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zehnstündigem schweren Gefecht überlegener Gegner ab« gewiesen. Letzterer zahlreiche Verluste. Da Heranziehung Munition und Verpflegung nicht möglich, weiteres Vor­gehen in diesem Gelände auch keinen Erfolg versprach, ging ich nach Otjosasu. Diesseitige Verluste: Haupt­mann Bagenrki, Oberleutnant Reih und sieben Reiter tot, Leutnant Findeis, sieben Reiter schwer, sechs leicht verwundet.

Ernste Besorgnisse erregt in hiesigen kolonialen Kreisen das Ausbleiben jeglicher Nachricht über bae Schicksal bet Kolonne Glasenapp. Nach dem siegreichen Kampfe der Hauptabteilung unter Leut- wein bei Onangjira geriet die Kolonne Glasenapp da­durch in schwierige Lage, daß die in diesem Gefecht zersprengten Herero, die auf mindestens 2000 Gewehre zu schätzen find, auf den damaligen Standort Glasenapps abgedrängt wurden. Glasenapp dürste noch über 350 Streiter verfügen. Wenn man auch, was das Nach­richtenwesen betrifft, mit den äußerst schwierigen örtlichen Verhältnissen zu rechnen hat, so muß doch das Fehlen jeder Meldung um so mehr Befremden erwecken, als sicherlich die leitenden Männer in Berlin sowohl wie in Südwestasrika alles ausgeboten haben werden, mit Glasenapp in Verbindung zu bleiben. Hoffentlich werden schon die Nachrichten der allernächsten Zeit diese Besorg- nisse zerstreuen.

Der Krieg zwischen Japan und Rußland.

Petersburg, 16. April. Aus Port Arthur von gestern wird gemeldet: Heute früh 6 Uhr erschien am Horizont ein kleines feindliches Geschwader, ent­fernte sich jedoch bald wieder. Um 10 Uhr kamen 23 feindliche Schiffe in Sicht, die sich in zwei Gruppen teilten; die eine nahm Aufstellung hinter Liautischau und beschoß das Ufer und die Tiger-Halbinsel, die andere beschoß von der Rhede aus den Goldenen Berg und die übrigen Batterien. Das Feuer dauerte mit Unter­brechungen bis 1 Uhr Nachmittags. Unsere Schiffe antworteten mit indirektem Feuer; ein Schuß beschädigte einen japanischen Kreuzer, nach anderen Meldungen er« litten zwei japanische Schiffe Beschädigungen. Den Be­festigungen und der Stadt fügte der Feind keinen Schaden zu; getötet wurden einige Chinesen, verwundet zwei Chinesen und zwei Russen.

Diese letzte Beschießung von Port Arthur hat nicht am Donnerstag, sondern am Freitag stattgefunden. Dar allgemeine Interesse wendet sich immer noch den Vor­gängen vom Mittwoch und besonders dem Untergänge des „Petropawlowsk" zu. Bemerkenswerte Einzelheiten hierzu enthalten nachstehende Meldungen:

Paris, 16, April. In einem Privatgespräch äußerte nach einer Petersburger Meldung der Großfürst Wladimir: „Daß die Japaner Unterseebote besitzen, wissen wir jetzt bestimmt. Aber wer konnte die Tollkühnheit vermuten, daß eines dieser Borte sich so weit von der japanischen Flotte entfernen würde, um unsere Panzer am Hafeneingang anzugreifen. Wenn es ein Unter­seeboot gewesen ist, dem der „Petropawlowsk" zum Opfer fiel, ist der Angreifer zweifellos mitgesunken." Eine lange Depesche seines Sohnes Boris enthält folgende Erzählung des Großfürsten Kyrill, die nichts '

Ich stütze den Kops in meine linke Hand — die rechte steckt noch immer in der Rocktasche, obwohl ich den Ulster aufgeknöpft habe — und fange an zu grübeln. Meine kühnste Vermutung, meine Ahnung trifft also zu --dieser Neger hier? In dieser Gesellschaft? Er, der so viel auf sein Ansehen gibt, er, der vertraute Diener von Archibald Förster, dem frühern Gatten der geschiedenen Frau, mit welcher Benjamin Hood zwei volle Jahre verheiratet gewesen?

Benjamin Hoods Heirat war keine alltägliche Be­gebenheit. Im Gegenteil! Drei volle Tage hindurch hatte man in New-Iork von nichts anderm geredet. Und die Stirn in die Hand gestützt, suche ich mir Alles ins Ge­dächtnis zurückzurufen. Nach und nach ordnen sich die Gedanken, und die Ereignisse, die sich vor Jahren zuge- tragen, stehen wieder klar vor meiner Seele.

