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Ar. 121
ImM de« 20. Atober
1901
Amtlicher Teil.
Caflel, den 8. Oktober 1904.
Bei Einreichung der Nachweise über die Tätigkeit der Krankenpflegerinnen in denjenigen Krankenpflegestati- onen, welchen wir eine jährliche Unterstützung zugesagt haben, wird häufig eine Mitteilung darüber unterlassen, ob und in welchem Umfang die betreffende Krankenpflegerin im Interesse der versicherungSpflichtigen Bevöl- kerung tätig gewesen ist. Wir haben in unsern Rundschreiben vom 4. Januar 1904 — I 6352 — und vom 30. März 1904 — I 1875 — die Anerkennung der Verpflichtung, daß sich die Krankenpflegerin auch der versicherungSpflichtigen Bevölkerung in Krankheitsfällen rc. annimmt, seitens der zu unterstützenden Krankenpflegestationen ausdrücklich verlangt und werden die Auszahlung der Unterstützungsbeträge fernerhin erst nach Vorlage einer diesbezüglichen Erklärung veranlassen.
Gleichzeitig geben wir davon Nachricht, daß die Auszahlung unserer zugesagten Unterstützungen in Zukunft regelmäßig anfangs Januar und Juli eines jeden Jahre» erfolgen wird. Dementsprechend hat die Einreichung der Nachweise über die Tätigkeit der Krankenpflegerinnen zu diesen Terminen zu erfolgen. Den beteiligten Kreisen ersuchen wir von Vorstehendem Kenntnis zu geben.
Der Vorstand der LandeS-Versicherungüanstalt Hessen-Nassau. Freiherr von Niedesel, Landeshauptmann.
An die Königlichen Herren Landräte der Provinz Hessen- Nassau. I. Nr. 5596.
* ♦ HerSfeld, den 17. Oktober 1904.
Vorstehende» wird den Herren Ortsvorständen des Kreises zur Kenntnisnahme und Beachtung mitgeteilt. I. V. Nr. 839. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 14. Oktober 1904.
Die unter dem Schweinebestande des Johanne» Nuhn I. in Gersdorf ausgebrochene Schweineseuche ist erloschen, l. 7428. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Die Durchgänger.
Roman von Karl von H e i g e l.
(Nachdruck verboten).
(Fortsetzung.)
Zweite» Kapitel.
Da» Zimmer, in dem der Jubilar Faber mit seinen Gästen tafelte, war eng und niedrig, doch der Tisch einladend und mit wenigen Mitteln sehr hübsch gedeckt. In den zwei Fensterchen lag der blaue Himmel; von Ebba« Blumengabe, die im Zimmer nebenan bei der schöngeschriebenen Adresse prangte, dustete die ganze Woh. nung wie ein Rosengarten.
Der Ministerialsekretär war ein Sechziger, nur noch Haut und Knochen. Er trug keinen Bart. Eine Perücke au» dunklem Haar bedeckte den Scheitel; sie täuschte niemand und sollte auch nicht täuschen.
Wer konnte sich diese» vergilbte, runzliche Gesicht jugendlich vorstellen? War diese gebeugte, schwächliche Gestalt jemals aufrecht, elastischen Gange» dahinge- schritten? Im altmodischen, auch alten Frack, mit steifer, weißer Binde sah der Jubilar so sauber, so blut- und dmblo» au», al« habe er vierzig Jahre lang unter einem Glassturz gestanden.
Die Gäste waren alle außer einem im Kanzleidienst »graut, sorgenvolle Familienväter oder grillenhafte Junggesellen, durch das schwarze Festkleid nicht ver- M>önt und vorläufig so lustig wie ein nasser Sonntag. Der Staat«schuldentilgung«kassenbeamte Strobel, der
Hersfeld, den 14. Oktober 1904.
Unter dem Schweinebestande des Landwirt» Gutberlet in Rasdors (Kreis Hünfeld) ist die Rotlausseuche ausgebrochen.
