arbeitete der Kaiser allein und unternahm dann mit der Kaiserin und der Prinzessin eine längere Spazier« fahrt durch die Orangerie und den Rheinwall über Rupprechtsau zurück nach dem Palais. — Zum Abendessen war Staatssekretär ü. Rüder geladen. —• Heute Vormittag 8 Uhr haben Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin mit der Prinzessin Viktoria Luise und Gefolge unter dem Geläute der Glocken die Fahrt nach Metz angetreten. Zur Verabschiedung waren am Bahn- Hof erschienen Fürst und Fürstin zu Leiningen, der kommandierende General Hentschel von Gilgenheimb und Polizeipräsident Dall. Der Kaiserliche Statthalter ist gestern nach Metz vorousaesahren.
Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin wurden am Sonnabend nach der Ankunft bei der neuen Kirche in Metz am Portal derselben vom Konsistorium mit Konsistorialrat Pfarrer Braun an der Spitze empfangen, der die hohen Herrschaften in einer Ansprache begrüßte. Beim Betreten bei Gotteshauses ertönte ein Doppelchoral in Begleitung der Orgel und eines Posaunenchores. Die Majestäten nahmen Platz auf bereit gestellten Sesseln in der Nähe des Altars und der Kanzel und folgten mit sichtbarem Interesse dem Verlaufe 'her Weihehandlung. Um 12 Uhr 20 Minuten gaben die neuen Glocken das Zeichen, daß der Gottesdienst beendet fei, und bald erschienen zuerst die Kaiserin und dann der Kaiser vor dem Portal, wo er zu Pferde das Erscheinen der Fahnen des König-Regiment» ab- wartete. Der Kaiser begrüßte die Feldzeichen und ritt dann hinter der Equipage der Kaiserin her. Im Zuge ritt auch Fürst Hohenlohe-Langenburg, während Staatssekretär v. Köller mit dem Beziikrpräsidenten in einer Equipage folgte. Seine Majestät der Kaiser hielt unmittelbar am Fuße deü Kaiser-Wilhelm-Denkmals und nahm hier den Vorbeimarsch der Truppen des 16. Armeekorps ab, der bis 2V< Uhr Nachmittags währte. Ihre Majestät die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Luise wohnten der Parade bet. Nachdem Se. Majestät der Kaiser im Beisein der Kommandeure und des Gefolges zahlreiche militärische Meldungen entgegengenommen und Kritik abgehalten hatte, fuhren Ihre Majestäten mit der Kaiserlichen Prinzessin, von einer vieltausendköpfigen Menge jubelnd begrüßt, zum Bahnhöfe, von wo um 3 Uhr die Abfahrt nach St. Johann-Saarbrücken erfolgte.
— Saarbrücken, 14. Mai. Im hiesigen Rathause erwiderte Se. Majestät der Kaiser auf die Begrüßungsansprache des Bürgermeisters: Empfangen Sie den Dank der Kaiserin und Meinen für die freundlichen Worte, die Sie soeben gesprochen haben, und für den Empfang, den Uns die Bürgerschaft bereitet hat. Der Jubel, der von Herzen kam, ist zu unseren Herzen gedrungen, und Wir wissen wohl den Grund desselben zu schätzen und zu verstehen, denn diese« Vermächtnis hier des hochseligen Kaiser« schreibt in kurzen Zügen die Geschichte der großen Ereignisse, die die Stadt durchgemacht hat, dauernd sestgelegt für die kommenden Geschlechter. In schwerer Zeit, wo des Großen Kaisers Majestät auszog, um das deutsche Volk zu einen, wo noch ungewiß die Zukunft vor ihm lag, und in mächtigem Ringen das deutsche Volk seine Einigkeit wiederfand, da war es dieser Stadt vergönnt, den Heldengreis zu begrüßen auf seiner Fahrt in» Schlachtfeld. Seinem Wirken und der Gnade Gottes, die ihn berief und unterstützte, ist es zu danken, daß nunmehr diese Stadt nicht mehr eine Grenzstadt
einem Kunden zu begeben, nicht wahr? Daß Sie Eile hatten, merkte man wohl."
„Ganz recht, Mr. Moore, ich wollte zu einer reichen, alten Dame, die mich um diese Zeit bestellt hotte. Sie können sich nicht vorstellen, wie eigen sie mit ihren Sachen ist. Sie ist entsetzlich eingebildet, und dabei hat sie — aber wie kann Sie mein Geschwätz nur interessieren! Verzeihen Sie, Mr. Moore, und haben Sie herzlichen Dank für ihre Begleitung. Hier wohne ich!"
