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Hersscker Kreisblatt.
Gratisteilage«: „Jllustrirles Sountagsblatt" und ^nuftrittc Landwirtschastlichc Beilage."
XS- Fernsprecher Nr. 8. «
U 126. Atilsta« ist« K. Alober 1904.
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 21. Oktober 1904.
Die Erledigung meiner Verfügung vom 15. April 1886 Nr. 4578 (Kreisblatt Nr. 46) die Körung der Zuchtbullen betreffend, bringe ich bet den hiermit noch im Rückstand« befindlichen Herren Octsvorständen des Kreises in Erinnerung, mit F r i st b i s z u m 2 6. d. Mt«., bei Vermeidung von 3 Mark Ordnungsstrafe.
I. I. Nr. 7658. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.
Hersfeld, den 18. Oktober 1904.
Unter dem Schweinebestande des Zimmermanns Heinrich Wolf in Echenklengtzfeld und des Peter Mösebach in Lautenhausen ist die Rotlaufseuche ausgebrochen.
I. 7525. Der Königliche' Landrat.
J. V.:
Thamer.
Hersfeld, den 18. Oktober 1904.
Di< - unter den Schweinebeständen des Tagelöhner- Heinrich Bolst und der Witwe Heiner in Schenklengsfeld sowie des Ackermanns Jahr. Budesheim in Friedewald ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen.
I. 7487. Der Königliche Landrat.
I' V.:
Thamer.
Hersfeld, den 18. Oktober 1904.
Unter der Schafheerde II. (Besitzer Landwirt Schüler und Vaupel) in Reckerode ist die Räude aus» gebrochen.
I. 7524. Der Königliche Landrat.
J. V.:
Thamer.
Bekanntmachung.
Der Herr Ober-Präsident der Provinz Hessen-Nassau hat auf Grund des § 6 Abs. 1 der Allerhöchsten Verordnung vom 2. Februar 1901, betr. die Einrichtung einer Standesvertretung der Apotheker (G. S. S. 49) bestimmt, daß aus dem Regierungsbezirk (Wahlbezirk) Cassel für die
Die Durchgänger.
Roman von Karl von Helgel.
(Nachdruck verboten).
(Fortsetzung.)
„Sie sind Papa zulieb gekommen. Der denkt und spricht doch in Ihrem Sinn?"
»Papa war famos. Doch da» ändert an der Haupt- sache nicht«. Ja, mein Gott, ich hätte Ihnen so viel zu sagen, doch sind wir ja nie allein."
„Vater hat uns niemals mißtraut."
„Das wohl, indeß, ich werde Ihnen schreiben, alles ausführlich au«einandersetzen."
„Ach, lieber Hilmar, Sie können mir bas, was Sie bedrückt, in drei Worten sagen."
„Bitte, bitte, beherrschen Sie sich. Nicht weinen, wir werden beobachtet. Sie sind so schön, so gut, ich liebe Sie von ganzem Herzen I"
Anna schüttelte traurig den Kopf.
„Doch, doch I Sie haben kein Recht, daran zu zweifeln. Wie gesagt, ich werde Ihnen schriftlich meine Ansichten und Aussichten vortragen. Ich schmeichle mir, Sie gründlich überzeugen und — beruhigen zu können."
„Warum nicht jetzt?’
„Unmöglich I Die lieben Kollegen Ihres Papa» lassen uns nicht au» den Augen. Nicht verzweifeln, Kopf hoch! Ende gut, alle» guti"
„Werden Sie sich morgen meine Antwort holen?"
Apothekerkammer vier Mitglieder und vier Stellvertreter zu wählen sind. Der dreijährige Zeitraum, für welchen die Wahl erfolgt, beginnt mit dem 1. Januar 1905.
Bezüglich der Wahlberechtigung und Wählbarkeit verweisen wir auf die Bestimmungen des § 3 a. a. O., indem wir bemerken, daß die Liste der wahlberechtigten und wählbaren Apotheker in der zweiten Hälfte des Monats Juli d. Js. in jedem Kreise des Wahlbezirks öffentlich ausgelegen hat.
