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Kernsprecher Nr. 8. -g«
St. 96.
Sitnfioo In 16. WM
1901
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 12. August 1904.
Die Interessenten setze ich davon in Kenntnis, daß am 21. April d. I. in Gegenwart des Konkursverwalters und eines Mitglieder des Gläubiger-Ausschusses die Abhaltung des Schlußtermine» der seinerzeit in Konkurs geratenen HagelversicherungSgesellschaft a. G. Germania in Berlin stattgefunden, daraufhin das Konkurs- gericht am selben Tage das Konkursverfahren ausgehoben und die Aufhebung öffentlich bekannt gemacht hat.
In der Bekanntmachung ist herrorgehoben, daß die Rückzahlung des nicht verbrauchten Teiles der von den Mitgliedern eingezogenen Nachschüsse durch den Verwalter außerhalb des gerichtlichen Verfahrens erfolgen und daß letzterer über die Ausführung der Rückzahlung feiner Zeit einen schriftlichen Bericht zur Einsicht der Beteiligten auf der GerichtSschreiberei niederlegen werde.
I l. 5648. Der Königliche Landrat.
J. V.:
Braun, Kreisdeputierter.
Hersseld, den 10. August 1904.
Durch Erlaß des Herrn Ministers für Handel und Gewerbe vom 12. v, Mt«. Nr. 111a 5929 ist die Vorschrift unter Ziffer III der Anweisung vom 15. April 1896 zur Ausführung der Bestimmungen des Bundesrats über den Betrieb von Bäckereien und Conditoreien — (R-G.-Bl. S. 55,) Amtsblatt 1896 Seite 117 u. ff. — wonach die Ort-polizeibehörden eine Liste der re» vidierten Betriebe zu führen haben, mit Rücksicht auf die Vorschrift unter Ziffer 257 der Ausführungsan- Weisung zur Gewerbeordnung vom 1. Mai 1904 aufgehoben worden.
J. I. 5595. Der Königliche Landrat.
I. V.:
Braun, Kreisdeputierter.
Hersfeld, den 10. August 1904.
Die unter dem Schweinebestande des Schlossermeisters Becker in Vacha, des Gutsbesitzers H. Roß zu Neukirchen, Kreis Ziegenhain, ausgebrochen gewesene Rotlaufseuche, sowie die unter den Schafen zu Hatterode — Kreis
Wer weife es?
Historischer Roman von F r. Ferd. Camborini. (Fortsetzung.)
„Nun?" fragte gespannt Kuhnert.
„Da erfuhr ich denn zweierlei, erstens: der Jona» ist — vor dem letzten Geschehnis war es — mit dem Konrad Häuser im „Kleinen Holz" zusammengetroffen, da hätten die beiden miteinander gesprochen, was aber, davon wußte die Schlasmütze nichts zu erzählen. Es sei keine freundliche und keine lange Unterhaltung gewesen; und zweitens: Heun sah den Burschen, nachdem ich ihm die Weisung bes Auskundschaften» gegeben hatte, mit dem Jona» in traulichem Gespräch den Hildburg- häuser Kamp passieren. Jona« hatte den Polizisten, der aus ihn fahndete, nicht erblickt, wurde erst durch den Burschen darauf aufmerksam gemacht, daß Gefahr drohe — und war wie vom Erdboden verschwunden." „Ein ganz unheimlicher Geselle", warf der Pfarrer ein. „Run da» Seltsamste: Heun forschte den Burschen aus. Dabei erfuhr er, daß Jona» nicht der Täter sei . . ."
.Da» heißt", sagte Kuhnert, .so gab Konrad an." „Jawohl. — Erwischen könne man den Jona« nicht, denn der sei sicher; der habe auch Mittel, und wenn er wolle, könne er nach Amerika auswandern . . . Weshalb er jetzt so gut Freund sei und früher dem JonaS feindlich gesinnt war, diese Frage beantworte Konrad, indem er Heun eine Nase drehte. Ob er denn nicht mehr auf dem Schlosse bedienstet sei, fragte Heun weiter . . . ."
Ziegenhain — aurgebrochen gewesene Räudekrankheit ist erloschen.
Der Königliche Landrat.
J. V.:
Braun, Kreisdeputierter.
Nichtamtlicher Teil.
