Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
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Verteilungen auf das „ßersfelder Kreisblatt“ für das 4. Quartal 1904 werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriesträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 30. September 1904.
Der Königliche Förster Schmidt in der Königlichen Oberförsterei HerSseld—Meckbach ist von mir mit der auehülfSweisen Ausübung des Jagdschutzes in der Gemarkung F -iedewald bis -auf Weiteres beauftragt worden. 1. 6978. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.
Hersfeld, den 30. September 1904.
An Stelle des vorhinnigen Bürgermeisters Stein zu Kleinensee ist der Rittergutsbesitzer Major z. D. von Krosigk dortselbst, gewählt und am heutigen Tage eidlich verpflichtet worden. A. 3699. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Aonigliche Landratsamt.
Sprechstunde: Täglich von 9—13 Uhr an den Wochentagen vormittags.
Bekanntmachung.
Am 15. Oktober wird in dem zum Landbestellbezirke der Kaiserlichen Postagentur in Kichheim (Kr. Hersfeld) gehörigen Orte Willingshain eine Posthilfstelle eröffnet, deren Verwaltung dem Bürgermeister Dippel übertragen ist. Caffel, 1. Oktober 1904.
Kaiserliche Ober-Postdirektion. H o f f m a n n.
Nichtamtlicher Teil.
Politischer Wochenbericht.
Der Besuch des i t a l i e n i s ch e n Ministerpräsidenten Giolitti bei unserm Reichskanzler Grafen von B ü l o w hat während der Verflossenen Woche Stoff zu zahlreichen Besprechungen gegeben. Von Neuigkeitskrämern und Sensationspolitikern ist nicht unterlassen worden, allerlei konkrete Fragen als Gegenstand der Unterredung zwischen den beiden Staats- männern namhaft zu machen. Insbesondere soll dabei auch die Frage einer Intervention im russisch-japanischen Sutege erörtert worden sein. Von alledem ist kein Sterbens- wörtlein wahr. Vielmehr hat es sich ausschließlich um einen Gedankenaustausch über die allgemeine Lage gehandelt. Dieser Gedankenaustausch aber hat in allen Punkten das völlige Einvernehmen zwischen unserm Reichskanzler und seinem hochgeschätzten Gaste festgestellt, und so ergibt sich a v crfieulichcs Resultat der Hamburger Unterredungen
'W ?^" das Bewußtsein, ' daß zwischen der bestebeu" "'^ ^ '^^"'^" Politik keinerlei Divergenzen
Giolittis Stellung als Ministerpräsident ist durch den italienischen Generalstreik nicht im mindesten erschüttert worden. Vielmehr ist man in Italien allgemein der Ansicht, daß, wenn die Regierung gegenwärtig zu einer Kammerauflösung schritte, die Erbitterung über den allgemeinen Ausstand und seine Ausschreitungen die radikalen Parteien bei den Neuwahlen erheblich zusanimen- schrumpfen lassen würde. Die Wahlparole: „Gegen den sozialdemokratischen Terrorismus" würde Giolitti vorzügliche Dienste leisten. Trotzdem aber dürfte die italienische Regierung mit Rücksicht auf die Lebensinteressen der Nation von einer Kammeranslösung znr Zeit Abstand nehmen, da durch einen solchen Schritt die Erledigung der so überaus wichtigen Eisenbahn-Vorlage eine unliebsame Verzögerung erfahren würde.
Wie wenig sich Rußland durch den Krieg mit Japan in seiner sonstigen Aktionsfähigkeit gelähmt fühlt, geht wohl am besten aus der scharfen Sprache hervor, mit welcher der englisch-tibetanische Vertrag in der offiziösen Presse Rußlands kritisiert worden ist. Es heißt dort, Rußland könne und dürfe den Vertrag nicht anerkennen, der die mala fides und Ungeniertheit der englischen Regierung bezeuge. Diese Worte deuten zweisel- los auf das Bestreben einer russischen Gegenaktion hin. Wann und wie dieselbe aber einfetzen wird, hängt wohl in erster Linie von dem weitem Verläufe des russisch- japanischen Krieges ab. Die aus demselben vorliegenden Nachrichten der jüngsten Zeit sind äußerst dürftig und ungenau, so daß sie nicht ansreichen, um mit ihrer Hülfe ein klares Bild der gegenwärtigen Lage zu zeichnen.
Auch in Chinu hat der englisch-tibetanische Vertrag starke Verstimmung hervorgernfen. Im übrigen kommen aus dem Reiche der Mitte neuerdings wieder recht bedrohliche Meldungen über eine aufrührerische Bewegung in den Provinzen Süd-Tschili, Schantung und Honan, die sich gegen die Dynastie und die Fremden richte. Man wird kaum fehlgehen, wenn man diese Bewegung mit dem russisch-japanischen Krieg in Zusammenhang bringt. Durch die bisherigen Erfolge der Japaner ist eben das Rassen- bewußtsein des gelben Mannes wesentlich gestärkt worden und die Befürchtungen, die sich an diese Tatsache knüpfen, sind keineswegs leichter Hand abzuweisen.
Der Arieg zwischen Japan und Rußland.
