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$onner|«fl ki 19. Mai
1901
Amtlicher Teil.
Von beachtenswerter Seite ist darauf hingewiesen worden, daß die auf den Straßen seilgehaltenen Mineral- Wässer, wie Selterser, Soda-Wasser u. a. m. an die Abnehmer stet» eiskalt verabfolgt werden und daß der Genuß so kalten Wasser«, welcher schon in normalen Zeiten leicht ernste Verdauungsstörungen von längerer Dauer nach sich ziehe, beim Drohen der Cholera die Neigung zu ähnlichen Erkrankungen befördere.
Im Auftrage des Herrn Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten werden daher die Verkäufer von Mineral Wässern int Ausschanke hiermit angewiesen, das Getränk fernerhin, gleichviel, ob die Cholera droht oder nicht, nur in einem der Trinkwaffer- Temperatur entsprechenden Wärmegrade von etwa 10 0 Cels. abzugeben. Gleichzeitig wird das Publikum vor dem Genusse eiskalter Getränke überhaupt, also auch des zu kalten Bieres, insbesondere aber der Mineral-Wässer, gewarnt. (A. II. 6522.)
Cassel am 5. Mai 1904.
Der Regierungspräsident. I. V.: M e j e r.
Da» vom Königlich Preußischen Statistischen Bureau in Berlin auf Grund der Materialien der Vieh- und Obstbaumzählung vom 1. Dezember 1900 und anderer amtlicher Quellen bearbeitete Viehstands- und Obstbaumlexikon vom Jahre 1900 für den preußischen Staat ist vor kurzem im Druck erschienen. Der Preis für da» Provinzheft für Hessen- Nassau nebst Fürstentümern Waldeck und Pyrmont — 83/< Druckbogen — beträgt 1,80 Mk. Bei Entnahme des ganzen Werkes von zusammen 1487/s Druckbogen tritt eine Preisermäßigung von 31,20 Mk. auf 25,00 Mk. ein. Ich weise aus dieses für viele Zwecke nützliche Werk besonders hin und empfehle es zur Anschaffung. (A. III. 3707.)
Cassel am 4. Mai 1904.
Der Regierungspräsident. I. V.: M e j e r.
Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachungen vom 4. Mai, 26. September, 8. Oktober, 31. Oktober und 2 Dezember 1903 und 2. März ds. Js. bringe ich hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß
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Jin kilkits Heheilililis.
Kriminal-Roman von Moore.
(Fortsetzung.)
Morrison trat an mich heran. Ohne ein Wort zu sagen, reichte er mir seine Hand, und ich drückte sie ihm herzhast.
In diesem Augenblicke fühlten wir Beide, daß der alte Groll geschwunden war. Die Vergangenheit war ausgelöscht.
Nelly strahlte. Ihr Verlobter erzählte, woher wir uns kannten. Unsere Feindschaft erwähnte er nicht weiter. Nelly versicherte, sie freue sich herzlich darüber, daß wir Kameraden seien.
Kameraden! Gemeinsame Sache — der Brief — Ich bat Morrison, mir eine kurze Unterredung unter vier Augen zu gewähren, worauf sich das junge Mädchen sofort zurückzog.
22" ** sagte, versteht sich von selbst. Henry Morrison ging, ohne sich zu besinnen, auf meinen Vor- schlag ein Er selber wußte nicht daü Geringste. Mr. Förster sah er so gut wie gar nicht. Sein Dienst nahm ihn völlig in Anspruch und an» dem alten Thomas war nichts herauszubringen. Eine Zeitlang wollte er die Sache jedoch noch mit ansehen.
SleÜy Leigh kehrte zürück. Wir nahmen Abschied von einander. Sie bat mich, Morrison bald einmal zu begleiten. Ich ging — uud Morrison blieb.
die Herren Minister des Innern und der öffentlichen Arbeiten durch Erlaß vom 23. März ds. Js. III. 2705 M. d. ö. A. - , , _ r . , na. 2476 3»; rur Kennzeichnung von Kraftfahrzeugen für den Regierungsbezirk 1) Breslau die weiteren Nummern K. 1001—1800, 2) Liegnitz die weiteren Nummern K. 801 — 1000 und durch Erlaß k in. 3131 M. d. ö. A. „ . m vom 30 März d. J. IIa 2361 M. d. J. fflr den Ne- gierungsbezirk 3) Osnabrück die weiteren Nummern S 1401—1500 überwiesen haben. (A. II. 5461.)