Wir machten vor einem Hause in einer ruhigen Seitenstraße Halt. Sie sah zu einem Fenster im ersten Stockwerk hinaus, und mein Blick folgte dem ihren. Die Fensterscheiben waren spiegelblank, die Gardinen schneeweiß, und auf dem Fensterbrett- stand eine Reihe Blumentöpfe mit blühenden Gewächsen.
Miß Nelly streckte ihre kleine Hand hin, um sich zu verabschieden. Aber ich wollte sie nicht so leichten Kaufe» freigeben
„Ach nein. Miß Leigh, jetzt, wo ich Sie so weit begleitet habe, gestalten Sie mir wohl, Sie die Treppe hinauf zu führen. Treppen sind ja so sehr anstrengend, und Sie sehen noch ein wenig bleich aus." Die letzten Worte entsprachen freilich der Wahrheit nicht so ganz, Miß Leigh glich einer blühenden Rose.
Sie öffnete die Tür, dann wandle sie sich nach mir um und sagte: „Wie liebenswürdig von Ihnen, Mr. Moore, daß Sie mir noch ein wenig Gesellschaft leisten wollen! Meine Mutter wird sich sehr freuen."
Oben angelangt, klopfte sie an die Tür. Ein Schlüssel raffelte im Schloß. Knarrend öffnete sich die Tür.
Da« runzliche Gesicht einer ölten Frau blickte hervor. „Bist Du er, Nelly r"
Und Nelly trat ein; ich folgte ihr. Sie zeigte mit der Hand auf da» altmodische Sofa und bat mich, Platz zu nehmen. Dann verschwand sie im Nebenzimmer.
Einige Minuten vei floffen. Ich blickte mich im Zimmer um. Einige Stühle, da» alte Sofa, ein braun gestrichener Tisch, einige Kupferstiche an den Wänden und der duftende Blumenflor in den Fenstern; Miß Nelly Leigh und die Mutter waren offenbar arm.
ist, und daß dies Land nicht mehr verwüstenden Einfällen der Feinde preisgegeben ist. Denn nunmehr komme Ich, sein Nachfolger, als Deutscher Kaiser, aus der deutschen Grenzseste Metz, deren Bollwerk fest vorgelagert ist vor diesen Landen, die, so Gott will, niemals wieder ein Krieg verwüsten wird. Denn so jeder Deutsche seine Pflicht tut an seinem Vaterlande, das heißt, sein Heim begründet und seine Kräfte dem Vaterlande widmet in jedem Stande und auf jedem Gebiete, so wird es uns auch vergönnt sein, daß unsere Einigkeit sich der Welt nach außen so darstellt, wie es notwendig ist, damit wir in Frieden leben, und Ich bitte Gott, daß er Mich unterstützen möge in dem Werke, Meinem Lande den Frieden zu erhalten, damit auch diese fleißigen Städte sich unter dem Schutze des Frieden» und des Kaiser- lichen Schildes ausbreiten und entwickeln mögen ; denn die felsenfeste Ueberzeugung und baS felsenfeste Vertrauen habe Ich, daß, da Gott weiß, daß wir ein gute» Gewissen haben und nirgendwo Händel suchen, er uns auch beistehen wird, sollte jemals mit feindlicher Gewalt in unsere Friedfertigkeit eingegriffen werden. Zu Ihnen aber, verehrter Herr Bürgermeister, will Ich Meinem herzlichen Dank und Meiner Freude Ausdruck geben, daß es uns vergönnt war, diesen Festsaal zu sehen. Ich bin fest überzeugt, daß die Bürgerschaft, die durch diesen Saal schreitet, von den erinnerungsschweren Bildern ergriffen, niemals vom rechten Wege wanken wird, und daß ihre Liebe für Thron und Altar, Vaterland und Kaiser immer gleich warmherzig schlagen wird.
St. Johann, 14. Mai. Auf die Begrüßungsrede im Rathause erwiderte Se. Majestät der Kaiser: Ich bitte Sie, Herr Oberbürgermeister, der Dolmetsch zu sein des Dankes der Kaiserin und Meines eigenen für den Empfang, den Mir die Stadt St. Johann bereitet hat. Ihre köstliche Ausschmückung, die freudigen Gesichter der Bürger aller Stände und jeden Alter«, uns entgegenleuchtend in sreudiger Bewegung ihrer Herzen, der Jubelruf aus ihrem Munde erweckt Freude und Dankbarkeit; und auch darüber bitte Ich Meine herzliche Freude der Bürgerschaft auszudrücken, daß Ich in ihren Mauern hier weilen konnte, und zu gleicher Zeit Meinen Glückwunsch auszusprechen zu der vortrefflichen Entwicklung, die die Stadt St. Johann genommen hat und nimmt. Ringsum die rauchenden Schlote zeugen davon, daß hier Arbeit und Fleiß ihre Stätte gefunden haben. Und nicht zum mindesten hat es Mich mit tiefer Freude erfüllt, daß neben der in dichten Scharen gedrängten Bürgerschaft auch so viele tausend« Bergleute hereingekommen sind, um ihren obersten Bergherrn zu begrüßen, und neben ihnen, wohl eine kriegsstarke Diviston, die alten Krieger, Mann an Mann gereiht, die zum Teil wohl einstmals in schwerer Zeit vor diesen Mauern gestanden haben. Ihre kernigen Gesichter und die Orden auf ihrer Brust zeugen von Tagen, wo schwere Schläge fielen, und wo germanische Schmiede die Reifen zur Krone zusammensügten, die einst das Haupt Kaiser Wilhelms des Großen zieren sollte. So trinke Ich auf das Wohl der Stadt St. Johann, in der Hoffnung, daß dieselbe sich auch ferner gut entwickeln möge in Handel und Gewerbe, und daß ihre Bürgerschaft immer in heißem Patriotismus sich zusommenfinde für Reich, Raiftr und Vaterland.
