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Nr. 111.
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1904
Bestellungen auf das „Rersfelder Km$blatt“ für das 4. Quartal 1904 werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 22. September 1904.
Es iß die Beobachtung gemacht worden, daß die von Unternehmern für Landgemeinden aufgestellten Wasser- leitungsprojekte teilweise mangelhaft ausgearbeitet waren und deswegen umgearbettet werden mußten.
Die Gemeinden, welche Wafferleitungen errichten wollen, weise ich daher darauf hin, daß es sich zur Vermeidung von Weiterungen und Kosten empfiehlt, die Verträge mit den Unternehmern über die Projektauf- stellung und Bauleitung nur nach Anhörung des zuständigen Meliorationsbauamts und mit der Maßgabe abzuschließen, daß die Auszahlung der Vergütung nur nach Begutachtung des Meliorationsbauamts zu erfolgen hat.
J. I. 6842. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 26. September 1904.
Seitens der in Washington (Amerika) ansässigen
Saatenstand um die Mitte des Monates September 1904 im Kreise Hersfeld.
Begutachtungsziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = mittet, 4 = gering, 5 ---- sehr gering. (Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirtschaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901. — I B C 9476 M. f. L. — I b 3646 M. d. I. —)
Fruchlarten
Winterweizen ... Sommerweizen . . . Winterspelz . . . , Winterroggen ... Sommerroggen . . Sommergerste. . .
Hafer......
Kartoffeln . . . .
Klee......
Luzerne.....
Wiesen I Bewässerungs i Andere . .
Durchschnittsnoten für den
der von den Vertrauensmännern
Noten
Staat
Regierungsbezirk Gaffel
1
2
3
4
5
1—2
2—3
3—4
4—5
—
—
—
—
—
—
—
—
—
—
—
—
—
—
3,5
3,1
2
1
1
4,0
3,7
2
1
1
3,9
3,8
3,4
3,1
1
4,2
4,4
1
Königliche» statistisches Bureau. B l e n k.
Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 26. September 1904.
Der Königliche Landrat Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Bekanntmachung.
Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß ich am Mittwoch jeder Woche in der Zeit vor- mittags von 8 bis 12 Uhr und nachmittags von 2 bis 6 Uhr in meinen Amtsräumen zur Erledigung von AmtSgeschäften persönlich anwesend bin.
Die Herrn Bürgermeister ersuche i», diese» gefälligst wiederholt in ihren Gemeinden bekannt machen zu lassen. Hersfeld, den 26. September 1904.
Der Königliche Katasterkontrolleur.
Schweißer, Steuer-Inspektor.
Firma M. A. Winter u. Co. werden in Deutschland Agenten gesucht für den Vertrieb einer Patentmedizin „Natürlicher GesundheitS-Hersteller." Nach den einge- zogenen Erkundigungen stellt diese Universal-Arznei im günstigen Falle nur ein unschädliches Abführmittel für hohen Preis dar, welches keineswegs das leisten kann, was die Firma verspricht. Das ganze Unternehmen läuft auf eine Ausbeutung des Deutschen Publikums durch einen amerikanischen Unternehmer hinaus.
Die Kreisbewohner werden im eigenen Interesse hierauf aufmerksam gemacht.
I. I. 6885. * Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierung- Rat.
Hersfeld, den 24. September 1904.
Die Räude unter der Schafheerde in Lautenhaufen ist erloschen.
I. I. Nr. 6873. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 22. September 1904.
Die Notlausseuche unter den Schweinen des Maurers Schott in Erdmannrode ist erloschen. Bei den Schweinen des Kraft Bornemann daselbst ist die Rotlaufseuche sestgestellt.
I. I. 6835. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz,
Geheimer Regierungs Rat.
Hersfeld, den 24. September 1904.
Die unter dem Schweinebestande des Landwirts Johannes Landsiedel in Ransbach ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen.
I. I. Nr. 6834. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Nichtamtlicher Teil.
Politischer Wochenbericht.
