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ex* Fernsprecher Nr. 8. ^»
Är. 112.
Sonucrftna den 22. Schlecker
1904.
Kestellunge» auf das Hersfelder Kreisblatt für das 4. Quartal 1904 Werde» von allen kaiserlichen Postanstalten, kandbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 15. September 1904.
Der Bundesrat hat kürzlich einem Entwürfe von Bestimmungen über die Fleischbeschau und Schlachtungs- statistik die Zustimmung erteilt.
Zur Ausführung dieser Bestimmungen hat der Herr Minister der Landwirtschaft rc. vorläufig angeordnet, daß über die in jedem Kalendervierteljahr der Schlachtvieh- und Fleischbeschau sowie der Trichinenbeschau (einschl. der Finnenschau) unterstellten Tiere von den Fleisch- und Trichinenbeschauern regelmäßig Nachweise unter Verwendung getrennter Postkarten-Formulare angefertigt und bis zum 8. Tage des auf jedes KalendervierteljahrsolgendenMonats, zum 1. Male zu m 8. Oktober 1 904, an den Königlichen Kreistierarzt eingereicht werden.
Die Herren Oitsvorstände des Kreises werden veranlaßt, den Schlachtvieh- und Trichinenbeschauern unverzüglich hiervon Mitteilung zu machen mit dem Bemerken, daß ihnen die erforderlichen Postkarten-Formulare demnächst durch Bermittelung der Ortsbehörde übersandt werden und daß insbesondere noch die pünktliche Einreichung der Nachweisungen erwartet wird.
3. I. Nr. 6594. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersseld, den 16. September 1904.
Nachdem in der Kinderheilanstalt Solbad Sooden o/Werra Wintercurse — also Curse für Kinder mit ganz besonders hartnäckiger Skrofulöse, welche einer längeren intensiveren Kur bedürfen, als sie in
Die roten Schuhe.
Eine Geschichte aus alter Zeit von G. von Stark. (Fortsetzung.)
Aber auch Hans mußte erfahren, daß kein Leid auf Erden zu schwer ist, um nicht gemildert zu werden durch da« allvermögende Heilmittel: die Zeit. Sie lehrte ihn zwar nicht verwinden, aber doch entsagen, und ganz all. mählich trat auch bei ihm das Leben wieder in seine Rechte.
Zwar, geliebt hatte er es nie, das ernste, stille Mädchen, das er, dem Drängen der Eltern endlich nach- gebend, nach Jahren heimführte, und auch ihr Herz hatte ihm nie gehört. Sie waren eben beide von denen, £ e n“r einmal lieben. Aber mit der Zeit bildete sich doch ein festes Band zwischen ihnen, nicht das der Liebe die war auch in der Ehe nicht gekommen — aber u tam: °ine aufrichtige, treue Freundschaft. rÜJnx c 6 Aeneken an der Seite seiner Frau, nicht glücklich aber zufrieden, bis auch sie ihm ein starker Herr entführte: der Tod. So ward es immer einsamer um ihn. Nach und nach zog einer nach dem andern _hi"weg, die Eltern hinaus auf den Kirchhof und die Geschwister hinaus in die Welt. Nur eins war ihm geblieben, ein Tüchterlein, das seine Heimgegangene Frau ihm hinterlassen, und alle Liebe, deren H"z des gebrochenen Mannes noch fähig war, wandle sich diesem Kinde zu. J ö
einem kurzen Sommercursu« geboten werden kann — eingerichtet worden find, hat der KreiSausschuß in seiner Sitzung am 13. d. Mt«. die erforderlichen Mittel für drei Freistellen für 3 Kinder wenig bemittelter bzw. armer Eltern des Kreises Hersseld zur Verfügung gestellt.
Ausgenommen werden Knaben vom 3.—12. und Mädchen vom 3.—14. Lebensjahr.
Der I. Cursus fällt in die Zeit etwa vom 9. November bis kurz vor Weihnachten — ca. 6 Wochen — der II. CursuS in die Zeit von Anfang Januar bis Anfang März — ca. 8 Wochen.
Die Herren Bürgermeister wollen Vorstehendes alsbald auf ortsübliche Weise mit dem Hinzufügen zur öffentlichen Kenntnis bringen, daß Bewerbungen um eine der Freistellen bis spätestens den 1. Oktober anher einzusenden find.
Der Königliche Landrat Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierung« Rat.
Hersfeld, den 14. September 1904.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben mir bis zum 30. September 1904 zu berichten, wieviel:
1. Quittungskarten von Formular A (gelb)
2. „ . B (grau)
3. Quittungsformulare für Jnvaliden-Rentenempfängsr
4. „ „ AlterS-
5 „ „ Unfall- (der land- und forstwirtschaftl. BerufS-Gen.) für das Jahr 1905 voraussichtlich erforderlich sein werden.
Hierbei wird bemerkt, daß die Quittungskarte B. nur für solche freiwillige Versicherte auSzustellen ist, für welche früher noch niemals auf Grund versicherungS- Pflichtiger Tätigkeit Beitragsmarken verwendet worden sind und daß diejenigen Personen, welche einmal dem VersicherungS-Zwange unterlegen haben, Quittungskarten nach Formular A. weiter gebrauchen müssen, auch für den Fall, daß sie sich freiwillig weiter versichern wollen.
V. 759. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, __Geheimer RegierungS-Rat.
Hersfeld, den 19. September 1904.
Unter dem Schweinebestande des Adam Schott in Erdmannrode ist die Rotlaufseuche ausgebrochen.
