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1904.
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Amtlicher Teil.
HerSseld, den 25. März 1904.
Unter Bezugnahme auf die diesseitige Bekanntmachung vom 11. Februar 1873 (Kreisblatt Nr. 13) betreffend die Vertilgung der Raupennester, werden hierdurch die Herren Ortsvorstände des Kreises aufgefordert, die gehörige Vollziehung der deshalb ergangenen Vorschriften zu über, wachen und gegen jeden Nachlässigen mit den den Orts- Polizeiverwaltungen zustehenden Mitteln vorzugehen resp, dem Polizeianwalt zwecks der gerichtlichen Bestrafung nach dem § 368, 2 des Strafgesetzbuches zur Anzeige zu bringen.
Die Königliche Gendarmerie wird tun, war ihre Pflicht ist.
Gleichzeitig erhalten die Herren Bürgermeister den Auftrag, für tunlichst« Verbreitung der hierunter abge. gediuckten Belehrung über die Vertilgung der Kohlweißlinge zu sorgen und dahin zu wirken, daß Prämien für Einlieferung der weiblichen, im Frühjahr fliegenden Kohlweißlinge gezahlt werden.
I. 1807. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.
Die Vertilgung der Kohlweißlinge.
Jeder Landwirt und Gartenbesitzer kennt den großen Schaden, welchen die Raupen der Kohlweißlinge an den verschiedenen Kohlarten in Feldern und Gärten anrichten. Die Milliarden von Raupen anderer Art vertilgenden Vögel verschmähen fast ausnahmslos gerade diejenigen des Kohlweißlings. Das Geschäft der Raupenvertilgung bleibt deshalb vorzugsweise der menschlichen Tätigkeit überlassen. Diese vermag das Uebel auch zu bezwingen, wenn sie nur überall und zur rechten Zeit unter Anwendung der richtigen Mittel eingreifen wollte.
Bekanntlich überwintern die Kohlweißlinge als Puppen. Sie hängen oft in großen Mengen an Bäumen, Hecken, Mauern und an den Wänden von Gebäuden. Bei warmer
Witterung kommen schon im April die Schmetterlinge zum Vorschein. Sie fliegen dann ziemlich einzeln.
Bald nachdem sich die Geschlechter gefunden, beginnt das Eierlegen an der untern Seite kreuzblütiger Gewächse Maps Meerrettig rc.). Nach 10 bis 14 Tagen schlüpfen die Räupchen aus und beginnen an den sie beherbergenden Gewächsen ihre zerstörende Tätigkeit. Nach viermaliger Häutung, welche innerhalb 4 Wochen bewerkstelligt wird, sind sie ausgewachsen “n” letzt verpuppen sie sich an den oben näher bezeichneten Schmetterlin" 14 T^ö^ nach dem Eierpuppen erscheint der hiermit ist die erste Generation zum Abschluß gekommen o^.nL„be^nt nun die zweite. Die jetzt oft massenhaft legen ihre Eier und die aus diesen Raupen gelangen vor Winter in der Regel Verpuppen Die Raupen dieser zweiten Je ^a^n^^,.^^^^ in warmen, mehr trockenen als mögen" außerordentlichen Schaden anzurichten ver- Soll nun eine wirksame Vertilgung der Kohlweißlinge vorgenommen werden, so muß sich diese erstrecken - °
' nÄÄ Aufsuchen und Zerdrücken der Eier, welche sich wie gesagt, aus der untern Seite der kobl- artigen Gewächse und stets in nröftcrer auf einer kleinen Fläche vorfinden, 0 " er ■ ai । e nci
2. auf das Einsammeln und Vernichten der Puppen während der Wintermonate, besonders während des Januars und Februars und ganz besonders
3. auf das Fangen der der ersten Generation angehörenden Schmetterlinge, welche im Frühjahr und im Vorsommer fliegen.
