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«r. 102. Achng K« 30. August M.
Amtlicher Teil.
Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 12. d. MlS, A. II. 9671, bringe ich hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß die Herren Minister des Innern und der öffentlichen Arbeiten durch Erlaß vom 28. Juni d. 3„ III. 6178 M. d. ö. A., II. a. 5551 M. d. I., zur Kennzeichnung der Kraftfahrzeuge für den Regierungsbezirk Liegnitz die weiteren Nummern K 2101 bis 2400 über- wiesen haben. (A. II. 10169.) Gaffel, am 30. Juli 1904.
Der RegierungS-Prästdent. (gez) I. V. Mejer.
♦ * *
Hersfeld, den 8. August 1904.
Vorstehende RegierungSverfügung wird veröffentlicht.
I. 5495. Der Königliche Landrat.
J. V.:
Braun, Kreisdeputierter.
Hersfeld, den 24. August 1904.
Die Gewerkschaft Wintershall zu Heringen an der Werra beabsichtigt aus dem Zechenplatze der Gewerkschaft, in der Gemarkung Heringen, eine
Chemische Versuchsstation nach den zur Einsicht der Beteiligten ausliegenden Zeichnungen und Beschreibungen zu erbauen.
Etwaige Einwendungen hiergegen können innerhalb 14 Tagen bei dem Unterzeichneten schriftlich in zwei Exemplaren oder zu Protokoll angebracht werden.
Ueber die etwa rechtzeitig erhobenen Einwendungen wird behufs mündlicher Erörterung Termin auf Freilas, heil 16. SeVltinber I. U
Vormittags 10 Uhr, in das Geschäftslokal des Königlichen Landratsamtes hier anberaumt.
Im Falle des Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden wird gleichwohl mit der Erörterung etwaiger Einwendungen vorgegangen werden.
A. 3227. Der Königliche Landrat.
J. V.:
Braun, Kreisdeputierter.
Wer weife es?
Historischer Roman von F r. F er d. C a m b o r i n i. (Fortsetzung.)
„Ich bitte um Angabe eines Beispiels", sagte der Graf mit der größten Seelenruhe.
Jetzt hatte sie es gefunden, das Passende: „Der Fall mit Hedwig Schmidt."
Er lächelte, — seine Züge nahmen aber sofort einen Ausdruck an, denn von draußen schallten jetzt die Worte herauf:
„Kerl, steh'! Du bist'«, der Johann Schmidt, der Frauenräuber I Halt' ihn !"
Was war das? Der Graf, sprachlos vor Erstaunen, faßte sich schnell und eilte hinab. Im Flur begegnete ihm der Diener Schmidt, bleich und verstört, der in wilder Hast, keuchenden Atem», die Haustüre hinter sich schloß.
„Rede", sagte der Graf, „ich habe alles gehört!"
Ja, das Reden gelang dem gehetzten Menschen erst nach einigen Sekunden. Stoßweise, heiser kam es endlich heraus:
»Der Jonas — und — noch einer, — die haben mich von Hildburghausen--verfolgt . . ."
»Weißt du, wer der andere war?" fragte mit bedeutsamem Blick jetzt der Graf.
Schmidt wußte nicht, sollte er ja, sollte er nein sagen; so half er sich denn mit einer Kopsbewegung, aus der man wohl hätte beide« entnehmen können.
Der Graf sah ihn scharf an. Mit seinen intimsten
Hersseld, den 25. August 1904.
Unter dem Schweinebestande des Ackermanns Adam Schmidt zu Niederaula ist die Rollaufseuche ausge- brochen.
Die unter der Herde des Schäfers Heinrich Dippel zu Raboldshausen ausgebrochen gewesene Räude ist erloschen.
Der Königliche Landrat. I. V.:
T h a m e r.
ASnigliches Landratsamt.
Sprechstunde r Täglich von 9—12 Uhr
an den Wochentagen vormittags.
Nichtamtlicher Teil.
Zu den Vorgängen in Deutjch-Südwest-Asrila.
Wieder muß einer der höchstgestellten in Südwestafrika zur Verwendung gelangten Offiziere aus Krank- Heilsgründen in die Heimat zurückkehren, gerade in einem Augenblick, wo feiner nun wichtige Aufgaben harrten.
^Okahandja, 27. August. Der Gensralstabschef Oberstleutnant Beaulieu kehrt krankheitshalber nach Deutschland zurück; er ist herzleidend. Der Major des Generalstabes Quade übernahm an seiner Stelle bereits in Owikokorero die Geschäfte.
Der Kaiser hat für die in Südwestafrika Gefallenen oder an einer Krankheit Verstorbenen neuerdings ein Gedenkblatt gestiftet, das den Hinterbliebenen durch das Oberkommando der Schutztrupps sofort nach Bekanntwer- den des betreffenden Todesfalles zugestellt wird. Das Blatt zeigt den geflügelten Reiter St. Georg, dessen Linke einen Lorbeerkranz auf Fahnen, Pauken, Trommeln, Kürassier-Harnisch und Helm niederhält und trägt folgende Inschrift: Gedenkblatt für ... . (folgt Charge, Name, GeburtS- und Sterbetag des Betreffenden). Er starb für Kaiser und Reich. Ehre seinem Andenken.". Unten links befindet sich die Photographie des Gefallenen oder Verstorbenen in Tropenuniform, und zu Füßen des
Dienern halte er wirklich Malheur, bei diesem da Analoge« dem Verhängnis des verstorbenen Squarre. „Nun", sagte er bedeutungsvoll, „ich weiß es!" —
Langsam stieg der Graf die Treppe wieder hinauf. Hatte er doch jetzt gewonnenes Spiel. Der Ruf, den auch die Gräfin gehört hatte, mußte doch feine Bedeutung haben; ihm war dieselbe klar; der Dame mußte sie nur klar gemacht werden, um sie zu überzeugen, daß ihr „kleiner Wunsch" nicht erfüllt werden konnte. Als Sieger ging er wieder aus dem Streite hervor.
