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«s- Fernsprecher Nr. 8.

Ar, 58.Acnftlig des 17. Mai 1904.

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 9. Mai 1904

Der Vorstand der LandesveistcherungSanstall zu Gaffel hat an Stelle der Bekanntmachung vom 14. De­zember 1899 über die Höhe der im hiesigen Kreise zu entrichtenden Markenbeiträge eine neue Bekanntmachung unter Berücksichtigung aller inzwischen eingetretenen Aenderungen ausstellen lassen.

Die Herrn Ort »Vorstände erhalten hiervon in Kürze je zwei Exemplare zugesandt mit der Veranlassung, den Inhalt der Bekanntmachung in geeigneter Weise zur Kenntnis der Beteiligten zu bringen.

I. V. Nr. 379. Der Königliche Landrat.

I V.:

T h a m e r.

Nichtamtlicher Teil.

Der Krieg zwischen Japan und Nutzland.

Der Vormarsch der Japaner gegen die russische Hauptstellung wird langsam und vorsichtig fortgesetzt. In den Gebirgspässen nordwestlich von Föngwantscheng kam es verschiedentlich zu Scharmützeln mit Kosaken­abteilungen, die zurückgingen, nachdem sie die Bewegung des Gegner« möglichst aufgehalten hatten. Ueber die Absichten der russischen Heeresleitung ob offensives Vorgehen gegen die japanischen Kolonnen oder weiteres Zurückweichen werden verschiedene Versionen verbreitet.

Petersburg, 14. Mai. Die Japaner rücken immer weiter vor, während die Russen in das Innere der Mandschurei zurückgehen und ihre beobachtende Position an der Grenze aufgeben. Täglich wird ein entscheidender großer Kampf erwartet. Gegen Port Arthur haben die Japaner zwei Divisionen ausgestellt, gegen die russische Haupt-Streitmacht jetzt sieben Linien- divisionen und wahrscheinlich ebensoviel Reservebrigaden. Die sieben Liniendivisionen umfassen 84 Bataillone, 21 Eskadron», 42 Batterien mit 252 Geschützen, und 7 SappeurBataillone. Dazu kommen noch 9 FestungS-

M«.

Kriminal-Roman von Moore.

(Fortsetzung.)

Großer Gott! Mitten auf der Straße, auf dem Wege, den der Wagen unwiderruflich einschlagen muß, steht eine Frauengestalt. Ich sehe wie sie schwankt, wie ihre Füße ihr den Dienst verweigern sie säUt auf die Knie, gefaßt, da« Unvermeidliche über sich ergehen zu lassen.

Ich kenne mich selber nicht mehr. Ich bin völlig von Sinnen. Ich stürze vorwärts.

Mit eiserner Faust greife ich in die Zügel. Das Pferd bäumt wild auf. Mit verzweifelter Anstrengung stemme ich mich mit allen Kräften dagegen da« Pferd wirft sich zur Seite. Ein Dutzend kräftiger Fäuste greifen zu, fassen das Tier in die Mähne, in die Zügel. Das Mädchen ist gerettet.

®*e l^gt noch immer ohnmächtig auf der Straße. 34 richte sie auf. Sie ist ganz jung, kaum zwanzig Jahre alt. Ihr Antlitz bedeckt Todesblässe.

Ich hebe sie mit meinen starke» Armen auf und trage sie in den nächsten Laden. Es ist ein großes, elegantes Modemagazin. Der Besitzer, ein eleganter, älterer Herr, stürzt herbei. Ich ziehe eine kleine, mit einem Siegel versehene Karte aus der Tasche, und seine Höflichkeit verdoppelt sich.

Wir legen die junge Dame auf ein Sofa im Hinter-

Artillerie-Bataillone. Die japanische Feldarmee beträgt also etwa» über 100,000 Mann mit 270 Geschützen. Die sieben Reservebrigaden werden auf 28 Bataillone, 7 Eskadron«, 7 Batterien und 3 Kompagnien Sappeure, also auf ungefähr 20,000 Mann und 42 Geschütze ver­anschlagt. General Kuropatkin scheint demgegenüber die Initiative zu einem größeren Kamps den Japanern über- laffen und auf der inneren Linie operieren zu wollen. Der russische Plan verlangt viel Energie und Ausdauer; sein Vorteil liegt in dem Näherrücken an die russische Nachschubs- und Verpflegungsbasis.