Der Krieg zwischen Japan und Rußland.
Immer mehr muß sich der Eindruck verstärken, daß das kühne Unternehmen des Port-Arthur-Geschwader» in der Hauptsache mißglückt ist. Auf russischer Seite hüllt man sich über den Ausgang des Kampfes mit der Flotte des Admirals Togo in vollständiges Schweigen. E« verlautet nur, daß Admiral Withöft, unter dessen Befehl der Ausfall vollführt wurde, während der Seeschlacht getötet worden sei. Auch Admiral Togo berichtet allerdings über die wichtigen Vorgänge der letzten Tage nur mit großer Zurückhaltung; aber nicht« berechtigt bis jetzt zu der Annahme, daß es einem namhaften Teile der russischen Flotte gelungen sein könnte, sich vor dem gefürchteten Gegner in Sicherheit zu bringen.
Der Bericht des Admiral» Togo ist außerordentlich vorsichtig abgesaßt und verzichtet mit voller Absicht auf die sonst übliche Bestimmtheit der Ausdrücke. Es ergibt sich daraus, daß der japanische Flottenführer selbst keine Gewißheit über das Schicksal der feindlichen Schiffe erlangt hat.
i o ti s , 13. August. Amtliche Mitteilung. Admiral Togo meldet, da» russische Geschwader nahm, nachdem es Port Arthur am 10. August verlassen hatte, einen südlichen Kur». Unsere vereinigte Flotte griff die russischen Schiffe 25 Seemeilen südöstlich von Port Arthur an und versolgte sie in östlicher Richtung. Ein scharfe» Gefecht entspann sich von 1 Uhr nach, mittag» bis Sonnenuntergang. Der Feind erlitt anscheinend schweren Verlust, und späterhin ließ sein Feuer bedeutend nach, während seine Schlachtlinie vollständig in Unordnung geriet. .Askold", „Nowik", „Zäsarewitsch", „Palladcr" und
„Ich denke" fiel der Pfarrer ein, „Heun habe die Bewachung der Postsendungen des Grafen zu besorgen?’
„Seit etwa anderthalb Monaten nicht mehr", ent- gegnete Eberhardt. „Der Bruder des Johann Schmidt, der Schuster Simon Schmidt aus Hildburghausen ist eingestellt worden. Konrad Häuser, sowie auch das Mädchen der Schmidt'schen Eheleute, — — übrigens scheint die gar nicht mehr auf dem Schlosse zu sein, sagt Heun — sind beS Abholens der Postsachen sowie sämtlicher Botengänge enthoben. — Die vorhin erwähnte Frage beantwortete Konrad sehr zweideutig. Er sagte etwa, er wäre wohl noch auf dem Schlosse, weil die Eltern der Hedwig noch dort seien, aber wenn man ihn einsperren, ihm da» Verlassen des Schlosses verbieten wollte, nähme er Reisau». Der Graf möge sich nur hüten, er habe ihm jetzt einen Possen gespielt, ihn fürchterlich geärgert, und wenn'S ihm in den Kopf käme, kniffe er aus und ginge zum JonaS."
.Da werde ein anderer darau» gescheut", sagte kopfschüttelnd Kuhnert. „Der Junge verdankt doch alles, was er ist und hat, dem Grafen!"
.Lassen Sie uns bei diesem Punkte beginnen", nahm Eberhardt seine Erzählung wieder auf. „Die Sinnes- änderung Konrads hat doch einen gewissen Grund; das ist doch sonnenklar. Vernommen werden soll nach des Grafen Wunsche der Bursche nicht, — mithin weiß b e r etwa», durch dessen Bekanntgabe dem gräflichen Geheimnis Schaden erwachsen kann. Den JonaS kann ich nicht erwischen. Mittel soll er haben. Wenn man nun annimmt, der Graf hat ihm diese Mittel zuflteßen
einige Torpedoboot-zerstörer flohen nach Süden zu, und der Rest ging wahrscheinlich nach einem Nachtangriff durch unsere TorpedobootS-Flottille und -Zerstörer nach Port Arthur zurück. Unsere Flotte erlitt keinen ernsthaften Schaden. Der Totalverlust an Menschenleben wird auf 170 geschätzt.
