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mehr nach zweijähriger Bauzeit ihrer Vollendung ent« gegen. Die Einweihung diese» Gebäude» steht für anfangs April in Aussicht.

Kassel, 22. März. Ein Spitzbubenstückchen nicht ganz alltäglicher Art ist Ende voriger Woche im Stein­bruch Oelberg bei Quentel in der Söhre auSgeführt worden. Dort lagen mehrere Waggons Pflastersteine im Werte von ca. 600 Mark, die bereits nach Gaffel verkauft waren und gestern hätten hierher transportiert werden sollen. Als nun der Eigentümer seinen Stein­bruch betrat, sah er stch zu seiner nicht geringen Ver­blüffung der Mühe des Transports überhoben. Seine Pflastersteine waren bis auf einen geringen Rest ver­schwunden. Diebe hatten sie des Nachts mit unerhörter Dreistigkeit weggefahren. Ganz spurlos sind die Steine allerdings nicht verschwunden, denn e» ist bereits ge­lungen, die Diebe zu ermitteln. Die billigen Pflaster­steine dürften ihnen jetzt ziemlich teuer zu stehen kommen.

Hanau, 20. März. Zum Raubmordversuch im Würzburger Eisenbahnzug schreibt der „B. a. M.": Das Ergebnis der bisher angestellten Untersuchungen läßt mit einem hohen Grade an Wahr­scheinlichkeit darauf schließen, daß der angebliche „Raub­mord" nur erdichtet ist. Die Angaben des Martin Bieder aus Althausen klingen so durchaus unwahrscheinlich und sein Verhalten auf der Eisenbahn nach dem angeb- lichen „Raubmordversuche" ist so auffallend, daß man ihnen keinen Glauben schenken kann.

Hanau, 20. März. In dem dem hiesigen Bau­unternehmer Keunecke gehörenden Steinbruche zu Heigen- brücken löste sich ein Felsblock und ein hiervon abge­sprengter Steinbroden traf den Arbeiter Wüst aus Jakobsthal so unglücklich ins Rückgrat, daß dieser augenblicklich tot war.

Langenselbold, 21. März. Eine Frau Koch aus Ravolzhausen (Kreis Hanau) wurde als Untersuchungs- gefangene ins hiesige Amtsgerichtsgesängnis eingeliefert. Die betreffende Frau ist verdächtig, den Tod ihres Kindes durch Vernachlässigung bezw. Nahrungsent- ziehung verschuldet zu haben. Die Leiche des kürzlich verstorbenen Kinde» wurde durch den Kreisarzt in Hanau einer Sektion unterzogen, und das Ergebnis derselben dürfte wohl Anlaß zu der Einleitung der Untersuchung gegeben haben.

Salmünster, Kr. Schlüchtern, 19. März. Im Saale des hiesigen Rathauses fand dieser Tage die dritte Bürgermeisterwahl statt. Es wurde Herr Stadt­sekretär Schröer aus Espe in Westfalen einstimmig zum Bürgermeister auf 12 Jahre gewählt.

Marburg, 21. März. Ein Meteor von seltener Großartigkeit wurde heute Abend kurz nach eingetretener Dunkelheit hier beobachtet. Gleich einem mächtigen Feuerball von unregelmäßigem Umfang tauchte eS am Himmel auf, erhellte die Gegend und strich südlich der Stadt, einen teil» hell, teils rötlich ausflammenden Schweif hinter sich herziehend, in absteigender Bahn nach Südwesten, wo es nahe am Horizont erlosch. Man vernahm deutlich da» sausende Geräusch, mit dem das Meteor auf seinem Weg begleitet war. Vielleicht ist die Erscheinung auch anderwärts beobachtet worden.

Frankfurt a. M., 21. März. In der vergangenen Nacht brachen aus dem hiesigen U n t e r s u ch u n g s - gefängniS am Klapperfeld neun Untersuchung»' gefangene aus, die meist wegen geringer Vergehen in Haft genommen waren. Dieselben hatten ein Loch durch die Mauer gebrochen und waren so inS Freie gelangt. Dem Vernehmen nach sind die meisten bereits wieder festgenommen worden.

Marburg, 21. März. Den hiesigen Malermeister M. hat ein folgenschwerer Unfall betroffen. Ein zum Anwärmen aus den Ofen gesetztes, mit Lack gefülltes Gefäß hatte beim Ueberlaufen Feuer gefangen, das M. durch rasches Abziehen zu dämpfen gedachte. Der dadurch entstandene Stubenbrand war wohl bald gelöscht; aber die enstandenen gefährlichen Brandwunden machten eine schleunige Ueberführung des rc. M. ins hiesige Kranken­haus notwendig. — Auf dem Militär Uebungsplatz

Sennelager bei Paderborn hat die Aktienbrauerei Paderborn ein Theatergebäude, das erste dieser Art in Deutschland, errichtet, dessen Saal 600 Personen faßt. Die diesjährige Saison wird am 30. k. M. unter Direktor Bastineller eröffnet. — In der Buchbinderei der Bonifatius-Druckerei ist vergangene Nacht Feuer ausgebrochen, das nicht unerheblichen Schaden angerich­tet hat.

