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weil sie einige russische Kriegsschiffe im Hafen von Kiautschou ausgenommen und hier entwaffnet hat. Die gegenseitigen Behauptungen sind denn auch bald verstummt.

Wie lange der Krieg in Ostasien dauern, wem schließ­lich der Sieg zufallen wird, darüber können nur unsichere Vermutungen angestellt werden. Wenn es aber in der auswärtigen Politik überhaupt etwas Sicheres gibt, so ist es die Zuversicht, daß Deutschland der Friede und sein Einfluß erhalten bleiben werden, ganz gleich welche Wendung die Ereignisse in Ostasien nehmen.

Zu den Vorgänaea in Deuisch-Südwest-Asrila.

Ueber die neuen umfassenden Operationen gegen die nach Südosten ausweichenden H e r e r o meldet General von T rot ha in einer gestern nachmittag in Berlin eingegangenen Depesche folgendes:

Heyde mit Estorff vereinigt und steht unter dessen Befehl. Fiedler mit Kompagnie Welk und der zweiten Batterie bildet Mililärstation Waterberg. B r ock- dorff unter Fiedler deckt mit 60 Mann der ehemaligen Besatzung von Outjo Naidaus, W i n k l e r mit 50 Mann, ein Geschütz wird von Otjosondu nach Epukiro ausbrechen, sobald Spitze Deimling Otjosondu erreicht. Heyde- breck rückt mit 5. Kompagnie Regiments 2 und neu aufgestellter Artillerie auf Epukiro, um sich Herero vor- zulegen. Estorff folgt Feind, östlich umfassend, Mühlen- f rl 6 frontal, Deimling westlich umfaffend.

O w i k o k o r e r o , 25. August. Das Hauptquartier ist hier eingetroffen und hält sich zu sofortigem Ab­marsch nach Osten bereit, sobald sämtliche Abteilungen ihre Verpflegung wieder voll ergänzt haben. Starke feindliche Kräfte sind in der Gegend von Otjikongo und östlich davon als im Abzüge befindlich festgestellt. Das Detachement Winkler wurde in Otjosondu durch die 6. Kompagnie der 2. Feld-Regiments und durch eine halbe Batterie verstärkt. Größere Aufklärungsabteilungen sind am Feinde.

Der Arieg zwischen Japan und Rußland.

Die in Schanghai eingelaufenen russischen Kriegs­schiffe werden tatsächlich desarmiert: das ist die Be­freiung aus einer schwierigen Situation, die zeitweilig auch die neutralen Mächte in Mitleidenschaft zu ziehen drohte. Die Anweisung dazu ist von Kaiser Nikolaus direkt ergangen.

Eine in der Nacht aufgegebene Depesche aus Schanghai besagt, Admiral von Reitzenstein habe vom Zaren direkten telegraphischen Befehl erhalten, d e n A s k o l d" und denG r o s o w o i" unverzüglich zu desarmieren. Bereits um 7 Uhr abends ist demgemäß auf beiden Schiffn die russische Marineflagge niedergeholt worden. Die vom Warwupu erteilte Erlaubnrs zur Verlängerung der AusenIbaltS- und Reparaturfrist für die russischen Schiffe bis Sonnabend mittag erledigt sich somit, ebenso wie der vom japanischen Konsul beim Taotai eingelegte Protest dagegen.

S h a n g h a i, 24. August. Trotz der zuversichtlichen Sprache des tapferen Generals Stoffel wird hier die Lage betreffs Port Arthurs für sehr ernst gehalten. Die permanenten Forts der Ostfront sind nunmehr seit dem 11. August unter ständigem Feuer. Die japanischen Batterien find seit diesem Tage auf den Tachuschan- Hügeln, die am 10. August als letzte vorgeschobene Position verloren gingen. Man erwartet den japanischen Sturmangriff auf die OstfortS schon für die nächsten Tage. Der russische Verlust seit Beginn des August beträgt 6000 Mann, also über ein Fünftel der Garnison. Das charakterisiert mehr, als viele Worte das tapfere Verhalten der Verteidiger, die nur Schritt für Schritt das Vorgelände Preisgaben.

Endlich hört man etwas Tatsächliches über den Ver­bleib eines der russischen Linienschiffe, die am 10. b. Mts. aus dem Hafen von Port Arthur ausgebrochen sind. Die Meldung enthält aber zugleich eine neue Unglücks­botschaft für die Russen; denn der betreffende Panzer hat eine schwere Beschädigung erlitten.

