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«L^ Fernsprecher Nr. 8. ^»

Sr. 68.

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1904.

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 6. Juni 1904.

Unter dem Schweinebeitande des Valentin Schöne­wolf hierselbst ist die Rotlausseuche ausgebrochen.

I. I. No. 3545. Der Königliche Londrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs Rot.

Hersseld, den 4. Juni 1904,

Nach einer Mitteilung des Herrn LandratS zu Homberg ist unter dem Schweinebestonde des Acker­manns Conrad Eckhardt I. zu Hergetsfeld die Rotlauf' feuche ausgebrochen.

J. I. No. 3550, Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierung« Rat.

Am 3. d. Mt«. wurde hier ein Fahrrad mit der Fabrikmarke von Peter Weil in Rödelheim b. Frank furt a./M., schwarz emaillirt mit Freilauf und Rück- trittbrcmse, unter dem Sattel die No. 33073 ein­gebrannt, gestohlen. Täter: Leo Petrovoer au« Maramaros Sziget in Ungarn, 21 Jahre alt, 1,68 bis 1,70 m groß, untersetzt, ohne Bart, grauen Anzug mit weihen Punkten, schwarzen weichen Filzhut, Schnürschube. Besondere Kennzeichen: auffallend große blaue Augen, etwa» dicke, vorstehende Unterlippe.

Um Fahndung nach dem Täter, ev- Festnahme und Nachricht wird ersucht. Fuldo, den 6. Juni 1904.

Der Polizei-Direktor.

Nichtamtlicher Teil

Politischer Wochenbericht.

Der Reichstag und das preußische Abgeord­netenhaus haben ihre Arbeiten nach der Pftngstpause wieder ausgenommen. Vom Reichstage darf man vor seiner mutmaßlichen Vertagung wenigstens noch mit Fug und Recht die Fertigstellung des Reblausgesetzes, des Münzgesetzes, des Entwurfs betreffend Kaufmannsgerichte und der Kolonialbahn- Vorlagen erwarten. Voraussichtlich wird auch noch ein Nachtragsetat für die letzien Truppensendungen nach Süd- westafrika zu erledigen sein. Welch reicher Beratungsstoff noch im preußischen Landtage der Erledigung harrt, ist aus dem soeben vom Bureaudirektor des Abgeordnetenhauses herausgegebenen Verzeichnisse ersichtlich. Danach liegen hem Abgeordnetenhause noch 30 Regierungs-Entwürfe vor, von denen 5 noch gar nicht in Angriff genommen worden sind, während bei 23 die zweite und dritte Beratung aussteht, Außerdem sind noch zahlreiche Jnitiativ-Anträge, Wahl­prüfungen und über 2700 Petitionen zu erledigen. In beiden Häusern, im Reichstage sowohl wie im Landtage, ist daher während der nächsten Zeit noch fleißige Arbeit zu leisten, und es muß dringend gewünscht werden, daß der von den verschiedensten Seiten laut gewordene Appell an das Pflicht­gefühl der Mandats-Jnhaber seine Wirkung nicht verfehle.

Die Ankündigung des Besuches des Königs Eduard von England in Kiel während der Kieler- Woche hat sowohl der deutschen wie der englischen Presse bereits Stoff zu mancherlei Erörterungen und Besprechungen gegeben. Mehrere englische Blätter haben bei dieser Ge- legenheit einen durchaus freundlichen Ton angeschlagen. So meinte derDaily Graphic", es würde tief zu bedauern sein, wenn das Beispiel der Freundschaft und des gegenseitigen Grauens, welches die beiden erhabenen Teilnehmer der gäben, von den Nationen nicht befolgt r.®lef? Bekundungen der öffentlichen Meinung Eng- ZbJ ^ ^ta S>'r Kenntnis genommen streb 0 muß dagegen hüben und drüben das Be- sers Onist-rS n^ der bevorstehenden Zusammenkunft UN Vroaramm m königlichen Oheim ein fertiges politisches «erben I« ^°?" legen, welches in Kiel verhandelt werden hn& h^8 w^ vielmehr mit Sicherheit behauptet

im.Ä Ä «Ä Anstt°ngungen,

zugehen. Die Russen sollen ein Geschwader ausgeschickt haben, um eine Schlacht zu liefern und so zu verhindern, daß die japanischen Schiffe mit den Landstreitkräften zu- sammenwirkten. Militärische Betrachtungen in der russischen Presse drücken nach wie vor eine lebhafte Zuversicht betreffs des Schicksals Port Arthurs aus. In der Mandschurei er­scheint die Lage unverändert.