Auf Grund der §§ 5 Abs. 1 und 6 Abs. 2 wird der Endtermin (Wahltermin) aus
Donnerstag den 17. November d.J., Nachmittags 6 Uhr, hiermit festgesetzt.
Die Wahl hat schriftlich durch Einsendung des Stimmzettels an den unterzeichneten Vorsitzenden, Apotheker Thomas in Cassel, Wilhelmsplatz 76H, zu erfolgen.
Wir fordern daher die wahlberechtigten Herm Apotheker hiermit auf, ihre Stimmzettel bis spätestens zu dem vorgenannten Endtermine an die bezeichnete Adresse gelangen zu lassen. Jeder Stimmzettel muß Namen, Stand und Wohnort des Wählenden, der von ihm gewählten Mitglieder und der von ihm gewählten Stellvertreter enthalten. Ungültig sind:
1. Stimmzettel, welche die Person des Wählenden nicht erkennen lassen, oder von einer nicht wahlberechttgten Person ausgestellt sind,
2. Stimmzettel, welche keinen oder keinen lesbaren Namen enthalten,
3. Stimmzettel, auf welchen mehr Namen als zu wählende Personen verzeichnet sind,
4. Stimmzettel, welche einen Protest oder Vorbehalt enthalten.
5. Stimmzettel, insoweit dieselben die Person des Gewählten nicht unzweifelhaft erkennen lassen, oder den Namen einer nicht wählbaren Person bezeichnen, oder der Angabe entbehren, ob der Betreffende als Mitglied oder als Stell- Vertreter gewählt worden ist.
Gewählt sind diejenigen, welche die meisten Stimmen auf sich vereinigen. Bei Stimmengleichheit wird das Los entscheiden.
Cassel, den 18. Oktober 1904.
Der Vorstand der Apothekerkammer für die Provinz Hessen-Nassau.
Thomas, Vorsitzender.
„Nein, morgen nicht, morgen muß ich mich meinem Papa widmen. Aber übermorgen", er horchte auf den Schlag der Uhr, ,viet I Und mein Hauptmann, nehmen Sie sich zusammen, liebe Anna I"
Er richtete sich gerade und sagte laut und schnarrend: „Bedauere unendlich, schon aufbrechen zu müssen, aber Fräulein wissen, der Dienst" —
Als der alte Faber abend« von einem Spaziergang heimkehrte, fand er die gewohnte Ordnung und er. wünschte Ruhe.
Er setzte sich in seine Sofa-Ecke und unterhielt sich mit Anna.
„Gottlob, daß dergleichen nur alle vierzig Jahre vorkommt. Ich hab'« nun hinter mir. Der Spazier, gang war prächtig im Englischen Garten. Ein Wetter! — In meiner Jugendzeit war der Mai immer so. Die Welt wird in jeder Hinsicht schlechter. — Ach, die Blumen, bas schmeckt! Die Zigarren de« Musje hab' ich glücklich unterschlagen. Werde mir die Wohnung verstänkern lassen. Reine Lust und glatte Rechnung. Aber du bist so blaß, hast du dich überanstrengt?"
„Ich, Vater? Ich durfte heute ja keinen Finger rühren. Sogar da« Aufräumen haben die Leut aus dem Roten Hahn besorgt!"
„Wird dem Musje ein schweres Geld kosten. Hoffentlich hat er bar bezahlt. Vielleicht ist er auch im Punkt der Ehre kein Faber mehr."
„Aber Vater! Hans —"
„Rede mir nicht«. Mich im Besten, was der Mensch hat, in meiner Arbeit zu kränken! Vor meinen Kollegen
Nichtamtlicher Teil.
Der Krieg zwischen Japan und Rußland.
