1 9. Mai versuchten die Japaner nacht«, die Rhede von Port Arthur durch Minen zu sperren, hierbei gingen, wie man aus Grund von Beobachtungen an der Küste glaubt, ein Dampfer und zwei Torpedoboote unter. Dom 18. bis 21. Mai wurden auf der Rhede von Port Arthur elf feindliche Sperrminen ausgefischt. Aus Dalny wurde der Handelsdampfer Amur und ein Baggerschiff, sowie eine Dampfbarkaffe nach Port Arthur gebracht.
London, 26. Mai. Aus Tokio wird soeben gemeldet: Die Erstürmung von Kintschau hat gestern (Mittwoch) abend begonnen. Die japanische Artillerie beschoß die Hauptmacht der Ruffen, die bei Nankialing, an der engsten Stelle der Halbinsel, stand. Die Russen konnten dem furchbaren Feuer nicht widerstehen und wichen zurück, während die Japaner nur geringe Verluste erlitten. Heute (Donnerstag) früh begann der Hauptangriff aus Kintschau mit der Erstürmung der Höhen südlich der Festung. Die Japaner hatten ihre Artillerie mit größter Energie in eine vorzügliche Stellung gebracht. Der Kampf war äußerst heftig, aber am Nachmittag war die Festung gestürmt. Die Russen, die später nochmals aus südlich von Kintschau gelegenen Höhen festen Fuß zu fassen suchten, wurden auch von dort vertrieben und sind in vollem Rückzug begriffen, der ihnen aber voraussichtlich abgeschnitten wird. Die Höhe der japanischen Verluste ist unbekannt.
Zu den Vorgängen in Deutsch-Südwest-Asrila.
Nach Südwestafrika rückt am 7. Juni wieder eine große Truppe au«: 31 Offiziere, 52 Unteroffiziere und 670 Mann. Von den Offizieren sind 22 Preußen, I
4 Bayern, 3 Sachsen und 2 Württemberger. Die Mannschaften berühren diesmal Berlin nicht, sondern kommen vom 5. Juni an auf dem Truppenübungsplatz zu Döberitz zusammen. Dort ist eine Bekleidung«- und Ausrüstung-baracke errichtet, die unter dem Befehle des Hauptmanns Meydan steht und die Truppe versorgt. Von Döberitz marschiert die Truppe am 7. Juni Abends nach dem Bahnhof in Spandau, um von dort nach Hamburg zu fahren. Dort erfolgt die Abfahrt am nächsten Tage. Diesmal wird auch viel Proviant mitgenommen, Konserven, Reis, Mehl usw. Die Liefer- anten müssen diese Sachen bis zum 5. Juni nach Spandau bringen.
Politische Nachrichten.
Berlin, 26. Mai.
Seine Majestät der Kaiser unternahm bald nach seiner Ankunft in Prökelwitz in Gesellschaft des Fürsten zu Dohna einigt Jagdausflüge, bei denen der Monarch am Vormittage drei Böcke, am Nachmittage zwei Böcke zur Strecke brächte' Das anfänglich kalte Wetter hat jettzt einer milden, prächtigen Witterung Platz gemacht.— Generalleutnant von Mackensen ist gestern von Danzig in dem Prökelwitz benachbarten Christburg für die Dauer von drei Tagen eingetroffen, um dort das Manöver- gelände zu studieren und als Generaladjutant in der Nähe des Kaisers zu sein.
Auch das sächsische Königshaur ist neuerdings wieder von schwerer Trauer heimgesucht worden. Am 24 Mai abends 9 Uhr verstarb Frau Prinzessin Jsa- bella.HerzoginzuSachsen, geborene Herzogin von Württemberg, Gemahlin Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Johann Georg, Herzogs zu Sachsen, infolge von Verstopfung eines größern Astes der Lungenschlag- ader (Embolie). Die hohe Verstorbene hatte sich kurze Zeit zuvor einer Operation unterziehen müssen, und die Folgen dieser Operation haben nunmehr zum Tode geführt.