I. 7424. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 14. Oktober 1904.
Die unter dem Schweinebestande des Landwirts George Deiseroth zu Lautenhausen ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen.
I. 7427. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 5. Oktober 1904.
Der Bürgermeister Heinrich L o tz zu Kruspis ist zum Standesbeamten des Standesamtsbezirks Kruspis ernannt worden.
A. 3661. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Nichtamtlicher Teil.
3«r ßrössmWsstin des Kaiser Friedrich-Milsms.
Am gestrigen 18. Oktober, dem 73. Geburtstage de» Kaisers Friedrich, fand in der Reichshauptstadt in Gegenwart des Kaiserpaare» und vieler hoher Herrschaften die feierliche Weihe des neuen Kaiser Friedrich-Museums statt. Das stattliche Gebäude, das gleichsam aus den Wassern der Spree emporgestiegen ist, auf drei Seiten von ihnen umfpült, ist eine gewaltige, bleibende Erinnerung an den zweiten Kaiser des neuen deutschen Reiches, dessen Leben so reich war an großen weltgeschichtlichen Momenten, ober auch so voll von erschütternder Tragik.
Es ist wohl zu verstehen, daß an diesem Tage die Gestalt der unvergeßlichen Kaiser» im Gedächtnis des Volkes wieder lebendig wird und man sich die hohe
einzige Wohlbeleibte im Zimmer, unangenehm im Dienst, aber ein .famoses Haus' bei gutem Essen und Trinken, hielt sein Licht noch unter dem Scheffel. Die Adresse war von seiner schönen Hand. Heute hatte er die Auf- gäbe, den Jubilar in freier Rede zu feiern. Er hatte den Text bereits im Kopf, für alle Fälle auch in der Tasche. Dennoch hütete er sich vor Zerstreuung, aß ohne Hingabe und trank nur in SchlÜckchen.
In dieser bescheidenen Taselrunde war der Artillerieleutnant Graf Hilmar Jfflingen ein strahlendes Gestirn. Er war hochgewachsen und hatte einen .interessanten Schädel". In der gehörigen Tracht hätte Jfflingen für ein Bild aus den griechischen Freiheitskämpfer, ein prächtige» Modell abgegeben; man vermutete einen Südländer, wenigstens südländisches Temperament in ihm, doch bas Aeußere trog: Jffland war ein frostiger, bedächtiger Mensch, und es gehörte zu den Wundern de» Eros, daß die liebliche Anna Faber, die weder reich noch kokett war, diese schwunglose Seele eroberte. Damals war er freilich noch nicht Graf. Sein Vater, der reiche Lebemann und Aristokrat, kümmerte sich um da» Kind der Liebe sehr lange nicht. Es kostete der schönen Mutter schwere Kämpfe, daß Hilmar den Namen Jfflingen tragen und sich zum Militär auübilden durfte. Als Leutnant mit wenig Geld und bescheidenen Aussichten wurde Hilmar der Zimmerherr des Ministerial- sekretärs. Damals lebte noch Frau Faber. — Anfang» wollte sich Hilmar der wachsenden Neigung für Anna erwehren, schließlich ergab er sich darein wie ein nach- lernet Mensch in die Wirkung eines feurigen Weine».