Paris, 14. Mai. Nach in Petersburg einge­gangenen Berichten hofft Kuropatkin von den schweren Geschützen, die rechtzeitig in Liaujang eingetroffen sind, recht wirksamen Gebrauch machen zu können, während die Japaner jene schweren Kanonen, die bei den Kämpfen am Jalu den Russen so große Verluste betbrachten, bei ihrem GebirgSmarsch angeblich nicht mitführen konnten. Der Geist im Hauptquartier Kuropatkin« ist ausgezeichnet. Man hofft, vor der Vereinigung der Armeen Okus und KurokiS dem Feinde eine empfindliche Schlappe beizubringen. Leider ist das militärische Ge­heimnis schwer ausrechtzuhalten, weil die eingeborenen Chinesen, deren Kundschafterdienste unentbehrlich er­scheinen, bei der geringsten Außerachtlaffung der Ueber» wachung die wichtigsten russischen Bewegungen den Japanern verraten.

London, 14. Mai. Aus Schanghai wird ge­meldet : Eine große japanische Abteilung hat Aipong (70 km von Föngwantscheng) besetzt, in der Absicht, den Motien-Paß von Norden her zu umgehen.

London, 14. Mai. Nach einer Meldung aus Kobe berichtet Konteradmiral Kataoka, daß am 12. b. Mis. drei Kreuzer mit fünf Torpedobootsgeschwadern nach der Kerr-Bucht nördlich von Talienwan gingen, dort die russischen Stellungen bombardierten und durch einen Landungötrupp den Telegraphen zerstörten. Die Ge­schwader entfernten die Unterseeminen, von denen eine Anzahl am Eingänge der Bucht entdeckt wurde. Nach­dem die Arbeit fast beendet war und die Torpedoboote 46" und48" Auftrag erhalten hatten, die noch übrigen Minen zu zerstören, explodierte eine von ihnen, als das Boot48" sich ihr näherte. Das Torpedoboot wurde in zwei Stücke gesprengt und versank in sieben Minuten. Ein Offizier und sechs Mann wurden getötet und sieben

zimmer. Mr. Jenkins läuft hinaus, um Wasser zu holen.

Ich netze ihre Stirn und Wangen mit dem frischen Naß ein leiser Seufzer wird hörbar es vergehen einige Augenblicke sie streckt die Hand auS^ greift nach dem Glase und trinkt.

Die dunkeln Augen blitzten. Sie fährt mit bet Hand über die von den Locken umrahmte Stirn, als wolle sie sich auf das Geschehene besinnen.

Dann erhebt sie sich und schickt sich an zu gehen. Mr. Jenkins zieht sich zartfühlend einige Schritte zurück, als wolle er damit andeuten, daß das ganze Verdienst mir gebühre, daß sie mir allein zu danken habe.

Mein Herr", ihre Stimme klingt sanft und mild, haben Sie innigen Dank für das, was Sie an mir getan. Wie konnte ich auch nur so dumm und unvor­sichtig fein ; nochmals tausend, tausend Dank."

Und sie machte einige Schritte in der Richtung nach der Tür.

Aber sie hat sich verrechnet. Ihre Macht über sich selber ist nicht so groß, wie sie glaubt. Die Nöte ihrer Wangen verwandelt sich plötzlich wieder in Totenblässe, sie führt die Hand an die Augen, als schwindle ihr; sie war kurz daran, umzusinken.

Abermals stützte ich sie. Sie ergriff meinen Arm und hatte in wenigen Augenblicken ihre Schwäche über­wunden.

Gestatten Sie mir, daß ich Sie ein Stückchen Wegs begleite? Nur so weit, bis Sie sich in der frischen Lust völlig erholt haben. Mein Name ist Moore, John Moore."

verwundet. Das Geschwader schickte eiligst Boote ab, welche die Verwundeten ausnahmen. Es führte dann die Vermeffungen und Zerstörungen von Minen zu Ende und khrte um sechs Uhr abends zur Flottenbasis zurück.