Jener Neger, der dort so ruhig auf dem Fußboden saß, hatte er etwa von seinem HerM, dem verlassenen Gatten, den Auftrag erhalten, Sie diesem angetane Schande zu rächen, seine Ehre rein zu waschen?

Aufmerksam betrachtete ich die Hände des Negers. Sie waren ungewöhnlich grob und mußten zweifelsohne im Besitz einer Kraft sein, der nichts widerstehen konnte. Zwei eiserne Fesseln, die sich um den Hals des unglück­lichen Opfers legten — ein Röcheln, und Alles war vorbei.

Auf dem Fußboden aber fitzen die acht Neger, regungslos gleich Marmorbildern. Sie bewegen nicht ein Glied ihres Körpers. Man hätte glauben können, sie feien plötzlich versteinert.

Sie hatten jeder ein Stück Zucker von gleicher Form und gleicher Größe vor sich liegen. In der Mitte des Kreises schwirrten einige kleine Fliegen umher.

Die Spielregel ist folgende: der Besitzer des Stücke» Zucker, auf welches sich eine der Fliegen zuerst nieder­setzt, hat gewonnen; die Mitspielenden müssen ihm eine gewisse Summe, je nach der getroffenen Uebereinkunst auszahlen.

Zuweilen teilen sich alle Spieler in zwei Parteien.

Es war höchst interessant, die Spieler zu betrachten. Wie groß mußte ihre Unruhe sein, wenn sich eine der

davon erwähnt, daß er einen Auftrag Makarow« aus. zuführen gehabt hätte. „Ich befand mich, als die Ex- plosion erfolgte, in der Deckskajüte des „Petropawlowsk" und arbeitete mich bis zur Kommandobrücke durch. Von einer Woge bis tief in das Meer geschleudert, verlor ich doch keinen Augenblick das Bewußtsein. Ich kletterte ans Tageslicht und gelangte bis zu der von Bord über­hängenden Dampfschaluppe. Hier hielt ich einige Se­kunden, die mir wie Ewigkeiten schienen, eine Eisenstange umklammert und erblickte dann ein mit den Wellen kämpfendes Torpedoboot. Ich ließ die Eisenstange los und machte, schon vom Fieber geschüttelt, mit äußerster Anstrengung einige Tempi, bis ich das Boot erreichte." „Ich hoffe," so schloß Großfürst Wladimir, „daß KyrillS nervöse Erregung, von der mir Kuropatkin mitteilt, sich legen werde. Doch müssen wir gefaßt sein, daß eine längere Krankheit mit ihren unvermeidlichen Wechsel- fällen uns noch um sein Leben wird zittern machen." Wladimir hatte noch keine Bestätigung dafür, daß der Leichnam WereschtschaginS agnosziert worden fei. — Der Petersburger Marinestab erfuhr, daß die Japaner feit letztem Montag vier Unterseeboote in See haben. Die Petersburger Werkstätten der New Parker „Electric Boat Company" wurden angewiesen, die zu Neujahr be­stellten fünf Tauchboote schleunigst fertig zu stellen.

Petersburg, 16 April. Nach neueren Mel­dungen betrug die Besatzung des „Petropawlowsk" bei seinem Untergänge 600 Mann, wovon nur 75 gerettet sind. Die ausgefundenen Leichen wurden gestern von den Kameraden begraben.

In der Hauptstadt von Korea ist der große Gebäude- komplex, der die Residenz des Kaisers Pihöng umfaßt, ein Raub der Flammen geworden.

London, 16. April. Die Einäscherung des Kaiserlichen Palastes in Söul wird dem „Daily Chronicle" in einer Depesche von dort näher beschrieben. Danach brach das Feuer, ob infolge eines Versehens oder durch Brandstiftung, ist ungewiß, Donnerstag Abend um 10 Uhr aus und griff, von frischem Winde angesacht, schnell um sich. Die den Räumen für die Dienerschaft be­nachbarte große Empfangshalle bildete bald ein Flammen­meer, aus dessen Wirbel mächtige Funkengarben auf die bunten Kacheldächer der niedrigeren Gebäude Herabschossen. Die japanische Feuerwehr war angeblich ziemlich schnell zur Stelle, die koreanische Palastwache verweigerte ihr jedoch den Eintritt. Draußen sammelte sich eine tobende Menschenmenge an, die von japanischem Militär mit Hilfe von Detachement« der fremden Gesandtschafts­wachen nur mühsam im Zaum gehalten werden konnte. Während die Feuerwehrmannschaften vergeblich mit der kaiserlichen Leibwache um Einlaß verhandelten, griff die Feuersbrunst mit wachsender Geschwindigkeit weiter um sich und breitete sich namentlich auch in der Richtung der auswärtigen Gesandtschaft-gebäude, speziell beS englischen, aus. Schließlich gelang es einer vereinigten Kolonne britischer und französischer Marinesoldaten, durch eine Hintertür in den brennenden Gebäudekomplex ein« zudringen. Das Feuer war jedoch schon zu weit vor­geschritten, als daß innerhalb de» Palastes etwas Brenn­bares hätte gerettet werden können. Indessen gelang es wenigstens zu verhindern, was eine Weile unver­meidlich schien, nämlich, daß die ganze Stadt in Flammen aufging. Alle im Palast angehäusten Schätze sowie sämtliche dort ausbewahrten Dokumente sind vernichtet.

