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Bestellungen
auf das „ßersfelder Kreisblatt“ für das 4. Quartal 1904 werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postaiistalte», Landbricsträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 30. September 1904.
Der Landwirtschaftslehrer an der landwirtschaftlichen Winterschule in Fulda Herr Stuckmann wird am Donnerstag, den 6. Oktober d. I s. A b e n d S 7 Uhr in der Reinmöller'schen Gastwirtschaft in Roten- se e und am Freitag, den 7. Okt o ber d. I S. Abends 7 Vs Uhr in der Groskurth'schen Gastwirtschaft in Hattenbachje einen landwirtschaftlichen Vortrag halten und zwar in e r stgenanntem Orte über Beschaffung, Verwendung und Wirkung der künstlichen Düngemittel und in letztgenanntem Orte über die Aufzucht des Jung- vieh«.
Die Herren Bürgermeister dieser beiden Gemeinden sowie der diesen Gemeinden am nächsten gelegenen Orte wollen für rechtzeitige Veröffentlichung diese« Vorhabens in ihren Gemeinden Sorge tragen und die Gemeinde- einwohner zu diesen Vorträgen einladen.
I 7070. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Ral.
Hersfeld, den 21. September 1904.
Aus Anlaß eines Spezialfalles werden die Orts- Polizeibehörden des Kreises auf folgende Bestimmungen zur künftigen genauesten Beachtung hingewiesen.
Dunkle Stunden.
Erzählung von Gräfin Marie Luise von Wengersky. (Fortsetzung)
Zwei große Tränen fielen auf des Doktors Hand, — dann wandle sie sich ab, ihre Bewegung zu verbergen. Miene faß am Bett des Kindes und erneuerte die Umschläge. Uebermüdct von der körperlichen Anstrengung und überwältigt von dem innern Schmerz, eilte Rita für Minuten ins Nebenzimmer, um nach Fassung zu ringen. Ach, sollte die arme Rita denn niemals glücklich sein dürfen? Mußte immer wieder neuer Kummer, neues Herzeleid kommen? Diese« süße Kind so leiden zu sehen, war es nicht unerträglich? LuiSchen, die ihre ganze Freude und der Mutter Trost war — mürbe Gott sie von ihnen nehmen?
Rita war aus einen Stuhl gesunken — da trat eine liebte Gestalt mit .usgebreileten Armen ihr entgegen: Helene von Hörtel!
„Meine arme, liebe RitaI" rief sie zärtlich, aber diese wich entsetzt zurück.
„Komm mir nicht nach — weißt du denn, was Luischen fehlt?" rief sie in Tränen ausbrechend.
„Ich weiß alles, mein armes Kind, und komme, dir zu helfen!" Sie schloß die sich Sträubende in ihre ■ünne. „Du kannst nicht alles allein, ich weiß, es ist zu schwer für dich I"
«®ie soll ich dir je danken, Lenchen?" schluchzte Rita, „aber die Krankheit ist so ansteckend.
I. Rotz d er Pferde.
Nach § 36 der B. R. Instruktion vom 27. Juni 1895 hat die Polizeibehörde von jedem ersten Seuchen- ausbruche in einer Ortschaft, sowie von demBerlaufe und von dem Erlöschen der Seuche dem Generalkommando desjenigen Armeekorps, in dessen Bezirk der Seuchenort liegt, sofort schriftliche Mitteilung zu machen. Befindet sich an dem Seuchenort eine Garnison, so ist die Mitteilung dem Gouverneur, Kommandanten oder Garnison- ältesten zu machen. (§ 44 des R. V. S. Ges.)
II Influenza de r Pferde.
(Brustseuche, Pferdestaupe, Skalma.)
In einem Erlaß vom 15. Dezember 1899 hat der Herr Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten angeordnet, daß die beamteten Tierärzte und die Orts- poliz-ibehörden von jedem ihnen bekannt gewordenen Ausbruche und von dem Erlöschen der Influenza dem Kreiülandrate Anzeige machen.
I. 6772. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz,
Geheimer Regierungs Rat.
Der Prüfungstermin für die Lehrlinge des Zimmer- Handwerke« aus den Kreisen Hersfeld und Hünfeld findet D i e n st a g , d e n 2 5. O k t o b e r d. I«. in der Wohnung bezw. Zimmerplatz des Unterzeichneten statt.
Die Anmeldung der Lehrlinge hat bis zum 10. Oktober cc. zu erfolgen.
Hersfeld, den 26. September 1904.
Der Vorsitzende des Prüfungsausschusses: Georg L ä m m e r z a h l, Zimmermeister.
* * ♦
Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 27. September 1904.
I. I. 6962. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz,
Geheimer RegierungS Rat.
Nichtamtlicher Teil.
Deutsche Aabel.
Zwei deutsche Kabelprojekte gehen der Verwirklichung entgegen. Zunächst handelt es sich um den Kadelbetrieb auf der Strecke Konstantza-Konstantinopel durch die schon
„Ja, meine Rita, ich kenne keine Furcht vor Ansteckung, du weißt, ich habe niemanden zu Haus, die Kinder sind in der Pension, mein Platz ist an deiner Seite, denn Freundschaft soll nicht nur in Worten, sondern in der Tat bestehen."
