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ersftlötr Kreisblatt.
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KX- N<»ttspre»er Nr. 8. ^»
«r. 67.
SonntiN 6« 9. Zuni
1901
Amtlicher Teil.
Cassel, den 2. Juni 1904. Bekanntmachung.
An der Landwirtschaftsschule zu Weilburg, Regier« ungSbezirk Wiesbaden, soll auch in diesem Jahre und zwar in der Zeit vom 18. Juli bis 20. August d. I». ein Kursus zur Ausbildung von Volktzschullehrern in der Erteilung des Unterrichts an ländlichen Fortbildungsschulen abgehalten werden, welcher den zweiten Teil eines GesamtlehrgangS darsiellen und als Lehrgegen« stände: organische Chemie, Pflanzenphysiologie, Tier« produktionalehre und landwtrtschastlicheS Unterricht»- wesen behandeln wird.
Den Teilnehmern wird ein Zuschutz aus Staatsmitteln in Aussicht gestellt, wobei jedoch vorausgesetzt wird, daß auch die Gemeinden ihr Interesse an der Sache möglichst durch Uebernahme eines Teiles der Kosten bekunden. Die Beihilfen (Staats-und Gemeinde- zuschuß zusammen) betragen in der Regel 90 Mk. Nach den maßgebenden Grundsätzen haben diejenigen Bewerber, die von ihren Gemeinden, oder von anderer Seite einen angemessenen Zuschutz zu den ihnen durch Teilnahme am Kursu« entstehenden Kosten erhalten, vorzugsweise Aussicht auf Berücksichtigung. Wir geben den Gemeinden anheim, sich durch einen von dem Lehrer auszustellenden Revers dahin zu sichern, daß derselbe die erhaltene Summe zurückzuzahlen hat, wenn er innerhalb Jahresfrist nach stattgehabtem Kursu» die Gemeinde verläßt.
Indem wir noch bemerken, ba6 e» im Interesse der gründlichen Ausbildung der Kursisten erwünscht ist, daß sie nicht nur an einem einzelnen Kursus, sondern an einem vollständigen, 2 Kurse umfassenden Gesamtlehr« Zange teilnehmen, fordern wir die Lehrer, welche an dem diesjährigen Kursu» teilnehmen wollen, auf, ihre bezüglichen Gesuche alsbald, spätestens bis zum 12. d. M t S., durch Vermittelung des Königlichen Schulvorstande« bezw. der Stadtschuldepulation an uns einzureichen.
* ^ *
Abschrift mit der Veranlassung, in geeigneter Weise auf den Kursu« aufmerksam zu machen und uns die eingehenden Meldungen bestimmt bis zum 16. d. Mt».
In dunkles Keljelinnis.
Kriminal-Roman von Moore.
(Fortsetzung.)
Vielleicht hat Barker bas Buch zerstört, es verbrannt, in die See geworfen? Aber nein, der Inhalt bes Buches, wenigstens ein Teil desselben mußte von unendlichem Wert für ihn sein. Möglicherweise trägt er es bei sich. In dem Falle werde ich eS schon entdecken — da bedarf es nur einer genauen Visitation. Aber das ist kaum anzunehmen. Percy Barker ist viel zu vorsichtig, viel zu schlau, um bas zu tun. Wie leicht ist es nicht, so ein kleine« Notizbuch zu verlegen, zu verlieren I
Wo aber in aller Welt soll ich suchen? Zwischen den Büchern! Deren Anzahl ist nicht groß. Es bedarf keiner langen Zeit, sie zu durchstöbern. Ich schüttelte lebe» einzelne Buch, ich durchblätterte sie in fliegender Eile. Aber auch hier ist nicht« zu entdecken.
Die matten Strahlen der Blendlaterne erleuchten schwach bas große dunkle Zimmer. Dort gibt es taufenb stellen, an denen eine solche Kleinigkeit sich verbergen läßt — tausend Stellen, und doch nur eine ist die relllte. Aber warum sollte es nicht auf dem Komptoir fein?
