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X3T Fernsprecher Nr 8. ^j
St; 100.
Smtrfliii Heil 25. AM
1904.
Amtlicher Teil.
Betanntmachung.
Laut Kaiserlicher Verordnung vom 24. V. Mts. R. G. Bl. S. 325 treten einzelne Bestimmungen des neuen Reblaus-Reichsgesetzes vom 6. v. Mts. bereits am 1. September d. I. in Kraft.
Hierbei kommt für die am Weinbau und am Rebhandel beteiligte Bevölkerung besonders in Betracht, daß vom 1. k. Mts. ab nicht nur die Einführung, sondern auch die Ausführung von Wurzel- und Blindreben — abgesehen von den im Gesetz vorgesehenen, besonderer Genehmigung unterliegenden Ansnahmefällen — über die Grenzen eines Weinbaubezirks durchweg verboten ist, und daß vom gleichen Zeitpunkt ab die mit Reben oder Rebteilcn Handel treibenden Personen die im § 5 des Gesetzes vorgeschriebenen Bücher zu führen haben.
Ich mache die beteiligten Kreise hieraus unter Hinweis auf die Straf-Vorschriften der §§ 9 bis 11 des Gesetzes aufmerksam.
Cassel, den 15. August 1904.
Der Ober-Präsident, gez.: von Windheim.
Gefundene Gegenstände:
Eine silberne Cylinderuhr mit Kette und eine Rohr- peitsche. Meldung der Eigentümer bei dem Ort»- vorstand zu Asbach.
Nichtamtlicher Teil.
Der Krieg zwischen Japan und Rußland.
In Port Arthur werden die Verteidiger von Tag zu Tag härter bedrängt. Der Aufenthalt im Hafen, der von den japanischen Batterien unter Feuer gehalten wird, scheint für die russischen Schiffe, soweit sie überhaupt noch dahin zurückkehren konnten, jetzt enb« gültig unmöglich geworden zu sein; ein neuer, verzweifelter Ausbruchsversuch wird angekündigt.
Wie Kus Petersburg gemeldet wird, versuchten in der Nacht zum Sonntag japanische Torpedoboote in den
Wer weife es?
Historischer Roman von F r. F e r d. C a m b o r i n i. (Fortsetzung.)
Dieser merkwürdige Ausspruch, was war aus ihm zu entnehmen? überlegte Frau ©quarre. Es war immer gesagt worden, daß sie selbst ihr „Geheimnis" nicht kennt; diese Worte aber zeigten doch deutlich an, daß sie die Wichtigkeit desselben für sich und den Grafen genau kannte, und ferner: daß die Dame jenen Mann, der allzeit neben ihr wie ihr Diener aufgetreten war, ihren Herrn nennt, war doch auffallend. Aber, sagte sich die grübelnde Frau: kann nicht diese Abhängigkeit«- bezeichnung nur eine Redeform sein?
Die Unterhaltung sowohl wie das grüblerische Sinnen der Köchin wurde durch den Eintritt des Grafen unterbrochen. Er prallte einen Schritt zurück, als er das entschleierte Gesicht sah, zwang sich aber, um nicht aufzufallen, zu einem conventionellen Lächeln........
«Der Teufel soll den Kerl mit seinem Schleichen holen!" murmelte Schmidt, als er, aus des Grasen Zimmer kommend, die Treppe herabschritt. „Weiß der Kuckuck, wo er d a » nun wieder erfahren hat? — Na, mußte klein beigeben, sonst schützt er mich nicht, und wer weiß, ob sie mich nicht doch noch beim Kragen fassen I
Da dachte ich, hier kannst du in dem versteckten Winkel ruhig beint Tage beschließen, — und nun kommt'» am Ende ganz ander«! Für da« Mädel ist'« ja kein Schade: kann nun 'mal ’ne französische Prinzessin spielen! Aber wa« sag' ich der Mutter--?"
