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Gratisbeilagen:Jllustrirtes Sonntagsblatt" nndJllnstrirtc Landwirtschastliche Beilage".

KS* Fernsprecher Nr. 8. ^»

«r. 31.

Junta Den 29. März

1904.

Kestellungen

auf das

Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Sonntagsblatt" und

Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für das zweite Quartal 1904 werden von allen kaiserlichen Postanstalten, tandbriefträaern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Teil.

Hersseld, den 21. März 1904.

Bestehender Bestimmung gemäß wird in Nachstehen­dem das Ergebnis der am 19. d. MtS. im Sitzungs­saal« des Landratsamtsgebändes dahier stattgefundenen Kreistagssitzung, in welcher der Herr Vorsitzende zu­nächst des durch Tod abgegangenen bisherigen Herren Kreistagsabgeordneten Seilerwarenfabrikant August Gott­lieb von hier und Tuchfabrikant Wilhelm Braun von hier gedachte, wobei sich die Anwesenden zu Ehren der Verstorbenen von ihren Plätzen erhoben, zur öffentlichen Kenntnis gebracht.

Zunächst wurden die Verhandlungen über die im Monat November 1903 erfolgten Neuwahlen zum Kreis­tage geprüft. Die Prüfung gab zu Bemerkungen keinen Anlaß und wurden die Neugewählten, nachdem die Gültigkeit der Wahlen beschloffen war, in ihr Amt ein» geführt.

Sodann wurde der hier beiliegende Kreishaushalts- Etat für das Jahr 1/4. 1904/5 im Einzelnen genau durchgegangen uno sodann nach allenthalbiger Ge­nehmigung in Einnahme und Ausgabe auf den Betrag von 76100 Mk. festgestellt. Bei der Beratung wurde über ein Gesuch der Vorsitzenden des Vaterländischen Frauenvereins dahier um Bewilligung einer laufenden Unterstützung beraten. Nachdem der von dem Herrn Bürgermeister Bätz in Kalkobes gestellte Antrag auf Ab­

An

Erzählung von A. v. L i l i e n c r o n.

Mtt.

(Fortsetzung.)

Ahnungslos darüber, in welchem Zwiespalt der Ge­fühle seine Mutter sich befand, hatte Hans Dietrich sie durch diesen Hinweis auf des Vaters treuesten Freund zur Entscheidung gebracht. Noch heute abend wollte Gerda in rückhaltloser Offenheit an Pletten schreiben.

Nach Tisch ging Hans Dietrich mit ein paar Kameraden spazieren, den Abend wollte er bei seiner Mutter zubringen.

Voll überspiudelnder Jugendlust war er weggegangen, wortlos und blaß kam er wieder.

Junge! Was hast du? Was ist passiert?* Totten- berg fuhr von seinem Sitze auf und starrte den schönen, blassen Knaben an.

Onkel Tottenberg, sage mit die Wahrheit," stieß dieser krampfhaft hervor.Du sollst wissen, daß Graf Berninghaus ein Papier verwahrt, das meinem Vater die Ehre abschneidet."

Tottenberg war jetzt ebenso blaß geworden, wie Hans Dietrich, dessen Zähne in der Erregung zusammenschlugen. Woher weißt du das?" stammelte er.

Reinhold von Mattenbeck hat gehört, wie sein Vater er erzählte, der es vom Grafen Berninghaus hat, und

lehnung des Gesuchs mit 10 gegen 7 Stimmen abge­lehnt war, wurde der von dem Herrn Bürgermeister Strauß dahier gestellte Antrag auf Bewilligung einer jährlichen Unterstützung von 100 Mk. für die Dauer von 3 Jahren, jedoch vorbehaltlich der jährlichen Neu- bewilligung, mit Stimmenmehrheit angenommen und Einstellung dieses Betrages in den Etat unter Ausgabe­titel V. 9 a. sowie Erhöhung des Einnahmepostens unter Titel I. von 1041,34 Mk. auf 1141,34 Mk. beschloffen.

An dem Projekt zur Verlegung des Landwegs Kirch- heim-Kemmerode innerhalb der Gemarkung Kirchheim fand sich bei dessen Begutachtung nichts zu erinnern. Die Bewilligung der Hälfte der Kosten aus kommunal­ständischen Mitteln wurde dabei zu beantragen beschlossen.

Der Beitritt des Kreises Hersfeld zur Organisation Soziales Museum" in Frankfurt a./M. als Mitglied wurde einstimmig abgelehnt.

Mit Prüfung der demnächst aufzustellenden Kreis- kommunalkassen-Rechnung für das Jahr 1/4. 1903/4 wurden die Herren Apotheker L. Becker und Vorschuß, vereinsdirektor Hettler dahier wiederum betraut.

Zu Vertrauensmännern für den Ausschuß bei den Amtsgerichten Friedewald, Hersseld, Niederaula und SchenklengSfeld zur Mitwirkung bei der in 1904 statt- findenden Auswahl der Schöffen und Geschworenen für das Jahr 1905 wurden dieselben Personen gewählt, welche bereits im Vorjahre als solche fungirt haben.

Die mit dem 1. Juli 1904 ausscheidenden beiden KreiSausschußmitglieder Herren Tuchfabrikant Friedrich Braun in Hersfeld und Bürgermeister August Reinhard in Landershausen wurden auf Antrag des Herrn Bürger­meisters Strauß dahier für einen weiteren sechsjährigen Zeitraum durch Zuruf einstimmig wiedergewählt; des­gleichen auch die mit dem 1. Juli 1904 ausscheidenden beiden KreiSdeputirten, die Herren Bürgermeister a. D. Braun in Hersfeld und Bürgermeister August Reinhard in Landershausen.

