Erscheint wöchentlich drei Mal DienStag, Donnerstag und Sonnabend.
Abonncmentsprcis vierteljährlich 1 Mark 40 Psg. excl. Postaufschlag.
Die JnsertionSgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
HeMer Neisblatt.
Gratisbeilagen: „Jllustrirtes Sonntagsblatt" und „Jllustrirte Landwirtschaftliche Beilage",
«r Fernsprecher Nr. 8. -53t
Sr. M.
Iomerßag Kn 1. Schlecker
IM.
Amtlicher Teil.
Bekanntmackuna.
Die Zinrscheine Reihe III Nr. 1 bis 20 zu den Schuldverschreibungen der preußischen konsolidierten 3 x/2 normale 4prozen- tigen Staatsanleihe von 1 8 85 über die Zinsen für die Zeit vom 1. Oktober 1904 bis 30. September 1914 nebst den ErneuerungSscheinen für die folgende Reihe werden vom 1. September 1904 ab von der Kontrolle der Staatspapiere in Berlin 8. W. 68, Oranienstraße 92/94, werktäglich von 9 Uhr Vormittag» bis 1 Uhr Nachmittags, mit Ausnahme der drei letzten Geschäftslage jedes Monats, ausgereicht werden.
Die Zinsscheine sind entweder bei der Kontrolle der StaalSpapiere am Schalter in Empfang zu nehmen oder durch die Regierungshauptkassen sowie in Frankfurt a/M. durch die Kreiskasse zu beziehen. Wer die Ztnsscheine bei der Kontrolle der Staatspapiere zu empfangen wünscht, hat persönlich oder durch einen Beauftragten die zur Abhebung der neuen Reihe berechtigenden ErneuerungS- scheine (Zinsschein-Anweisungen) der genannten Kontrolle mit einem Verzeichnisse zu übergeben, zu welchem Formulare ebenda und in Hamburg bei dem Kaiserlichen Postamte Nr. 1 unentgeltlich zu haben sind. Genügt dem Einreicher eine nummerierte MarkealsEmpfangsbescheinigung, so ist das Verzeichnis einfach, wünscht er eine ausdrückliche Bescheinigung, so ist es doppelt vorzulegen. Die Marke oder Empfangsbescheinigung ist bei der Ausreichung der neuen Zinsscheine zurückzugeben.
Durch die Post sind die Erneuerungsscheine an die Kontrolle der StaalSpapiere nicht einzusenden, da diese sich in bezug auf die ZinsscheinauSreichung mit den Inhabern der Scheine nicht in Schriftwechsel einlassen kann.
Wer die Zinsscheine durch eine der obengenannten Provinzialkaffen beziehen will, hat dieser Kasse die Er- neuerungsscheine mit einem doppelten Verzeichnisse ein« zuretchen. Das eine Verzeichnis wird, mit einer Empfangsbescheinigung versehen, sogleich zurückgegeben und ist bei Aushändigung der Zinsscheine wieder ab» zuliefern. Formulare zu diesem Verzeichnisse sind bei den Provinzialkaffen und den von den Königlichen Regierungen in den Amtsblättern zu bezeichnenden sonstigen Kassen unentgeltlich zu haben.
Der Einreichung der Schuldverschreibungen bedarf e« zur Erlangung der neuen Zinrscheine nur dann, wenn die Erneuerungsscheine abhanden gekommen find; in diesem Falle sind die Schuldverschreibungen an die Kontrolle der StaalSpapiere oder an eine der genannten Provinzialkasse« mittels besonderer Eingabe einzureichen. Berlin, den 20. August 1904. I. 1668.
Hauptverwaltung der Staatsschulden, gez. Zwicker.
* * *
Cassel, den 25. August 1904.
Die vorstehende Bekanntmachung wird hierdurch mit dem Bemerken veröffentlicht, daß die darin bezeichneten Formulare von der hiesigen Regierungshauptkaffe und den Kreiskassen unseres Bezirks verabfolgt werden.
K. 1781. Königliche Regierung, gez. Mejer.
Hersfeld, den 24. August 1904.
Der Landwirt Heinrich Walper aus Obergeis ist zum Bürgermeister der Gemeinde Obergei» gewählt und am heutigen Tage eidlich verpflichtet worden.