Das rote Parlament in Bremen hat seine Verhand- lungen beendet. Wie vvrauszusehcn war, so ist es ge- kommen. Die Sozialdemokratie hat in dem Dresdener Jungbrunnen ein recht beträchtliches Haar gefunden, und deshalb verlief der diesjährige sozialdemokratische Parteitag höchst säuberlich und blieb von allen „interessanten Auseinandersetzungen" verschont Nur ein
Fall von einiger Bedeutung, die viel besprochene Affäre Schippe! nämlich, wurde vor das Forum des Parteitages gezogen. Ihre Erledigung aber glich dem Hornberger Schießen. Schippel wußte sich auch diesmal um eine unzweideutige Erklärung, wie er zu Agrarzöllen stehe, herumzuwinden und seine lange Verteidigungsrede lief im Grunde genommen aus nichts anderes als auf eine Verhöhnung der sozialdemokratischen Masse, ihrer wissenschaftlichen Unbildung und ihres mangelhaften Urteilsvermögens hinaus. Der Parteitag aber begnügte sich, ihm ein Mißtrauensvotum und eine ernste Warnung für die Zukunft zu erteilen. Der also Gemaßregelte wird trotzdem voraussichtlich in der Partei verbleiben und daselbst sein bisheriges Doppelspiel fortsetzen. Schippe! und die sozialdemokratische Partei finb eben, wie ein freisinniges Blatt treffend schrieb, einander durchaus würdig.
Im Gegensatze zu dein Bremer Parteitage diente die Generalversammlung der Internationalen Vereinigung für gesetzlichen Arb eiters ch utz , die in Basel getagt hat, wirklich dem Arbeiterwohle und der ernsthaften, praktischeu Erörterung arbeiterfreundlicher Maßnahmen. Als Hauptthemata standen der Schutz der Arbeiter, die mit Giftstoffen wie Phosphor und Blei 31t hantieren haben, und die Frauen-Nachtarbeit zur Verhandlung. Von dem großen Interesse, welches sämtliche Kulturstaaten der Frage des internationalen Arbeiterschutzes entgegenbringen, legt es Zeugnis ab, daß nicht weniger als 11 Regierungen auf dem Kongresse offiziell vertreten waren. Als Vertreter der deutschen Regierung war Ministerialdirektor Caspar vom Reichsamt des Innern anwesend. Es ist von Herzen zu wünschen, daß das hochbedeutsame Kulturwerk des Arbeiterschutzes durch die Beratungen der Baseler Versammlnng eine nachhaltige Förderung erfahren haben möge.
Vom oft asiatischen Kriegs schauplatze liegen zur Zeit nur sehr wenige und sehr dürftige Nachrichten vor. In Rußland denkt man keineswegs daran, im Winter die Operationen einzustellen, man schafft vielmehr unablässig Proviant und Wmterklcidung für die Truppen nach Ostasien. Die heldenmütige Besatzung von Port Arthur hält sich noch immer, obwohl die Japaner nenerdings wieder verdoppelte Anstrengungen machen, um in den Besitz der Festung zu gelangen. Auf dem nordmandschurischen Operationsgebiete ist es außer einer Reihe von Vvrpostengcfechtcn zu neuen Aktionen bisher nicht gekommen.
In der n 0 r d a m e r i k a n i s ch e n Präsident- s ch a s t s w a h l b e w e g u n g ist nunmehr auch der Kandidat der demokratischen Partei, Parker, mit seinen offiziellen Annahnieschrcibeu und Wahlprogramm an die Ocffentlichkeit getreten. Er bekennt sich als strikten Gegner des modernen amerikanischen Imperialismus, tritt für eine Zolltarif-Reform im freihändlcrischcn Sinne ein und will auch den Trusts schärfer aus die Finger sehen. Wie weit es ihm gelungen ist, einen Mittelweg zu finden, auf dem sich die auseinanderstrÄenden Elemente der Partei zu ge- mcinsamem Marsche gegen den Gegner vereinigen können und werden, ist schwer zu beurteilen. Für das weitere Schicksal der demokratischen Partei aber dürfte der Ausfall der bevorstehenden Präsidentschaftswahl von großer Bedeutung sein. Gesellt sich der Niederlage, welche die Partei unter der radikalen Führung Brpaus erlitten, nun auch noch eine Niederlage, unter der maßvollen, konservativ gerichteten Führung Parkers hinzu, so kann es leicht dahin kommen, daß die bisherige demokratische Pattei von politischen Neubildungen mit anderen Idealen und Forderungen abgelöst wird.
Der Generalstreik in Italien scheint trotz seines geradezu kläglichen Fiaskos dennoch anreizend wirken zu wollen. Wenigstens wird aus Spante n berichtet, daß mit dem Beginn des Oktobers die Gewerkschaften daselbst eine äh» liche Demonstration zur Erringung deS allgemeinen gleichen Wahlrechts ins Werk zu setzen beabsichtigen. Es ist dringend zu wünschen, daß die spanische Regierung dem revolutionären Vorhaben gegenüber die nötige Festigkeit und Unerschrocken- Heit bewahrt. Die sozialistische Machtprobe dürfte dann,