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Sr. 87. $i* dt« 26. Wi

1961

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 22. Juli 1904.

Die Einreichung der Nachweisung über die bei den Gewerbetreibenden gezählten Meb- und Wiegegeräte (Verfüg. vom 1. Juni er. I. Nr. 1716 Kreisbl. Nr. 66) bringe ich hiermit, soweit die Herren OrtSvorstände damit noch im Rückstände find, in Erinnerung, mit Frist bis zum 30. d. M t s. bei Vermeidung von 3 Mk. Ordnungsstrafe.

I. I. Nr. 1716. Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

HerSfeld, den 21. Juli 1904.

Am 18. Juli b. Js. ist in der Nähe von Hönebach ein Waldbrand entstanden, vermutlich durch Wegwerfen eines glimmenden CigarrenresteS.

Aus diesem Anlaß und in Anbetracht der schon längere Zeit herrschenden Trockenheit wollen die Orts­polizeibehörden des Kreises in den Gemeinden alsbald öffentlich zur Kenntnis bringen, daß nach § 44 Ziff. 2 des Feld- und Forstpolizkigefetze» vom 1. April 1880 mit Geldstrafe bis zu 50 Mk. ober mit Haft bis zu 14 Tagen bestraft wird, wer im Walde brennende oder glimmende Gegenstände fallen läßt, fortwirft oder unvor- stitig handhabt.

I. 4933. Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

Nichtamtlicher Teil.

Was lehrt die Dürre?

Zur Zeit herrscht im Lande eine ganz ungewöhnliche Dürre, und von allen Seiten kommen Berichte, der Wasserstand der natürlichen Wasserstraßen sei so sehr ge« funken, daß eine teilweise Einstellung der Schiffahrt not­wendig werde. So wird aus Hamburg gemeldet, daß dort die Schiffahrt nach der Oberelbe seit dem 14. b. Mts. offiziell geschlossen sei. Gleiche Nachrichten kommen aus Aussig in Böhmen und von Hameln a. b. Weser. Aus

Wer weife es?

Historischer Roman von F r. Ferd. C a m b o r t n i. (Fortsetzung.)

Der Gras hatte sich, aus dem Zimmer der Köchin kommend, in da« erste Stockwerk begeben. Auf dem oberen Treppenabsätze blieb er einen Augenblick stehen und horchte. Alle« war still. Er zog den goldenen Chronometer aus der Tasche.Drei Uhr," murmelte er,und schon beginnt es zu dämmern."

Sich nach links wendend, öffnete er die Türe seines Arbeitszimmers. Der mit zwei Fenstern noch Westen und einem nach Norden gelegene große Raum zeigte eine vornehme Ausstattung. Zwischen den beiden nördlich gelegenen Fenstern stand ein großer Schreibtisch, bedeckt mit Zeitungen, Scripturen und Büchern. An der gegen­überliegenden Wand, das Kopfende dem westlich ge« legenen Fenstern zugekehrt, befand sich eine mit blauen Tamofi überzogene Chaiselongue, an der Südwand ein kostbar geschnitzter Wafftnschrank. Die Mitte des mit Kupferstichen an den Wänden becorierten Gemacher füllte ein runder Tisch mit Roeversüßen aus, der mit Sesseln in blauem Damast umstellt war.

Behagliche Wärme strömte vom Kamin aus, die jene wohlige Stimmung erzeugt, der man sich um diese Jahreszeit so gern hinzugeben geneigt ist.

Der Graf warf sich auf die Chaiselongue und ließ müde den Blick über die auf dem Kamingesimse stehende kunstvoll gearbeitete Uhr gleiten, deren leises Ticken ihn in halbwache» Träumen versetzte. Diese» Ticken, es

Koblenz schreibt man, der SchiffS-Verkehr aus der Mosel sei wegen de» niedrigen Wasserstandes fast vollständig unterbrochen. Von der Spree und der Havel ist bereits vor 14 Tagen berichtet worden, daß die Schiffahrt aufs äußerste behindert fei, desgleichen von der Warthe und Netze. Aus Schlesien hört man, der Bober fei beinahe ausgetrocknet, und von Breslau aus ertönt die Klage, nur Schiffe mit 50 cm Tiefgang könnten noch verkehren. Die Weichsel, die im Frühjrhr stets zu viel, und im Sommer und Herbst stets zu wenig Wasser hat, weist den niedrigsten Stand feit dem Jahr 1811 auf. Von der Rhein-Schiffahrt aber hören wir, daß sie durch die un­günstigen Wasser-Verhältnisse äußerst benachteiligt werde.