I. 6625. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Jlsabe hatte er die Kleine genannt, zur Erinnerung an die Einstgeliebte. Stundenlang konnte er mit ihr spielen, ihr Geschichten erzählen oder draußen im Garten mit ihr plaudern. Und Klein-Jlsabe liebte den letzter» sehr. Kein schöneres Glück gab es für sie, als dort unter den allen Bäumen zu spielen, wo im Sommer die weißen Lilien blühten.
Hans Arneken hatte nach dem Tode des Bürgermeisters den Garten desselben angekauft; denn seinem noch immer an der alten Liebe hängenden Herzen war der Gedanke unerträglich, man könne irgend etwas ver» ändern, an dem Lieblingsplätzchen Jlsabe«. So wie sie es einst geliebt und verlassen, sollte alle« bleiben, und, ob ihn auch die weißen Lilien belogen, sie sollten doch blühen Jahr für Jahr, wie einst.
Und wie einst saß Hans Arneken noch oft, starrte auf die leuchtenden Blumen ober blickte wehmütig und in Gedanken versunken auf den kleinen, roten Schuh. Einst traf Klein-Jlsabe den Vater darüber an. Neugierig besah sie da» zierliche Wunderwerk von Schuh und fragte ahnungslos, wem es gehöre. Aber der sonst so freundliche Vater antwortete ihr nicht, sondern hieß sie kurzweg gehen. Seitdem war der Schuh für das Kind der geheimnisvolle Gegenstand seiner Neugier.
Er war einer jener schönen, wonnigen Sommerabende, wie sie an Zartheit und Dust nur der Norden kennt. Der See lag umwoben von einem rosigen Schleier im Scheine des Abendrots, und der matte,
Nichtamtlicher Teil.
Der Arieg zwischen Japan und Rußland.
Während in der Umgebung von Mukven die Armeen Kuropatkins und Oyamas zu neuer Schlachtentscheidung immer näher aneinander rücken, wird auch um Port Arthur wieder heftig gekämpft. Die hart bedrängten Verteidiger haben versucht, den Einschließungsring an einer Stelle zu sprengen, vermochten aber keinen Erfolg zu erzielen. Nach einer Meldung aus Tokio machten die Ruffen am Sonntag Abend einen Ausfall aus Port Arthur, um die Höhen bei Etzfefhan zurückzuerobern. Sechs Battaillone nahmen an dem heftigen Ansturm teil, wurden aber von den Japanern mit schweren Verlusten zurückgeschlagen.
Die Grausamkeit der Kriegführung tritt ganz besonders unter den Mauern von Port Arthur in die Erscheinung, wo die Japaner durch die bisherige Erfolglosigkeit ihrer opservollen Bemühungen auf das äußerste erbittert sind, die Ruffen dagegen angesichts der Größe der ihnen drohenden Gefahr zur rücksichtslosesten Kampfart abergehen. Geradezu entsetzliche Silber von den Folgen, zu welchen diese Entwicklung der Dinge geführt hat, werden in folgendem entworfen:
Aus Tschifu wird gemeldet: In einer kürzlichen Anrede an die Garnison von Port Arthur erklärte General Stöffel, es sei Widerstand bis auf den letzten Blutstropfen notwendig, da die japanischen Offiziere, wenn die Festung erobert würde, zweifellos außerstande sein würden, ihre Leute vom Massenmorde abzuhalten. Der ruffische Leutnant Prinz R a d z i w i l l, der aus Port Arthur in Tschifu ankam, erklärte, daß den 300 im Lazarett angestellten Frauen geraten wurde, fortzugehen, daß sie jedoch erwiderten, sie würden sich lieber massakrieren lassen als ihre Posten verlassen. Prinz Radziwill erzählt, daß während der Stürme in den letzten riet Tagen des August zwei Compagnien Japaner sich l in der Gewalt der Russen befanden und die weiße Flagge hißten; die Russen ignorierten diese jedoch und feuerten eine Salve nach der anderen auf die Japaner, und die im Rücken befindlichen Japaner feuerten voll Wut über die weiße Fahne auf ihre eignenLeute von hinten hinein, beide Kompagnien wurden im Kreuzfeuer vernichtet. 600 Mann wurden auf dem Fleck
leicht ins Grünliche spielende Himmel zeigte kein Wölkchen. Der Ratsherr saß in seinem Garten. Das gramdurchfurchte Antlitz des Mannes erschien heute noch schmerzbewegter als sonst. Er hatte Klein-Jlsabe mit freundlichem Ernst befohlen, ihn ungestört zu lassen. Nun saß das Kind auf den Stufen der Treppe, die durch die Pforte in der Mauer zum See hinausführte, und blickte auf die Straße.
Arneken stützte das müde Haupt in die Hand. Heute vor zehn Jahren war's, da ihn Jlsabe verlassen! Die Erinnerung packte ihn übermächtig. Auf seinen Knieen lag das Elfenbeinkästchen und darinnen der rote Schuh. Er hatte ihn lange angesehen, jetzt tat er'« nicht mehr, sein Blick umfaßte sie selbst, deren Bild ihm seine erregte Phantasie vorzauberte. Er hatte nie erfahren, welcher Art ihr Schicksal geworden, er wußte nicht, ob sie noch lebte, nur daß der Graf bald nach jenem Unglückstag mit dem kaiserlichen Heere nach Welschland gezogen und seither nicht zurückgekehrt war, hatte er vernommen.
Lange, lange saß Hans Arneken so, weltverloren und träumend. Die Stimme seine« Töchterchens schreckte ihn aus seinem Sinnen empor.
.Vater," rief das Kind von der Pforte her, .kommt schnell, draußen ist ein Knabe, der gerade solch' kleinen roten Schuh hat, wie Ihr I"
Erstaunt folgte der Ratsherr dem Ruf und trat auf die Schwelle der Pforte, dieselbe, durch welche einst