Ein Telegramm General Stösse ls vom 23. September an den Kaiser meldet: „Der 4 Tage währende Sturm der Japaner ist von den heldenhaften Truppen zurückgeschlagen worden, wobei der Gegner ungeheure Be rl u ste erlitt. Vom 19. September bis um 5 Uhr früh des 23. beschoß der Feind uns heftig und unternahm Sturmangriffe gegen die nördliche und westliche Front der Festung und der vorgeschobenen Feldbefestigungen. Alle Angriffe des Feindes wurden nach einander abgeschlagen. In seine Hände fielen zwei Feldredouten beim Tempel und der Wafferleitung, die von Brisanzbomben voll- ständig unbrauchbar gemacht worden waren. Die Wasserleitung selbst haben die Japaner zerstört. Der letzte Sturm auf den Hohen Berg wurde heute früh 5 Uhr zurückgeschlagen. Dort hatte der Feind schon die Blindagen besetzt, Maschinengewehre hinaufgeschafft und beschoß uns. General Kondratenko schickte einen Leutnant mit Sappeuren und Freiwilligen unter dem Befehl eines Obersten ab, die mit Pyroxyltn gefüllte Bomben in die Blindagen warfen und sie in die Lust sprengten. Die Japaner flohen in panischem Schrecken, verfolgt von Freiwilligen des 5. Regiments unter einem Hauplinann. Die Verluste der Japaner betragen über 10000 Mann. Die Truppen kämpfen heldenhaft. Besonders ausgezeichnet hat sich das 5. Regiment."
Wie General Stössel unter dem 30. September weiter meldet, ist nach den blutigen Sturmangriffen vom 19. bis 23. September eine verhältnismäßige Stille ein»
getreten. Jetzt rückt der Feind langsam vor. Da» Bombardement der Forts und der inneren Festung dauert fo;t. Ausfälle werden oft unternommen. Die Stimmung der Truppen ist heldenmütig. Täglich kehren aus den Hospitälern Verwundete in die Front zurück.
Nach Meldungen, die in Charbin eingetroffen sind, sind alle Angriffe der Japaner auf Port Arthur vom 19. bis 26. September durch die Verteidiger der Festung abgeschlagen worden. Die Russen räumten nur einige Vorpositionen, welche in Trümmerhausen verwandelt waren. Auch konnten die Japaner dieselben nicht besetzen, weil sie dort von anderen Stellungen aus scharf beschossen werden können. Nach Angabe von Augenzeugen, welche noch während der Angriffe im August in Port Arthur waren, wurde der Kampf beiderseits mit ungewöhnlicher Erbitterung geführt. Beim Sturm auf die Pagoden-Redoute sei fast die ganze neunte japanische Division vernichtet worden, die Leichen hätten haufenweise dagelegen. Verwundete, welche nicht selbst die Front verlassen konnten, seien um» gekommen.
Aus Tschifu wird vom 6. Oktober gemeldet: Heute morgen Va3 Uhr wurde bemerkt, daß eine heftige Seeschlacht in der Nähe des hiesigen Hafens im Gange ist. Man hörte den Donner schwerer Geschütze und sah das Spiel der Scheinwerfer. Hier wird angenommen, daß das Port-Arthur-Geschwader in den Hafen von Tschifu zu entkommen sucht, jedoch von der japanischen Flotte aufgehalten wird.
Zu den Vorgängen in Deutsch-Südwest-Asrika.
Die vom Etappenkommando Okahandja am 2. d. Mts. in Berlin eingetroffene Meldung, daß die Verbindung von Otahandja infolge von Gewitterregen seit vier Tagen unterbrochen ist, erinnert, wie die Schles. Ztg. schreibt, daran, daß die von Mai bis September dauernde kalte Trockenzeit vorüber ist und die von Oktober bis April währende heiße Periode mitZenital - regen begonnen hat. Im Oktober und November wehen im Damaralande meist Westwinde; die eigentliche Regenzeit setzt erst im Dezember mit nordöstlichen Winden ein, welche die aus den tropischen Teilen des Indischen Ozeans stammenden Regenwolken vor sich hertreiben. Die Regenverteilung ist in den einzelnen Jahren äußerst ungleich; neben sehr trockenen Jahren finden sich solche mit reichlichen Niederschlägen. Während der Regenzeit regnet es fast alle Tage; die Niederschläge, die den Charakter starker Gewitterregen haben, erfolgen gewöhnlich Nachmittag« und dauern mehrere Stunden; gewaltige Wassermassen gehen dabei nieder. Die den Regen begleitenden Gewitter sind oft von großer Heftigkeit; fast kaum ein Tag der Pegenzeit vergeht ohne elektrische Erscheinungen.
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Die unter Aufbietung aller Kräfte fortgesetzte Verfolgung der flüchtigen Hereromassen beginnt jetzt, ihre Früchte zu tragen. Ohne daß e« bisher zu größeren Kämpfen gekommen wäre, ist die Widerstandskraft des Feindes als erloschen zu betrachten. Das einzige, was ihm noch gelingt, ist, daß er Zusammenstöße mit unseren Truppen vermeidet, aber auch das bringt er nur noch unter großen Opfern an Menschen und Vieh fertig. Aus dem Osten des Schutzgebietes, in das er vor feinen Verfolgern geflüchtet war, soll er sich nun wieder nach dem Westen zurückgewandt haben, so daß den Verfolgern neue Aufgaben gestellt sind. Der amtliche Bericht über die letzten Vorgänge lautet wie folgt:
General v. Trotha meldet: „Ich ging am 28. Sept. mit Estorff, Volkmann und Mühlenfel« auf Epata vor, das in eiliger Flucht Eiseb abwärts von den Herero geräumt wurde. Nach Patrouillen- und Gefangenaur- sagen sollten die Kapitäne Salatiel, TimotheuS und andere noch bei Osombo-Windimbe, einer bisher noch unbekannten Wasserstelle 13 km nordöstlich Epata, sitzen. Ich setzte sofort mit Gewalt Rachtmärschen die Verfolgung