Gerade in einer solchen Zeit muß es sich nun zeigen, ob die Behauptung der Kanalgegner, unsere Bautechniker bauten wasserlose Kanäle, begründet ist. Unsere Kanäle würden, wenn es der Fall wäre, jetzt auch versagen. Aber wir hören nirgends eine Klage, weder über den Finow- Kanal, noch über den OderSpree-, den Elbe Trave und den DortmundEms-Kanal. Sie alle funktio­nieren noch ausgezeichnet, wie in jedem andern Jahre. Diesen Tatsachen gegenüber erscheint es heute beinahe komisch, von waffenlosen Kanälen zu reden. Selbst der Einwand, durch die Kanäle werde der Wassermangel der Flüsse, die zu Gunsten der erster» abgezapft würden, ver­mehrt, dürste der Behauptung kein besseres Relief geben, weil Rhein, Weser und Weichsel kein Wasser an irgend einen Kanal abgeben und doch trocken sind.

Eine Lehre jedoch erhalten auch die Wasser-Techniker . aus dieser Zeit der Waffernot: die von der eminenten wirtschaftlichen Bedeutung der Talsperren, die das Wasser aussparen. Bisher bemühten sich die Landwirte, durch Trockenlegung der Felder und Brüche, die Wasser-Bau­meister durch Geradelegung, Reinigung und Vertiefung der Flußläufe redlich, das Wasser möglichst schnell dem Meere zuzuschicken. An die Aufspeicherung und Erhaltung für die Zeiten der Dürre hat bis vor nicht gar zu langer Zeit in Preußen niemand gedacht. Wie segensreich würde es sich heute erweisen, wenn wir die geplanten Talsperren bereits besäßen.

Zu den Vorgängen in Deutsch-Südwest-Asrika.

(Greueltaten der Herero.) Im Verlage der Buchhandlung des Waisenhauses in Halle a. S. sind

erinnerte ihn an die Flüchtigkeit der Zeit. Jede Sekunde brächte ihm dem Grabe näher. Dem Grabe? War er nicht schon lebend in einem solchen? Gewiß, schon jahrelang war er für die Außenwelt gestorben, gerade so wie so. Wozu diente all' die Pracht, aller Luxus, alle Annehmlichkeiten eines behaglichen Daseins, wenn nicht Menschenaugen sie sehen, wenn nicht Menschen­herzen sie sühlen, mitsühlen und empfinden könnten. Noch wenige Tage und das Jahr 1810 hatte seinen Lauf beendet. Wenn sich nun die Zehn der Ziffer in eine Zwanzig, ja wohl in eine dreißig verwandelt haben würde, hätte sich dann wohl sein Geschick ge. wendet ? Wer weiß e» ? Und sie, das arme Wesen! Eine selten feste Gesundheit wohnte in diesem zarten Körper. Aber dennoch wer konnte wissen, ob nicht an dieser sonst kernigen Natur das schleichende Gift der Einsamkeit seine verzehrende Wirkung bald geltend machte?"

Gräßlich, gräßlich I" stöhnte aufspringend der Graf. Wer rettet mich vor den Dämonen biefeS Schreckbildes? Giebt es denn keine Erlösung aus diesen Kerker- mauern? Nein keine!"

Dumpf sagte er die letzten Worte, indem er die Schelle mechanisch in Bewegung setzte.

E« war dunkel geworden mittlerweile, und die Dunkelheit machte ihn erschauern. Johann erschien.