Nach einer Depesche aus Tokio ist das russische SchlachtschiffSewastopol" gestern aus Port Arthur ausgelaufen und aus eine Mine ge­stoßen. E» legte sich stark aus die Steuerbordseite und wurde im Schlepptau in den Hafen bugsiert. Man nimmt an, daß die russische Flotte, schwer bedrängt durch die fortwährende Beschießung, einen neuen ver­zweifelten Ausfall gemacht hat.

Die japanischen Kreuzer Niski und Kasuga haben die Forts westlich vom goldenen Flügel bombardiert und die dortigen Geschütze zum Schweigen gebracht.

Aus Port Arthur wird berichtet, das ver­gangene Nacht ausgebrochene Unwetter habe die fchwimmenden Minen größtenteils zer­stört. Es herrscht große Gefahr für die Schiffahrt.

Der Zar hat den General S t ä s s e l, den Kom­mandanten von Port Arthur, zu seinem Flügeladjutanten ernannt.

Tokio, 25. August. Zwei russische Torpedoboots­zerstörer stießen Mittwoch abend beim Eingang zum Hafen von Port Arthur aus Minen; der größere von beiden, der 4 Schornsteine hatte, sank; über die Namen der Schiffe und Verluste an Menschenleben ist nicht« bekannt.

Petersburg, 25. August. Wie der Statt- Halter Alexejew dem Kaiser unter dem gestrigen Datum

meldet, ist folgender Bericht des Generalleutnants Stoffel aus Port Arthur vom 19. August eingegangen: Heute früh 4Va Uhr begannen die Japaner den Uglowaja- Berg zu stürmen und eröffneten ein heftiges Bombar­dement aus die Befestigungen der Nordfront und eines Teiles der Ostfront aus ihren Batterien auf den Wolfs­bergen. Gegenüber Siuschina und im ganzen Tale des Lunho führen die Japaner Laufgräben auf.

Petersburg, 25. August. Die Meldung von der Räumung Liaojangs seitens der Ruffen wird hier als unwahr bezeichnet.

Politische Nachrichten.

Berlin, 26. August.

Aus Altengrabow wird vom 25. August ge­meldet: Se. Majestät der Kaiser in der Uniform der Leibgardehusaren stieg um 7 Uhr Morgens zu Pferde und begrüßte die hier versammelten 10 Kavallerie­regimenter, nämlich Garde du Corps, Garde-Kürassiere, 1. und 2. Garde.Dragoner, 1. Garde-Ulanen, Ulanen- regiment von Treffenfeld, 2. BadischeS Dragoner­regiment, 10. und 12. Husarenregiment und die sächsischen KarabinierS, im ganzen 48 Eskadrons. Die Regimenter führten zunächst, in zwei Teile geteilt, Angriffe gegen einander aus. Sodann übernahm Se. Majestät das Kommando über die ganze Kavalleriedivision und kom­mandierte einen zweimaligen Angriff gegen einen markierten Feind, welchen der Generaladjutant General­leutnant von Scholl befehligte; hierbei wurde die Kavalleriedivision von den reitenden Abteilungen des ersten und dritten Garde Feldartillerieregiments und den Garde-Maschinengewehrabteilungen begleitet. Se. Majestät nahm nach beendeter Uebung den Vorbeimarsch der Regimenter ab und nahm dann am Frühstück im Osfizierkasino teil.

Der Kronprinz hat sich nach Beeskow begeben zur Teilnahme an den demnächst in dortiger Gegend be­ginnenden Manövern des Gardekorps.

Nach denHamb. Nachr." sollen bereits Aeußerungen der Einzel-Regierungen zu der vom Reichsamt des Innern ausgearbeiteten Denkschrift über die W i t w e n - und Waisen-Versicherung der Arbeiter an der Zentralstelle eingegangen sein. Die Vorver­handlungen werden jedoch noch geraume Zeit in An­spruch nehmen, ehe an die Ausstellung eines Gesetz- entwurss herangetreten werden kann.

Die 11 000 Morgen große Herrsch 6 ftCzeszewo imKreiseWreschen, zu welcher sehr große, wert­volle Waldungen gehören, ist durch Verkauf in den Be­sitz des Staates übergegangen. Der Kaufpreis beträgt etwas über drei Millionen Mark. Von einem polnischen Vermittler großer Güter und Herrschaften waren den Vorbesitzern der Herrschaft CzeSzewo, den von Kramstaschen Erben, noch etwa 100 000 Mark mehr ge­boten worden. Die v. Kramstaschen Erben verkauften aber an den Staat. Bravo!