Das Fangen der Schmetterlinge der zweiten Generation bleibt erfolglos, weil die vorhandenen Massen dieser Generation gar nicht bewältigt werden können.
Derjenige verfährt somit rationell, welcher die Puppen vernichtet und die weiblichen Schmetterlinge der ersten Generation einfängt, denn hierdurch wird das Uebel an der Wurzel angegriffen und im Keime erstickt.
Die weiblichen Schmetterlinge sind aber leicht selbst im Flug an den schwarzen Flecken zu erkennen, welche sie auf der Mitte der Vorderflügel haben. Dem Männchen fehlen dieselben.
Das Wegfangen unterliegt keinen Schwierigkeiten. Einmal ist die Zahl der Schmetterlinge im Frühjahr nicht groß und dann ist ja die Schmetterlingsjagd eine Lieblingsbeschäftigung für die Jugend. Schaffe nur jeder Landwirt und Gartenbesitzer den Kindern Fangnetze an. Er setze für Einlieferung einer gewissen Anzahl dieser Frühlingsschmetterlinge Prämien aus. Es würde sich ohne Zweifel selbst lohnen, Tagelöhner mit dem Einfängen der Schmetterlinge zu betrauen.
Stadt- und Landgemeinden und die landwirtschaftlichen Vereine sollten die Einlieferung der Kohlweißlinge ebenwohl angemessen prämiiren. Geschehe dies allgemein, so würde man des schädlichen Insekts bald Herr werden.
Hersfeld, den 23. März 1904.
Mit der aushülfsweisen Ausübung der Jagdpolizei sind von mit die nachbezeichneten Königlichen Förster bis auf Weiteres betraut worden, und zwar:
a. Breitenstein in Friedewald in den Jagdbezirken der Gemeinden Friedewald, Malkomes, Schenksolz, Motzfeld, Lautenhausen sowie des Gutes Hof Weißenborn.
b. Curt i n Friedewald in den Jagdbezirken der Gemeinden Friedewald, Herfa, Lautenhausen und Neurode und
c. Klotz zu Forsthaus Stöckig in den Jagdbezirken der Gemeinden Ranrbach, Wehrshausen, Philippsthal, Röhrigrhöfe und Nippa.
I. 1603. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.
Hersfeld, den 31. März 1904.
Die Erledigung der Verfügung vom 15. April 1886 I. Nr. 4578 (Kreisblatt Nr. 46) die Körung der Zucht- bullen betreffend, wird bei den mit der Berichterstattung noch im Rückstand befindlichen Herren Ortsvorständen des Kreises hiermit in Erinnerung gebracht. (Frist bis zum 6. A p r i l d. I s.)
Der Königliche Landrot Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.
Nichtamtlicher Teil.
(Ostern.
Auferstehung: wie die Sonne strahlend durch die Wolken bricht, so flutete das Licht der gnadenvollen Oster- botschaft auf die heidnische Welt herein und erfüllte die Seele der Menschheit, die in düsterer Hoffnungslosigkeit dahinsiechte, mit himmlischer Klarheit und heiligem Erschauern. Er war geschehen, das Größte und Unbegreifliche, was Christus vorausgesagt hatte. Der Fürst der Schatten hatte über den Herrn am Kreuze keine Gewalt gehabt. Wie hatten die Christen aller Orten gebangt und gezittert in namenloser Pein, ob ihr Meister wiederkehren werde aus der Tiefe der Gruft! Nun war er wirklich da, leibhaftig und greifbar ; ja einer, der gar nicht glauben wollte, der fassungslos vor dem göttlichen Geheimnis stand, war sogar gewürdigt worden, daß er seine Finger auf die Wundmale de« Herrn legen durfte. Da schwand jeder Zweifel, und ein Jauchzen ging durch die Christenwelt, wie es sich aus einer Brust emporringt, der eine unermeß.
liche Freude zuteil geworden ist. Jetzt mochte kommen, was da wollte, Verfolgung, Not und Tod: die Christen wußten, daß nichts mehr das Kreuz in seinem Siegeszuge aufhalten konnte.
