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HerWer Kreisblatt.

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ST Fernsprecher Nr. 8. -^

«r. 77.

Zemiiie«» iti 2. Juli

1901

KesteUnnge» auf das

Hersfelder Kreisblatt

für daS 3. Quartal 1904 werden von allen Kaiser­lichen Postanstalten, tandbriefträaern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 28. Juni 1904.

Unter den Schweinebeständen des Schlossermeisters Becker und des Fuhrherrn H. Wiedekind in Vacha ist die Rotlaufseuche ausgebrochen.

I. I. 4315. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz,

Geheimer RegierungS-Rat.

Hersfeld, den 28. Juni 1904.

Der auf Donnerstag, den 14. Juli 1904 in der Stobt Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seither bekannt gegebenen Bestimmungen abgehalten.

Mit dem Austrieb darf um 6 Uhr morgens begonnen werden.

I. I. 4304. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.

Hersfeld, den 29. Juni 1904.

Die Rotlaufseuche bei Adam Willhardt in Rothen- kirchen ist nach einer Mitteilung deS Herrn Landrats zu Hünfeld erloschen.

I. l 4343. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.

Her-feld, den 29. Juni 1904.

Nach einer Mitteilung des Herrn Landrates zu Ziegenhain ist der Milzbrand unter dem Rindviehbestand des Landwirts Johann Heinrich Riffer in Berfa er­loschen.

I. I 4344. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierung« Rat.

Nichtamtlicher Teil.

Politischer Wochenbericht.

Die Ki eler W o ch e ist in jeder Hinsicht befriedigend verlaufen. Ihren bleibenden Wert hat dies sportliche Er­eignis durch den glänzenden Empfang erhalten, den König Eduard von England als Gast Kaiser Wilhelms n. und seines Volkes gefunden hat. Wenn auch keine großen politischen Abmachungen zwischen den beiden Monarchen getroffen sind, so wäre es doch verfehlt, der Zusammenkunft jede Bedeutung abzusprechen. Beide Herrscher haben mit größtem Nachdruck dem Gedanken Ausdruck gegeben, daß sie friedliche und freund­schaftliche Beziehungen von Staat zu Staat wünschen, und wir hoffen und glauben, daß dieser Gedanke auch in England den Widerhall finden wird, den er bei uns schon gefunden hat.

Für französische Ohren waren die zwischen Kaiser Wil­helm und König Eduard ausgetauschten Reden allerdings weniger erfreulich; denn es ist dadurch über allen Zweifel festgestellt, daß sich das französisch-englische Ab- k o m m e n nicht, wie innerhalb der blau weiß-roten Grenz, pfähle im Stillen gehofft wurde, gegen Deutschland richtet. Die Ironie, in welcher sich die Weltgeschichte mitunter gefällt, wird nun freilich dahin führen, daß in nächster Zeit ein deutsches und ein französisches Kriegsschiff gleichzeitig vor Haiti liegen werden, um Genugtuung für eine Beleidigung zu erlangen, die den Vertretern beider Staaten zugesitgt wurde. In diesem Zusammengehen, wenn die gleichen In- teressen oder die gleiche Notwendigkeit es verlangen, liegt

aber auch der tröstliche Gedanke, daß trotz aller unvernünf­tigen Wünsche in der Praxis des politischen Lebens die Ver­nunft schließlich doch sich geltend macht.

In Südwest- Afrika wird die Einkreisung der Herero fortgesetzt. Der Feind hält einen Rayon besetzt, dessen Mittelpunkt etwa das Waterberg-Plateau bildet. In weitem Umkreis wird dieser Bezirk von einer Reihe von Detachements unserer Truppen beobachtet. Einzelne dieser Abteilungen stehen bereits an den ihnen zugewiesenen Plätzen, andere sind noch auf dem Marsche dorthin. Wenn der Kreis geschlossen ist, was bald zu erwarten sein dürfte, werden die Detache­ments durch Patrouillen und kleinere Zwischenposten unter­einander die Verbindung herstellen, und es wird dann den Herero unmöglich sein, unbemerkt in größern Massen diese Linie zu überschreiten. Damit ist aber alles erreicht, was vorläufig erreicht werden kann. Erst nach dem Eintreffen weiterer Verstärkungen wird es dem General v. Trotha möglich sein, den von ihm geplanten großen Schlag auszuführen.