Der Polizeidirektor Baumbach von Metz ist zum Polizeipräsidenten ernannt worden. Ferner hat der
Jetzt wurde die nach dem Nebenzimmer führende Tür geöffnet. Das junge Mädchen und ihre Mutter traten heraus. Wie entzückend sah meine neue Freundin ohne Hut aus! Die dichten blonden Locken fielen ihr jeßt frei in die Stirn hinab. Und dann der Wuchs!
„Mr. Moore, Mama! der mich mit eignet Lebensgefahr rettete," stellte sie mich vor.
Wir setzten uns. Ich mußte wohl oder übel meinen Platz auf dem Sofa behalten.
Die alte Dame sprach ihren Dank in warmen Worten aus, sie habe es Nelly schon so oft gesagt, daß sie sich auf der Straße vorsehen solle, der das Kind sei so unvorsichtig.
Aber jetzt ist sie gewarnt; ein andermal wird sie sich schon in Acht nehmen. „Ja, Nelly, da ist nicht immer ein Mr. Moore bei der Hand, der Dich retten kann!" Ich verbrachte eine äußerst angenehme Stunde. Wir wurden bald bekannt mit einander. Nellys Mutter sprach in der offensten Weise mit mir über ihre Verhältnisse.
Es war die alte Geschichte von Armut und Unglück; der Tod hatte unbarmherzig einen im blühenden Lebensalter stehenden, tüchtigen Mann aus dem Kreise der Seinen gerissen. Da galt es, sich durch eignet Hände Arbeit ernähren. Nelly war damals noch ein Kind, ein Umstand, der die Lage der Wittwe sehr erschwerte. Und die alte Frau mit dem runzlichen Antlitz und dem ge- beugten Rücken erzählte mir, wie sie sich abgearbeitet und gequält habe, wie oft sie der Verzweiflung nahe gewesen sei. Dann war Nelly herangewachsen und seit der Zeit hatte alle Not ein Ende. Sie stand ihrer Mutter getreulich bei und opferte sich für sie auf. Nelly war stets eine gute Tochter gewesen.
Es wurde Zeit für mich zu gehen. Ich hatte mich schon zu lange ausgehalten. Ich erhob mich, um mich zu verabschieden.
Da klopfte es an die Tür — ein, zweimal. Der Besucher hatte offenbar Eile.
Nelly stand auf. Sie errötet. Wußte sie etwa, wer da vor der Tür wartete?
„Guten Tag, Nelly I
Kaiser den Polizeipräsidenten Baumbach unter dem Namen B a u m b a ch v o n K a i n b u r g in den erblichen Adelsstand erhoben und dem Pfarrer Konststorial, rat B r a u n in Metz den Kronenorden zweiter Klasse verliehen.
Der Reichstag erledigte am Freitag in dritter Lesung die Vorlage betr. Entschädigung unschuldig Ver- hafteter und setzte sodann die dritte Lesung des Etirts- fort. Die ganze Sitzung wurde ausgefüllt mit Debatten über eine zum Etat der Reichs Justizverwaltung einge, brächte Resolution der Sozialdemokraten betreffend Mißstände im Gefängnirwesen. 'Die Sozialdemokratin blieben mit der Resolution allein im Hause. Dieselbe wurde gegen ihre Stimmen und die des Abg. v. Gerlach abgelehnt. Die sonst von der Freisinnigen Vereinigung anwesenden Abgeordneten stimmten gegen die Resolution. Hieraus wurde noch eine Anzahl kleiner«' Etats erledigt.
Bei der Reichstagsersatzwahl in Frank- fur t a. O. - Lebus erhielten am Freitag nach vor. läufiger Feststellung Bassermann (natl.) 11706, Dr. Braun (So;) 11312 und von Jagwitz (wirtsch. Vereinig.) 2827 Stimmen. Es hat Stichwahl zwischen Bassermann und Braun stattzufinden.