Jnnenhafen von Port Arthur einzudringen, doch wurden sie durch heftige« Feuer von den Batterien der Landbefestigungen daran verhindert. General Stössel befahl indessen den noch anwesenden russischen Kriegsschiffen, in Anbetracht der dringenden Gefahr den Hafen zu verlassen. Man erwartet daher in Petersburg baldigst die Nachricht von einem neuen großen Seekamps vor Port Arthur.
Wie ferner aus Tschifu gemeldet wird, haben die Japaner am Sonntag von 6 Uhr morgens bis 1 Uhr nachmittag» Port Arthur heftig beschossen. Die russischen Batterien brachten die japanischen zum Schweigen. Die japanische Flotte ist in die hohe See gegangen.
Der große Bedarf an Offizieren, der sich im russischen Feldheere heraurgestellt hat, veranlaßte bereits die Einberufung aller Reserveoffiziere zum aktiven Dienst. Wie aus Petersburg gemeldet wird, sind durch Tage«, beseht des Zaren vom gestrigen Tage 2039 Junker zu Offizieren befördert worden.
Nach einer Meldung aus Petersburg wird der Zar Anfang September die konischen Kosaken und in Warschau die Artillerie-Abteilungen besichtigen, die nach Ostasien abgehen.
Neue große Erregung ruft in England da« Anhalten des britischen Handelsdampfers „Comedian" durch ein russische» Schiff in den südafrikanischen Gewässern hervor. Seltsamerweise scheint er dem englischen Kapitän, der übrigens von der Belästigung sehr bald wieder befreit wurde, nicht gelungen zu sein, den Namen und Charakter des Russen festzustellen. War es ein Schiff der Freiwilligen-Flotte, so verstieße sein Vorgehen entschieden gegen die Zusicherungen, welche die Peter», bürget Regierung in betreff dieser Fahrzeuge kürzlich abgegeben hat; ganz anders läge der Fall, wenn es sich um einen der neu angekauften Kreuzer handelte, die unbestritten der russischen Kriegsflotte angehören.
Zu den Vorgängen in Deutsch-Südwest-Afrika.
Berlin, 22 August. Dem Lokalanzeiger wird aus Okawimimbika gemeldet: Hauptmann Franke nahm am 20. d. M. einige Herero« gefangen, die aus- fagten, bei Bamakari hätten Mamboleute gegen Deutsche gefochten. Die Häuptlinge Mutate und Banjo seien
Der Grübelnde wurde durch ©quarre, der ihm die Rechte leise auf die Schulter legte, aus seinen Träumen aufgeschreckt:
„Die Sonne bringt es an den Tag", sagte der Alte lispelnd. „So bei dir, so bei mir, und so auch bei ihm I"
9. Kapitel.
„Hat man doch seine Last — hat man", rapportierte Herr Heun seinem Vorgesetzten, dem Polizeiinspektor Hannibal Fischer. „Ich habe den Burschen, den Konrad Häuser gestern erwischt — habe ich. Da war ich denn sehr freundlich mit ihm — war ich . . ."
„Mensch!" unterbrach ihn der Inspektor. „Reden Sie doch etwa« zusammenhängend."
„Befehl, Herr Inspektor, ich werde zusammenhängend reden — werde ich. Also freundlich habe ich mich — wie Sie mir auch anbefohlen haben — mit Konrad Häuser unterhalten. Da habe ich so manche« erfahren — habe ich . . . ."
„Zunächst die Hauptsache", fiel der Inspektor ein. „Hat er Ihnen sagen können, ob die Christiane feine Schwester ist, feine richtige Schwester?' — Da« wollten wir doch vor allen Dingen gern wissen."
„Nein!" platzte Heun heraus. „Darüber habe ich ihn gar nicht gefragt — habe ich."
„Heupferd 1" murmelte der Vorgesetzte, aber so leise, daß der Untergebene offenbar etwas anderes verstanden hatte, denn er nahm, die Hand an dem Mützenschirm, dienstliche Stellung ein.
gefallen. Ein Teil der Herero», auch Samuel sei süd- östlich nachOtjikongo gegangen. Mühlenfelsnahm am 19. b. M. bie Wasserstelle Erindi- Endela mit vielem Vieh nach kurzem Kampf. Die Gefechtakraft des Feinde« scheint gebrochen. Da« Detachement Winkle r stieß vor einigen Tagen nördlich von Oljosonder auf sehr überlegene Hererohaufen und brächte ihnen zahlreiche Verluste bei. Alle Abteilungen folgen dem Feinde zur. Umfassung der Flanke. Das Hauptquartier geht zunächst nach Owiko- korero.
