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AtOs ist« 20. Ze-iember

1904

Gestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt für daS 4. Quartal 1904 werden von allen Kaiser« lichen Postanstalten, kandbriefträaern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 14. September 1904.

Ich bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß auf Sonnabend den 8. Oktober d I., Vormittags lOVa Uhr, im Sitzungssaal des Landratsamtsgebäudes eine Kreistagssitzung anberaumt worden ist.

A. 3047. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

* *

Tagesordnung.

1. Prüfung und Feststellung der von dem Kreisausschusse revidirten und von der seitens des Kreistags in dessen Sitzung am 19. März 1904 beauftragten Kom­mission geprüften Kreiskommunalkassen-Rechnung für 1/4. 1903/4. (§ 87 der Kreisordnung vom 7. Juni 1885).

2. Wahl der bürgerlichen Mitglieder der Ersatz-Kom­mission (§ 2 pos. 6 der Deutschen Wehrordnung vom 22. November 1888) für die Kalenderjahre 1905, 1906 und 1907.

3. Begutachtung der Umgemeindung von Waldgrund­stücken zwischen dem Gutsbezirk Öbersörsterei Hersfeld und dem Gemeindebezirk Hersfeld gemäß § 2 Absatz 2 der Städteordnung.

4. Beschlußfassung über Uebernahme der Kosten der Schweine-Jmpsuug auf den Kreis.

5. Beschlußfassung über ein Gesuch der Gemeinde He­ringen um Bewilligung einer außerordentlichen Un­terstützung aus der Kreiskommuualkasse zu den Kosten

Die roten Schnh«.

Eine Geschichte aus alter Zeit von G. von Stark. (Fortsetzung.)

Man hatte sich von Tisch erhoben, und die Gäste standen in den reich aurgestatteten Gemächern des Bürgermeisters umher. Ein gedrucktes Buch, damals noch ein seltenes Stück, das der gelehrte Gastgeber jüngst von einer Reise aus Mainz mitgebracht, zog aller Augen auf sich. Bewundernd neigten sich der Ritter und Jlsabe über das seltsame Kunstwerk; Arneken stand neben seiner Braut. Es war das erste Mal in ihrem Leben, daß Jlsabe ihn von ihrer Seite hinweg wünschte; benn während des ganzen Festes war es ihr noch nicht gelungen, den Grafen unbemerkt zu sprechen und ihm ihre wichtige Mitteilung zu machen. Jede Minute war verhängnisvoll, sie wußte es und mußte doch schweigen. Da trat einer der ältern Ratsherren an Hans heran. Beide verwickelten sich in ein lebhaftes Gespräch über eine kaufmännische Angelegenheit und gingen, um weniger gestört zu sein, in ein anstoßendes Gemach. Jlsabe war mit dem Grafen allein.

Sie hob dar Haupt und, ohne seinen heißen Blick, der aus ihr ruhte, zu bemerken, stieß sie heftig mit vor Erregung bebender Stimme hervor:Herr, Euch droht Gefahr! Man hat das Haus umstellt. Ihr seid ver- loren! '

einen Augenblick starrte er sie an, als fasse er nicht, was sie sage. Dann trat er schnell aus Fenster. Draußen versperrte ein Haufe Bewaffneter die Straße,

der beabsichtigten Straßenerhöhung zwischen dein Orte Heringen und der Gewerkschaft Wintershall.

6. Wahl zweier Mitglieder für die Landwirtschaftskammer für die mit dem 1. Oktober d. Js. ausscheidenden Herren Bürgermeister a. D. Nuhn in Asbach und Gutsbesitzer Heinrich Hoßbach zu Hos Weißenborn bei Friedewald.

7. Beschlußfassung über den Beitritt des Kreises Hersseld als Mitglied zur Ruhegehaltskasse für die Kommunal- beamten des Regierungsbezirks Cassel und zur Wit­wen- und Waisenkasse für die Kommunalbeamten des Regierungsbezirks Cassel (Extra-Beilage znin Amts­blatt Nr. 12 der Königlichen Regierung zu Cassel pro 1904) behufs besserer Fürsorge für die Beamten des Kreises Hersfeld und deren Hinterbliebenen.

8. Beschlußfassung über die Stellungnahme des Kreises Hersfeld zu der in Aussicht zu nehmenden Projektbe­arbeitung bezüglich des Baues einer normalspurigen Kleinbahn von Hersfeld nach Heimboldshausen nach Maßgabe der Erörterungen des Herrn Landes- und Geheimen Baurats Stiehl in Cassel.

Hersseld, den 15. September 1904.

Nach Artikel 22 Nr. 2 der Anweisung vom 6. Juli 1900 zur Ausführung des Ergänzungssteuergefetzes hat der Gemeinde- bezw. Gutsvorstand nach Muster 1 eine Nachweisung derjenigen Einwohner des Gemeinde- (Guts-) bezirks zu führen, welche ein gemäß § 7 Absatz 1 des Gewerbesteuergtsetzes steuerfreies oder nur b e triebssteuerpflichtiges stehendes Gewerbe oder ein Gewerbe im Umherziehen betreiben.

Mit Rücksicht auf die bevorstehende Neu Veranlagung der Ergänzungssteuer für die Steuerjahre 1905, 1906 und 1907 werden die Herren Gemeinde- und Gutsvor­steher daher hierdurch angewiesen, die erwähnte Nach- weisung, welche in den nächsten Tagen von hier übersandt werden wird, alsbald zu prüfen, zu berichten und zu vervollständigen. Zu diesem Behufe sind die inzwischen eingestellten Betriebe zu streichen und die neu hinzuge­tretenen unter fortlaufenden Nummern nachzutragen. Sind bei einem in das Verzeichnis aufgenommenen Betriebe in wesentlichen Merkmalen Aenderungen ein» getreten, so ist derselbe ebenfalls unter neuer Nummer einjutragen und an der früheren Stelle unter Hinweis aus die neue Eintragung zu streichen.

er konnte ihre Lanzenspitzen trotz der sinkenden Dämmerung blitzen sehen.

