e» klingt, begeisterte ihr Publikum. Da sie eine Pariserin war, begeisterten sich auch die Damen für sie. Man schmeichelte ihr mehrere Zugaben ab. Dadurch

er in der Regel nur bei der Arbeit trug. Besondere Kennzeichen: Das Vorderglied der linken Zeigefingers ist etwas verkrüppelt.

Um Mitteilung, falls über die Person etwas bekannt werden sollte, wird ersucht. Hanau, den 20. Okt. 1904.

Königliche Polizei-Direktion. *

Hersseld, den 24. Oktober 1904. Wird veröffentlicht.

I. I. 7700. Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

In K a t h u S ist eine Telegraphenanstalt mit Unfall­meldedienst und öffentlicher Fernsprechstelle in Wirksam­keit getreten.

Caffel, den 26. Oktober 1904.

Kaiserliche Ober-Postdirektion. Hoffmann.

Gefundene Gegenstände:

Ein Filzhut und eine wollene Pferdedecke. Meldung der Eigentümer bei dem Ortsvorstand zu Asbach.

Ein Portemonnaie mit 10,16 Mk. Inhalt. Meldung des Eigentümers bei dem Ortsvorstand in Niederjoffa.

Nichtamtlicher Teil.

Der Arieg zwischen Japan und Rußland.

Der kleine Erfolg der Japaner, den sie am Donners­tag über eine russische Abteilung auf dem linken User des Schahs errungen haben, würde dadurch an Bedeu­tung gewinnen, wenn tatsächlich damit die letzte russische Stellung südlich des Schahs in die Hände der Japaner gefallen wäre. Doch scheinen sich die Meldungen aus japanischer Quelle, die dies be­haupten, nur auf die russischen Positionen an dem Ober­lauf des Schahs zu beziehen. Denn es ist wenig wahrscheinlich, daß die Russen die überhöhende Stellung in der Krümmung des MittelauseS den unter blutigen Opfern eroberten Putilowhügel ohne hartnäckigsten Wider­stand aufgegeben haben.

Tokio, 29. Oktober. Ein Telegramm aus dem Hauptquartier Kurokis meldet, daß die Japaner am

wurde das Konzert verlängert, zum Heil des Gastgebers, der blaß und verstört in die Festräume zurückkehrte und nun in einer stillen Ecke sich fassen und erholen konnte. Das verpfuschte Ballkleid Ebbas gehörte ins Kapitel von den kleinen menschlichen Leiden, das neue Ereignis aber war gräßlich. Nicht als holde Schutzgöttin kam die Polizei in das Haus des Kommerzienrat, sondern als finstere Nemesis. Dem Revierleutnant lag nicht der Herzog am Herzen, er suchte Schäfers Kunstwart und Schlafburschen Fernando. Dieser Tausendkünstler war der Sicherheitsbehörde schon längst verdächtig. Heute hatte sie von seiner Tätigkeit für eine internationale Bande die Beweise, und Tost sollte verhaftet werden.

Er ist fischen," antwortete der Kommerzienrat dem Leutnant.

Um zehn Uhr nachts?"

Sie begreifen meine Verwirrung, Franz; Sie sagten doch ich selbst habe den Menschen seit gestern nicht mehr gesehen."

Ihr Hausmeister behauptet, der Italiener sei heute mittag im Hause gewesen."

Möglich, ich habe ihn nicht gesehen."

Er ist durch," sagte der Leutnant,aber wir kriegen ihn."

Schäfer sprach von der Schlange am Busen.

Der Leutnant hörte ihn mit einem unangenehmen Lächeln an und meinte, man hätte dem Kommerzienrat gewinkt, aber er habe den Wink nicht verstanden. Deutlicher durfte man nicht werden, bevor man Beweise besaß. Die seien jetzt erbracht. Wenn der Kommerzien­

27. d. M. nach heftigem Kampfe Waitaofchan ge­nommen haben. Der Angriff begann um 8 Uhr morgens und endete um 4 Uhr nachmittags. Die Ja- paner erbeuteten zwei Maschinengeschütze. Die Verluste der Ruffen werden auf 200, die der Japaner auf 170 Mann geschätzt. Die Ruffen, welche Waitaoschan seit dem 14. b. M. mit acht Kompagnien besetzten und Ver­teidigungswerke begonnen hatten, zogen sich über den Echaho zurück.