SIuS dem einfachen Grunde, weil Percy Barker — bet Mörder — diesen gravierenden Beweis, dies« Er« innirung, nicht den ganzen Tag in seiner unmittelbaren
einzureichen. Dabei erwarten wir nach Anhörung beS Ortsschulinspektor» eine Aeußerung darüber, ob von der Ausbildung des betreffenden Lehrer« eine Förderung des ländlichen Fortbildung« Unterricht» zu erwarten ist.
Sollten bis zum 16. d. Mt». Meldungen hier nicht vorgelegt werden, so nehmen wir an, daß solche dort überhaupt nicht eingegangen sind.
Königliche Regierung, Abteilung für Kirchen- und Schulwesen. F l i« d n e r.
An die Herren Landräte und Stadtschuldepulationen des Bezirk» (mit Ausnahme der Stadtschuldepulationen in Cassel und Hanau). B. 8846.
*
Hersfeld, den 6. Juni 1904.
Wird den Königlichen Herren Ortsschulinspektoren des hiesigen Kreises mit dem ergebensten Ersuchen um gefällige Namhastmachung derjenigen Herren Lehrer ihre» Bezirks, welche bereit sind an dem fraglichen Kursus teilzunehmen, bis spätesten» zum 12. d. M t ». mitgeteilt. Eventuell ist anzugeben, ob für kostenfreie Stellvertretung gesorgt ist, ob von der Ausbildung des Lehrers eine Förderung des ländlichen Fortbildung»« schulwefen» zu erwarten ist und ob der Lehrer bereits an einem Fortbildungskurs»» teilgenommen hat und be» jahendenfalle» an welchem; ferner, ob die betr. Gemeinde einen Zuschuß leisten will und in welcher Höhe. Fehlanzeige ist nicht erforderlich.
I. I. 3555. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 30. Mai 1904.
In einem Erlaß beS Herrn Minister» für Landwirtschaft, Domänen und Forsten an die Vorstände der LandwirtschaftSkammern vom 21. Mai 1903 ist hinsichtlich der freiwilligen Versicherung gemäß § 14 des Ja« validenversicherungSgesetze« u. a. folgendes ausgeführt:
Berechtigt zum Eintritt in die freiwillige Versicherung (Selbstversicherung) sind unter der Voraussetzung eines Aller» von 16—40 Jahren (§ 14 Jnval. Vers. Ges.):
a. alle landwirtschaftlichen Betriebsunternehmer (Landwirte, Witwen, unverheiratete weibliche Personen) wenn in ihrem Betriebe nicht regelmäßig mehr als zwei versicherungspflichtige Lohnarbeiter beschäftigt
Nähe haben will. Wenn der Abend kommt, dann sitzt er vielleicht hier an seinem Schreibtisch — er hat hier wahrscheinlich gestern und vorgestern so gesessen — bas unheilschwangere Papier vor sich. Dann steht sein ermordeter Kompagnon vor ihm, dann empfindet der starke Mann ein gewisse» unnennbares Grauen — er empfindet — Reue? Nein, Percy Barker bereut die Mordtat nicht, welche er so kalten Blutes begangen Hot. Wäre dieselbe noch ungeschehen, würde er sie sicher ausführen.
Ich suche, suche---E« gibt keinen Winkel im Zimmer, den ich unerforscht gelassen, keinen Gegenstand, den ich nicht gründlich durchstöbert habe. Nein, da« Notizbuch ist nicht hier. Ich bin meiner Sache ganz sicher. Und doch — ist es nicht anzunehmen, ist es nicht völlig wahrscheinlich, daß der Mörder es hier in der Nähe haben will, um es zu jeder Zeit vernichten zu können? Ja, natürlich; aber wo, wo?
Ich lehne mich an den Schreibtisch zurück. Die Tür zu dem Nebenzimmer ist offen. Mechanisch fällt mein Blick auf einen kleinen Tisch, der in der Mitte desselben steht. Ich erhebe mich, ergreife die Blend- laterne und gehe.
Aber im Vorübergehen bleibe ich vor dem Tische stehen. Auf demselben steht eine Schale, eine elegante Nickelschale. Der Boden der Schale ist mit Visitenkarten, Einladungen und Ähnlichem bedeckt. E» konnte mich interefRren, was für Verkehr Percy Barker hat.