Berlin, 22. August. General von Trotha meldet: Feind ist mit st a r k e n T e i l « n auf Rückmarsch über Linie Omeihei—Okahitua—Okosongo (am Omuramba—u—Omataku) nach Südosten aufOtjekongo— Otjomaso. Estorff folgt von Ombujo — Ratanga; MühlenfelS, der am 19. Vley Erindi—Endela nördlich Okosongoho nahm, über Orutjiwa. Deimling geht in zwei Kolonnen über Otjire und Otjtkururume auf Owiko- korero, um Feind den Weg nach Westen zu verlegen. Hauptmann Heydebreck verhindert mit 5. Kompagnie 2. Regiments Ausweichen des Gegner« auf Epukiro. Winkler brächte bei Otjekongo feindlichen Banden Verluste bei und erbeutete zahlreiche« Vieh, hedt Eta^pertransport Otjofondu. Nach Gefangenenaussage am 11. Großleute Banjo und Mutate gefallen. Bei Gefecht von Mühlen- fel« am 19. hatten Herero» erhebliche Verluste. Hauptquartier 21. Otjire.
Ueber einen Unglück» fall auf der Eisenbahn von Swakopmund nach Windhuk, der fich im Tale des Khan-FlusseS zugetragen hat, meldet ein amtlicher Bericht folgendes:
Am 9. d. M. erfolgte am Khan-Flusse ein Eisenbahn- zusammenstoß zwischen einer Lokomotive und bergherab- rollenden leeren Wagen, wodurch Lokomotivführer Wilhelm Dieckmann, geb. 29. August 1873 in Soest, und Heizer Hermann Klein, geb. 20. März 1880, getötet wurden. Beide sind in Swakopmund begraben worden.
M inttrnalionaleu SiMtröuptfi.
Wer noch daran gezweifelt hat, daß die Sozialdemokratie keine friedliche Reformpartei ist, sondern eine revolutionäre Partei, die die bestehende Ordnung in Staat und Kirche gewaltsam über den Haufen werfen will, dessen Zweifel werden schwinden, nachdem er die Berichte über den inter-
„Nun 'mal 'raus mit der Sprache", knarrte jetzt die Stimme des Inspektor», „was haben Sie denn erfahren ?'
„Ich habe erfahren — habe ich", begann Heun wieder, „von dem Konrad habe ich'« erfahren, daß die Tochter der Schmidt'« auf Schloß Eiba bei Rudolstadt verborgen gehalten wird, und daß sie jetzt eine französische Prinzessin ist, und daß der Konrad ihr Bräutigam ist, und daß . . "
„Herrgott! Und daß . . . und das . . .! Das ist zum rasend werden!"
„Ist'« auch, Herr Inspektor. Und daß er dem Konrad Geld angeboten hat . . ."
„Wer?"
„Der Herr Graf; er solle nach Amerika auswandern. Aber da« will er nicht. Er will die Hedwig milhaben, und das gehl nicht, weil sie eine französische Prinzessin ist. Später, wenn sie keine mehr ist, dann könne er sie mitnehmen, dann wolle e r aber nicht."
„Haben Sie denn gar nicht wegen der Christiane gefragt?"
„Darüber wußte er nicht«. Soweit er zurückdenken könne, sei die Christiane mit ihm zusammengewesen. Ihre Mutter sei eine alle Frau, ob sie noch lebe, wisse er nicht, auf der Schwäbischen Alp; in einem einsamen Bauernhause sei er groß geworden, — da habe» auch die gräflichen Herrschaften gewohnt . . ."
„Wie lange?"
„Da» wußte er nicht. Aber nicht ganz lange sei'« gewesen. Dann seien sie hierher verzogen . . ."