Zur einheitlichen Regelung des fakultativen Latein - Unterrichts an Oberrealschulen hat der Kultusminister bestimmt, daß dazu in jedem einzelnen Falle die Erlaubnis des Provinzial-SchulkollegiumS ein- zuholen ist. Diese wird nur unter Widerruf und be­stimmten Bedingungen erteilt. Insbesondere muß dem Unterricht der Charakter eines unter der verantwortlichen Leitung des Direktors stehenden, besonders zu vergüten­den Privatunterrichts gewahrt bleiben. Er ist auf die drei obersten Jahrgänge (Obersekunda, Unter- und Ober­prima) zu beschränken und in drei gesonderten Ab­teilungen mit je zwei Wochenstunden zu erteilen. Be­freiung von obligatorischen Lehrfächern zu Gunsten des Lateinischen ist ausgeschlossen. Für die Versetzung und die Zeugnisse soll das Lateinische nicht in Betracht kommen. Alle Kosten stnd von den teilnehmenden Schülern zu tragen.

Seitens des Generalkommandos des 3. bayer­ischen Armeekorps wurden weitgehende Maß­nahmen getroffen, um bei Durchführung der M a n ö v e r dem in einem Teil der Oberpfalz infolge Waffer- und Futtermangels herrschenden Notstände Rechnung zu tragen. Wegen etwaiger Verlegung einzelner Manöver in andere Gegenden soll nach den M. N- N. Mitteilung erfolgen, sobald eine bezügliche Verfügung getroffen ist.

Die deutsch-schweizerischen Handel»- vertrags-Verhandlungen sind in Luzern wieder ausgenommen worden.

Der Kaiser von Rußland hat anläßlich der T a u f e des Großfürsten-Thronfolgers einen um­fassenden Gnaden-Erlaß herausgegeben und zahlreiche Auszeichnungen verliehen. Das Geschenk des deutschen Kaisers zur Taufe des russischen Thronfolgers besteht in einem aus massivem Golde getriebenen Pokal, der in römischem Stile gehalten ist. Aus der Vorderseite des Pokal« befindet sich ein zu diesem Zwecke besonder» ge­prägtes Zweimarkstück aus Gold mit dem Bildnis des Kaisers. Auf der Rückseite steht das Datum des Tages nach unserm und dem griechischen Kalender.

In Christiania ist die deutsch-norwegische Staatsbahnen-Frachtkonferenz zusammen­getreten.

Die Genfer Polizei hat einen neugegründeten Anarchistenklub, entdeckt, der die Bezeichnung Club Anarchist« Germinal" führt.

Aus Prittlilij und AnDarzetiet.

* Die W 0 rmser Luther-Denk mal-Stis, tung vergibt in diesem Jahre an zehn Kandidaten bet evangelischen Theologie deutscher Nationalität, welch; ihre Prüfung bereits mit Auszeichnung bestanden haben, Stipendien auf ein Jahr im Betrage von je 870 M., damit sie die theologischen Studien noch ein weiteres Jahr aus einer deutschen Universität zur Erlangn^ eines höheren Grades wissenschaftlicher Ausbildung fort, fetzen können. Die Bewerber haben ihre Gesuche big spätestens 1. September d. Js. an die Verwaltung kommission der Luther-Denkmal-Stiftung zu Händen bet Vorsitzenden Dr. Goldbeck in Worms einzureichen. Dj, Benutzung des Stipendiums kann nach Belieben innerhalb der nächsten drei Jahre im Zeitraum vom 1. Oktober 1904 bis 1. Oktober 1907 stattfinden.

* (Personal-Chronik.) Ernannt: der außer, ordentliche Professor an der Universität Heidelberg Dr. Ludolph Brauer zum außerordentlichen Professor in bet medizinischen Fakultät der Universität Marburg, der Königliche Oberförster Friedrichs in Melsungen M ForstamtSanwalt. Bestellt: der Arzt Dr. Stöltzinz, in H e r » f e l d zum KreiSassistentenarzt mit dem Wohnst, in H 0 m b e r g. Versetzt: der Landesbauinspektor Roh»!, welcher vom 1. Oktober d. Js. ab die AmtSbezeichnuez Kreisbauinspektor führen wird, von Rendsburg naj Schmalkalden unter Uebertragung der Kreisbauinspektoo stelle daselbst. Verliehen: dem ehemaligen Pächter bet fiskalischen Logierhäuser des Bades Nenndorf, 6rnü Munzel in Nenndorf, der Charakter als Kommissionsrat.