Nachdem die Haltung der französischen Regier­ung gegenüber dem Vatikan in dem bekannten Streitfälle die Billigung der Mehrheit der Deputirtenkammer gefunden hat, ist jetzt eine Kommission damit beschäftigt, die Frage zu prüfen, wie weit die völlige Trennung Frankreichs vom Heiligen Stuhl anzuraten sei. Eine Entscheidung dürfte sobald nicht zu erwarten sein, und es wird vielfach die Meinung laut, daß die dergestalt gewonnene Zeit dazu beitragen könne, die früheren Beziehungen zwischen Frankreich und der Kurie wiederherzustellen. Im Vatikan selbst bleibt man bei der mildern Auffassung der Sache und hält an der Hoffnung fest, daß der gegenwärtige Konflikt bald einer friedlichen Lösung zugeführt werden würde. Jedenfalls sei die päpstliche Diplomatie, ohne den wesentlichen Rechten des Heiligen Stuhls etwas vergeben zu wollen, zu einer solchen vollständig geneigt.

Der Krieg zwischen Japan und Nutzland.

Bezüglich der Lage bei Port Arthur bleibt man einstweilen auf unbestimmte Nachrichten aus dritter Hand angewiesen» wonach e« allerdings in den letzten Tagen zu größeren Aktionen gekommen wäre. So besagt ein Reuter-Telegramm aus T s ch i f u vom 9. Juni: Fünfzig Dschunken mit chinestschen Kaufleuten und Kulis an Bord, die Port Arthur am Morgen des 8. Juni mit Erlaubnis der russischen Behörden verlaffen haben und jetzt hier angekommen sind, varitren in ihren Nachrichten; aber darin stimmen die Chinesen überein, daß seit vier Tagen innerhalb 10 Meilen von Port Arthur eine Schlacht wüte, und daß stch alle Soldaten aus Port Arthur zur Front begeben hätten. Nur drei große und eine Anzahl kleiner Schiffe lägen im Hafen; was aus den anderen großen Schiffen geworden sei, konnten die Chinesen nicht sagen; sie sagen ferner, alle Forts hätten mehr oder weniger durch die letzten Be­schießungen gelitten, und die letzthin im Hafeneingang gelegten Minen seien bei einem Gewittersturm explodiert.

Ferner erhält die Russische Telegraphen Agentur eine Meldung aus Liaujang vom 8. Juni, wonach mehrere auf Port Arthur gerichtete Angriffe zurückgewiesen wären: Chinesen berichten, am 6. d. MtS. fanden mehrere sehr energische Angriffe auf Port Arthur gleichzeitig zu Lande und zu Wasser statt. Die Angriffe wurden mit großen Verlusten und unter Vernichtung der dritten japanischen Armee zurückgeschlagen. Die Stellung der Japaner bei Kwantung ist sehr schwierig. Dieselben Quellen melden ein Gerücht von der Vereinigung der beiden russtschen Geschwader vor Port Arthur, ebenso, daß eine See­schlacht stattgesunden habe, in welcher vier große japanische Schiffe zu Grunde gingen.

Später eingetroffene Nachrichten lauten:

Petersburg, 9. Juni. Hier wird angenommen, daß in dem Telegramm aus Liaujang vom 8. ds. über die Angriffe auf Port Arthur am 6. d». ein von dem Telegraphen gemachter Fehler vorliege, und daß bei dem zurückgeschlagenen Angriffe auf Port Arthur nicht die dritte japanische Armee, sondern nur ein Drittel derselben vernichtet worden sei.

Tschifu, 9. Juni. Nach chinesischen Berichten wären die äußeren Forts von Port Arthur sehr be- schädigt, die inneren nur leicht, viele Gebäude in der Stadt seien zerstört. Die Nachricht, daß nur drei große Schiffe in Port Arthur liegen, deutet wahrscheinlich darauf hin, daß sich eine Anzahl im äußeren Hafen, andere hinter der Tigers Taii-Halbinsel befinden. Jede Dschunke in Port Arthur wird gechartert, um die Chinesen fortzuschaffen.