Licht I" befahl der Gras «Drei Lampen I"

Wenige Augenblicke später erschien der Diener »nd stellte drei hohe Moderateurlampen aus den Tisch. Wünschen der Herr Graf sonst noch etwas?" fragte er.

soebenReise. und Kriegsbilder von Deutsch-Südwest. afrita" erschienen. E» sind Briese, die der am 9. April b. I. bei Onganjira gefallene Dr. jur. Burkhart Frhr. v. Erffa an seine Eltern gerichtet hat. In einem Briefe heißt es: Hier in Windhuk erfuhren wir nun viele traurige Details: was für ein furchtbarer Ausstand, meine lieben Eltern! Ein Ausstand, wie ihn Deutsch­land in seinen Kolonien noch nie erlebt hat, wie er planmäßiger und heimtückischer nicht hätte ins Werk gesetzt werden können! Wie man es aus Indien liest, wo am Abend vorher die kleinen weißen Kuchen vor den Türen lagen, so sind in der Nacht vom 10. zum 11. Januar sämtliche Farmer und andere Weiße (ober viel­mehr Deutsche) im Hererogebiete überfallen und tot- geschlagen oder grausig geschlachtet ^vorden. Wie viele von den Farmen, die ich noch mit Rohrbach gesehen hatte: Farm Hoffnung, Voigtland, Thalheim und andere, alle zerstört! Und wie hatten die Kerls gehaust! Tage darnach, als Windhuk schon längst von Wachen beschützt war, erschienen bei diesen Frauen und Männer, nackt, halbtot geschlagen, verwundet und fast verhungert, die sich mühsam gerettet hatten. So kam der frühere Ver- tretet der Damargesellschaft in Windhuk ich hatte mit ihm in Windhuk gegessen! als Hottentottenfrau verkleidet an, nachdem er sich mit Hülfe eines solchen echten Weibes fünf Tage hindurchgeschlichen und ge« schleppt hatte. Er war als einziger von der Farm Vorbergs entkommen. Er hatte einen Lungenschuß durch den Oberarm auf drei Schritt erhalten, war dann mit Kirris, den Keulen der Herero, zerbläut und für tot liegen gelassen worden Dann erschien eine Frau, unbekleidet, deren Mann vor ihren Augen erschossen worden war, die Füße total wund, halb verhungert, nach­dem sie sieben Tage nur Wurzeln gegessen I Und so ging es weiter, eine ganze Weile! Und was hatten die Patrouillen gesehen! Ueberad verstümmelte Leichen- reste. Dort hatten die Bestien nach Ermordung der Männer die Frauen vergewaltigt und dann wie Hammel ausgeschlachtet, die eine immer da» Schicksal der andern beobachten lassend! Patrouillen fanden die Leichenteile als Dörrfleisch an die Bäume gehängt; herausgeschnittene Brüste, Arme, Beine. Dort wieder halten die Herero- weiber halbwüchsige Jungen mit Messern verstümmelt und sie so liegen und sich verbluten lassen! Und soll man da noch an Schonung, an Mitleid denken? Um

Die Post noch nicht da?"

Nein," lautete die Antwort.

Wer holt sie?"

Meine Tochter."

Hat die Squarren Ihnen meine Wünsche mitgeteilt?' Zu dienen, Herr Graf."

Wollen Sie folgsam sein, Ihre Tochter und auch dem Konrad Häuser die nötigen Verhaltungsmaßregeln geben ?"

Gewissenhaft, Herr Gras!"

Die beiden sind ja wohl sehr intim miteinander, habe sie verschiedentlich zusammen gesehen?"

Ein Wildfung, das Mädchen, Herr Graf!"

Haben Sie ein wachsames Auge. Das Mädchen scheint mir die am wenigsten auffällige Botin für meine Gänge zu sein, und Konrad? Nun, man braucht ihm wohl kaum anzuempfehlen, seinen Beschützeiposten mit Eifer zu erfüllen."

Der Graf begleitete die Worte mit einem Lächeln, welches besagte, daß er die natürliche Lage dieses Falles in günstiger Weise für seine Zwecke aurgebcutet habe.

Ein Wink der Diener entfernte sich.

Der Gras nahm nun eine der drei Lampen, trug sie über den bereits vom Diener erleuchteten großen Corridor in die feinem Arbeitszimmer gegenüber liegende Tür. Man vernahm das Helle Lachen einer Frauen­stimme, dann öffnete sich die Türe wieder und der Graf ging in fein Zimmer zurück.

Die zweite der Lampen trug er jetzt in da» neben dem Arbeitszimmer gelegene Bibliotekzimmer. E» war