Eher als in unserm Schutzgebiet dürfte es auf dem Kriegsschau platze inO stasien zu einer Entscheidungs­schlacht kommen. Die gesamte, in der Mandschurei vereinigte Truppenmacht der Japaner hat den Vormarsch gegen die russische Hauptarmee begonnen. Nach den kleinen, auf der ganzen Aufmarschlinie der beiden Heere ausgefochtenen Vor­postenkämpfen geht die japanische Kriegsleitung jetzt zum entscheidenden Angriff gegen die russische Armee vor, die von Kuropatkin persönlich geführt wird. Inzwischen haben die Japaner vor Port Arthur wieder Vorteile errungen. Sie sind durch die Einnahme einiger befestigten Punkte der ein­geschlossenen Festung näher gerückt. Auch ihre Flotte hat der russischen von neuem Verluste zugefügt. Drei russische Kriegs­schiffe, zwei Linienschiffe und ein Kreuzer, liegen vor Port Arthur kampfunfähig auf dem Strande.

Mit lebhaftem Interesse hat man auch bei uns die Nach­richt ausgenommen, daß in Amerika die republikanische Partei auf ihrem Nationalkonvent in Chicago den Präsidenten Roosevelt einstimmig zu ihrem Kandidaten für die im November stattfindenden Präsidentschaftswahlen ernannt hat. Da die Demokraten ihm keine gleich starke Persönlichkeit entgegenzusetzen haben, so kann seine Wahl als sicher gelten. Einer Wiederwahl Roosevelts stehen wir sympathisch gegen­über, denn er ist ein Freund Deutschlands und bietet die Ge­währ für die Fortdauer der beiderseitigen guten Beziehungen.

Eine für unsere innere Politik hochbedeutsame Tat hat das preußische Abgeordnetenhaus kurz vor der Vertagung des Landtages vollbracht, indem esdieAnsiedlungsgesetz- Novelle mit großer Mehrheit annahm. Durch den § 13 b der Novelle, der neue Ansiedlungen in unserer Ostmark von der Zustimmung des Regierungs-Präsidenten abhängig macht, werden die polnischen Anstedlungs-Gesellschaften, die gefähr­lichsten Gegner des Deutschtums, lahmgelegt. Die zielbewußte und konsequente Ostmarken-Politik des Grafen Bülow hat hier einen neuen, großen Erfolg errungen.

Zu den Vorgängen in Deulsch-Südwest-Asrika.

Die letzten Depeschen des Generalleutnants von Trotha haben die Lage der Dinge am Waterberg in vieler Hinsicht geklärt. Es steht nun mit Sicherheit fest, daß die Masse des Feinde» einen Rayon besetzt hält, dessen Mittelpunkt etwa da» Waterberg-Plateau selbst bildet. Gegen Süden und Südosten gehen die Ansammlungen gegnerischer Kräfte nicht über den Omuramba-Uamatako hinaus. Hier klärte von Silben, von Oljire her, vorstoßend die Witboi-Ab- teilung unter Leutnant v. Berneck durch einen Ritt über Orutjiwa, Kamandumba auf Erindi-Otjikurare längs des Omuramba auf. Ferner wurde die Gegend von Erindi-Otjikurare bis Erindi-Rokatjongua erkundet und große verlassene Wohnplätze hier und bet Erindi- Oijipipa festgestellt. Nur 45 km nördlich von Erindi- Rokätjongua liegt, ebenfalls am Omuramba, die Wasser­stelle Okanguindi, bis zu der bereits früher im Mai Oberleutnant Volkmann von Groolfontein aus über Koblenz vorgedrungen war. Es kann somit jetzt der ganze Lauf des Omuramba von Otjiluo bis nach Oko. songoho, wo in den Telegrammen Trotha» vom 22. d». Mt«. Wohnplätze der Herero gemeldet wurden, als aufgeklärt gelten.