Wie aus Königsberg gemeldet wird, nahm die deutsche Lehrerversammlung in ihrer gestrigen Hauptversammlung nach dem Vortrage des Oberlehrers Muthe- fins-Weimar über »Universität und Volks- schullehrerbildung nachstehende, vonLangermann- Barmen ausgestellte Thesen an: 1. Die Universität, als Zentralstätte wissenschaftlicher Arbeit, ist die geeignetste, durch keine andere Einrichtung zu ersetzende Stälie für Dolksschullehrerbildung; 2. für die Zukunft erstreben wir daher Hochschulbildung für alle Lehrer; 3. für die Jetztzeit dagegen fordern wir, daß jedem VolkSschullehrer aus Grund feines Abgangszeugnisses vom Seminar die Berechtigung zum Universitätsstudium erleilt werde. — Aus dem Referat des Oberlehrers Muthesius ist folgende Stelle hervorzuheben: Mit dem zunehmenden BildungS bedürfnis der Masse feien die Anforderungen an die VolkSschullehrer noch immer gestiegen. Mehr und mehr verlange das Volk mit den Errungenschaften der fortschreitenden Kultur bekannt gemacht zu werden, und noch sei es der VolkSschullehrer, der als der geeignetste Mittler zwischen Wissenschaft und Volk angesehen werde. Um aber seine Rolle als Kulturträger mit Erfolg spielen zu können, sei es unbedingt nötig, die Bildung des VolkSschullehrer«, seine Stellung in der Oeffentlichkeit und seinen Beruf als solchen dadurch den an ihn gestellten hohen Anforderungen anzupiffen, daß ihm eine akademische Ausbildung ermöglicht werde. Somit laute seine erste Forderung: die Universität für die Volks- schullehrer-Fortbildung zu öffnen. Der Redner schilderte dann die Mängel der Seminarausbildung und forderte die Verlegung der Seminar-Lehrerbildung an die Universitäten. Im Anschluß daran verbreitete er sich über die „Schulausfichl-frage" und stellte die Forderung aus,
daß den Volksschullehrern, die ihren Studiengang an der Universität beendet und eine entsprechende Prüfung abgelegt haben, die Schulaufsicht und der Seminardienst übertragen werden.
Den Bundesregierungen ist vom Reichskanzler der Entwurf einer neuen Maß- und Gewichts- Ordnung mit dem Ersuchen um Prüfung mitgeteilt worden. Der Entwurf wird demnächst samt den dazu gehörigen Erläuterungen veröffentlicht werden, um auch weiter» Kreisen zur MeinungS-Aeußerung Gelegenheit zu geben.
Das italienische Budget für 1903/04 wird, wie der Minister Luzzatti in der Deputiertenkammer erklärte, einen Ueberschuß von 20 Millionen ergeben.
Nach einer amtlichen Mitteilung des eidgenössischen Handelsdepartements sind die schweizerisch« italienischen Handelsvertrags-Ver- Handlungen in Rom suspendiert worden.
Die Pforte hat der bulgarischen diplomatischen Agentur mitgeteilt, daß jetzt den Flüchtlingen die Rückkehr unter allen vereinbarten Erleichterungen sreisteh« und daß den Behörden in Mustafa-Pascha entsprechende Weisungen erteilt worden seien.
Im Hafen von Genua wurden von ausständigen Kornträgern arge Ausschreitungen verübt.
Der Vizekönig von Kanton hat von der Verwaltung der portugiesischen Niederlassung Macao die Auslieferung eines vor den chinesischen Gerichtsbehörden dorthin Geflüchteten verlangt. Vier chinesische Kanonenboote und zwei Torpedobootszerstörer sind vor Macao eingetroffen. Die Portugiesen rüsten sich zum Widerstände gegen einen Landungsversuch.
Der Präsident der Republik Uruguay gibt einen Sieg der Regierungstruppen unter General Muniz bekannt ; es seien insgesamt 80 Mann gefallen und 200 verwundet.
Der Beginn eines neuen Boxeraufstandes wird aus der Provinz Schantung gemeldet.
Aus Pminz mii) WkrBiet.
* (Personal-Chronik). Ernannt: die Referendare Scheye und Buck zu Gericht-assessoren, die Rechts' kandidaten Schnurre, Rimbach, Herbold und Keßler zu Referendaren, der Hilfsförster Griesar zum Förster unter Uebertragung der Försterstelle zu Blankenbach, Ober- sörsterei Nentershausen, an Stelle der verstorbenen Friedrich Rudolph zu Heringen der Beigeordnete Landwirt Karl Friedrich Hopf daselbst zum Stellvertreter des Standesbeamten für den Standesamt-bezirk Heringen. — Bestellt: der Pfarramt-kandidat KrommeS zum Gehilfen des Pfarrers Becker in Netra. — Uebertragen: dem Landrat Springorum aus Waldbroel vom 1. f. Mt«. ab das bisher von ihm kommissarisch verwaltete Landratsamt im Kreise Fulda endgültig und als widerrufliches Nebenamt die Geschäfte des landesherrlichen Kommissars bei dem Vorsteheramt der J-raeliten zu Fulda.' — Entlassen: die GerichtSassessoren Dr. Dörinkel und Dr. Nußbaum aus dem Justizdienste infolge ihrer Zulassung zur Rechtsanwaltschaft, ersterer beim Amtsgericht in Oeynhaufen, letzterer beim Landgericht in Hanau
* (Einrichtung einer deutschen Postanstalt in Swatau) (C h i n |. In Swatau (China) ist eine Postanstalt eingerichtet worden, deren Tätigkeit sich auf den Briespost-, Zeitung«- und Postan- weisungsdienst sowie auf die Annahme und Ausgabe von gewöhnlichen Paketen mit oder ohne Nachnahme erstreckt. Ueber die Taxen und Versendungsbedingungen geben die Postanstalten auf Verlangen Auskunft.