Fliegen einem der Zuckerstücke näherte. Würde sie sich setzen oder nicht?

Aber regungslos saßen sie Alle dort, während die schwarzen, glänzenden Gesichter die wechselvollsten Stim- mungen ausdrückten.

Man kann bei diesem Spiel wie bei allen anderen betrügen. Man kann das Stück Zucker mit einem Stoff bestreichen, den die Fliegen lieben und der sie anlockt. Man kann — wie viel Mühe dies auch erfordern mag — eine Fliege dressiren, daß sie sich uf das Stück Zucker des Betreffenden setzt. Diese Fliege wird dann unbemerkt losgelassen. Im übrigen muß der Wirt da­für sorgen, daß eine genügende Anzahl von Fliegen stets bei der Hand ist.

In diesem Augenblicke legt« sich eine Hand auf meine Schulter.

„Wollen Sie ein Glas mit mir trinken?"

Ich wandle mich nach dem Sprecher um und er­blickte einen grobschrötigen, schwarzhaarigen Burschen, der sich ganz ungenirt an meinem Tische niedergelassen hatte. Er war mit einem Zinnbecher versehen, den er ohne weitere Umstände zu machen, aus meiner Kognak- flasche füllte.

Im ersten Augenblick hatte ich Lust, ihm den Becher aus der Hand zu schlagen, aber ich besann mich, und indem meine Rechte den Revolver fest umklammerte, antwortete ich:

„Mit Vergnügen I* Dann füllte ich meinen Becher ebenfalls.

Der Mann betrachtete mich aufmerksam, dann zog er ein Paar Würfel aus der Tasche und fragte:

„Wollen wir eine Partie machen?*

„All right!“ Und dabei holte ich meine eigenen Würfel hervor.

Als der Mann das sah, murmelte er einige Worte vor sich hin, daß er nicht recht bei Kasse sei, worauf er seine Würfel mit saurer Miene wieder einsteckte.

Ich folgte seinem Beispiel.

In demselben Augenblicke gewahrte ich mit Staunen, wie der riesenhafte Neger sich plötzlich mit blitzenden Augen erhob, und sich auf seinen Nachbar stürzte. Ich

Politische Nachrichten.

Berlin, 16. April.

(VonderMittelmeerfahrtdesKaisers.)

S e. Majestät d e r K a i s e r hörte gestern noch, wie au» SyrakuS gemeldet wird, den Vortrag des Chef» de» Marinekabinetts und fuhr Nachmittags auf dem Sleipner an der Küste entlang bis zu dem schön gelegenen Hafen von A u g u st a , wo Se. Majestät eine Rundfahrt machte. Der Sleipner wurde hier von Hunderten von Ruder- und Segelbooten umringt, deren Insassen den Kaiser wie überall mit begeisterter Sym­pathie begrüßten. Eine Kapelle aus einem reichge­schmückten Prahm spielte die deutsche Nationalhymne. Der Kaiser nahm von der Stadtvertretung ein Blumenarrangement entgegen und kehrte darauf nach Syrakus zurück. Das Wetter ist andauernd schön. — Heute nachmittag unternahm S e. Majestät der Kaiser, wie aus S y r a k u s gemeldet wird, einen Spaziergang an dem der Stadt gegenüber liegenden Teile des Porto Grande und nahm den Thee auf der Terrasse der Villa des deutschen Vizekonsul» Barons Bonnano beda Delta. Abends spielte die Kapelle bet Hohenzollern auf der Promenade am Hafen.

