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trsftlkr Atisblatt

Gratisbeilagen:Jllustrirtes Sonntagsblatt" undJWrirte Landwirtschaftliche Beilage".

SS- Fernsprecher Nr. 8. d

«r. 46.

Dienstag den 18. Pril

Amtlicher Teil.

Gaffet, den 11. März 1904.

Indem wir aus die im Regierung« Amtsblatt dem« nächst erscheinende Veröffentlichung der im Rechnungs­jahre 1904 zur Erhebung kommenden Beiträge zur Lehreraltertzzulagekasse, nebst Bekanntmachung dazu, Be­zug nehmen, ersuchen wir, die Gemeinden in geeigneter Weise davon in Kenntnis zu setzen.

Wir bemerken dabei, daß alle nach Aufstellung des VerteilungSplaneS eingetretenen Veränderungen infolge Gründung neuer Schulstellen, Auflösung bestehender Schulstellen, Erhöhung der Einheitssätze rc., welche bei der Festsetzung der Beiträge noch nicht berücksichtigt werden konnten, im neuen Rechnungsjahre durch be­sondere Verfügung geregelt werden.

Königliche Regierung, Abteilung für Kirchen- und Schulwesen.

F l i e d n e r.

An die Herren Landräte des Bezirks. B. 3341 III. Ang.

* *

Hersfeld, den 15. April 1904.

Vorstehende Regierungsverfügung wird den Herren Bürgermeistern derSchulorte des hiesigen Kreises behufs Veranlassung des Erforderlichen mit dem Bemerken mit­geteilt, daß die fragliche Nachweisung dem Amtsblatt der Königlichen Regierung in Cassel Nr. 11 vom laufen­den Jahre beiliegt. In dieser Amtsblattsnummer ist auch die darauf bezughabende Regierungsverfügung vom 7- März d. Jr. I. B. Nr. 3341 II. Ang. zum Abdruck gelangt.

I. 1697. Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 15. April 1904.

Der Schuhmacher Christian Scheer aus Ransbach ist als Schlachtvieh- und Trichinenbefchauer für die Gemeinde Ransbach mit Forsthaus Stöckig widerruflich bestellt und verpflichtet worden.

I. 1733. Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

All' " HchinW.

Kriminal-Roman von Moore.

(Fortsetzung.)

3. Kapitel.

Fast am Ende von Five-PointS liegt ein großes Haus, groß wenigsten» im Vergleich zu den elenden Hütten, die es begrenzen. Es ist von oben bis unten erleuchtet. Da» gedämpfte Licht dringt durch die Fenster und wirft einen bleichen Schein auf die dunkle Straße.

Hin und wieder tönt Geschrei und laute» Rufen aus dem Gebäude. Dann ist Alles eine Weile still, bis nach wenigen Minuten der Lärm mit erneuter Gewalt los« bricht. Zuweilen wird die Tür geöffnet und ein mensch­liches Wesen mit großem Nachdruck an die Luft gesetzt.

In diesem Augenblick kommt ein Mann die Straße herauf. Sobald er in den vom Haus ausgehenden Lichtkreis gelangt ist, kann man feine Züge erkennen. Tiefe Runzeln bedecken feine Stirn und ein mürrischer Zug umspielt seinen Mund. Er geht vornüber gebeugt, und seine Haltung hat etwas Untersetztes. Eines ist sicher, er hat weder in den Gesichtszügen noch in der Figur oder dem Gange die geringste Aehnlichkeit mit bem Detektive John Moore.

Und doch ist es kein Anderer.

Ohne Zögern öffne ich die Tür zu dem großen Hause. Im selben Augenblick vernimmt mein Ohr ein entsetzliche» Getöse, aber ich beachte da» nicht weiter.

Hersfeld, den 15. April 1904.

