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ÄS“ Fernsprecher Nr. 8. -s»
Sr. 57
ZomtM in 14. Mai
1904.
KesteUungen auf das
Hersfelder Kreisblatt
für vie Monate Mai und Juni werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, tandbriefträaern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Teil
Hersfeld, den 5. Mai 1904.
An Stelle des seitherigen Standesbeamten, Sparkassen- Rendanten B l e n k, ist der bisherige Standesbeamten- Stellvertreter, Stadtsteuer-Sekretär K ä b e r i ch , zum Standesbeamten und an dessen Stelle der seitherige Standesbeamte Blenk zum Standesbeamten-Stellvertreter für den Standesamtsbezirk Hersfeld ernannt worden.
I. I. Nr. 2782. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Nichtamtlicher Teil.
Der Krieg zwischen Japan und Nutzland.
Während über die Lage auf der Landseite von Port Arthur und an der Eisenbahnlinie heute gor nichts verlautet, mehren sich die Meldungen von einem neuen Siege des Generals Kuroki auf der Straße nach Liau- jang. Zwar berichtet Kuropatkins Generalstabschef Ssacharow noch unter dem 8. Mai: „Die Japaner bleiben, nachdem sie Föngwanischeng besetzt haben, dort. Sie haben Streifwachen auf dem Hauptwege nach Liau- jang und auf beiden Seiten davon ausgeschickt. Kuan- diansian, dar 70 Werst nördlich von Föngwangtscheng liegt, wurde von den Japanern am 5. Mai eingenommen." Heute aber wird aus Petersburg gemeldet, es gehe dort das Gerücht: bei dem Motten Paß habe eine Schlacht zwischen den Russen und General Kuroki statt- gefunden. Die Russen hätten abermals eine Niederlage erlitten und schwere Verluste gehabt. General Sassulitsch sei unter den Toten.
Pari», 11. Mai. Alle Petersburger Privatmel- düngen zeugen übereinstimmend von schwerer Besorgnis, die durch die vorläufig mündlich überlieferten Berichte über die Situation der Hauptmacht Kuropatkins hervorgerufen worden ist. Man kennt zur Stunde noch nicht die Eärke der Kolonne, welche zur Verteidigung des Molienpasses ausgesandt wurde und aus Infanterie und Kavallerie bestand. Man weiß nur, daß die Infanterie durch die japanische Gebirgsartillerie sehr erhebliche Verluste erlitt. Die Russen hatten entweder un- genügende Gebirgsartillerie, oder sie kamen nicht in die Lage, sie günstig zu placieren.
Paris, 11. Mai. Das Gerücht, daß General Sassulitsch in der Nähe des MotienpasseS gefallen sei, ist noch unbestätigt. Zugestanden wird, daß der Mangel an Artillerie es unmöglich machte, den Vormarsch Kurokis durch die beiden Pässe zwischen Föngwangtscheng und Langlszeschau aus,»halten, doch zählt man im russischen Hauptquartier stark auf die Kavallerie, um den Japanern in der Liau - Ebene bei ihrer Entwicklung zu der zu erwarteten Schlacht bei Liaujang Verluste bei- zubringen.
London, 11. Mai Dem „Daily Chronikle" wird au» Schanhaikwan gemeldet, die erste japanische Armee bedrohe bereit» die Russen in Haitscheng. Die
zweite Armee, die in drei Divisionen marschiert, drang schnell vorwärts, um mit Kurokis Armee zu kooperieren, und schlug die Russen mit schweren Ver- l u st e n bei Wasungtien. Die japanische Artillerie wurde vorzüglich geleitet.
In Tokio glaubt man auf Grund eines Berichts des Admirals Togo, daß die Russen am Werke seien, ihre Kriegsschiffe im Hafen von Port Arthur selbst zu zerstören. Daß dies offenbar ein Irrtum ist, ergibt sich aus der genaueren Fassung jener Berichtsstelle, die folgendes übermittelt:
Dokohama, 11. Mai. Admiral Togo meldet, man höre seit dem 5. Mai von Port Arthur her fort- während Explosionen. Die Ursache ist unbekannt, doch glaubt man, daß die Russen Wracks von Schiffen zer- stören.
