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MM Kreisblatt.

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K$- Fernsprecher Nr. 8. -g»

Sr. 79. Lomierslaz hu 7. ^li 1904.

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 6. Juli 1904.

Die Herren Bürgermeister zu: Beiershausen, Dünkel- rode. Friedlos, Frielingen, Gelhsemane, Heringen, Hilmer, Hilperhausen, Holzheim, Kathus, Kleba, Kleinensee, KruSpiS, Landershausen, Leimbach, Lengers, Malkomes, Mecklar, Obergeis, Oberhaun, Philippsthal, Röhrigshof, Roßbach, Rotensee, Schenksolz, SiegloS, Tann, Wehrs Hausen und Wölfershausen werden hierdurch veranlaßt, die Verhandlung über die Revision der Gemeindekasse am 30. Juni cr. § 4 pos. I und 6 der Dienst­anweisung für die Gemeindevorstände vom 22. März 1898 bei Meldung von 5 Mark Geldstrafe mir unver­züglich vorzulegen.

Der Königliche Landrat.

J. V.:

T ha m e r.

Hersfeld, den 1. Juli 1904.

Unter dem Schweinebestand des Landwirts Gustav Theune in Harnrode ist die Notlaufseuche ausgebrochen. I. 4395. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz,

Geheimer RegierungS-Rat.

Hersfeld, den 5. Juli 1904.

Nach Mitteilung des Königlichen Landratsamtes zu Hünseld ist die Notlaufseuche bei den Schweinen der Witwe Frank in Oberushausen erloschen.

J. I. 4460. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schletnitz,

Geheimer RegierungS-Rat.

Nichtamtlicher Teil.

Der Krieg zwischen Japan und Nutzland.

Eine Meldung de» Reuterschen Bureau» aus Liaujang vom Sonntag besagt, da den Operationen im Felde durch Regensälle ein Ende gesetzt werde, sei General

Wer weife es?

Historischer Roman von F r. F er d. C a m b o r i n i.

(Fortsetzung.)

Im eigenen Geschirr angekommen, stiegen vor dem Englischen Hof", einem für die damalige Zeit komfortabel eingerichteten Gasthause, am Hildburghäuser Marktplatze gelegen, ein Herr und eine tiesverschleierte Dame aus; der Mann, der ihnen in silberbetreßler Livree Kutscherdienste leistete, entpuppte sich bald als Kammerdiener und Faktotum der Herrschaft. Die An­sprüche der letzteren zeigten sofort einen ungewöhnlich hohen Maßstab, aber ebenso die Honorirung für ge­forderte Leistungen.

Die Dorfzeitung, da« Organ der Hildburghäuser Residenz, brächte einige Tage später die kurze Mit­teilung, daß Graf und Gräfin Vavel de Versay im Englischen Hofe" abgestiegen seien und einige Zeit in Hildburghausen Aufenthalt nehmen zu wollen beabsichtigten.

Der Graf hatte gelacht, als er diese Notiz gelesen: Wa« doch diese ZeitungSmenschen nicht alle» wissen I Aber lassen wir'» dabei, von Schaden ist'» nicht. Vielleicht findet fich auch hier noch ein stillere» Plätzchen."

In kurzer Zeit stand in der kleinen Stadt die An­sicht fest, daß der Graf und die Gräfin unermeßlich reich sein müßten. Diese Ansicht wurde bald allgemein, und da von keiner Seite je ein Widerspruch dagegen erfolgte, f° erhielt sich dieselbe im Volke fort, und ging schließlich auch in die Presse, in die Dorfzeitung, über.

Als dem Grafen auch diese Notiz zu Gesicht kam,

Kuropatkin nach Haitscheng zurückgekehrt. Die Meldung, daß die Russen den Talingpaß wieder genommen hätten, sei verfrüht gewesen. Weder die Japaner noch die Russen könnten an den Paß in genügender Stärke heran- kommen, um eine tatsächliche Besetzung desselben aus« zufahren, da tiefer Schlamm die Fortbewegung der Geschütze und des Trains unmöglich mache. Die beiden Armeeu befänden sich nunmehr im Biwak zu beiden Seiten de» Passes.