10. Kapitel.
...... Das Jahr 1815 neigte sich feinem Ende zu. Eine Veränderung von nennenswerter Bedeutung innerhalb des Schlosses, das nach wie vor fein Geheimnis bewahrte, war nicht eingetreten. Der Gesundheitszustand der Gräfin hatte sich um ein geringes gebessert, dann wieder verschlechtert; im Laufe der letzten Monats jedoch war eine langsame aber progressive Abnahme der Kräfte zu beobachten. Dem Grunde dieser Erscheinung nachzuspüren fand man keine Veranlassung. Wer sollte dies tun ? — Der Graf verweigerte energisch die Hinzuziehung eines Arzte».
Es ist ferner erwähnenswert, daß die Witwe Squarre sich häufig in einem geradezu trostlosen Zustande besand. Die strenge Klausur, die ihr nicht gestattete das Haus zu verlassen, hatte ihre untere Extremitäten gänzlich unfähig zum Gehen gemacht; nur mit Hülse von Krücken konnte sie sich fortbewegen, und auch das nur pertoden-
Blattes finden sich die Worte: Entworfen von Sr. Majestät dem Kaiser und König Wilhelm II. Ausgesertigt in Berlin, 15. August 1904, von Seiten des Oberkommandos Ohnesorg, Oberstleutnant. Daneben ist der blaue Dienststempel des Oberkommandos der Schutztruppe angebracht. Das Ganze befindet sich in einem schwarzen Holzrahmen.
Ueber die Haltung der Ovambo wird der „Köln. Ztg." geschrieben : Nach einem Brief des rheinischen Missionars Wulfhorst an seine Gesellschaft, der schon vom 1. März datiert, sollen die Herero offenbar schon seit Monaten die Häuptlinge des OvambolandeS bearbeitet haben. Bei dem Stamm der DDafuairjtnmr, der Karte nach auf portugiesischem Gebiet gelegen, sei neben andern besonders der Sohn des verstorbenen Walerberger Häuptlings Kambasembi, Winfried, ein entlassener Schulmeister, „mit Briefen erschienen; so erzählte wenigstens der Oberhäuptling Uejulu (Ojulu) dem Missionar Wulfhorst. Er habe sie aber abgewiesen, sie jedoch gut bewirtet, wofür sie ihm zum Dank noch zwei Pferde und einen Maulesel gestohlen hätten. Mehr Glück hatten die Abgesandten in Ondonga, besonders bei dem Unterhäuptling Nechale, dem Bruder des eigentlichen Häuptlings Kambonde, der dann bekanntlich auch gegen die Deutschen zog, oder, wie Uejulu sagte, „bie Deutschen ohne Grund geärgert habe', bei Namutoni aber die bekannte gehörige Schlappe erlitt. Der Schrecken darüber in Ondonga sei groß gewesen; aber auch in Ovankuan- jama habe man ordentlich Achtung vor den Deutschen bekommen, und man ließ dem Missionar sagen, er solle nur den Deutschen schreiben, sie, die Ovakuanjama, hätten nichts mit Nechale zu tun. In einem späteren von Ende Mai datierten Brief schreibt Missionar Wulfhorst : Die Unruhen im Hereroland haben uns bisher nicht berührt. Hier (bei den Ovakuanjama) ist alles still. Nechale dagegen, der Nebenhäuptling von Ondonga, hat unserm heidnischen Oberhäuptling Uejulu Vieh gestohlen und da wird er wohl wieder stehlen. Ich habe ihm abgeraten; aber da ist wenig zu machen. Unsere Leute haben eine leidliche Ernte gehabt und ernten noch zur Zeit. Der Hunger ist also jetzt vorüber.' Auch ein Brief vom 9. Juni weiß noch nichts von Unruhen bei den Ovakuanjama.
weise. Auch eine ernstliche Krankheit hatte die brave Dienerin zu überstehen gehabt: im März beS laufenden Jahres machten sich asthmatische Beschwerden geltend, die ihr große» LengstlichkeitSgefühl bereiteten. Hierbei wiederholte sich dieselbe Erscheinung wie bei ihrem Gatten: sie wollte eine Beichte oblegen. Auch jetzt ließ sich Graf Vavel nicht erweichen. — Johanne Squarre erholte sich wieder und das ganze Vorkommnis fiel bald der Vergessenheit anheim.
Bevor wir in den Gang unserer Erzählung wieder eintreten, seien noch folgende Punkte zur Kenntnis gebracht:
Schmidt, der Frauenräuber, war in den ersten Tagen des verflossenen Jahres nach Amerika auSgewandert — so sagt man. Wie auf dem Schlosse alle» seinen besonderen Gang ging, so war dieser Intimus der Grafen eines Tages auf rätselhafte Weise verschwunden, denn der Angabe, er sei ausgewandert, schenkte man wenig Glauben. Der aber, welcher an seine Stelle getreten, hieß unverändert „Schmidt", wenngleich auch nicht Johann, so doch Ewald Schmidt; er wurde von Simon, dem Botengänger, als sein ältester Bruder aus Böhmen bezeichnet.
So lief der geheimnisvolle Wagen im alten Geleise.
Ferner der Herr Polizeirat Eberhardt war trotz des Widerspruchs des Grafen glücklicher Ebemann, Cbristiane seine überglückliche Gattin geworden. Vavel de Versay soll fürchterlich getobt haben, als er Kenntnis von der Sache erhalten hatte. „Das geht ja gor nicht, geht ja nicht I" hatte er, sich den Kopf haltend, immer oliege»