Mit diesen Wracks sind jedenfalls die von den Japanern bei verschiedenen Angriffen versenkten Sperr- schiffe gemeint. Denn, wenn es wirklich so weit kommt, daß die Verteidiger kein anderes Mittel vor sich sehen, um zu verhindern, daß ihre Schiffe in die Hände der Japaner fallen, als sie selbst zu vernichten, so werden sie es erst in der allerletzten Stunde anwenden.
DerKasakenritt nach Korea nimmt eine staunenswerte Ausdehnung an. Die kühnen Reiter haben bereits mehrere Posten weit im Rücken der ersten japanischen Armee auf deren Hauptverbindungslinie überraschend angegriffen.
Aokohama, 11. Mai. Bei Töngdschu auf der großen Heerstraße zwischen Widschu und Pyöngjang erschienen plötzlich 300 Mann russischer Kavallerie. Er entspann sich ein Gefecht, worauf die Kosaken den Rückzug antraten.
Wie ferner aus Söul gemeldet wird, griff eine russische Abteilung, deren Stärke auf 200 Mann geschätzt wird, Andschu an; die japanische Garnison verteidigte die Stadt hartnäckig und hat den Angriff der Kasaken zurückgeschlagen.
Was die Lage der Dinge in Niutschwang betrifft, so scheinen die Russen diesen wichtigen Platz tatsächlich räumen zu wollen.
Dokohama, 11. Mai. E« bestätigt sich jetzt, daß die Russen Niutschwang verlassen und die Fort» von Jingkau schleifen. Die unterseeischen Minen bleiben jedoch unberührt. Die russischen Truppen aus Niutschwang ziehen sich nach Liauyang zurück.
Tokio, 12. Mai. Eine amtliche Untersuchung ergab, daß der Bericht des Statthalters Alexejew, die Eisenbahnverbindung mit Port Arthur sei wieder her- gestellt, unrichtig ist.
Politische Absichten Japans.
Ein Vertreter des Reuterschen Bureaus hatte eine Unterredung mit dem in London weilenden japanischen Staatsmann, Baron Suyematsu, in deren Verlauf letzterer mit Bezug darauf, daß verschiedentlich Befürchtungen über Japans künftig« Politik ausgesprochen worden seien, äußerte: „Japans hauptsächlichstes Ziel ist, Rußland soweit als möglich zurückzudrängen. Es soll Rußland unter keinen erdenklichen Umständen ge- i hottet werden, künftig den geringsten politischen oder territorialen Hall in Korea zu fassen. Der Status Koreas wird der eines japanischen Aegypten sein. Was die Mandschurei angeht, so wünscht Japan dort keine anderen Rechte, als die, welche alle Mächte gemeinsam genießen. Die Mandschurei soll China zurückgegeben werden, doch werden Maßregeln zu treffen sein, die für die Zukunft jede Rückkehr zu den vor dem Krieg vorhandenen Verhältnissen unmöglich machen ; vielleicht wird eine Art Pufferstaat unter chinesischer Souveränität in der Mandschurei zu schaffen sein. Was China betrifft, so kann kein Zweifel Ger Japans angelegentliche Sorge bestehen, datz die Neutralität Chinas bewahrt bleiben soll. Die Hauptgefahr liegt bei Rußland selbst, denn die Russen unternehmen Dinge, welche die Chinesen er- regen und aus diese Weise zu einem Bruch der Neutralität Chinas hinleiten können. Auf keinen Fall
lege ich den auf dem Festlande geäußerten Befürchtung« n Wert bei, daß irgend ein Wechsel in der Haltung Chinas eine kontinentale Großmacht in die Streitfragen des Krieges hineinziehen würde. Welches immer die Erfolge Japans sein mögen, seine Politik ist, absolute BewegungS- freiheit für alle Mächte in Ostasien zu sichern. Keine westländische Macht braucht die geringste Besorgnis zu hegen, daß Japan möglicherweise infolge des gegenwärtigen Kampfes an Größenwahnsinn leiden werde."
