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Sr. 75.
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SS" Fernsprecher Nr. 8. ^»
MM 6« 28. Juni
1904.
Kestelluugen
auf das
Hersfelder Kreisblatt für das 3. Quartal 1904 werden von allen Kaiser« lichen Postanstalten, tandbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Teil
Hersfeld, den 24. Juni 1904.
Die Handwerkskammer zu Cassel bedarf einer Zusammenstellung der z. Zt. in ihrem Bezirke vorhandenen Handwerksbetriebe und der darin beschäftigten Lehrlinge und hat zu diesem Zwecke ErmittelungSlisten hierher mitgeteilt, welche in den nächsten Tagen den Herren Ortsvorständen des Kreises in je einem Exemplare zu« gesandt werden.
Diese Liste ist genau auf beiden Seiten auszufüllen und sodann, mit Unterschrift und Dienstsiegel versehen, bis zum 3. Juli d. Js. hierher zurückzusenden.
J. I. No. 4195. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.
Hersfeld, den 20. Juni 1904.
Die Staatskasse hat einen erheblichen Verlust dadurch erlitten, daß die Witwenpension einer im Jahre 1874 verstorbenen Beamtenwitwe noch bis zum Jahre 1901 weitergezahlt ist. Der Schuldige ist der Sohn der Verstorbenen, welcher es verstanden hat, die Unterschrift seiner Mutter unter den Quittungen zu fälschen und sich vermöge seines Auftretens die vorgeschriebenen Beglaubigungen über Leben, Witwenstand und eigenhändige Unterschrist der Empfängerin von Polizeibeamten zu verschaffen.
Das Vorkommnis beweist, wie notwendig es ist, daß die Beamten, welche zur Führung eines Dienstsiegel» berechtigt sind, dicunter den Quittungen über Hinterbliebenen-
Gut aBgetommen.
Eine littauische Militär-Humoreske von Berthold Gaben.
(Schluß.)
„Gut, mein Ehrhardt, tu e», und wenn sie Dir Liebe entgegenbringt, soll Dir mein Segen nicht fehlen," sagte der Baron, und dankbar umarmte ihn der Neffe, der aufgehört hatte, der „Eiserne" zu sein. Er war weich geworden, so weich, wie nur ein verliebter junger Mann mit sechsundzwanzig Jahren sein kann.
„UebrigenS sollst Du nicht lange damit warten" — fing der Leutnant wieder an. „Entschuldige mich einmal auf eine Viertelstunde. Werde gleich mal da» Terrain sondieren, ob es geeignet ist, heute noch zur Attacke Überzugehen."
„Na, geh mit Gott I Großen Widerstand wirst Du bei dem ahnungslosen Feind wohl nicht finden" — meinte der Gutsherr lächelnd. „Aber mach es gnädig mit der armen Lucie und erpresse ihr unter dem ersten Eindruck der verwandtschaftlichen Freude kein Geständnis, das Dir nicht als gern entgegengebracht erscheinen mag. Du sowohl wie sie — alle Beide sollt Ihr in dieser ernsten Angelegenheit freie Wahl haben." —
VI.
Ehrhardt war noch nicht lange weg, als der brave Hannemann eintrat, um in geschäftlicher Beziehung mit dem Baron zu verhandeln.
«Haben Sie unseren Besuch schon gesehen?" fragte
bezöge, Zivilpensionen u. f. w. erforderlichen Befcheini, gungen erst ausstellen, wenn sie sich vom Lebensstande 20. des Empfangsberechtigten begründete Ueberzeugung verschafft haben. Den Kassen fehlt es an der Möglich« teil zur Nachprüfung der Richtigkeit jener Bescheinigungen. Solange sie beigebracht werden, wird die Fortdauer der ZahlungSpflicht des Staates angenommen.
Den Ortspolizeibehörden des Kreises gebe ich von dem vorerwähnten Betrugsfall Kenntniß mit der Ver. anlassung, bei der Ausstellung von Lebens- rc. Befcheini« gungen unter Quittungen über Bezüge aus der Staatskasse vorsichtig zu Werke zu gehen, weil die Beamten nach § 89 II 10 A. L. R. und 8 389 B. G. B. ersatz. p f l i ch t i g sind.
J. I. Nr. 4021. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 25. Juni 1904.
Oberstabsarzt a. D. Dr. Reymann in Cassel ist zum Inspekteur der Sanitätskolonnen im Regierungsbezirk Cassel ernannt worden, was ich hierdurch zur Kenntnis der beteiligten Sanitätskolonnen im Kreise bringe. Der Vorsitzende des Zweigvereins vom Roten Kreuz Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.
Nichtamtlicher Teil.
Zu den Vorgängen in Deulsch-Südwest-Afrila.
Generalleutnant v. T r o l h a telegraphiert unterm 22. Juni aus Okahandja: 1., 2., 4. Kompagnie Feldregiment» 1, 3. Batterie, Maschinengewehrabteilung Saurma Jeltsch, Bastardabteilung unter v. Estorff verhinderte die Herero am Ausweichen nach Nordosten, wird nach O s o n d e m a gehen, Verbindung mit Ober- leutnant Volkmann herstellen. Die 5. und 7. Kompagnie Feldregiments 1, die 4. Batterie unter Heyde, marschieren nach Okosoudum (? Okosondusu?); hier treten unter seinen Befehl die 6. Kompagnie Feldregimenls 1. und die 2. Batterie. Das Bataillon Mühlen feld, und zwar 10. und 11. Kompagnie Feldregiments 1, 5. und 6. Batterie Maschinengewehr
der Gutsherr, als die Debatte über die Hafereinfuhr zu Ende war.
„Jau," sagte der Biedermann und kratzte sich hinter dem linken Ohr, was so viel bedeutete, daß er noch mehr darüber zu sagen hätte.