Cassel am 22. April 1904.
Der Regierungs-Präsident. I. V.: M e j e r.
Auf Grund des § 131 b der Reichsgewerbeordnung habe ich im Einvernehmen mit der Handwerkskammer zu Cassel Gesellenprüfungsordnungen für folgende Hand, werke erlassen:
1) für Steinbildhauer, 2) für Holzbildhauer, 3) für Gipsbildhauer, Stukkateure, Gips- und Zemeutgießer, 4) für Grabstein- und Marmorhauer und Schleifer.
Ich werde alsbald nach Vervielfältigung der Ge- sellenpcüfungsordnungen jeder Aufsichtsbehörde und jedem Prüfungsausschuß je einen Abdruck übermitteln.
Die Prüfungsordnungen liegen vom 15. Mai d. J. an bei den Aufsichtsbehörden zu jedermanns Einsicht aus und sind außerdem bei der Handwerkskammer zu Cassel käuflich zu haben. Die unter dem 25. Mai 1901 erlassene, im Amtsblatt Nr. 22 für 1901 veröffentlichte Gefellenprüfungsordnung für Stukkateure tritt außer Kraft. (A. II. 5392.)
Cassel am 18. April 1904.
Der Regierungs-Präsident. I. V.: M ej er.
Nichtamtlicher Teil.
Der Krieg zwischen Japan und Rußland.
Die japanische Flotte hat sich neuerdings im Golf von Liautung in der Nähe von Niulschwang gezeigt und feuerte auf die Stadt und die in der Umgegend verteilten russischen Posten. Das Feuer blieb erfolglos; das Geschwader dampfte nach Südwesten ab.
Als ich aber wieder auf die Straße kam, zog ich ein
Couvert aus der Tasche, und gleich Schneeflocken tanzten
die weißen Papierstückchen im Winde.
4. Kapitel.
Es ist Abend geworden. Ich gehe in meinem Zimmer auf und nieder. Ich warte auf einen Besuch, der bald kommen muß.--
Tiefe Finsternis herrscht draußen wie drinnen. Ich habe kein Licht angezündet. Wäre doch dieser Besuch erst überstanden. Die Aufklärungen, die Percy Barker mir geben wollte, — pah! da» kleine Messer in meiner Tasche war tausendmal mehr wert. Und gerade des Messers wegen wünsche ich, daß Percy BarkerS Besuch erst vorüber wäre. Wenn er sich nur nicht lange aushalten wollte, ich habe heute Abend noch sehr viel aus- zurichten.
Was für eine Persönlichkeit war Mr. Percy Barker im Grunde? Hatte der Zufall ihn so hoch steigen lassen
oder war er in der besten Bedeutung des Wortes a selfmade man?
Und in großen Umrissen zieht die Lebensgeschichte des amerikanischen Millionärs an mir vorüber — die Bilder verweilen einen Augenblick und verschwinden dann wieder im Dunkeln.
Eine wunderbare Lebensgeschichte! Wer weiß, was wahr, was erdichtet ist? Niemand außer Percy Barker selber ist im Stande, diese Frage zu beantworten.
Es war zu der Zeit, als das Goldfieber im Lande raste. Nach Kalifornien I Nach Kalifornien I fort nach
Petersburg, 17. Mai. Nach einer Depesche aus Liaujang ist dort keine Veränderung eingetreten. Die offiziellen japanischen Berichte über die Verluste der Russen werden als sehr übertrieben bezeichnet; die eigenen unterschätzen sie. Chinesen berichten, daß sofort nach der Einnahme von Pulantsen die Japaner und ihnen zugetane Chinesen jene Chinesen töteten, die als Bahnarbeiter in russischen Diensten waren.