Die Osterbotschaft ist eine Bürgschaft dafür, daß die von Christus geführte menschliche Gesellschaft alle Mächte der Finsternis überwinden und dermaleinst an das höchste zu erstrebende irdische Ziel gelangen wird. Dies Ziel ist in der Erreichung der größtmöglichen Glückseligkeit in dem Verhältnis aller Menschen untereinander gegeben und hat die Beschränkung des unvermeidlichen Elends und Unglücks in der Welt auf da« gerinstge Maß zur Voraussetzung. Eins solche Entwicklung entspricht dem innersten Wesen des Christentums und wird von allen zusammenwirkenden christlichen Kräften fortwährend gefördert.
Die christliche Weltanschauung verfolgt den Zweck, das in richtigem, durchgeistigtem Sinne verstandene Glück der Einzelnen zu begründen. Darum schuf es den Begriff der Persönlichkeit, der dem Heidentum fremd war. In dem Augenblicke, wo Christus aus der Nacht des Grabes emporstieg, trat mit ihm herauf an das Licht die menschliche Persönlichkeit in ihrer von Gott geweihten Würde, und ihr zu Füßen wand sich besiegt die antik« Herren- und Sklavenmoral. Ein neuer Humanität-begriff erschloß sich der menschlichen Erkenntnis durch die Lehre, daß jeder Mensch ohne Ausnahme, auch der allergeringste, eine besondere Menschenwürde besitzt, die auf der Wertschätzung seiner unsterblichen Seele durch Gott und auf dem mit ihr verbundenen göttlichen Heilzweck beruht. Aus der Menschenwürde aber fließen gewisse Menschenrechte, die jeder Christ in seinem Mitmenschen achten und zu deren Erreichung und Bewahrung ein Mensch dem andern nach Kräften behülflich sein muß.
So will es der Geist des wahren Christentum«, und diesem Geiste verdanken wir in der Tat unsere Zivilisation. Wir verdanken ihm die persönliche Würde und Freiheit als Grundlage unsers öffentlichen Lebens, die Abschaffung der Sklaverei, die Anerkennung der Würde des Weibes, die soziale Fürsorge für die arbeitenden Klassen. Wir verdanken ihm den ganzen großen Schatz an christlich- sittlichen Gedanken und Beweggründen, der die moderne christliche Kulturwelt von jener der Heidentum« unterscheidet und der in dem kategorischen Imperativ gipfelt: „Betrachte nie einen Menschen als Mittel zum Zweck, sondern als Selbstzweck."
An alle diese Errungenschaften wollen wir denken, dann wird sich in uns die Ueberzeugung befestigen, daß das Christentum unvergänglich ist bis ans Ende der Zeiten, daß allein der christliche Geist der lebendige Springquell ist, aus dem die Menschheit immer wieder neue Jugend schöpft, der nie und nimmermehr veraltet, sondern durch allen Wechsel der Jahrtausende unverändert seine heiligende und erlösende Kraft bewahrt.
Ostermorgen, sei gegrüßet! heil'ge Schauer wehn durchs Tal. In die ersten süßen Lieder, Die die Lerche schickt hernieder, Mischt sich ferner Glocken Schall.
Ostermorgen! All der Jubel Akich wie (Engelsfang umschwebt; Aufgetan des Grabes Riegel And des Feindes schwarzes Siegel Jäh zerbrochen! — Jesus lebt!
Oft bis in die tiefsten Tiefen Dor dem Tod mein k^erz erbebt, — A)enn die Osterglocken schwingen, Menn die Osterpsalmen klingen, Rühm' ich jauchzend: „Jesus lebt!"
Ostermorgen! So ins Dunkel Jeder Seele strahl dein Licht, Ruf dein selig: „Auferstanden!" lüetl auch unsers Grabes Banden Des (Erftanbuen Macht einst bricht.