A. 3238. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 26. August 1904.
Der Landwirt Heinrich L s tz aus Kruspi» ist am heutigen Tage zum Bürgermeister der Gemeinde KruSpiS eidlich verpflichtet worden.
A. 3254. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Nichtamtlicher Teil.
Seban.
2. September.
Als vor nunmehr 34 Jahren die Kunde von der Gefangennahme Kaiser Napoleons und feiner Armee durch die deutschen Lande flog, da war der erste Ruf, der mit elementarer Gewalt aus dem Herzen des deutschen Volke» erscholl: „Nun wird und muß Deutschland endlich einig sein!" Da» deutsche Volk sah am 2. September mit der Niederwerfung de« Angreifer? die Herstellung des
deutschen Nationalstaates als entschieden an. Auch Kaiser Wilhelm der Große und sein Kanzler, Fürst BiSmarck, haben es übereinstimmend abgelehnt, Sedan zu feiern als den Tag des unvergleichlichen Triumphes über den Erbfeind; sie haben den nationalen Festtag des 2. September stets nur gewürdigt als die Feier des Tages, wo die GeburtSstunde de» neuen deutschen Reiches geschlagen hat. Auf die Feier des Sedantage» verzichten, hieße der stolzen Genugtuung über die Einheit des deutschen Volkes, über das Bestehen des Reiches entsagen.
Wir bedürfen noch immer der Sedanstimmung, der Mahnungen des 2. September. Dem heutigen Geschlecht fehlt zum Teil die lebendige Erinnerung an die Zeit der deutschen Ohnmacht und Zerrissenheit; sie betrachtet die nationalen Errungenschaften, die wir in dem Ehrentage von Sedan feiern, als etwas Selbstverständliche», da» uns niemals genommen werden könne. Indem die Erinnerung an die Zeit vor Sedan allmählich verblaßt, wächst die im deutschen Nationalcharakter wurzelnde Neigung zur innern Zerfahrenheit und Zerklüftung. Die darin liegende Gefahr wird nicht mehr gebührend gewürdigt. Dem Heranwachsenden Geschlechte scheint auch vielfach jener tatenkräftige Idealismus abhanden zu kommen, der das einige deutsche Reich hat erstehen lassen. Wie viele Epigonen stehen jenseits der patriotischen Gefühle und der nationalen Gedanken, mit denen da» deutsche Volk über ein Menschenalter den Tag von Sedan begangen hat!
Es ist deshalb die Pflicht der Vaterlandsfreunde, das Vermächtnis der großen Zeit von 1870 sorgsam zu hüten und zu pflegen. Inmitten des Mißvergnügens und der Mißstimmung, die in Deutschland da» Zeichen der Gegenwart zu werden scheint, tut es wahrlich wohl, die Erinnerung an einen der ruhmreichsten Tage der Geschichte des deutschen Reiches, an den Sedantag, empor« steigen und auf die Gemüter wirken zu lassen. Wie kein anderer nationaler Ehrentag ist der 2. September geeignet, pessimistischer Verdrossenheit zu wehren und da» Bewußtsein der nationalen Pflichten und der patriotischen Verantwortlichkeit zu wecken und zu läutern. Je mehr die Generation verschwindet, welche die Waffen für Deutschlands Einigung getragen hat, und je mehr sich damit naturgemäß die Sedanfeier loslöst von den besondern Festes-Veranstaltungen der Kämpfer der
Wer weife es?
Historischer Roman von F r. Ferd. Camborini.
(Fortsetzung.)
11. Kapitel.
De« Winter« Stürme wichen der Frühlingspracht. In seltener Schöne war er im Jahre 1816 heraufgestiegen, der holde Gölterknabe Frühling, und hatte Blütenpracht, frische» Grün, neue Lust und neues Leben, neue Kraft und neue» Hoffen gebracht. — Menschenherz, verzage nicht 1 Dies Trosteswort spendend, schritt der Frühling auch auf die Berge und Täler des Thüringer Lande».
