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«r. 00.
AeOz den 2. August
1004.
Bestellungen auf das Hersfelder Areisblatt für die Monate August und September werden noch von allen Postanstalten, Landbriefträgern und der Expedition angenommen.
Amtlicher Teil.
HerSfeld, den 25. Juli 1904.
Die Herren Ortsvorstände der mit Einquartierung bedachten Gemeinden des Kreises werden für die Dauer der diesjährigen Herbstübungen hiermit angewiesen, Häuser, in denen ansteckende Krankheiten herrschen oder kürzlich geherrscht haben, ebenso Brunnen und Wasser» läuft, deren Benutzung gesundheitbedenklich ist, durch Anschläge kenntlich zu machen und außerdem den Quartiermachern bekannt zu geben, damit die Belegung verseuchter Quartiere vermieden wird und der Gebrauch verdächtigen Wassers den Truppen rechtzeitig untersagt werden kann.
II. 3376. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.
Nichtamtlicher Teil.
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ist nicht als Einzelfall zu bewerten, sie bildet vielmehr ein Glied in der Kette jener Ereignisse, die die seit geraumer Zeit im Innern Rußlands gärende Revolution zeitigt. An dem politischen Charakter des neuesten Attentats läßt sich umso weniger zweifeln, als gerade der Ermordete als der Hauptrepräsentant derjenigen starr autokcatischen Richtung angesehen werden mußte, gegen die sich vornehmlich die sozialistischen, nihilistischen oder anarchistischen Bestrebungen richten. In seiner Eigenschaft als Leiter der innern Verwaltung verkörperte er das herrschende Regierungssystem; denn in noch höherem Grade als sein Vorgänger Ssipjagin, der mit ihm das gleiche Schicksal teilt, hatte sich Plehwe die Ausgabe gestellt, die innere
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Wer weife es?
Historischer Roman von F r. F e r d. 6 |a m b o r i n i (Fortsetzung.)
„Jetzt wird er Ruhe haben", lachte Eberhardt. „Er hat den fränkischen Bauerntrotz erkannt; — da läßt sich mit Gewalt nichts ausrichten. — Und sonst hat sich nichts ereignet? Hat man nichts gesehen oder erfahren?"
Dem Pfarrer entging nicht das lauernde in der Frage seines Gastes. Der ihn aber kannte, sein Wesen, sein Charakter ihm durchaus achtungs- und ehrenvoll erschienen waren, so nahm er keinen Anstand, auch das Neueste zu berichten. Ihm, dem Polizeirat, waren ja die Hände gebunden.
„Ja", antwortete er. „Christiane ist auf dem Schlosse gewesen."
Wenn vor dem Beamten aus dem lachenden Frühlingshimmel ein Blitzstrahl niedergefahren wäre, er hätte kaum erstaunter ausblicken können. „Wer? — Christiane?* fragte er.
»Mein Himmel, wundert Sie das so?" gab Kuhnert zurück. „Sie wissen doch, wie das Mädchen zum Grafen steht —!"
„Ganz recht", unterbrach hastig Eberhardt. „Sie sagten mir aber seiner Zeit, daß zwischen dem Schlosse. .
„Und den Kindern keine Verbindung vorhanden ist", ergänzte der Pfarrer. Das stimmt. Es ist der Wunsch des Grafen, daß das Mädchen nichts von seinem, des Grafen, indirektem Einflüsse erfährt. „Nun, die Visite Christianen- dort oben hatte eine eigene Veranlassung.
