Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal Dien-tag, Donnerstag und Sonnabend.

Ilbonnementspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exd. Postausschlag.

Die JnsertionSgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeil« 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

Gratisbeilagen:Jllnstrirtes Sonntagsblatt" undJllustrirte Landwirtschaftliche Beilage",

«s- Fernsprecher Nr. 8. ^»

Sr. 72.

Mut in 21. Kni

1904.

MnmenK-Knlndnng

auf das herstelser Kreisblatt.

Mit dem (. Juli 1904 beginnt ein neues Abonnement auf das wöchentlich 3 mal, und zwar Dienstag, Donnerstag und Sonnabend erscheinendeHers- felder Areisblatt".

Dasselbe bringt außer den anitlichen Bekanntmach­ungen zuverlässige Mitteilungen über Ereignisse in der golitik, Berichte aus dem Areise, der Provinz und achbargebieten. Reichhaltige Nachrichten vermischten Inhalts bringen alle sonstigen mitteilenswerten Ereignisse zur Kenntnis der Leser. Ferner bilden sorgfältig aus­gewählte

spannende Romane,

Erzählungen etc., die in jeder Nummer in Fortsetzungen erscheinen, einen weiteren Theil des Lesestoffs.

Die wichtigsten Ereignisse gehen uns durch Tele­gramme zu und werden nötigenfalls durch Extra­blätter verbreitet.

Die Abonnenten erhalten unentgeltlich jede Woche ein Jllnstrirtes Sonntagsblatt

und alle |4 Tage eine von besten Fachmännern bediente

Jllustrirte landwirtschaftliche Beilage.

Ferner am (. Mai und j. Oktober je einen Auszug aus dem

Eisenb ah nfah rplan.

Zu zahlreichem Abonnement ladet ergebenst ein

Expedition des Kersfelder Kreisblattes.

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 17. Juni 1904.

Der Kanzleigehülfe Ernst Nordmann zu Hersfeld ist auf Grund des § 36 der Reichsgewerbe.Ordnung und

Gut aOgebmmen.

Eine littauische Militär-Humoreske von Berthold Gaben.

I.

Ehrhardt von Barberg war einer der hübschesten und schneidigsten Offiziere de» in einem ostpreußischen Städtchen garnisonierenden Infanterieregiment» trotz­dem aber ein ausgesprochener Weiberfeind, wie er sich mit Stolz zu nennen pflegte.

Woher seine Scheu vor dem zarten Geschlecht eigent­lich stammte, konnten selbst seine besten Freunde nicht in Erfahrung bringen, dennEhrhardt der Eiserne" hüllte sich in diesem Punkte stet« in ein mystische» Schweigen, gewiß ein stichhaltiger Grund, um die zahl- reichen Mütter heiratsfähiger Töchter wahre Schauer- romane über ihn erfinden zu lassen.

Unser Kamerad hatte nur ein mitleidige» Lächeln, oon uns diewahren" Ursachen seiner Fisch- kaltblütrgkeit den Damen gegenüber wiedererzählt wurden, und meinte, es müßte auchsolche" geben, denen das Schwert an der Linken, dem ja der erste Treueschwur im Leben gegolten, für alle Zeit al« Braut genügte.

m "n P®* Jahre hindurch unentwegt seinem Grundsätze treu geblieben, so schworen auch mir auf seine Unverletzlichkeit durch hübsche Mädchenaugen, und ^^ Ehrhardt wurde in den Salons als eine 8nt Rarität gezeigt, die in keinem zweiten Exemplar im

Ziffer 62 der ministeriellen Vorschriften über den Um­fang der Befugnisse und Verpflichtungen sowie über den Geschäftsbetrieb der Versteigerer vom 10. Juli 1902 seitens des Herrn RegierungS-Präsidenten zum Ver­steigerer für den AmtSgerichtSbezirk HerSfeld widerruflich bestellt und als solcher heute von mir verpflichtet worden.