„Na, wie gefällt er Ihnen?"
„O, goanz gaub — so wett oal» ick mi den Heärrn bekieckt heff." —
„Hannemann, alter Freund, ich sehe schon, Sie haben an ihm was auszusetzen" — meinte der Gutsherr lachend. „Raus mit der Sprache l" —
„Gaud. Wenn der Heärr Baron nischt dagegn hett, hei is en Windhund, — bemerkte der alte „Jnschpektr" mit massiver Grobheit.
„Wer is een Windhund?" „Hei is eener, der jungsche Heärr Baron I" „Wie so?"
„Ick bin mit ehm rugangn von Dei Statschion, un Hess ehm seggt, bat der Heärr Leutnant woahrscheinlich das gnädige Fräulein tau Fru kreign dhtet. Woat moacht nu der jungsche Heärr Baron? Hei küßt unen em Goartn doa» Fräuln oab, oals wenn hei der Bräutgam fin dhiete. Ick loat mi freättn, Heärr Baron, der Heärr Leutnant kömmt um Ren Brüt, bei Sak is richtig mang bei Twie. Doas Fräuln küßt ehm wöder."
Der Gutsherr mußte bei dieser Beichte laut auflachen.
„Hannemann," — sagte er, „wenn der junge Neffe meine Tochter küßt und sie ihn wieder, das freut mich." —
„Und woat wird der Heärr Leutnant boatau seggen?'"
abteilung Dürr, Witbois, unter Major v. Glasen- app geht gegen den Omurambafluß über O t j i r e vor, so daß Verbindung mit Heyde gesichert. Nach be- endeter Mobilmachung in wenigen Tagen folgen die 9. Kompagnie und zwei Maschinengewehre Dürr. In Gegend O t a v i - M i n e n bleiben Oberleutnant V o l k - mann mit jetziger 3. Kompagnie Feldregiments 1 von Bülow, Maschinengewehrabteilung Wossidlo und halbe Batterie Madai und klären gegen Waterberg und den Omuramba auf. Hauptmann Franke, der durch die halbe 1. Batterie verstärkt wird, mit jetziger 8. Kompagnie Feldregiments 1, behält seine bisherige Aufgabe, Säuberung des Bezirks Omaruru. Bei Epukiro verbleibt vorläufig Oberleutnant v. W i n k l e r, der den Oberleutnant Streitwolf in Gobabis postiert. 1. Bataillon Feldregiments 2 auf Outjo. 2 Bataillon nebst neu eintreffender Batterie nach K a r i b i b vorzu- schieben beabsichtigt. Ziehe Feldhaubitzbatterie eventuell zur Verstärkung heran. 7. Kompagnie wird vom 3. Bataillon Feldregiment« 2 in S-yakopmund belassen, besetzt die Eisenbahnetapye^- nach Abrücken der Truppen, bis Ersatztruppen eintressiL Später gehl sie über Windhuk nach Süden. Nach Lüderitzbucht gehen Stab, 8. Kompagnie und -Batterie Kirchner. Geringe Zahl Herero, deren drei gefallen, wurde von Witbois überrascht, die über Otjire—Orutjiwa— Kamandumba auf Erindi-Oljikurare ritten und nach dem Omurambaflusse und zu Major v. Estorff zurückgekehrt sind. Im Süden vom Omurambaflusse befindet sich dichter Busch; lange Durststrecken, sehr schwierige Aufklärung. Weitere Erkundigungen von Erindt Otjikurare parallel zum Omurambafluß bis Erindi-Rokatjongua; große verlassene Werften hier und bei Eringi-Otjipipa. Wersten noch bis Okorongoho. Alles in der Gegend Okahitua—Erindi Otjikurare und nördlich davon von Samuel Maharero zusammengezogen.
Der Krieg zwischen Japan und Nutzland.
Der erfolgreiche Handstreich des Wladiwostok-Geschwaders hat auch den die Port-Arthur-Flotte befehligen' den Konteradmiral Witthöft zur Ergreifung der Offensive ermutigt. Die in den früheren Kämpfen mit Admiral
„Hannemann, alter Esel, merkt Ihr denn gar nicht, daß der von Euch so schlecht beurteilte Neffe eben der Leutnant ist" — erklärte ihm der Baron.
„Woat — der is der Leutnant — Donnerslag, doa hoab ick mi oaber in Finger snitn." „Warum?"
„Ick Hess ehm bei Nees noach vor een oarmen Ver. wandten Hollen, un seegt, wenn der Leutnant—oat^ Wieberfiend nicht rangoaht, soll hei mal versoaken, hei könnt bat Geäld söcker besser drucken oals der Leutnant." —
„Hannemann, alter Schwede, da sind Sie aber mal ordentlich reingefallen mit Ihren Kenntnissen" — rief der Baron auf da» Höchste belustigt aus. „Das ist köstlich."
Hier wurden sie durch den Eintritt Ehrhardts und Lucie» unterbrochen, die Arm in Arm vor den Gutsherrn traten.
„Onkel —• Papa. Die Festung ist gefallen. Fortes fortuna adjuvat I"
„Und ist da» wirklich wahr, Lucie, möchtest Du Ehr. Hardt zum Gatten haben — hat er Dir Dein Jawort nicht mit sanfter Gewalt abgepreßt?* — fragte der Gutsherr das hell errötende Töchterlein.
„Ich liebe ihn Papa, ich weiß es, ich könnte keinen Andern so lieben," hauchte Lucie, und innig wurde sie jetzt bald von ihrem Vater, bald von dem gebändigten Weiberfeind umarmt.
Endlich wurde das junge Paar auch des bescheiden bei Seite stehenden Hannemanns ansichtig.