Generalleutnant v. T rot ha, der in Etraßburz vom Kaiser in Audienz empfangen wurde, hat stch nach Trier zurückbegeben, um zunächst die Auflösung seinen Hausstandes in die Wege zu leiten. Am 19. Mai gedenkt der General in Hamburg einzutreffen, um mit dem Stabs an Bord des Dampfers „Montevideo" die Ausreise nach Swakopmund anzutreten.
Der Reichstag hat sich am Sonnabend bis zum 7. Juni vertagt.
Der große Kreuzer «Ersatz Deutschland," der den Namen „ Iork " erhielt, ist gestern in Hamburg glücklich vom Stapel gelaufen.
Nach Meldungen der russischen Grenzwache und der Missionare in D a p a d s i a d s e, südwestlich von Ruant< schensi, bereitet sich dort ein gegen Nuss en und Christen gerichteter Aufstand vor.
Aus G y a n g t s e (Tibet), 15. Mai, wird gemeldet: Die Beschießung des englischen Lagers durch die Tibetaner wird fortgesetzt. Da» Land vor dem Lager ist in dem Zustande der Gärung. Lamas durcheilen Tibet und predigen den heiligen Krieg. Das Land hinter dem Lager ist vollkommen offen. Die Engländer treffen alle Vorsichtsmaßregeln.
te Provinz und Saijhriitlitt
• Verliehen wurde der Adler der Inhaber des Königlichen Hausordens von Hohenzollern den emeritierten Lehrern Heinrich Euter zu Wehlheiden bei Lasset, bisher zu Kalkobe» im Kreise Hersfeld, Peter Gönner- mann zu Hersfeld bisher in Oberhaun und Ferdinand Sperber zu Eitra im Kreise HerSfeld, bisher zu Erd- mannrode im Kreise Hünfeld.
* (Gesellenprüfungsordnungen). Der Herr Regierungspräsident hat durch Erlaß vom 18. April 1904 Gesellenprüfungsordnungeu für da» Stein-, Holz- und Gypsbildhauerhandwerk, für Gyps- und Ze- mentgießer, für Grabstein- und Marmorhauer und -Schleifer erlassen. Die Prüfungsordnungen find auf dem Bureau der Handwerkskammer käuflich zu haben Der Prüfungsausschuß für die genannten Handwerks
Es war eine tiefe, männliche Stimme, sie kam mit so merkwürdig bekannt vor.
Wer war so ungenirt im Zimmer, wer drückte der Allen so herzlich die Hand, wer legte so völlig unbefangen, als sei es das natürlichste Ding von der Welt, seinen Arm um Nellys schlanke Taille? Wer ander« als der Adjutant, dieser Morrison, dieser Teufelskerl!
Er hatte mich nicht sogleich gesehen. Doch jetzt gewahrte er mich, und ich muß gestehen, mir ist selten ein so verwundertes Gesicht begegnet.
Eine Minute lang standen wir einander schweigend gegenüber. Nelly hatte Morrisons Arm, auf den sie ihre Hand soeben gelegt, losgelassen, sie blickte uns mit großen Augen an. Auch die Mutter schwieg. Sie fand gewiß, daß nicht Alles in Ordnung sei.
„Mr. Moore", begann der Adjutant mit leiser Stimme, „Sie hier?" Aber er wurde von mir unterbrochen : „Ja, Mr. Morrison, ich bin hier? Störe ich etwa? Bin ich Ihnen im Wege?
Ich hätte vielleicht noch mehr gesagt, wenn Nelly mir nicht zuvorgekommen wäre. Sie trat schnell zwischen uns und sagte mit dem ganzen Takt einer zartfühlenden jungen Mädchens:
„Mr. Moore, erlauben Sie, daß ich Ihnen in Mr. Morrison meinen Verlobten vorsielle."
Und jetzt war mir Alles klar. Das Bild, das hübsche Bild! Da stand ja das Original leibhaftig vor mir!
Und ich mußte gestehen, das Original war tausendmal anziehender als das Bild.
Mit wenigen Worten teilte nun Nelly ihrem Verlobten mit, auf welche Weise ich hierher gekommen war. Sie übertrieb tüchtig — nach ihrem Berichte hatte ich eine wahre Heldentat verübt! Und doch war es nur ein mildes Pferd! Du großer Gott, es ist oft weit schwieriger, einen Menschen zu zähmen, der von Sinnen ist, als ein Tier I ____________________(Fortsetzung folgt )
— Auf der Eisenhütte Oberhausen (Rheinland) erstickten beim Reinigen einer Gasleitung vier Leute durch Einatmen giftiger Gase.