Die Herren Bürgermeister der Schulorte des hiesigen Kreise» benachrichtige ich hierdurch behufs Veranlassung des Erforderlichen, daß in der Beilage zum RegierungS- AmtSblatt Nr. 13 vom laufenden Jahre der Ver- teilungSplan der Königlichen Regierung über die von den einzelnen Gemeinden bezwfe. Schulverbänden für das Rechnungsjahr 1904 zur RuhegehaltSkasse für Lehrer und Lehrerinnen an den öffentlichen Volksschulen zu leistenden Beiträge sich abgedruckt befindet.

I. 1634 Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Heröseld, den 14. April 1904.

Die unter den Hühnern des Bäckermeisters Kothe hierfelbst auSgebrochene Geflügelcholera ist erloschen. I. 2185. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 15. April 1904.

Der Landwirt Jakob Ruhn zu Asbach ist heute als Schlachtvieh- und Trichinenbefchauer für die Gemeinde Asbach und zwar für den II. Bezirk (umfassend die Hausnummern 50 bis einschl. 93) gemäß § 5 der AuS- führungsbestimmungen vom 20. März 1903 eidlich ver­pflichtet worden.

J. I. No. 2261. Der Königliche Landrat

. Freiherr von Schleinitz,

Geheimer RegierungsRat.

Königliches Landratsamt.

Sprechstunde r Täglich von 912 Uhr an den Wochentagen vormittags.

Der am 20. 3. 1876 zu Hanau geborene Etuisar­beiter Heinrich Adler, seither Gärlnerstraße 10 hierfelbst wohnhaft, hat sich am 7. b. M. gegen 7 Uhr aus seiner Wohnung entfernt und ist bis jetzt noch nicht wieder dahin zuiückgekehrt. Da er in letzter Zeit ein sehr auf­geregtes Wesen zeigte und auch Aeußerungen getan hat.

Ein junges Mädchen sie zählt sicher nicht mehr als vierzehn Jahre kommt mir entgegen, sie hat Blumen im Haar und ein freches Lächeln auf den dünnen Lippen. Sie ergreift meine Hand und flüstert mir leise einige Worte zu. Ich werfe ihr eine Münze hin und eile weiter.

Ich gehe die schmale Treppe hinauf. Merkwürdige Gestalten begegnen mir, wenden sich nach mir um und starren mir nach. Ist etwa Gefahr im Anzüge?

Als ich ihnen aber einen gewissen Blick zuwerfe, be­ruhigen sie sich gleich. Einer von den ihren!"

Oben angelangt biege ich links ab und trete in einen großen Raum, Musik tönt mir entgegen, der Tanz ist in vollem Gange. Aber welche Musik und was für ein Tanz I Die Mitglieder des Orchesters sind mir wohl­bekannt. Der Dirigent ist ein berüchtigter Falschmünzer, den man noch niemals hat fassen können, die Violine spielt ein Einbruchsdieb, ein Spezialist in der edlen Kunst, Patentschlösser ohne Schlüssel zu öffnen sich mit gewöhnlichen Schlössern zu besassen, hält er unter seiner Würde und so weiter.

Und wenn mich irgend etwas überraschen könnte aber dazu bin ich zu alt und zu sehr an Alle« gewöhnt so müßte ich hier über einen Umstand staunen: denn alle Tanzenden sind Farbige, größtenteils Neger, doch gibt es hier auch Kreolen, Mulatten und andere Mischlinge.

Mit einem Wort, die» ist der Sammelplatz für New- Uork« farbige Bevölkerung.

Ich verlasse das Zimmer wieder. Recht» von dem

sich das Leben nehmen zu wollen, so wird angenommen, daß er sich ein Leid angetan hat. Adler ist 1,641,66 m groß, hat dunkelblonde», ziemlich lange» Kopfhaar, kräftigen, rötlich blonden Schnurbart, volle» Gesicht und gesunde Gesichtsfarbe. Bekleidet war derselbe mit ArbeitSanzug, bestehend aus dunklem Sackrock und dunkler Hofe, er trägt schwarzen weichen Filzhut, Umlegekragen mit kleinem Schlips und eine silberne Zylinderuhr mit gelber Kette. Besondere Kennzeichen: Verkrüppelter linker Fuß. Um Mitteilung, fall» etwa» über die Per­son bekannt werden sollte, wird ersucht.