Der Königliche Landrat Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

HerSfeld, den 16. Juni 1904.

Die bei dem Bürgermeister Groskurth in Unterhaun ausgebrochene Schweinerotlausseuche ist erloschen.

J. I. 3875. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

Nichtamtlicher Teil.

Die abgelaufene Tagung des Reichstags.

Gerade am Jahrestage seiner Wahl hat der Reichs­tag mit der hundertsten Sitzung den ersten Sessionsab- schnit beendigt. Der Reichskanzler hat den Wünschen des Hauses Rechnung getragen, indem er statt eines Schlusses der Session die Vertagung auf längere Zeit veranlaßte. Durch dieses mehrfach angewandte Aus- kunflsmtttel werden die noch unerledigten, zeitraubenden Arbeiten mehrerer Kommissionen über die Sommerpause hinübergerettet, es handelt sich dabei um die Börsenvor- lagen, die Totalisatorvorlage und den Entwurf über die Entlastung des Reichsgerichts. Außerdem wird auf diese Weise für die Fraktionen eine gewisse Ersparnis an Zeit und Mühe erzielt, indem die noch nicht er­ledigten Resolutionen und Initiativanträge in Geltung bleiben.

Die Ergebnisse der Session sind nicht ungünstig. Zwar haben auch im neuen Reichstage die Debatten an der verderblichen Vielrednerei gelitten, die nur dazu dient, das Interesse des Volkes an den parlamentarischen Vorgängen abzustumpsen; aber zwischendurch ist auch wieder tüchtig gearbeitet worden, und in allen wichtigen Punkten ist es dem Reichskanzler gelungen, die Harmonie zwischen den Faktoren der Gesetzgebung zu erhalten oder herzustellen. Ohne erhebliche Abstriche sind die For­

heiligen deutschen Reich unter den Marssöhnen vor­handen war.

Aber auch ihm, dem einzig Glücklichen, sollte seine Stunde schlagen. Wir waren in« Manöver gezogen, da« in jenem Jahre in der Memelniederung obgehalten wurde. Eine» Morgen«, es war gerade Rasttag, bekam unser eiserner Ehrhardt eine mit festen Schriftzügen be- malte Postkarte, aus der ihn ein Onkel, welcher auf einem Gute unweit der Stadt Memel lebte, dringend bat, in einer Familienangelegenheit zu ihm zu kommen.

Da am nächsten Tag Sonntag war, nahm unser Leutnant Urlaub und ging schon um die Mittagszeit in einem nagelneuen Civilanzug von Heller Farbe und in eleganten Lackschuhen nach dem Bahnhof.

Wie in zarten Angelegenheiten, war Ehrhardt der Eiserne auch beim Reisen ein Sonderling.

Da er in seinen Mußestunden eifrigst den Pegasus ritt, hielt er sich alsSchriftsteller" verpflichtet, nach allen Richtungen hin seine Menschenkenntnis zu be- reichern, und glaubte heute dazu eine ganz besonders günstige Gelegenheit zu haben, in einem Nichtraucher- koupee dritter Klasse ein wenig die littauische Be­völkerung in ihrer Sprache und ihren Manieren zu beobachten.

Gedacht getan, ja wäre er im bequemen Jagd, anzug gewesen, er hätte e« sogar fertig gebracht, sich in die vierte Klasse zu drängen, so aber fürchtete er für seinen hellen Anzug und die kostbaren Lockstiefel.

Al» er etwa drei Minuten vor Abgang de« Zuge»

derungen für unsere Wehrkraft zu Wasser und zu Lande genehmigt worden, wobei allerdings zu bemerken ist, daß sich die Verwaltungen im Rahmen des Notwendigen hielten, ohne grundsätzliche Fragen aufzurollen. Nicht ganz so leicht hat man sich über eine Anzahl von gesetz­lichen Maßnahmen auf dem Gebiete des Rechts, der Sozialpolitik und des Wirtschaftslebens verständigt und so noch eben vor Toresschluß das Gesetz über die Kauf- mannsgerichte nach den Intentionen der Regierung fertig gestellt.