Außer der Tagesordnung wurde noch das Schreiben des Herrn Landrats in Hünfeld vom 12. März 1904, den Ausbau des Landwegs Landershausen-Wölf und die Ausbringung der dadurch entstehenden Kosten betreffend, verlesen und beschloß man daraufhin, auf das gestellte Anerbieten nicht eingehen zu können.

I. A. No. 1263. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierung- Rat.

du mußt nun hingehen und den beiden sagen, daß das eine schändliche Lüge ist."

Tottenberg hatte sich aufgerafft.

Das kann ich nicht, mein armer Junge. Da» Papier, das in deines Vaters Brieftasche gefunden wurde, habe ich selbst monatelang unter meinem Verschluß gehabt."

Wie geistesabwesend sah ihn HanS Dietrich an.

Was stand denn daraus? Was sollte denn mein Vater getan haben?" fragte er mechanisch.

Durch das Blatt ist es erwiesen, daß er im ge­heimen während des Kriege« mit dem Feinde in Ver­bindung stand, zu dessen Gunsten er einen gefälschten Brief übergeben wollte . . ."

Und das glaubst du? Und das glaubst du?" fuhr Hans Dietrich dazwischen.Lüge ist das, schmähliche Lüge! Jedem will ich das ins Gesicht schreien, der so etwas von meinem Vater behauptet. Und wer mir das nicht glauben will, dem werde ich es noch anders bei­bringen !"

Er war völlig außer sich. Leidenschaftlich hatte er mit dem Fuße aufgestampst und die geballte Faust drohend erhoben. Der weiße Seidenspitz, sein Liebling, fuhr kläffend auf ihn ein. Er schleuderte ihn mit dem Fuße weg.

Ernstlich besorgt sah Tottenberg auf da« jetzt asch­fahle Gesicht des Erregten.

Die Sache wird vielleicht anders zusammenhängen,"

Hersseld, den 12. März 1904.

Die unter den Schweinen des Pserdeschlächters Heinrich Manns und des AdaH Feil dahrer ausge­brochene Schweineseuche ist erloschen.

I. 1519. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz,

Geheimer Regierungs-Rat.

Nichtamtlicher Teil.

Zu den Vorgängen in Deulsch-Südwest-Afrika.

Das gestrige Telegramm des Gouverneurs Leut- wein hat feit längerer Zeit wieder die erste Nach­richt über die von Major v. Estorff geführte bisherige W e st a b t e i l u n g des Marine-Jnfanterie- bataillons (Kompagnie Häring) gebracht. Major von Estorff hat sich danach am 24. d. MtS. in Okahandja mit der Hauptabteilung vereinigt. Major v. Estorff war, nachdem das Marine-Jnfanteriebataillon am 9. Februar in Swakopmund ausgeschiffl^worden war, so- fort nach Karibib abgegangen, von wo «.am 11. Februar nach Omaruru vorrückte, wo Hauptarm Franke am 4. erst wieder eingerückt war. Die Herero waren da­mals noch im Abzug von Amaruru gegen Osten be- griffen. Von Omaruru ging Major v. Estorff nord­wärts gegen Outjo vor, das damals noch außer Ver­bindung nach Süden war, traf aber schon am 21. Februar bei Okowakuatjiwi mit Hauptmann Kllesoth zusammen, der ausmarschiert war, um diese Verbindung herzustellen. Major v. Estorff hat sich dann wieder süd­wärts gewendet und hatte bereits am 25. Februar das schwere zehnstündige Gefecht in den Bergen bei der Wasserstelle Otjihinanaka, 50 Kilom. nordöstlich von Omaruru, in welchem die Kompagnie Franke die Herero aus ihrer vorzüglichen Stellung warf. Die Herero müssen sich aber noch lange in der Gegend gehalten haben, denn noch am 16. März hatte Major v. Estorff beim Omatakoberge, der unweit von der Wasserstelle Otjihinanaka liegt, einen erfolgreichen Kampf zu be­stehen. Wohl bet der Verfolgung des Feindes wurde dann am 19. März eine Hererowerft überrascht, wobei 355 Rinder und 530 Stück Kleinvieh erbeutet wurden. Diese Werft haben wir wohl südöstlich vom Omatako­berge zu suchen, denn es war schon am 10. März ge» meldet worden, daß sich die Herero vor der Kolonne

suchte er zu begütigen.Es ist nur fatal, daß, wer von diesem Zettel erfährt, nicht gleich eine genügend günstige und beruhigende Erklärung zu geben weiß! Armer Kerl! Da« ist eine böse Geschichte! Deine Mutter behauptet natürlich auch steif und fest, daß nicht ein Wort von dem Vorwurse wahr sein könnte, den man deinem Vater macht."

Hans Dietrich unterbrach ihn hastig:Meine Mutter weiß davon?" und als Tottenberg nickte, wandte er sich zum Gehen und murmelte tonlos:dann will ich gleich zu ihr."

Frau Gerda hatte schon erwartungsvoll nach ihrem Knaben ausgeschaut. Jetzt sah sie ihn schleppenden Schritte» ankommen. Sie ging ihm entgegen und zog ihn in das Wohnzimmer.

Hans Dietrich . .

Er ließ sie nicht weiter reden.

Mutter," stieß er bebend hervor,weißt du von einem infamen Wisch, der in meiner Vaters Brieftasche gesteckt hat?"

Gerda wurde totenblaß. So schnell also hatte Berninghaus seine Drohung erfüllt.

Ja," antwortete sie leise,ich habe das Papier in Händen gehabt, und von des Vaters Handschrift das darauf bemerkte Datum gelesen. Aber," fuhr sie mit erhobener Stimme fort, während ihre Wangen glühten, so fest wie ich weiß, daß ich lebe, so sicher weiß ich auch, daß dein Vater nie etwas tun konnte, das einen