* Die 45. Hauptversammlung des Verein- deutscher Ingenieure wird vom 6. bis 8. Juni in Frankfurt o/M. und D a r m st a d t statt- finden. In den geschäftlichen Verhandlungen an den Vormittagen der Versammlung-tage dürsten folgende Punkte allgemeinere« Interesse bieten: Herausgabe eines umfassenden technischen Wörterbuches (Technolexikon) in den drei Sprachen Deutsch — Französisch — Englisch, Herausgabe eines Werkes über die Geschichte der Dampfmaschine, Verhandlungen über eine Reform des gewerblichen Rechtsschutzes, Bau eines neuen Vereins Haufe« zu Berlin. Außerdem werden die nachstehenden Vorträge gehalten werden: Geh. Regierung-rat Pros, v. Borries Berlin: Schnellbelrieb aus Hauptbahnen. Geh. Hofrat Max v. Eylh°Ulm: Poesie und Technik. Geh. Baurat Prof. Gutermuth Darmstadt: Dampfturbinen. Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Riedler- Berlin: Großgasmaschinen. Ingenieur Preiß Mainz: Der Landungssteg in Lome (Afrika)
-e- Hersfeld, 28. Mai. (Unter der blühen- den Linde.) Die Linde blüht, und es ist, als ob in ihrem Duft ein Stück guten alten, deutschen Volkstums läge. Um die altehrwürdige Dorflinde konzentrierte sich früher das gesamte öffentliche Leben des bäuerlichen Gemeinwesens. Hier wurde Recht gesprochen, und da« Urteil konnte auch gleich an Ort und Stelle vollzogen werden. Man sieht noch vereinzelt an alten Linden da« Halseisen, da« den Verurteilten zum Prangerstehen festhielt. Unter Glockengeläut eilten einst die Bauern zur Linde als der Dtngstätte, und der Schultheiß mit weißem Amt«siab, umgeben von den Schöffen, hielt unter freiem Himmel bis zum Sinken der Sonne da« Bauerngertcht. Die Linde schaltete ihre Zweige aber auch über jubelnden Frohsinn und friedliche Feierabendstimmung, und noch heute ist die Dorflinde vielfach der Sammelpunkt für die lebensfrohe Dorsjugend oder für
die braven Alten, die hier allerlei gewichtige Neuigkeiten austauschen. Und e« plauscht sich gut, von dem würdigen Dunkel erhabener Linden beschattet, die Jahrhunderte schon an dieser Stelle gewurzelt! Vor allem aber hat sich die deutsche Liebespoesie um diesen Baum gerankt. Wer hätte das schlichte Volkslied nicht immer wieder gern gehört ober selber gesungen: Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein LindenbaumI . . Es zog in Freud' und Leide zu ihm mich immerfort! Eine gewisse Wehmut klingt oft aus solchen Lindenliedern, eine schmerzliche Resignation um etwas Verlorener: Auf ihrem Grab, da stehet eine Linde, drin pfeifen die Vögel im Abendwinde! Oder man denke an die schwer, mütigen Verse Eichendorffs: Seh' ich dich wieder, du geliebter Baum, in dessen junge Triebe ich einst in jene« Frühlings Traum den Namen schnitt von meiner ersten Liebe! Aber auch heitere, frische Lebenslust findet sich im deutschen Lied von der Linde. Das wunderhübsche Studentenlied von der Lindenwirtin be. geistert die Füchse und die alten Semester, ja auch die alten Häuser in gleicher Weise; '« ist doch auch etwas Prächtiges um diese jugendliche Romantik: Vor ihm stund ein volle« Glas, neben ihm Frau Wirtin saß unter bet blühenden Linde! Er ist mit Recht gesagt worden, daß in der Linde männliche fttäfFünb weibliche Weichheit zu einem Ideal verschmolzen seien und darin liegt wohl der Hauptgrund, daß die Linde gerade dem deutschen Volkstum so lieb und wert ist.
):( Hersfeld, 27. Mai. Dem pensionirten Ober, briefträger Heinrich Schleicher hier wurde da« A l l - gemeine Ehrenzeichen verliehen.