Verwaltung Rußlands stramm zu organisieren. Ueber die Persönlichkeit des Ermordeten schreibt die „Kreuz, zeitung" zutreffend: „Herr v. Plehwe war, wie selbst die Gegner seines Systems nicht werden bestreiten können, ein ganzer Mann und dazu ein Mann mit einem Programm, an dessen Ausführbarkeit er ehrlich glaubte und von dessen Durchführung er die Gesundung Rußlands erwartete. Er konnte diesem Ziele zuliebe hart und rücksichtslos sein, aber unzweifelhaft war er ein russischer Patriot. Die durch revolutionäre Mittel von unten her erzwungene Reform hielt er für ein Unglück, und wir glauben, daß er mit feinerUeberzeugungrechthatte; er wollte von oben her ein« Ordnung oktroyieren, bieder russischen Ration das Maß von freier Bewegung ließ, dessen er sie für fähig hielt. Nur so, glaubte er, sei wirklicher Fortschritt zu erreichen. Es ist nicht der Augenblick über das Für und Wider dieser unzweifelhaft weit angelegten Politik zu diskutieren. Kaiser Nikolaus II. verliert an ihm den Mann, auf dessen Urteil er das meiste Gewicht legte. Eine furchtbare Lücke wird sich fühlbar machen. Hoffen wir, daß sie so aus- gefüllt wird, wie es der wahre Nutzen eines Reiches verlangt, dessen Wohl und W-he auch für. Deutschland stets eine der wichtigsten politischen Jnteressenfragen iß.* Wie gesagt, ist die Ermordung Plehwes ein Symptom der Gärung in Rußland. Die Regierung hat dazu in den letzten Jahren wiederholt durch die Verhängung des kleinen Belagerungszustandes über« größere Städte sowie über ganze Gouvernements Stellung genommen. Das beweist, daß eine revolutionäre Bewegung von bisher kaum dagewesenem Umfange in Rußland in Gang gekommen ist. Die nihilistischen Bestrebungen von vordem waren aus mehr oder minder kleine Kreise beschränkt. Die Absichten der Nihilisten waren der breiten Masse des Volkes unverständlich und fanden bei dieser daher nicht nur keine Unterstützung, sondern stießen sogar auf Widerstand. Die heutigen Erscheinungen sind aus dem Grunde viel bedenklicher, weil politische FreiheitStendenzen mit starken sozialistischen eng verwickelt sind. Die ohne Zweifel ungünstige wirtschaftliche Lage der Bevölkerung Rußlands hat den Boden für die zielbewußte, sozialistische Aufwiegelung vorbereitet. Planmäßig hat hier die revolutionäre Propaganda eingesetzt und, wie zahlreiche Ereignisse der letzten Iahte" beweisen, die Massen der revolutionär gesinnten „Intelligenz" in die Arme ge-
Ich glaubte nämlich der Frau Gräfin, dem Waisenkinde, der Entführten oder wie man sie sonst nennen soll, eine Freude zu bereiten, wenn ich ihr ein Feldblumenbouquett übersendete."
„Weiter, was sah Sie?" drängte Eberhardt.
„Sie, die Gräfin, ging in der Lindenallee, nahe beim Schlosse spazieren, — verschleiert natürlich. Der Graf stand mit verschränkten Armen am Gartenzaun und hielt Wache. Als er Christiane, die einen allerliebsten Frühlingsstrauß gebunden hatte, auf die Dame zuschreiten sah, schien er ihre Absicht zu erraten. Er ging ihr entgegen, — vergessen Sie hierbei nicht, daß das Mädchen sein Schützling ist — nahm ihr den Strauß ab, fasste sie unter das Kinn--"
„Was?" rief jetzt aufspringend Eberhardt. „Unter's Kinn?"
„Aber lieber Polizeirat", scherzte der Pfarrer, „Sie sind heute in einer unerklärlich aufgeregten Stimmung. Wa» ist denn dabei! Er iß doch gewissermaßen Pflegevater, hat sich der Findelkinder in christmildtätiger Weise angenommen, er sorgt noch jetzt im Geheimen dafür — ist denn da sein Verhalten ein so absonderliches?'
„Nein, das war es gewiß nicht. Aber, der gute Pfarrer, er hatte ja keine Ahnung, was in feinem Gaste vorging. Sollte, so dachte jetzt Eberhardt, er seinen Entschluß, seine Verlobung mit Christiane nunmehr zur Kenntnis des Alten zu bringen, ausführen? Er zögerte, ließ dann aber nur einige gleichgültige Worte fallen, die seinem Verhalten zum Deckmantel dienen sollten.
trieben. Der Prozeß hat infolge dessen so breite und tiefe Schichten erfaßt, daß die Aufgabe, ihm Stillstand zu gebieten, schwieriger iß, als es die Bekämpfung der nihilistischen Bewegung je gewesen iß. Nikolaus II. ist ohne Zweifel persönlich von den besten Absichten beseelt ; seine milde Gesinnung kennt sicherlich kein höheres Ziel, als die Beseitigung von Mißständen, unter denen sein Volk leidet. Allein „Rußland ist groß und der Zar ist weit." Welche Entwicklung die Dinge in Rußland nehmen werden, ist nicht abzusehen. Jedenfalls sind Schandtaten, wie die Ermordung Plehwes am allerwenigsten geeignet, eine Besserung der Verhältnisse herbeizuführen.