Wie General Sfacharow dem Generalstab meldet, wurde am 2. Juli in der Umgebung von Kaitschou fest­gestellt, daß die Vorpostenabteilungen des Gegner» sich nach Süden zurückzogen und eine 14 Werst lange Linie im Nordosten von Sseniutschen besetzten. Die Station Sseniutschen wird von einer japanischen Jnfanterieab- teilung besetzt gehalten, und in der Umgebung der Stadt Sseniutschen haben die Japaner mindesten» eine Division zusammengezogen. Wie gemeldet wird, stehen in der Umgegend Ssiujans gegen 50000 Japaner. Beim Dalinpaß hat der Feind die bisherige Stellung inne und rückt nicht weiter nach Haitscheng vor.

Die Behinderung der Landoperationen durch die ge« waltigen Regengüsse, die in der letzten Zeit in der Mandschurei niedergegangen sind, macht sich natürlich beiden kriegführenden Parteien in gleicher Weise fühl­bar ; doch stimmen verschiedene Berichte darin überein, daß die russischen Soldaten die Unbilden der Witterung leichter ertragen als die Japaner, die mehr unter Krank­heiten zu leiden haben. Der russischen.Heeresleitung kann Zeitgewinn nur willkommen sein, da jeder Tag neue Nachschübe an Truppen und Kriegsmaterial auf der sibirischen Eisenbahn heransührt. Von japanischer Seite wird über die weiteren Pläne nach wie vor tiefe» Stillschweigen gewahrt.

Der Nowoje Wremja wird «us Liaujang gemeldet, daß die Taktik de» General» Kuropatkin die Japaner unsicher macht. Ihre einzelnen Abteilungen gehen bald vor, bald zurück. Die Lage hinter ihrer Front ist ziemlich traurig; sie haben wenig Proviant, und viele Train- pferde fallen. Dadurch ist der Rückmarsch von zwei Divisionen nach Föngwantscheng erklärlich. Dort sind außerdem noch zwei Divisionen konzentriert. Im Süden haben die Japaner ihre Operationen vollständig eingestellt. Vom Norden treffen täglich neue russische Truppen ein.

Zur Lage vor Port Arthur wird aus Tschifu

lächelte er abermals, sagte sich aber: man sei auf der Hut vor diesen Zeitungsschreibern. Er setzte sich dann an seinen Schreibtisch, nahm einen Bogen feinsten Velinpapieres, schrieb, expedierte, und die lästigen, Aufsehen verursachenden Zeitungsnotizen blieben für die Folge aus.

Das hinderte jedoch die Menge nicht, ihren Wahr­nehmungen Ausdruck zu verleihen. Da war vor allem Eins auffallend:

Mußte man nicht erwarten, daß sich so vornehme Fremde, wie der Graf und die Gräfin, welche sich für längeren Aufenthalt einzurichten schienen, vor allem einem solchen Hofe, wie dem Hildburghäuser, nähern würden?

Diesem Gedanken gab gerade der Besitzer desEng­lischen Hofes" einigen Herren gegenüber Ausdruck. Man entgegnete ihm, daß vom ersten Tage des Hiersein« der Herrschaften gerade das Gegenteil beobachtet worden sei. Er mußte dies zugeben, denn der Herr Graf und die gnädige Gräfin, deren Antlitz man bisher noch nie ohne Schleier gesehen hatte, beharrten in strengster Abge­schlossenheit von der gesamten Außenwelt.

Da schritt er gerade über den Marktplatz der schweig­same Diener de« gräflichen Paare«, wohin geht er? In'« Hau« der verwiltweten KammergerichtSrätin. Was will er dort? Will die Herrschaft doch Anknüpfungs­punkte suchen!

Die Herren sollten nicht lange im Ungewissen bleiben. Der Diener kehrte bald zurück, ließ den Besitzer de» Gasthose» herau»rusen, wechselte einige Worte mit ihm

gemeldet, am Sonntag sollten die feindlichen Streikräfte bei der Festung nur noch eine Meile voneinander getrennt sein. Beim Vorgehen befestigten die Japaner einen Hügelnach dem andern mit schweren Geschützen; es heißt, sie hätten schon 150 Kanonen zu diesem Zweck bei Dalny aus­geschifft.