(:) Hersfeld, 27. Mai. Gestern nachmittag ereignete sich in einer hiesigen Kolonialwarenhandlung eine Explosion. Als ein Lehrling mit einem Streichholz in ein nicht ganz gefülltes Likörfaß geleuchet hatte, explodirte dasselbe mit lautem Knall. Die brennende Flüssigkeit verbreitete sich über den ganzen Fußboden. Nur durch energisches Eingreifen gelang es da« Feuer durch Säcke zu ersticken und so ein größeres Brandunglück zu verhüten, zumal in dem Raum noch eine Anzahl Fässer mit Spirituosen lagerten. Der Lehrling kam mit einigen leichten Brandwunden im Gesicht davon.
(:) Hersfeld, 27. Mai. Heute nachmittag gegen Va5 Uhr entluden sich mehrere schwere Gewitter über unserer Stadt. Dieselben waren von wolkenbruch- artigen Regen, mit Hagel vermischt, begleitet, welche in Feld und Gärten vielfach Schaden anrichteten. Während beS Unwetter« herrschte fast nächtliche Dunkelheit. In den tiesergelegenen Häusern drangen die Wassermassen in die Keller ein, und mancher Hofraum war vollständig überschwemmt.
* Eine in juristischen Kreisen mehrfach „erörterte Streitfrage ist die, ob eine mit einem Hand l - gehülfen getroffene Vereinbarung, daß für ben Fall einer Erkrankung die Gehaltszahlung während der Dauer der Krankheit entgegen der Bestimmung in Absatz 1 des § 63 Handels-G. B. in Fortfall kommen soll, nichtig ist. Die 7 Zivilkammer des Landgerichts I. in Berlin hat diese Frage in einem anhängig gemachten Prozesse neuerdings wiederum bejaht. Die Zivilkammer folgert dies aus dem inneren Zusammenhänge des Gesetzes und der sozialen Tendenz der neueren Gesetzgebung. Das öffentliche Interesse, das den Schutz der wirtschaftlich Schwachen fordere und zur Aufnahme einer Reihe von Bestimmungen in dem Abschnitte Handlungügehülfen und Handlungslehrling geführt habe, werde gerade durch die Vorschrift des § 63 Abs. 1 auf das allerstärkste berührt; denn wenn die Handlung-gehülfen, welche gewöhnlich außer ihrem ®-6ilt über keine bedeutenden Subsistenz« Mittel verfügen, sich im Falle ihrer Erkrankung des Gehalts beraubt und bestenfalls auf Kassen und andere Kassenbeiträge angewiesen sehen, werden sie häufig gesundheitlich und wirtschaftlich zurückgehen und schließlich auf die eine oder andere Weise der Allgemeinheit zur Last fallen.
Cassl, 25. Mai. (Getreide-, Futter- und Düngermarkt.) Der heutige Markt war schwach besucht und stand noch unter dem Druck der F-iertage. Wir notieren für Weizen 16.75, Roggen 13.75, Hafer 12.50—13.—. Alle« per 100 Kilo in Waggonladungen ab Lager Parität Cassel.
Marburg, 20. Mai. Nach dem soeben erschienenen Verzeichnis der Studierenden an hiesiger Universität während des gegenwärtigen Sommersemestei« beträgMüe Gesamtzahl derselben 1221. Davon entfallen auf die einzelnen Fakultäten: theologische 150, juristische 382, medizinische 169, philosophische 720. Dazu kommen noch 80 Hörer, darunter 12 Damen. E« beträgt sonach die Gesamtzahl der zum Hören Berechtigten 1501, eine Zahl, die noch niemals erreicht wurde. Im letzten Wintersemester betrug die Gesamtzahl der zum Hören berechtigten 1227 und im vorigen Sommersemester 1383. Es waren verblieben aus vorigem Wintersemester 788. Der Neuzugang betrug also 633. Unter den Studierenden befanden sich 1131 Preußen und unter diesen 470 aus Hessen Nassau.
Marburg, 25 Mai. Der Oberlehrer im hiesigen Gymnasium, Dr. Euler, wurde auf seinen Antrag an da« Gymnasium zu Wetlburg versetzt. — Kaum hat die Badezeit begonnen, so hat auch schon die Lahn ein Opfer gefordert. Gestern abend gegen 7 Uhr ertrank ein junger Hau-bursche beim Baden in der Lahn oberhalb der Stadt. Seine Leiche wurde noch nicht gelandet.
Marburg, 24. Mai. Landgerichtsdirektor Jße wurde an Stelle des von hier nach Königsberg versetzten