Ueber die Rekrutierung des Heeres für 1904 sind durch Kaiserliche Kabinettsorder vom 5. April d. Js. nachstehende Bestimmungen getroffen worden. Der späteste Entlassungstag der Reservisten ist der 30. September. Bei den an den Herbstübungen teilnehmenden Truppenteilen findet die Entlassung in der Regel am zweiten Tage nach Beendigung der Uebungen oder nach dem Eintreffen in den Standorten statt. Mannschaften der Fußartillerie, die nicht an den Manövern teilnehmen, sind am Entlassungstage der In. santerie ihre» Standorte», aber nicht vor dem 20. Sep­tember zur Reserve zu beurlauben. Für den Train, die Bezirk-kommandos, Oekonomiehandwerker und Kranken. Wärter ist der 30. September als Entlassungstag fest, gesetzt. Die Einstellung der Rekruten zum

Dienst mit der Waffe erfolgt bei den berittenen Truppen­gattungen bald nach dem 2. Oktober, jedoch erst nach Eintreffen der Truppenteile von den Herbstübungen in ihren Standorten. Beim 2. Fußartillerieregiment, den Bezirkskommandos, Oekonomiehandwerkern und Kranken­wärtern gilt der 1. Oktober als Einstellungstag, für alle übrigen Truppenteile hat das KriegSministerium den näheren Zeitpunkt festzusetzen. Einzustellen sind bei der Infanterie, den Jägern, den fahrenden Batterieen, bei der Fußartillerie, den Pionieren, Telegraphen- und Luft- schiffertruppen, sowie beim Train zu aktiver zweijähriger Dienstzeit die Hälfte der etatümäßigen Zahl an Ober- gefreiten, Gefreiten, Gemeinen rc., nach Abzug der Kapi­tulanten älterer Jahresklassen (vom dritten Dienstjahr ab.) Außerdem sind noch einzustellen: bei jedem Bataillon, dem eine Maschinengewehrabteilung ange- gliedert ist, 21 Rekruten als Schützen und 13 als Fahrer, zur Ergänzung der Feldartillerieschießschule bei je einem Feldartillerieregiment jedes Armeekorps noch 9, bei den übrigen je 8 Rekruten, zur Ergänzung der Fuß- artillerieschießschule bei jedem Bataillon noch 10, zur Ergänzung der Eisenbahnbetriebsabteilung bei den preu« bischen Eisenbahnbataillonen je 36 und bei den beiden preußischen Kompagnieen des 2. Bataillons des Eisen­

hütte wohl bemerkt, daß der letztere unaufhörlich gewann.

„Du Schurke! Du spielst falsch", schrie er in seinem gebrochenen Englisch, indem er den Hals des Unglück­lichen mit seinen eisernen Fingern umklammerte — er schien Uebung darin zu haben!

Flüche und Schläge hagelte es von allen Seiten her­ab. In den zur Linken gelegenen Zimmern verstummte die Musik, die Tanzenden stürzten herein. Der Wirt bemühte sich vergebens, die Ordnung wieder herzustellen.

Ich war mitten in das Gedränge hineingezogen. Jetzt steckte meine Hand nicht mehr in der Tasche, ich hielt den Revolver kampfbereit in der Rechten.

Messer wurden gezogen, Schüsse knallten. Die Sache artete in eine allgemeine Schlägerei aus.

Ich bemühte mich, meinen Neger nicht aus den Augen zu verlieren, aber ich wurde bald von ihm getrennt, und es war mir unmöglich, ihn wieder zu entdecken.

Schließlich wandte sich der Strom dem Ausgange zu. Ich mußte wohl oder übel folgen. Wir taumelten die Treppe hinab und kamen Ins Freie. Dort gelang es mir endlich, mich los zu machen.

Die Schlägerei wurde noch eine Weile fortgesetzt, aber der eiskalte Regen kühlte die erhitzten Gemüter bald ab. Die Kämpfenden entfernten sich einer nach dem anderen, und es wurde wieder still auf der Straße.

Den Neger konnte ich jedoch nirgends erblicken. Er war und blieb verschwunden.

Als ich endlich spät in der Nacht — die Uhr zeigte bereits die dritte Stunde — todmüde und an allen

Gliedern zerschlagen zu Hause anlangte, als ich mich meiner Kleider entledigt hatte und die erschöpften Glieder aus den weichen Kissen streckte, da war e» mir, als läge da», was ich an diesem Abend erlebt hatte, mir so fern, als könne es sich unmöglich in der Weltstadt New-Pork zugetragen haben.

(Fortsetzung folgt.)

— Bei den Erdbeben im Wilojet Kossowo haben die drei Kasa» Osmanje, Kotschana und Jstib am meisten gelitten. In 30 Dörfern sind beinahe alle Häuser zer­stört. Bisher zählt man 37 Tote und 28 Verwundete.