Da« Land südlich und östlich des Flusse« wird als schwierig geschildert. Dichter Busch und wasserlose Land­striche die sogenannten .Durststrecken" erschweren die Aufklärung und die Märsche der Truppen. Samuel Maharo soll noch in Okahitua sitzen, wo ihn bereits am 8. b. Mt». Oberst Leutwein gemeldet hatte. Von diesem Platz bis nach Erindi-Otjikurare sind die stärksten Massen der Herero versammelt. Wenig aufgeklärt sind

die Gebiete zwischen Otavi und dem Waterberg sowie zwischen diesem und der Linie OutjoOmaruru. Hier an der Etappen- und Heliographen-Linie sind in kleineren Detachements zwei Kompagnien und eine halbe Batterie verteilt. Etwa 30 Kilometer südöstlich Outjo wurden noch vor kurzem feindliche Kräfte in den ParesiS - Bergen gemeldet sowie herum, streifende Banden bei Etaneno und Okowakuatjiwi. In weitem Umkreis wird der Waterberg-Bezirk von einer Reihe von Detachements unserer Truppen umschlossen. Einzelne dieser Abteilungen stehen bereits an den ihnen zugewiesenen Plätzen (Volkmann, Franke, Häring), andere (Estorff, Heyde, Glasenapp) sind noch auf dem Marsche dorthin. Wenn der Kreis geschloffen ist, was in kurzer Zeit zu erwarten sein dürfte, werden die Detachements durch Patrouillen und kleinere Zwischenposten unter ein­ander die Verbindung herstellen, und es wird dann den Herero unmöglich sein, unbemerkt in größeren Massen diese Linie zu passieren. Damit ist aber bis zum Ein- treffen der schwimmenden Verstärkungen alle» erreicht, was vorläufig erreicht werden kann. Die Mitteilung des Oberbefehlshabers, daß er beabsichtige, da» erste und zweite Bataillon beS demnächst im Schutzgebiet ein» treffenden 2. Feld Regiments Uu, eine ebenfalls neu eintreffende Batterie nach Outjo resp. Karibib vor. marschieren zu lassen, deutet an, daß der endgültige Angriff auf die Waterberg-Stellung aus nordwestlicher oder eventuell nördlicher Richtung erfolgen soll. Hoffentlich versuchen die Herero nicht vor der Ankunft dieser Ver. stärkungen einen Durchbruch nach Norden oder Nord- westen, dem, wenn er energisch durchgeführt werden würde, die schwachen, dort postierten Abteilungen nicht widerstehen könnten.

Zur Verstärkung der Truppe in Süd. westasrika sollen, wie beabsichtigt wird, folgende Transporte dahin abgehen:

am 23. Juli: 3 berittene Kompagnieen (etwa 350 Mann, 750 Pferde) auf den Dampfern Gertrud Woer- mann und Montevideo,

am 6. August: eine Feldtelegraphenabteilung und eine Verstärkung der Feldsignalabteilung (etwa 230 Mann, 260 Pferde) auf dem Dampfer Wittekind beS Norddeutschen Llyd (noch nicht sicher),

am 20. August: eine berittene und zwei bespannte Batterien (etwa 440 Mann, 500 Pferde) auf dem Dampfer Sylvia der Hamburg-Amerika Linie (noch nicht sicher.)_______________________________________________________________

Der Krieg zwischen Japan und Rußland.

Wenn man nach dem Nachrichtenmaterial urteilen wollte, da» heute über die Vorgänge auf dem Krieg», schauplatz eingetroffen ist, dann müßte man glauben, daß die Operationen in der Mandschurei augenblicklich nahezu zum Stillstand gekommen seien. Da» kann je- doch nach der Stellung, welche die beiderseitigen Armeen schon zu Anfang dieser Woche eingenommen hatten, al» ausgeschlossen gelten, und so bleibt die Vermutung, daß weder die Russen noch die Japaner bi» jetzt zu ent­scheidenden Schlägen haben ausholen können. Nur so viel scheint festzustehen, daß die Japaner sowohl gegen dem rechten wie gegen dem linken Flügel der von Kuropatkin so genannten russischen Ostfront rasch vordringen.

Heute liegen über wichtige Vorgänge auf ver­schiedenen Teilen des Kriegsschauplatzes eine Reihe von Meldungen vor, die jedoch fast sämtlich der Bestätigung bedürftig sind. So verbreitet Reuters Bureau nach, stehendes Telegramm aus Tokio, 29. Jnni: .Eine anderweitig nicht bestätigte nichtamtliche Nachricht besagt, die Japaner hätten am Sonntag drei Fort» im südöstlichen Teile der Verteidigungswerke von Port Arthur angegriffen und eingenommen." Nach einer späteren Depesche besagt der über die Ein-