reckenhafte Erscheinung mit ihrer edlen Männlichkeit und dem ganzen bestrickenden Zauber einer aus dem Herzen geborenen Liebenswürdigkeit wieder vor die Augen malt. Wir sehen ihn wieder, „unfern Fritz", der im Feldzuge gegen Dänemark sich die Sporen verdiente und in der Schlacht bei Königgrätz die Entscheidung im rechten Moment herbetführte, der den Wahn der französischen „Unbesiegbarkeit" brach, indem er die ersten großen Siege bei Weißenburg und Wörth errang, der die völlige Einschließung des Feindes bei Sedan herbeiführle und dadurch den Schlag zu einer vernichtenden Katastrophe machte, der durch seine persönliche Lieben». Würdigkeit die Spannung zwischen den süddeutschen und norddeutschen Brüdern hob, und der in der Kaiserkrönung zu Versailles die hehre Spitze seines vermittelnden Werke« sehen durfte. Wir sehen ihn aber auch wieder als leidenden Kaiser, der in rührender Geduld auf sich nahm und in christlicher Selbstüberwindung trug, was Gott ihm auferlegte. Das Wort, das er totkrank seinem Sohne und Nachfolger sagte: .Lerne leiden ?hne zu klagen" ist ein teures Vermächtnis, das stets im deutschen Volke fortleben wird. Treu seinem Volke gehört er bis zur letzten Regung der Lebenskraft wie sein hoher Vater seiner Pflicht.
Da« Kaiser Friedrich zur Erinnerung errichtete Museum ist in den Jahren 1898 bis 1904 nach den Entwürfen des Geheimen Oberbaurat Jhne erbaut worden. Der Grundriß bildet ein spitzwinklige» Dreieck, dessen beide Seitenfassaden 150 und 100 Meter lang find und von der Spree und dem Kupfergraben begrenzt werden, während die dritte Seite von der die Museumsinsel kreuzenden Stadtbahn begrenzt wird. Die Spitze de» Gebäudes ist in Form eines Halbkreises abgerundet und als offene Säulenhalle ausgebildet, in der sich der Haupleingang befindet. Ueber ihm erhebt sich eine gewaltige Kuppel, mit Kupfer gedeckt und von einer hellen Sandsteintrommel überragt. Der Bau zeigt die Formen der italienischen Spät-Renaissance; dem Haupteingang gegenüber, zu dem zwei neue Brücken über Spree und Kupfergraben führen, erhebt sich ein Reiterstandbild Kaiser Friedrichs III.
Das Innere des Museums besteht aus langen Reihen von Sälen und Kabinetten, die durch Querflügel untereinander verbunden sind. In diesen sind die reichen Schätze der Kunst entsprechend dem Geiste des Kaisers,
Er hatte die ernsthafte Absicht, das Mädchen, das seine Liebe erwiderte, zu heiraten, und sprach sie auch aus; doch um es bald tun zu können, hätte er zunächst auf die militärische Laufbahn verzichten müssen. Das wollte er nicht; er diente zwar ohne Begeisterung, versprach sich aber vom Zivildienst nicht» Bessere».
Da« stille Familienleben der Faber, die Aufmerksamkeit, die man Hilmar erwies, ohne Gegenleistung zu fordern, die himmlische Geduld der Geliebten behagten dem trockenen Gesellen ungemein. Er kam täglich, auch nachdem der alte Faber seine Frau begraben und die kleinere, aber freundlichere Wohnung im Hause Schäfers bezogen hatte. Inzwischen schmiedete der einzige rechtmäßige Sohn des Grafen Jfflingen unbewußt am Glück des Halbbruders, indem er ebenso leidenschaftlich wie unverständig allerlei Sport trieb, wozu er von Natur nicht veranlagt war. Denn zum Kummer des kerngesunden Alten war sein legitimer Sohn der hochadeligen aber keineswegs gesunden Mutter nachgeraten. Er hatte das strohgelbe Haar und die Stumpfnase, leider auch die dünnen Knochen und schwachen Lungen von ihr. Der Graf war schon verwitwet, als der Erbe in den Bergen verunglückte. Da erinnerte sich jener des wilden Sprößlings. Hilmar hatte in den Augen des Alten den großen Vorzug vor dem Legitimen: er war dem Papa aus dem Gesicht geschnitten, hatte da» Vogelge- sicht, die historische Adlernase der Jfflingen. Daß er kein Adler war, merkte der Graf auch, doch gab er sich die Schuld. Wie soll der arme Kerl ohne Familie und .knapp dotiert" schneidig sein.