Politische Nachrichten.

Berlin, 5. Juli.

Ihre Kaiserlichen Majestäten verweilten gestern Nachmittag» und Abend», wie aus Warne« münde gemeldet wird, auf dem Meteor resp, der Jduna, welche im neuen Hafen festgemacht hatten. Ihre Majestäten verblieben über Nacht an Bord der Segeljachten. Heute morgen gegen 9 Uhr gingen Beide Majestäten an Bord der Jduna in der Richtung aus Rügen in See, gefolgt von dem Torpedoboot S l eipn er. Die Hohenzollern und der kleine Kreuzer H a m b u r g gingen bald darauf gleichfalls ab.

Der preußische Landtag bis zum Herbst vertagt worden. Beinahe ein halbes Jahr hat er ge­arbeitet, und man wird ihm das Zeugnis nicht ver­weigern können, daß er fleißig gewesen. Allerdings war der Etat erst nach Ostern, also zu spät, fertig be­raten ; aber der Landtag hat das Versäumte mit ver­doppeltem Eifer nachgeholt und seitdem eine stattliche Anzahl von Aufgaben erledigt, von denen erhofft werden kann, daß sie dem Lande und dem Volke zum Segen gereichen. Wir erwähnen u. a. die Gesetzentwürfe über die Dienstbezüge der Kreistierärzte, Gebühren der Medi« zinalbeamten, ärztliche Ehrengerichte, das Umlagerecht und die Kassen der Aerztekammern, das Staatsschuldbuch, die Erweiterung des Staatseisenbahnnetzes und den Bau von Kleinbahnen, die Verbesserung der Wohnungs- Verhältnisse für Arbeiter und kleine Beamte in Staats­betrieben, die Erhöhung des Grundkapitals der See­handlung, das Wildschongesetz, die Bestrafung des Spiels in außerpreußischen Lotterien und die Aenderung des Gesetzes über die Ausführung des Schlachtvieh- und Fleischbeschaugesetzes vom 28. Juni 1902. Außerdem wurden mehrere Anträge aus dem Hause angenommen, darunter der bes Gras en Douglas, wonach jedem Sol«

und stieg zur Wohnung seiner Herrschaft die Treppe hinauf.

Nun?' fragte man gespannt, als der Wirt inS Gastzimmer zurückkehrte,was Hat's gegeben?'

Daß es nichts Gutes war, sah man an der Leichen­bittermiene des Mannes. Er ließ sich, wie von einer großen Anstrengung erschöpft, auf einen Stuhl nieder und sagte kleinlaut:

Die Herrschaft wünscht, angeblich der größeren Ruhe wegen, einen Wohnungswechsel vorzunehmen."

Das war nun wirklich darnach angetan, einen Gast- hofbesitzer niederzudrücken. Diese Einnahme mit vollen Händen warf ja der Graf da» Geld fort I Der geheimnisvolle Nimbus, der sich um das Paar ge­woben, hatte ihm stet» Gaste zugeführt ein indirecter Vorteil. O, es war zum rasend werden!

Und wohin gedenken die Herrschaften zu ziehen?* Diese von dem Polizeiinspektor Eberhardt auf­geworfene Frage konnte der gänzlich fassungslose Wirt ebenfalls beantworten;

Man wird vorerst bei der KammergerichtSrätin Wurmb einige Monate ober auch nur Wochen, je nach­dem, Wohnung nehmen, dann aber eines der von den französischen Emigranten erbauten Häuser in der Neu­stadt beziehen."

Nach der Vorstadt also!" sagte Eberhardt leise, wie mit sich selbst redend.Freilich, da's stiller, da wird die seltsame Lebensweise der drei Menschen in ihrer wunderlichen Absonderlichkeit weniger auffallend er­scheinen. Wollen sie aber im Auge behalten."......