Ach, wie manches Verhältnis läuft unter dem Namen „Freundschaft" durch die Welt, das viel richtiger eine andere Bezeichnung an seiner Stirn trüge. Bei den meisten sogenannten Freundschaften ist es lediglich der natürliche Mensch in uns, welcher liebt, d. h das Seine sucht, sein Wohlbefinden, seine Unterhaltung, seinen Vorteil, und deshalb pflegt eine solche Freundschaft auch aufzuhören, sobald der eine oder der andere Teil nicht mehr seine Rechnung bei ihr findet. Die w a h r e Freundschaft ober sucht nicht das ihre, sondern daö, wa« des andern ist. Nur d i e Freundichast, die etwas vom Geiste Christi hat, verdient den Namen „Freundschaft", sie ist dem Wechsel auch nicht unterworfen, sondern ist bleibend, wie alle«, was auf den ewigen Felsen sich gründet und mit Kräften von oben sich nährt.
LuiSchen« Krankheit nahm einen raschen Verlauf; am Abend des zweiten Tages litt das arme Kind furchtbar: dieses Leid Stunde um Stunde mit anzusehen, griff der armen Rita an« Herz. Sie, die sonst immer stark und gefaßt war, konnte e« kaum ertragen, und es war gut, daß Frau v. Hörtel da war, um sie immer zu stützen und aufzurichten; aber stets erscholl die heisere Stimme des Kindes: „Tante Ritchen, geh nicht fort, Tante Ritchen, bleib bei mir I" und lächelnd trat Rita dann
im Jahre 1899 gegründete „Osteuropäische Telegraphen- Gesellschast." Fünf Jahre sind erforderlich gewesen, um die Verhandlungen, nachdem die Konzession bereits er- teilt war, zum Abschluß zu bringen, so daß jetzt der Ausführung dieses Planes nichts mehr im Wege steht. Das Kabel wird, so schreibt die „Magdeb. Ztg.", das letzte.Glied einer über Bukarest und Konstantza gehenden direkten telegraphischen Verbindung zwischen Berlin und Konstantinopel, deren hoher Wert offen zu Tage liegt. Rumänien hat sein Interesse an dem neuen Kabel durch Gewährung einer Subvention und die Verpflichtung, in dreißig Jahren keinem andern Unternehmer die Legung eines Kabel« zwischen Rumänien und der Türkei zu gestatten, bekundet. Hoffentlich ist da« Kabel aber nicht nur ein Schlußglied, sondern auch der Anfang für einen bis an den Persischen Golf reichenden Telegraphen. Das zweite Kabelprojekt ist die von der kürzlich begründeten deutsch-niederländischen Telegraphen-Gesell- schaft auszuführende Linie von der niederländischen Insel Menado nach der deutschen Südseeinsel Dop und von dort einerseits nach Guam zum Anschluß an das amerikanische Pacifickabel und nach Schanghai andrerseits. Durch diese Linien wird eine Verbindung über Nordamerika mit Niederländisch-Jnvien, den deutschen Südseekolonien und Ostasien, besonder« auch mit Kiautschou erreicht. E« wird der Zukunft Vorbehalten bleiben, auch das fehlende Mittelstack vom Persischen Golf über den Indischen Ozean durch die Sundastraße zu bauen. Dann würde mit Hülfe Amerikas ein von England unabhängiger Ring um den Erdball vorhanden sein.
Der Krieg zwischen Japan und Rußland.
Seit der Besetzung von Jentai, dem Schlußakt der Kämpfe bei Liaujang, haben die Japaner im Zentrum gar kein und auf dem linken Flügel nur wenig Terrain gewonnen; nur der rechte Flügel unter Kuroki hat auf seinem Umgehungsmarsch im Osten ziemlich vorgeschobene Stellungen erreicht. Im russischen Hauptquartier gelangt man infolge dieses auffällig vorsichtigen Verhaltens des Gegners immer mehr zu einer günstigen Auffassung der gegenwärtigen Kriegslage — mit welchem
ans Bett, wo sich die abgemagerten Aermchen des Kindes, das in seiner Todesangst oft kerzengerade im Bett emporschnellte, dann um ihren Hals schlangen. Wenn die Atemnot aber vorüber war, lag LuiSchen ganz still da wie ein kleiner Engel, den schon ein Hauch aus einer bessern Welt berührt hat.
„Tante Rita, ich bin sehr krank!" flüsterte die Kleine plötzlich, „muß ich sterben?"
Rita zuckte zusammen, sagte jedoch ruhig: „Der liebe Heiland kann dich schnell wieder gesund machen, wenn er will, wir bitten ihn alle darum!"
„Wenn er nun aber nicht will?" beharrte das Kind, „die Bertha und den Max hat er auch sterben lassen, ich hab's wohl gehört!'
Dicke Tränen fielen auf die weiße Decke des Kinder- bettchens.
„Du weinst ja, Tante Rita, — ist das so schrecklich, zu sterben ?"
„Ach nein, mein Liebling, Gottes Englein tragen dich dann in den Himmel!"
Da kam wieder die schreckliche Atemnot, und röchelnd meinte das Kind ersticken zu müssen. Frau von Hörtel half der Freundin getreulich, und diese eilte hinaus, ihre mächtige Bewegung auszuweinen.
Draußen auf dem Gang stand Heinrich; auch ihm wurden die Augen feucht. „Ach gnä' Fräul'n, unser LuiSchen! Kann ich mit nichts nich helfen?"
Rita lehnte an der Wand, den Kopf in den Händen verborgen und schluchzte. „O die« süße Kind so leiden zu sehen, e« ist zu schrecklich I Geh' zur gnädigen Frau,