Zu den Unternehmungen der Kosaken in Korea wird aus Söul gemeldet, daß eine japanische Abteilung 200 Russen nördlich von Andschu eingeschlossen hält und sie auszuhungern sucht. Die Kosaken haben keine Vorräte mit Ausnahme dessen, was sie durch Fouragieren erhalten haben, und man erwartet, daß dies bald aufgezehrt sein wird.
Ueber die japanischen Pläne hinsichtlich Port Arthurs berichtet eine Londoner Depesche vom 16. ds : „Dem Reuterschen Bureau wird aus Tschifu vom heutigen Tage gemeldet, daß ein kombinierter Land- und Seeangriff auf Port Arthur zwischen dem 20. und 23. M a i erwartet wird. Die Japaner hoffen, Dalny in einigen Tagen zu besetzen und nach Zerstörung der Minen in der Talienwan- bucht dort weitere Truppen zu landen und mit dem Angriff auf Port Arthur zu beginnen. Ein japanischer Offizier erklärt, sie wären bereit, 2000 Mann beim Angriff zu verlieren. Unterrichtete Chinesen sagen, die Einfahrt in P o r t A r t h u r sei nicht gesperrt."
Den Untergang des japanischen AvisoS Mijako schildert eine Drahtmeldung aus Tokio, 16. Mai, wie folgt:
„Die Mijako ging verloren, als sie behülflich war, die Kerr Bucht von russischen Minen zu säubern, wohin Avmiral Kataoka gestern mit einer Abteilung des dritten Geschwaders gegangen war, um zwei Torpedo- booisflotlillen zu beschützen, die für diese Arbeit aus- ersehen waren. Fünf Minen waren schon gefunden und zerstört und die Arbeit für den Tag beendet, als die Mijako auf eine nicht entdeckte Mine stieß, die unter ihrem Bug mit großer Kraft explodierte und den Schiffskörper schrecklich verwüstete; das Schiff hielt sich aber noch 22 Minuten über Wasser. Zwei Matrosen wurden getötet, sechs verwundet, die übrige Mannschaft wurde gerettet."
Auf die in Rußland herrschende Korruption wirst
dem gelobten Land! Und das Fieber, das entsetzliche Fieber steckte Tausende, ja Millionen von Menschen an, mit glänzenden Augen und umnebelten Sinnen gaben sie der dämonischen Kraft widerstandslos nach — es war ein langer, wogender Zug, ohne Anfang, ohne Ende, ein Zug von fieberhaften, wahnbefangenen Menschen — man entsetzte sich bei dem'unheimlichen Anblick, man wandte sich schaudernd ab — oder auch, man schloß sich dem Zuge an.--
Und unter der unabsehbaren Schaar befand sich auch Mr. Percy Barker. Er war zu jener Zeit jung, und er war arm. Er dachte wie alle Andern — wenn sie überhaupt dachten — : „Mit einem einzigen Hieb Deiner Hacke, mit einem Spatenstich kannst Du in den Besitz unermeßlicher Reichtümer gelangen, weshalb zögern? Weshalb Andere den Vorsprung gewinnen lassen?" Ein unermeßlicher Reichtum — das stärkste Hirn konnte bei diesem Gedanken ein Schwindel ergreifen.
Percy Barker wurde Goldgräber. San Fcanzisko war sein Ziel. —
Großes Gepäck beschwerte ihn nicht. Ein Ränzel auf dem Rücken, ein Bündel in der Hand, ein Messer im Gürtel — ober im Sliefelschast und, last not least — der unentbehrliche, sechsläufige Revolver.
Doch nicht Alle werden vom Glücke begünstigt. Und wem es gelingt, mit einem Schlage reich zu werden, den erfaßt ein Taumel auf der schwindelnden Bahn — er verliert den Halt und stürzt rettungslos in die Tiefe hinab — da bedarf es einer harten Stirn, um nicht im Staube liegen zu bleiben. Es ist ein gefährlicher Sturz.