Schanghai, 28. Oktober. In einem Privat­schreiben aus Port Arthur vom 21. d. M. an einen hiesigen europäischen Kaufmann heißt es, Stösse! habe an den Kaiser und an den Hof telegraphiert: Ich sage Ihnen allen nun Adieu auf immer. Port Arthur wird mein Grab sein." Der Brief be­schreibt sodann die Zustände als sehr schlimme.

Tokio, 28. Oktober. Nach hier eingegangenen, amtlich allerdings noch nicht bestätigten Meldungen er- öffneten die Japaner am Morgen des 26. Oktober einen allgemeinen Angriff auf die Kikwanforts von Port Arthur und brachten die russischen Batterien zum Schweigen. Eine Granate sprengte ein russisches Magazin in die Luft. Gleichzeitig griffen die Japaner die Forts auf dem Erlung und dem Sungtschu an, brachten die russischen Batterien zum Schweigen und erstürmten und besetzten dte Forts vor dem Erlung und dem Sungtsch u. In der Nacht zum 27. Oktober stand Alt-Port Arthur in Flammen. Am 27. traf eine Granate das russische Schlachtschiff Sewastopol. Ein anderer russischer Dampfer wurde von zwei Granaten getroffen und sank.

Der Abschiedsgruß desGeneralsStössel in obiger Form begegnet berechtigtem Zweifel. Eine derartige Aeußerung, so schreibt man von militärischer Seite, liegt nicht in dem eisernen Charakter dieses Mannes, der dem eines Gneisenau, eines Courbisre, der tapferen Verteidiger von Kolberg und Graudenz im Jahre 1807, ähnelt. Gewiß wird er für den Zaren und sein Land zu sterben wissen, wenn es andere Aus­wege nicht mehr gibt und das Gebot der Pflicht es ver­langt. Außerdem aber stehen hinter ihm doch noch Tausende braver Soldaten und Offiziere.

rat der Einladung des Leutnants heute morgen gefolgt wäre, würde ihm das lästige Intermezzo erspart ge­blieben sein und der Behörde das Nachsehen. Die Kammer des Flüchtlings müsse sofort untersucht werden. Als artiger Mann erließ der Leutnant dem Festgeber die Begleitung, der Kammerdiener Franz genüge. Morgen früh jedoch müsse er, der Leutnant, den Kom­merzienrat abermals und auf länger belästigen. Sie schieden auf das höflichste.

Ach," stöhnte Schäfer, als das Bravorufen und Händeklatschen aus dem Musikzimmer zu ihm drang, wenn ihr wüßtet, daß eben jetzt, unmittelbar unter euch, die Polizei auf staatsgefährliche Schriften, vielleicht auf Bomben fahndet I" Er klopfte reuig feine Brust. Ja, er hatte die warnende Winke nicht beachtet und die eigenen Zweifel beschwichtigt, hatte sich geflissentlich nicht um den Menschen bekümmert, weil die Arbeit billig war. Der Nihilist hat ihn erkannt und ihm die Gastfreund­schaft nach ihrem Wert gelohnt.

Dem Kommerzienrat fiel da» eine und andre Ge- spräch ein, da» er mit seinem Schützling geführt hatte, und ihm graute vor der eignen Zweizüngigkeit. Er spielte mit dem Feuer.

Ist dem Herrn nicht wohl?"

Schäfer, in seine Gedanken verbohrt, hatte die Arme auf die Kniee und den Kops in die Hände gestützt.

Ein Aufwärter, einer von den Gemieteten, stand mit Erfrischungen vor ihm.

Im Gegenteil, sehr wohl nur höre ich Musik am liebsten in einiger Entfernung."