Verrat!" knirschte er außer sich. Da war sie auch schon on seiner Seite.Still," flüsterte sie,noch ist es nicht zu spät, ich rette Euch! Man hat mich miß­braucht, Euch hierher zu locken, doch ich will nicht die Schuld tragen an Euerm Elend. Folget mir!"

Er sah wohl, daß jede andere Möglichkeit zur Rettung ausgeschlossen sei. Leise glitt sie ihm durch eine Reihe dunkler Stuben voran. Jetzt öffnete sie eine Hinterpforte und trat hinaus in den Garten, in dem das weiße Lilienbeet trotz der Dunkelheit wie ein bläu» lieber Streifen leuchtete. Sie sprachen kein Wort mit einander. Der Abend war sehr dunkel, und Jlsabe dachte daran, wie gut das sei, und dann wunderte sie sich plötzlich darüber, daß sie in dieser Stunde so ruhig zu denken vermochte.

Da war die Stadtmauer. Jenseits derselben zog sich die breite Fahrstraße längs dem Ufer des Sees hin. Jlsabe öffnete eine kleine Pforte und ließ den Ritter hindurch, doch sie folgte ihm nicht sogleich.

Was treibt Ihr?" fragte der Gras.

Sie drehte den Schlüssel mit Anstrengung zwei- bis dreimal in dem rostigen Schloß.Auf daß sie Mühe haben, Euch zu folgen," sprach sie ruhig, aber im nächsten Moment lies doch ein krampfartiges Zittern durch ihren Körper. Sie deutete mit der bebenden Hand zurück. Der Ritter wandle sich um. Wüstes Schreien und Rufen drang vom Hause herüber, man sah den Schein vieler Fackeln, und hastige Schritte näherten sich.

Im übrigen bemerke ich noch, daß nur die Spalten 16 und 11 der Nachweisung vom Gemeinde- bezw. Gutsvorstande auszufüllen sind.

Die Bescheinigung auf dem Titelblatts der Nachweisung ist mit neuem Datum und Unterschrist zu versehen.

In denjenigen Gemeinden und Gutsbezirken, wo die Ausstellung der fraglichen Nachweisung bisher nicht er­forderlich war, ist dieselbe nötigen Falles neu auszustellen ober Fehlanzeige zu erstatten.

Die Nachweisung ist bestimmt bis zum 26. September d. I s. wieder vorzulegen.

Der Vorsitzende der Veranlegungs-Kommission

Freiherr von Schleinitz,

I. III. 1353. Geheimer Regierungs-Rat.

Hersfeld, den 12. September 1904.

Der Landwirt Heinrich Köhler aus Asbach wurde heute als Ortsschätzer-Stellvertreter der Gemeinde Asbach eidlich verpflichtet.

I. 6536. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

Hersseld, den 13. September 1904.

Die unter den Schweinebeständen des Schmieds Malkme» und Arbeiters Wenk in Lautenhaufen ausge- brochene Rotlaufseuche ist erloschen.

I. 6533. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

Hersfeld, den 17. September 1904.

Unter dem Schweinebestande des Johannes Nuhn I. in Gersdorf ist die Schweineseuche ausgebrochen.

I. 6639. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

Nichtamtlicher Teil.

^orijSantenlärm.

Unter williger Beihülfe der französischen Nationalisten- presse ist während der letzten Tage in englischen Blättern ein wahrer Hexensabbalh von Verleumdungen gegen

Eilt, Herr," rief Jlsabe,man verfolgt Euch!" Hastig schritten sie über die Straße. Nur noch ein kleine» Stück sumpfigen Wiesengeländes trennte sie von dem See, an dessen mit Schilf bewachsenem Ufer ein Nachen lag. Aber der schlüpfrige Moorboden gab unter Jlsabes eilenden Tritten nach, mit einem leichten Schrei fühlte sie sich versinken. Er riß sie empor und zog sie zu der Stelle, wo der Nachen lag. Mit zitternden Fingern lösten ihre Hände das Schloß, dann drängte sie ihn in das Boot.

«Es ist kein anderer Kahn in der Nähe, sie können Euch nicht sogleich folgen", sprach sie,in einer Stunde könnt Ihr jenseits des Sees bei Eurer Burg landen. Und nun Gott mit Euch! Fahret wohl!"

Und Ihr", fragte er hastig,was wird Euer Schick­sal sein?"

«Sorget nicht um mich", entgegnete sie ruhig,ich verberge mich weiter herunter am Ufer des Sees zwischen Schilf und Weiden. Später komme ich unbe­merkt ins Haus zurück; man wird mich über der Auf­regung nicht vermißt haben." Sie reichte ihm, während sie dies sprach, hastig die Hand und wollte gehen da kam plötzlich ein Ausschrei unsagbaren Schreckens über ihre Lippen, sie brach am Ufer zusammen.

Jlsabe! Herrin! Was ist Euch?" rief er, der eigenen Not nicht achtend, und beugte sich zu ihr nieder!

Mein Schuh! Mein roter Schuh! Er blieb im Sumpf stecken! Hört Ihr, sie kommen, sie rütteln schon an der Pforte, sie werden ihn finden und mich daran erkennen! O nimmer, nimmer werden sie vec-