* Die Zentralstelle der preußischen Landwirtschaftskammern gibt aus Grund bet amtlich bekanntgegebenen Anbauflächen für die diesjährig! Ernte Preußens an Körnerfrüchten nachstehende vorläufige Schätzung. Die Zentralstelle bemerkt dazu, daß positive Erdruschresultate in der Schätzung nur sehr wenig berücksichtigt werden konnten. Die Anbauflächen verstehe« sich in Hektar, die Ernte ist in Tonnen angegeben. Die in Klammern eingeschlossenen Zahlen sind die ensprech. enden des Vorjahres. Winterweizeu Anbaufläche 1039 879' (870 317) Ertrag pro Hektar in Tonnen 1,93 (2,02) Ernte 2 200 965 (1 759 952). Sommerweizen Anbau- fläche 95 671 (172 225), Ertrag pro Hektar 1,85 (2,30), Ernte 176 991 (396 751). Winterroggen 4 589 642 (4 501 837), Ertrag pro Hektar 1,55 (1,61), Ernte 7 113 945 (7 236 328). Sommerroggen 60 618 (75 581), Ertrag pro Hektar 0,91 (102), Ernte 55 042 (7 7 337). Scmmergerste 870 359 (917 104), Ertrag pro Hektar 1,66 (2,00), Ernte 1 444 630 (1 833 557). Hafer 2 733 990 (2 815 351), Ertrag pro Hektar 1,61 (1,84), Ernte 4 401 724 (5 172 140).

* Seitens der Hauptverwaltung der Staatsschulden wird zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die Aus- zahlung der Zinsen von im Staatsschuldbuch eingetragenen Forderungen bei denKöniglichen Kreiskassen, den gleichgestellten Steuer- und Zollämtern sowie be. ; den Reichsbank Nebenstellen in Zukunft bereits am 24, des der Fälligkeit der Zinsen vorangehenden Monats beginnt. Dieselbe Bekanntmachung ergeht seitens bet Reichsschuldenverwaltung in bezug auf bie Spezialkassen der einzelnen Bundesstaaten und bei Reichslandes Elsaß Lothringen sowie die Reichsbank- Nebenstellen.

):( Hersfeld, 26. August. Nachdem der Bahndamm der Nebenbahn H e r s f e l d - T r e y s a bis Niederaula größtenteils fertig gestellt ist, arbeitet man seit einiger Zeit vor dem Peterstor eifrig an der Ein­mündung der neuen Bahn in den Bahnhof Hersseld. Hierbei kommt der Weg zwischen dem Ratondeschen An­wesen und der Frankfurter Strecke ganz in Wegsall. Gleichzeitig wird das Flußbett der Fulda an der Eisenbahnbrücke bedeutend verbreitert. Du hier gewonnenen Erbmassen werden mittelst einer Feld­bahn, welche auf einer Balkenbrücke über die Fulda führt, an den neuen Bahndamm herangebracht und hier verwendet.

(:) Hersfeld, 25. August. (Schöffengericht.) Wegen Hausfriedensbruch erhielt ein fremder Schlosser, geselle 1 Woche Gefängnis. Ein hiesiger Einwohner wurde wegen Beamtenbeleidigung zu einer Geldstrafe von 30 Mk. verurteilt. Zwei jugendliche Fabrik­arbeiter kamen wegen Diebstahl mit einem Verweis da- von. Ein schon vielfach vorbestrafter Einwohner au« I einem benachbarten Dorfe wurde wegen Bedrohung 1^ ' Hausfriedensbruch mit 2 Monaten Gefängnis und wG groben Unfugs mit 3 Tagen Haft bestraft.

-e- Hersfeld, 24. August. (H e r b st e s a h n ev) Da» Stoppelfeld bildet jetzt die Signatur draußen. $ ist der Vorbote der melancholischen Jahreszeit. Es hat an und für sich fchon ein trübes Aussehen. Ein ab' geerntetes Feld ist das Zeichen vergangener Herrlichkeit und Fülle. Die erste Leere starrt uns da in der Naiuk entgegen. Dazu gesellt sich die beginnende Färbn»» und das Abfallen einzelner Blätter. Man merkt, mit sind schon einen merklichen Schritt wieder abwärts Der Herbst ist nicht mehr weit, sondern blickt uns ent« gegen. Jetzt beginnt das Angesicht der Natur ernster zu werden. Das sanguinische Temperament bes Früh' lingS, das cholerische des Sommers ist dem melancholische» Temperament des ruhigen Herbstes gewichen. Besonders in der Vogelwelt zeigt sich die Herbstesahnung. Die Zugvögel sammeln sich zu Schwärmen und machen ibre Flugübungen im großen Stile, um sich und besonders die Jungen zur großen Reise vorzubereiten. Auch der Mensch ist klug, der sich die ernsten Mahnungen des