Au» dem westlichen Gebiete von Liautung berichtet eine Depesche der Russischen Telegraphen-Agentur au»

Mulden vom 8. Juni: Nach hier eingetroffenen Nach­richten beschießt ein aus 9 Schiffen bestehendes japa­nisches Geschwader seit gestern die Küste zwischen Sseniutschen und Kaitschou.

Tokio, 8. Juni. Die über einen angeblichen Untergang des Schlachtschiffes Shikishrma verbreiteten Gerüchte entbehren jeglicher Begründung.

London, 9. Juni. Die Great Northern Tele­graph- Company meldet, demB. L.-A." zufolge, daß da« Kabel zwischen Japan und Korea unterbrochen ist. Da dies die einzige Telegraphenlinie ist, über die eine Nachricht von Port Arthur kommen kann, so wird an­genommen, daß dort entscheidende Ereignisse vor sich gehen und daß die Japaner das Kabel erst wieder frei­geben werden, wenn sie amtliche Berichte über das Resultat veröffentlichen können, was, wie man glaubt, in zwei bis drei Tagen zu erwarten ist.

Politische Nachrichten.

Berlin, 9. Juni.

Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin tro^ v.^te tm 11.40 in Heiligengrabe ein. Auf dem Wege vom Bahnhof bis zum Stift bil­deten über 1000 Kriegervereinsmitglieder der Ostpriegnitz Spalier. Die Aebtissin empfing die Majestäten und geleitete sie nach der Blulkapelle. Die Einweihung der Kapelle nahm Stiftprobst Generalsuperintendent Faber vor. Anwesend waren außerdem noch der Kultusminister, der Minister des Innern und der Regierungspräsident. Nach der Weihe fand ein Frühstück im Kapitelsaal statt. Die Abfahrt der Hohen Herrschaften nach Potsdam er­folgte kurz nach 1 Uhr.

Zum Besuch der Kaisers in Hamburg sind vor­läufig folgende Dispositionen getroffen. Der Kaiser und die Kaiserin werden am 19. d. MtS. vormittags gegen V28 Uhr, von Homburg v. d. H. kommend, mittels Sonderzuges in Hamburg eintreffen und sich so­fort an Bord der KaiserjachtHohenzollern" begeben, die an den St. Pauli-LandungSdrücken ihren Liegeplatz erhält. Hierauf werden die Majestäten in der Königl. Preußischen Gesandtschaft dar Frühstück einnehmen und am Nachmittage nach dem Hörner Moor fahren, um dort der Entscheidung des Hansapreises beizuwohnen. Nach Schluß der Rennens wird die Kaiserin nach Plön Weiterreisen zum Besuche der Prinzen August Wilhelm, Oskar und Joachim, während der Kaiser gegen 6 Uhr abends mit derHohenzollern" elbabwärts fährt. Das Kaiserschiff, begleitet von dem kleinen KreuzerHomburg" und dem Depeschenboot .Sleipner", wird mit dem Kaiser an Bord am 20. d. MtS. abend«, von Helgoland zurückkehrend, im neuen Hafen in Cuxhaven vor Anker gehen.

Au» Dresden wird berichtet: Der König hat am Mittwoch einige Stunden außer Bett zugebracht und während der Nacht mit Unterbrechungen geschlafen. Der Appetit ist rege, aber der Kräftezustand läßt noch viel zu wünschen übrig ; auch eine Besserung der katarrha­lischen Erscheinungen ist bis jetzt nicht eingetreten.

Der Reichstag trat am Dienstagjin die Beratung des Münzgesetzes ein. Die Debatte drehte sich haupt­sächlich um den Taler, dessen Erhaltung als Münze die Kommission im Gegensatze zur RegierungS-Vorlage be» schlössen hat. Abg. Dr. Arendt (Rchspt.) trat warm für den Kommissionsbeschluß ein, während derselbe von freisinniger Seite scharf bekämpft wurde. Die Diskussion hierüber nahm auch die Mittwoch« Verhandlungen zum guten Teil in Anspruch. Schließlich siegte die Rom« missionSfassung. Das Münzgesetz ist damit in zweiter Lesung erledigt. An da« Münzgesetz schloß sich am Mittwoch die zweite Lesung bet Vorlage über die Kauf­mann-gerichte an. § 1 brächte eine längere Debatte. Staatssekretär Graf Posadowski betonte nochmals, daß in der Errichtung von Sondergerichten nicht weiter ge» gangen werden solle. Der grundlegende § 1 der Bor«