Ein Telegramm des Generals Kuropatkin an den Zaren meldet, daß die Japaner sich am 20. d. M. bei Einbruch der Dunkelheit aus dem Dorfe Schahopu zurückzogen, und daß die Nacht zum 21. auf der ganzen Front der Armee ruhig verlief. Außer dieser kleinen Verschiebung der vordersten Stellung zu gunsten der Russen wird auch sonst keine Veränderung gemeldet.
Von den russischen Schützenbrigaden, die in der Nähe der deutschen Grenze in Garnison stehen, werden die erste (Plock) und fünfte (Suwalki) noch in diesem, die zweite (Tschenstochau) in der ersten Woche des nächsten Monats nach dem Kriegsschauplätze abgehen.
Zur Mobilmachung mit Formierung einiger Truppen, teile in den Militärbezirken Warschau, Wilna, Kiew und Moskau und zur Komplettierung der Reservebataillone des sibirischen Militärbezirks ordnet ein kaiserlicher Erlaß die Einberufung der Reservisten zum aktiven Dienst an in 120 Kreisen.
Das Bombardement von Port Arthur ist nach dem Eintreffen zahlreicher neuer Belagerung«, geschütze in den japanischen Linien jetzt in vollem Gange, es soll aber noch weiter verstärkt werden. Wie eine Meldung aus Tokio berichtet, ist General Sameyka, Kommandant der Festungsartillerie, von dort mit Ver, Härtungen für die Belagerung-artillerie abgegangen. Dieselbe Meldung besagt, daß ein Teil der achten Division ebenfalls zur Armee vor Port Arthur geschickt wurde, der Rest der Division habe Marschordre. Bis. her hatte man geglaubt, daß diese Division längst auf dem Kampffelde eingetroffen sei.
Die Mannschaft einer gestern aus Port Arthur in Tschifu eingetroffenen Dschunke berichtet, daß die Be. schießung seit sechs Tagen stärker geworden ist und nun ununterbrochen, auch bei Nacht andauert. In der Stadt sind viele Gebäude zerstört. Die Hauptmacht der Be- lagerungsarmee ist bei Likiatun im Norden der Festung konzentriert. In Tschifu leben 2000 Japaner, die sich am dortigen Hasen ohne jegliches Hindernis bewegen, als ob es ein japanischer Hafen wäre. Ununterbrochen
dem Umsturz und Unglauben bas Wort zu reden. An meinem Ehrentage!"
„Nach meiner Meinung —
„Darüber hast du keine Meinung, liebe Anna, Mulier tacit — tacet na ja, Latein verstehst du ja doch nicht. Da« Frauenzimmer hat in kirchlichen, poli. tischen und Amtssachen nichts dreinzureden. Und baS bringt mich auf Fräulein von Röder, die redet drein! Eine Emanzipierte! Aber daß sie nicht selbst herauf, gekommen ist, kränkt mich doch."
Anna haßte die Lüge, doch Hans hatte sie beschworen, dem Vater sein Geheimnis zu verschweigen.
„Vielleicht ist sie leidend."
„Das ist sie ja immer in der Einbildung." Und nun reden wir von dir."
Anna machte sich am Tische mit den Blumen zu schaffen.
„Vater, sieh doch, die herrlichen Rosen."
„Werden nicht billig gewesen sein. Wie unangenehm. Wie revanchier' ich mich?"
„Da« würde Ebba beleidigen."
„Ebba, Ebba! Bezahlt hat der Onkel! Und nun ein ernste« Wort mit dir."
„Muß e« heut sein, an deinem Festtag?"
„Der Festtag war gestern, als ich das Kreuz bekam. Das Kreuz, das Hans — schweigen wir darüber! — Liebe Anna, bas Benehmen Jfflingens gefällt mir nicht. Seitdem er Graf ist, hält er sich zu gut für uns, möcht' sich drücken, findet nur noch nicht die Kurafch' dazu. Der Each' werd' ich ein Ende machen. Der Graf Jff.