* * *

Das Ausschreiben vom 5. März 1904, betreffend den Schneidergesellen Friedrich Senzel, hat durch Auf­findung der Leiche seine Erledigung gefunden.

Hanau, den 9. April 1904. Königliche Polizei-Direktion.

Nichtamtlicher Teil.

Zu den Vorgängen in Deutsch-Südwest-Afrika.

Durch das am 9. b. M. stattgehabte Gefecht bei Onganjira wurde der rechte Flügel der Herero von der deutschen Hauptabteilung unter Oberst Dürr und der Westabteilung (Estorff) zurückgeschlagen. Nun hat eine deutsche Abteilung, wahrscheinlich unter dem Kommando de» Hauptmanns von Bagenski, den Gegner bei Oka- tumba, neun Kilometer südwestlich von Katjapia, wo der Feind sich wieder gesammelt hatte, auf» neue ge­stellt und demselben am 13. b. M. ein hoffentlich fieg- reiches Treffen geliefert, in welchem auf deutscher Seite Hauptmann von Bagenski und Oberleutnant Reiß, so­wie ein Sergeant und 5 Soldaten den Heldentod fanden, während Leutnant FindeiS und sieben Mann schwer und fünf weitere Mann leicht verwundet wurden.

Berlin, 16. April. Ueber dieses Gefecht ist in­zwischen von Hauptmann Fiedler aus dem stellvertreten­den Hauptquartier in Okahandja folgende Gefechtsdepesche des Gouverneurs Leutwesn, die infolge einer Betriebs­störung der Heliographenlinie erst am 16. April früh 7 Uhr in Okahandja eintraf, angekommen. Am 13. April rückte ich von Otjofafu gegen die bei Okatumba stehenden Herero vor. Letztere wichen bis in die Gegend von Oviumbu zurück, wo sie ihrerseits angriffen. In

Tanzboden liegt ein ungefähr eben so großer Raum, in den ich mich jetzt begebe. Von dem Augenblick an, in dem ich die» Haus betrat, habe ich die rechte Hand krampfhaft in die Tasche gesteckt, fest umschließt sie den Kolben meines Revolver».

Auch dieser Raum ist voll Neger. Meine Augen durchfliegen schnell das Zimmer. Mit sicherer, unbe­fangener Haltung durchschreite ich dasselbe. Mein spähen­der Blick haftet bald an der einen, bald an der anderen dieser schwarzen Gestalten.

Ich betrachte eine Gruppe, die auf dem Fußboden sitzt. Man spielt ein erst kürzlich aufgekommene» Spiel, von dem ich gehört, da» ich aber noch niemals ge­sehen habe.

Es ist dasFliegenfpiel."

Ich beobachte einen der Spieler. Es ist ein baum­langer, riesenhafter Neger. Er muß zweifelsohne im Besitz ungewöhnlicher Körperkräfte fein. Seine Augen blitzen, und der Ausdruck seines Gesichte« verändert sich von einem Augenblick zum anderen. Ich habe selten oder niemals ein derartig wechselnde« Mienenspiel gesehen.

Ich habe ein Gefühl, als müsse ich mich auf ihn stürzen. Aber ich besinne mich und nehme an einem der kleinen Tische, die rings herum an den Wänden stehen, Platz, ohne dabei jedoch den Neger außer Acht zu lassen.

Ein Neger eilt herbei. Nach kurzem Besinnen be­stelle ich eine Flasche Kognak. In wenig Augenblicken (lebt das belebende Getränk vor mir. Ich schenke den Zinnbecher voll und trinke.