Zu den Vorgänge» in Deutsch-Südwest-Afrila.
Nach einer Meldung des Generals von Trotha, die über Okahandja hierher telegraphiert wurde, ist das Hauptquartier am 27. d. Mts. von Owikokorero abmarschiert und war gestern, am 29., in Otjire. Dieser Ort liegt etwa 50 km nördlich von Owikokorero an dem Wege zum Omurambafluß, in gerader Richtung nach dem Waterberg-Plateau. — Zugleich ist der all. gemeine Vormarsch der deutschen Abteilungen gegen die Waterberg-SirKung^ äüfgetiömmen worden.
Okahandja, 30. Juli. Auch auf der Südwest- und Südseite zieht sich der Kreis um den Waterberg immer enger. Das zweite Feldregiment unter Oberst D e i m l i n g ist im Marsche über Omaruru hinaus, seine Spitze im Marsche aus Omusema Uarei. Die Abteilung F i e d l e r steht in Otjewarongo. Laut übereinstimmenden Meldungen der vorausgeschickten Patrouillen unter den Leutnants Berneck, Assiburg und Leckow hält der Feind seine alten Stellungen am Mater- berg besetzt Das Oberkommando rückt dieser Tage zur Abteilung Müller vor. — Stabsarzt Franz ist in Owikokorero am Typhus erkrankt. Gestern wurde bei Ueberbringung der Post von der Abteilung Müller zu Heyde ein Bedeckungsmann meuchlings im Dornbusch erschossen.
Mit dem 21. bezw. 26. Juli ist abermals eine Anzahl von Offizieren und Sanitätsoffizieren aus dem Heere ausgeschieden und in der Schutztruppe für Südwestafrika angestellt worden, wobei die neu ausgestellte Feld-Telegrophen-Abteilung besonder» zu berücksichtigen war, auch für die Verstärkung der Feld-
„Merkwürdig!" grübelte der Pfarrer. „Der sonst so ruhige Mensch ist heute so — so sonderbar, gar nicht so taktfest wie sonst. Was mag er nur haben?" — Die Unterhaltung stockte eine Weile, dann fuhr Kuhnert, auf Eberhards Ersuchen fort ;
„Also, wie gesagt, er nahm ihr den Strauß ab und bedankte sich im Namen der Gräfin. Mein liebes Kind, sagte er dann, sie so recht herzlich ansehend: ich freue mich zu sehen, daß Du wohl gedeihest, daß Du gut aufgehoben bist. — Es schien Christiane, als glänze eine Träne in seinem Auge. Sie bat ihn, der Gräfin die Hand küssen zu dürfen, welche» ihr auch gestattet wurde."
„Und was sagte diese?"
„Sie streichelte dem Mädchen die Wange und schlug trotz des Grafen Verbot, den Schleier zurück."
Da» Erstaunen Eberhardt» ließ ihn nicht zu Worte kommen. Kuhnert erzählte weiter:
„Ich höre noch Christianen» Worte, die sie bei ihrer Rückkunft ausrief: „Nein, ist die aber schön! Aber so traurige Augen!"
„Hat die Gräfin denn nicht gesprochen?" fragte Eberhardt.
„Nachdem sie den Schleier zurückgeschlagen, wechselte sie einen Blick mit dem Grafen, der wie ein Untergebener neben ihr stand und sagte in gebrochenem Deutsch: „Mein liebes Kind 1 Du hast mich sehr erfreut. Freude ist mir etwa» seltenes. Doch auch Du bist arm!" Dann ließ sie den Schleier wieder sinken.
«Und Christiane?“
„Sie war entlassen."
Eberhardt atmete auf. War bei diesem Vorkommnis