Von den nach dem deutschen Hafen von Kiaulschou geflüchteten Schiffen des russischen Geschwaders hat ein Teil wieder das offene Meer aufgesucht. Dafür find mehrere Torpedoboote neuerdings in Tfingtau ein« gelaufen.
Einer der nach Kiaulschou geflüchteten Kreuzer, wahrscheinlich der .Nowik", ist von dort entkommen, nachdem er Kohlen eingenommen hatte.
Es versteht fich von selbst, daß bei Behandlung der in Tfingtau eingelaufenen Schiffe Deutschland die allgemeine völkerrechtliche Regel respektiert, nämlich dem Schiffe einer kriegführenden Macht nur auf 24 Stunden Zuflucht zu gewähren, falls es seetüchtig ist. Sind sie beschädigt, so müßte nach dem Inhalt eine» Vertrage«, dem die Vereinigten Staaten von Amerika, England, Deutschland, sowie alle andern Staaten, vor allem aber Japan beigetreten sind, gehandelt werden. Danach setzt der neutrale Kommandant, Gouverneur usw. nach Besichtigung der Havarie den Zeitpunkt fest, bis zu dem die Seetüchtigkeit hergestellt sein kann, und überwacht die Beschleunigung der Arbeiten. Ist da« Schiff seetüchtig, dann muß e» den Hafen verlassen oder, wie auch für den Fall eines längeren als 24 ständigen Aufenthalts seitens eine« seetüchtig einlaufenden Schiffe«, abrüsten. Die abgerüsteten Schiffe werden dann von der neutralen Macht bis zur Beendigung de« Krieges interniert. Für die Wiedererlangung der Gefechtrfähig- keit wie Munitionsersatz, Ausbesserung der Panzer aber Armierung usw. ist ein neutraler Hafen nicht der Platz. Derartige Arbeiten sind nicht zu dulden. Die Einnahme von Kohlen ist lediglich in dem Umfange statthaft, daß das Schiff den nächsten Heimathafen erreichen kann, selbstverständlich unter der Voraussetzung, daß es über einen derartigen Vorrat nicht schon verfügt.
Wie die gestrigen Londoner Abendblätter aus Petersburg melden, berichten amtliche Einzelheiten über die Seeschlacht vom 10. d. Mt«., daß das Panzerschiff .Z e s a r e w i t s 4" die Linie der japanischen Schiffe durchbrach und Kiaulschou mit starker Beschädigung
lassen, um ihn nach Amerika zu expedieren. — Denken Sie denn, der Konrad kommt zu einer solchen Aeußerung so ohne Weitere»! Ich schließe daran», daß ein Ruhen, lassen — jetzt wenigstens — ein Ruhenlassen der Sache ganz nach des Grafen Willen und Wunsch ist. Er zieht seinen Bannkrei« immer weiter, und mir ist ein Eindringen in denselben absolut unmöglich, da mir die Hände gebunden sind. Verstehen Sie jetzt meine Annahme, daß die von ihm gerügte .Lässigkeit" nur ein Scheinmanöver ist
Der alte Herr sann nach: .Ich kann mir da» nicht gut denken", erwiderte er nach kurzer Pause. .Obgleich — — hm! . . ."
Christiane unterbrach durch ihren Eintritt die Unterhaltung. Freudig erregt trat Eberhardt aus sie zu: „Mein Lieb, haben wir Deiner ganz vergessen?"
„Ich hatte zu tun", sagte sie schelmisch. „Die Herren werden ja bei der lebhaften Unterhaltung hungrig und durstig, und da muß ich Rat schaffen."
In ihrer natürlichen Anmut stellte sie Speise und Trank zurecht; sie selbst verschwand dann wieder. „Vorab muß es so bleiben", sagte sie lächelnd zu ihrem ge- Heimen Verlobten, „du weißt, unsere alte Hanne würde nicht schlafen können, wenn sie nicht ganz die volle Wahrheit wüßte; ahnt sie doch schon so etwas."
„Christiane", sagte der Pfarrer, als sie gehen wollte, .komm' doch in einigen Minuten, wenn du unauffällig abkommen kannst draußen, noch auf einen Augenblick herein. „Du sollst deinem Geliebten die sonderbare Geschichte erzählen, welche dir Frau Schmidt erzählt hat."