Eine wesentliche Verbesserung erfährt die Ordnung der Reichsfinanzen durch die Verabschiedung der von dem neuen Staatssekretär des Reichr-Schatzamtes Frhrn. v. Stengel vertretenen Reformvorschläge. Und schließlich hat der Reichstag in der Behandlung kolonialer Fragen eine sehr bemerkenswerte Schwenkung vollzogen, indem er die Eisenbahn-Vorlagen für Ostafrika und Togo be­willigte. Auch die langen Etatdebatten hatten wertvolle Momente. Sie gaben wieder dem Reichskanzler Ge­legenheit zu Mitteilungen über seine auswärtige Politik, die trotz der durch die kriegerischen Verwicklungen ge­botenen Zurückhaltung manche Aufklärungen brachten und wichtige Gesichtspunkte andeuteten. Nicht unerwähnt bleiben darf die wirkungsvolle Abrechnung, die der Reichs­kanzler im Dezember mit der Sozialdemokratie hielt und die den Höhepunkt der Debatten dieser Session bildete. Im Frühjahr trat noch eine kräftige Ergänzung hinzu, als der Reichskanzler in die Verhandlungen über die Ausweisung russischer Anarchisten eingriff.

Ohne den Stoff zu erschöpfen zeigt doch schon dieser kurze Ueberblick, daß die Besorgnisse, die nach den Wahlen verschiedentlich laut wurden, durch den Gang der Dinge bisher wenigstens nicht gerechtfertigt worden sind. Recht behalten haben vielmehr diejenigen, welche voraussagten, daß sich mit dem Reichstage in feiner neuen Zusammensetzung jedenfalls nicht schlechter auskommen lassen werde, als mit seinem Vorgänger. Dabei hat freilich die geschickte Hand, die Graf v. Bülow in der Behandlung der Dinge und Parteien bewährte, einen wesentlichen Anteil. Der Reichstag hat sich in der Tat durch die Zunahme der sozialdemokratischen Mandate nicht daran hindern lassen, schlecht und recht seine Pflicht zu tun. Und so ist die Hoffnung wohlbegründet, daß er auch in den kommenden Sessionen e» an ersprießlicher Arbeit nicht fehlen lassen wird.

den Abteil betrat und ihn vollständig leer fand, besorgte er bereits auf da» Lebhafteste, daß er der Wissenschaft das große Opfer umsonst gebracht habe, aber kurz vor der Abfahrt kam noch Zuwachs an.

Eine Frau riß mit Ungestüm die Türe auf, setzte mit gewaltiger Anstrengung einen mächtigen Reisekorb mit Nachdruck auf de» Leutnant« beste» Hühnerauge und schob dann zwei Knaben vor sich hinein, um schließlich selbst pustend und stöhnend einzusteigen.Nee, so woa« so woa«l" rief sie, als sie Platz nahm.Nu war hei mi boald vorbifahren"

Ehrhardt, der Eiserne, hatte jetzt Zeit, seine Reise- gesellschaft eingehend zu betrachten.

Die Frau war auf den ersten Blick das, was man im ostpreußischen einePerle" zu nennen pflegt.

Sie trug ein blaues, steifgeplättetes Kleid au« Hausmacherzeug", da« ihrer rundlichen Form eine ganz gewaltige Demension verlieh, und einen Hut, der wie ein Blumengarten auf dem erhitzten Kopfe hin- und her« wackelte.

Die beiden Knaben schienen nicht die ihrigen zu sein, sondern einem besseren Gesellschaftskreise anzu- gehören.

Der ältere mochte etwa vier Jahre zählen, während der jüngere nicht mehr wie zwei Frühlinge hinter sich haben konnte. Sie waren mit kleidsamen Matrosen- anzügen angetan und trugen runde weiße Strohhüte mit blauen Bändern.

Kaum hatte der Zug sich in Bewegung gesetzt, als