Zu den Vorgängen in Deutsch-Südwest-Afrika.
Die aufständischen Herero ziehin sich vor dem sie bedrängenden Detachement v. Estorff, das bei Onjatu steht, in nördlicher Richtung zurück. Bei Rauas unweit Outjy ist es zu einem Gefecht gekommen, bei dem unsere braven Truppen leider wieder Verluste erlitten.
Windhuk, 10. Mai. Die Nordabteilung rückte gestern mittag von Karibib auf Omaruru ab, um über Outjo auf Groolfontein vorzugehen. Bei RauaS, fünf Kilometer östlich von Outjo, fand am 9. Mai ein Patrouillengefecht statt, wobei der Obermatrose Schwanke von der Maschinenkanonen-Abteilung fiel und der Reiter Witt verwundet wurde. ^.irmi&t werben die Reiter Stolle und Tietz. Als bei einbrechender Dunkelheit Outjo beschossen wurde, gingen die Herero auf Paresis- berg zurück. Samuel Maharero soll vier Tagesmärsche östlich von Omaruro fitzen; ander« Haufen Hererg sind von Ovikokorero in nördlicher resp, nordöstlicher Richtung abgezogen. Einzelne Banden durchstreifen die Gegend. Zand Merkers Farm bei Okumbahe wurde von den Herero Überfällen, zwei Viehposten weggenommen und mehrere eingeborene Wächter getötet.
Laut Meldung des Majors von Estorff stieß, wie dem „Berl. Lokalanzeiger" berichtet wird, die erste Feld- kompagnie am 6. d. M. bei Otjikuoko auf eine vereinzelte Hererowerft, deren Bewohner in so wilder Flucht davon liefen, daß sie trotz schärfster Verfolgung nicht mehr eingeholt werden konnten. Die Verwendung von Berittenen war in dem mit dickem Dornbusch besetzten Gelände unmöglich. — Von dem bekannten Simon Copper, einem Häuptling im Süden des Schutzgebietes, wurden 30 Mann für Kriegszwecke nach Windhuk gestellt.
Der am Bau der Otavibahn beschäftigte Ingenieur L e u t e n e g g e r aus Basel halte, wie die „BaSl. Zig." erfährt, auf seiner Flucht vor den aufständischen Herero die Instrumente, Pläne und Nahrungsmittel einige Kilometer vor Karibib im Land vergraben. Auf der Flucht nach Karibib verschwanden einige Hereroarbeiter, die zur Abteilung Leut-negger» gehörten. Anfang April wurde durch die Ingenieure Solio, Weitnauer und Greiner ein Rekognoszierung-ritt nach dem Verstecke der Instrumente unternommen und dabei konstatiert, daß die Aufständischen alles, was nicht genießbar war, vollständig zerstört hatten. Die Pläne müssen also wieder von neuem angefertigt werden. Der Ort bes Versteckes war von den flüchtigen Arbeitern verraten worden.
Generalleutnant von T rot ha wird sich beim Kaiser während dessen Anwesenheit in Straßburg abmelden und am 20. Mai seine Reise in das Auf. standsgebiel antreten. Es wird ihm ein großer Stab mitgegeben werden. Die Persönlichkeiten sollen durch das Militärkabinett vorgeschlagen werden und sind noch nicht bekannt. In dem Stäbe wird sich auch ein Geograph befinden, der durch Professor von Richthofen ausgewählt wird. Die Größe des Stabes ist am besten dadurch zu veranschaulichen, daß 300 Pferde für ihn nötig sein werden. Major v. Wahlen-Jürgaß, Adjutant der 20. Division in Hannover, hat sich zum Eintiitt in bie südwestafrikanische Schutztrupp- gemeldet. Falls seinem Gesuche Folge gegeben wird, wird er als Adjutant des Generalleutnants v. Trotha nach Südwestafrika gehen.