Er hoffte auch, der Herr Polizeirat Eberhardt, ersten»: daß ihn da« jüngst geborene Söhnlein viele Vaterfreuden erleben ließ, und dann? — Dann hoffte er stark auf eine endliche Lösung des geheimnisvollen Rätsel« auf Schloß Eishausen. War es ihm doch nach vielen Mühen gelungen, sich die beiden wichtigen Personen, den Jonas und Konrad Häuser, zu willigen Werkzeugen zu machen. — Solche Ereignisse stimmen einen Menschen, namentlich zur Zeit des ersten Frühling»- uhnen«, froh und heiler. —
Die Zähigkeit de» Grafen, ihm seine Liebe, die noch auf Schloß Eiba weilende Hedwig Schmidt, dauernd zu entziehen, hatte den Konrad Häuser zu dem festen Entschluß getrieben, kein Mittel unversucht zu lassen, dem Grafen nebst seinem Geheimnis Schaden zuzufügen. Seinen Freund Jonas nach dieser Seite hin umzu-
stimmen, hatte [große Schwierigkeiten gemacht, aber die 1 jüngst — im Februar war es gewesen — gestellte „Falle" de» Grafen mit den gefälschten Briefen im Kutschkasten, dazu der niedrig bemessene Lohn, den der Graf zur Bewahrung ihrer Entdeckung gegeben, — die» hatte auch den speculativen Jonas zu der Ueberzeugung gebracht, daß die bisherige Erwerbsquelle wenig Ergiebigkeit mehr zeigte und bald zu versiegen schien. Also hieß ei: sich zu den Feinden schlagen. —
In seinem Diensizimmer saß der Polizeirat und durchstöberte eine Anzahl Briefe, die vor ihm ausgebreitet lagen. Bei dieser Beschäftigung ward er durch den Eintritt des Bureaudiener« gestört, der die Ankunft de» erwarteten Jonas meldete.
„Sofort eintreten lassen", sagte Eberhardt.
Wenige Augenblicke später betrat der Gemeldete da« Zimmer. Er sah anders aus, der ehemalige Fuhrknecht; die gräflichen Subsidien hatten ihm gestattet, einen besseren „Menschen anzuziehen."
Der Polizeirat begrüßte den Mann, der sich äußerst linkisch benahm, mit herablassender Freundlichkeit, er- suchte ihn, Platz zu nehmen, während er selbst sich zur Niederschrift eines Protokolls zurecht setzte.
„Nun, Herr Jonas", hub er an, auf das „Herr" ein besonderes Gewicht legend, „ich habe die Briefe nochmals gründlich durchgesehen und muß Ihnen sagen, daß sich meine Annahme, dieselben seien gefälscht, aller Wahrscheinlichkeit noch bestätigen wird. Doch davon später. Bevor ich Ihnen nun den Inhalt bekannt gebe, wollen Sie mir sagen, auf welche Weise Sie in den 1
Besitz der Schriftstücke gelangt sind. Sie haben beim Herrn Inspektor Fischer angegeben, Sie hätten dieselben durch den Diener Ewald Schmidt erhalten, da» bewahrheitet sich jedoch nicht. Ich empfehle Ihnen, — in Anbetracht der ganzen Sachlage ist das notwendig — sich streng an die Wahrheit zu halten; auch Ihren eigenen Interessen dienen Sie auf diese Weise am besten."
Das war nun vom Polizeirate recht hübsch gesagt, und Jona» sah da» auch ein, aber — blieb er bei der Wahrheit, so ließ es sich nicht umgehen, Dinge zu sagen und mit hineinzuziehen, die längst der Vergangenheit angehörten und die ihn selbst nicht in ein besondere« Licht stellten. Die Wahl zwischen Tun und Nichtlun fiel diese« Mal zu Gunsten de« ersteren au»; sein Aerger auf den „knickerigen" Grafen war zu groß, als daß er, um sich selbst zu schonen, die Dinge in anderem Lichte darstellen sollte.
„Gut, Herr Polizeirat", begann er, „ich will die volle Wahrheit sagen, wenngleich ich selbst dabei nicht immer gut sortkomme."
„Recht so!" ermunterte der Beamte. „Heraus denn mit der Wahrheit!"
Der ehemalige Fuhrknecht hatte eine lange Beichte abzulegen und der Herr Polizeirat hatte viele Notizen zu machen. — Die Briefe hatte Jonas aus dem Kutschkasten de« Reisewagens entnommen.
„Was hatten Sie am gräflichen Reisewagen zu suchen?" fragte Eberhardt.
„Ich entnahm demselben eine mir zugedachte Summe", lautete die Antwort.