Zu den Vorgängen in Deulsch-Südwest-Afrila.

Nach Südafrika rücken am 19. b. M. 24 Offiziere, 40 Unteroffiziere und 500 Mann aus. Die Leitung des Ausmarsches liegt jetzt nicht mehr bei dem Ober­kommando der Schutztruppen, sondern bei dem preußischen Kriegsministerium. Zwei Woermann-Dompser, die am 20. Mai mit der Truppe von Hamburg auslaufen, nehmen dort auch noch 300 Pferde an Bord.

Politische Nachrichten.

Berlin, 14. Mai.

Ihre Majestät dieKaiserin besuchte gestern in Straßburg im Laufe des Vormittag» das Säuglings­heim und mit der Prinzessin Viktoria Luise und der Fürstin zu Leiningen unter Führung des Bürgermeister» Back und de» Polizeipräsidentcn Dall, die JungSt. P^ter»- kirche, wo sie von der evangelischen Geistlichkeit begrüßt wurde, ferner diehöhereTöchterschuleunddann daSMünster. Hier wurde die Kaiserin vom Bischof Dr. Fritzen und dem Weihbischof Zorn v. Bulach am Hauptportal empfangen. Die Kaiserin besichtigte zunächst die astronomische Uhr und das Innere des Gotteshauses mit vielem Interesse. Während des Aufenthaltes im Münster, der ziemlich lange dauerte, hatte sich draußen eine große Menschen­menge angesammeit, welche die Kaiserin, als sie unter den Klängen der großen Orgel die Kirche durch das Hauptportal verließ, mit stürmischen Zurufen begrüßte. Sichtlich erfreut, erwiderte die Kaiserin die Zurufe huldvollst. An der gestrigen Frühstückstafel bei den Majestäten nahmen außer der Prinzessin Viktoria Luise teil: der Kaiserliche Statthalter mit seinem Adjutanten Grafen Holnstein, Fürst und Fürstin Leiningen, Staat«, sekretär von Köller mit Gemahlin, der kommandierende General Hentschel von Gilgenheimb mit Gemahlin. Nach der Tafel empfing Se. Majestät der Kaiser den aus Südwestafrika zurückgekehrten Obersten Dürr und den Vorstand des Metzer Dombauvereins. Später

Sie blickte hastig zu mir auf, al» suche sie zu er­gründen, weß Geistes Kind ich sei.

Thank you, Sirl" Die alltägliche», so oft miß­brauchten Worte klangen, als kämen sie wirklich aus dem Herzen.

Mr. Jenkins geleitete uns bis an die Tür, und wir traten auf die Straße hinaus. Ich fühlte einen festen, runden Arm, der sich schüchtern auf den meinen legte. Meine Begleiterin ging quer über die Straße und bog dann zur Linken ab, ich suchte meine Schritte nach den ihrigen zu richten.

Mr. Moore," sie sah mich mit ihrem tiefen, öffnen Blick an,Mr. Moore, ich bin gewiß sehr unhöflich gegen Sie gewesen. Ich habe Ihnen ja mein Leben zu verdanken, und Sie wissen noch nicht einmal, wie ich heiße."

Ich suchte ihr mit einem Scherz zu antworten. Nein. Mr. Moore, lassen Sie uns ernsthaft reden. Die Sache fing nicht gerade sonderlich lustig an, und daß sie einen so glücklichen Ausgang nahm, ist einzig und allein Ihr Verdienst."

Ich glaubte einen schwachen Druck ihres Armes zu fühlen.

Mein Name ist sehr gewöhnlich ich heiße Leigh, Nelli Leigh. Und ebenso gewöhnlich wie mein Name ist auch meine Beschäftigung. Ich bin Näherin."

Ich blickte in ihre schönen tiefen Augen; ich be­trachtete ihre seine elastische Gestalt; ich sah die kleine Hand an, die so vertrauensvoll auf meinem Arme ruhte.

Und Sie waren eben gewiß im Begriff, sich zu