Freilich ist da« interessant, denn hier zwischen Karten und Briefen stoßen meine Finger plötzlich auf einige klein« dünne Blätter, die mit feiner, schwer leserlicher,
werden; versicherungsberechtigt sind auch die Ehe» stauen solcher männlicher Betriebsunternehmer, wenn sie in der Landwirtschaft regelmäßig mit tätig sind, b. olle Söhne oder Töchter von Landwirten (nicht nur unter a aufgeführten), die von ihren Eltern ohne bare Vergütung gegen Gewährung von freiem Unter« halt in beten Betrieben beschäftigt find (ebenso die von Geschwistern in der gleichen Weise beschäftigten Geschwister.) Bisher ist von dieser Bestimmung seitens der vorbezeichneten Personen, insbesondere seitens der Ehefrauen, Söhne, Töchter und Geschwister von Landwirten nur in einem geringen Umfange Gebrauch gemacht. — Mit Rücksicht darauf, daß die obige Bestimmung noch wenig bekannt sein dürfte, und im Hinblick auf die erheblichen Vorteil«, welche den Beteiligten durch die rechtzeitige Selbstver« ficherung erwachsen, werden die Herren Ortsvorstände veranlaßt, in geeigneter Weise daraus hinzuwirken, daß die obigen Bestimmungen unter der ländlichen Bevölkerung des Kreises weitere Verbreitung finden, und denjenigen Personen, graue Quittungskarten auSzusiellen, welche in die Selbstversicherung einzu« treten wünschen und bei denen die obigen Voraussetzungen öo utegen.
J. V. No. 44k Der Königliche Landrat
Freiherr von Schletnitz, Geheimer Regterung»-Rat.
Hersfeld, den 2. Juni 1904.
Nach Mitteilung des Herrn Sanbrats zu Ziegenhain ist unter dem Rindviehbestande bes Landwirts Johann Heinrich Riffer zu Berfa Milzbrand ausgebrochen.
I. 1. Nr. 3497. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.
Hersfeld, den 6. Juni 1904.
Die Einreichung der Liste über die für bas l. I. zu erhebenden Landwirtschaftskammerbeiträge bringe ich bei den Herren Ortsvorständen de» Kreises in Erinnerung. — Frist bis z u m 16. b. M t «.
I. I. Nr. 3599. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz,
Geheimer RegierungS-Rat.
aber mir wohlbekannter Schrift geschrieben sind. Die blauseidenen Deckel sind abgerissen — Percy Barker ist ein vorsichtiger Mann — und von dem ganzen Buch sind nur noch diese wenigen Seiten übrig geblieben! Und bei dem unsicher» Schein bet Laterne lese ich, was Benjamin Hood einst niedergeschrieben hat! Freilich — die Persönlichkeit, welcher die Abwickelung der Barker und Hoodschen Angelegenheit einst übertragen wird, hat keine leicht« Aufgabe!
Percy Barker war schlau, sehr schlau! Diesmal hatte er sich jedoch verrechnet! Die List, welche er an» wandte, war nicht feine eigene Erfindung, ich hatte schon früher davon gehört. Wenn er diese Dokumente, freilich in veränderter Gestalt und zum Teil vernichtet, am hellen, lichten Tage vor aller Welt Augen hinlegte, so war e«, weil wohl Niemand auf den Gedanken kommen konnte, fie hier zu suchen.
Aber wer weiß — vielleicht kam Mr. Barker schon heut abend auf den Einfall, die Dokumente zu zerstören! Vielleicht war es da sicherer, sich ihrer sofort zu bemächtigen ? Aber dann würde er ja sofort Verdacht schöpfen. Ich begnüge mich damit, vorsichtig eines der Blätter loszulösen. E» steht nur ein Satz darauf und auf beiden Seiten ist weiße», unbeschriebenes Papier, sodaß er bas mangelnde schwerlich vermissen wird. Jetzt ist bie Sache klar, vollkommen klar.
Zu Haus« angelangt, schrieb ich meinem Versprechen gemäß einen Brief an den Mann, dessen Wohnung ich soeben verlassen hatte. Der Brief enthielt nur wenige