Mainz, 21. März. In der Entfestigungsfrage von Mainz gab Kaiser Wilhelm aus Gibraltar, vom 18. März datierend, folgende Entscheidung: „Es werden aus­gelassen die Stadtumwallung vom Kastell mit den Lünetten Frankfurt und Wiesbaden, sowie die Nordwestfront von Mainz, von dem unteren Rheinanschluß bis zum Mom- bacher Tor." Anläßlich dieser Nachricht tragen die städtischen Gebäude Flaggenschmuck.

Darmstadt, 21. März. Der Großherzog tritt am nächsten Mittwoch seine Reise nach Italien an. Anfangs April wird er für einige Tage Konstantinopel besuchen.

$ t r m i f 611 §.

— Ein AttentatSversuch auf den deutschen Generalkonsul Gerock wurde in Innsbruck am Montag von einem Irrsinnigen gemacht. Der italienische Schuster Riccardo Carraro, der stch schon in Salzburg angelegentlich über das dortige deutsche Generalkonsulat erkundigte, verbarg sich in Jans- druck im Hause, wo Gerock wohnt, den er aber nicht kennt. Er stach mit einem Messer nach dem im gleichen Hause wohnenden Obersten Gratzky, der geschickt auswich und unverletzt blieb. Carraro wurde verfolgt und ein­geholt, gestand die Mordabsicht zu, wollte aber das Motiv nicht verraten. Er ist wahrscheinlich wahnsinnig. Den Generalkonsul Gerock bekam er nicht zu Gesicht.

— Ein Raubanfall auf ein Kind wurde bei Landsberg am hellen Vormittag im Dorfe Pollychen verübt. Der 12jährige Sohn der Schnellschen Eheleute hatte für feine Eltern Butter und Eier an Verwandte nach Lipke gebracht. Auf dem Heimwege lauerte ihm der 16jährige Knecht Fabienke auf der Chaussee auf, lockte ihn durch Versprechungen in den Wald, wo er ihn würgte, zu Boden warf, Hände und Füße band, an einen Baum befestigte und seine Taschen untersuchte. Da er aber nur das Messer des Kleinen fand, so schnitt er ihm damit tief in die Gurgel. Nachdem er den Knaben vom Baum losgebunden hatte, ließ ihn der Unhold liegen und lief davon. Der Knabe konnte trotz seiner F-sseln noch weiter humpeln, brach aber endlich zusammen. Dies sah der Dienstherr des Knechts. Er eilte herbei und befreite den Knaben, wobei dieser äußerte: „Euer Knecht!" Dies führte auf die Spur des Täter», der alsbald in der Wohnung feiner Eltern verhaftet wurde. Der Knabe liegt schwer verletzt im Krankenhause.

— (Heiratsvermittler in Littauen.) Bei einer Verheiratung geht es in Littauen nicht leicht ohne einen Vermittler (Pirßlys), selbst wenn sich die jungen Leute schon lange kennen. Bringt der Pirßlys die Hochzeit zu stände, so darf er auch auf der Hochzeit nicht fehlen, wo die Pirßlys eine wichtige Rolle spielen. Geld erhalten sie für ihre Vermittlung nicht, werden aber einige Tage sehr gut verpflegt und erhalten von der Braut ein Handtuch, ein Paar bunte Handschuhe und ein Hemd. Diese Gegenstände bindet die Braut mit einem bunten Band zusammen und legt sie dem Pirßlys über die Schulter. Dieser geht mit dem eigen­artigen Schmucke während der ganzen HochzeitSfeier umher.

— Ins Meer gestürzt und ertrunken ist, wie aus Barcelona gemeldet wird, am Montag ein Luft schiff er bei dem Versuch, einen Aufstieg zu unternehmen.

— (Meuterei eines ganzen englischen Bataillons inSüdafrika) Dem Daily Expreß wird aus Johannesburg gemeldet, daß in Howick (Natal) ein 600 Mann starkes Bataillon des walisischen Regiments

in offene Meuterei au»brach. Das Bataillon befand sich auf dem Transport von Pretoria nach Turban. Die Leute rückten mit ihren Waffen in die Stadt, plünderten Gasthöfe und Läden und trieben die Stadtbewohner zu Paren. Wüste Raufereien fanden statt, und viele Menschen wurden verwundet. Die Meuterer plünderten die Häuser und terrorisierten den ganzen Distrikt. Aus Pietermaritzburg ist das zweite Bataillon des West- Noikshire-Regiments mit zwei Moximgeschützen abgeschickt, um die Meuterei zu unterdrücken.

— (Die Empfindungen im Untersee. b o o t.) Anläßlich des Unterganges des englischen Unterseebootes gibt ein englischer Seemann, der an einer Probefahrt im Unterseeboot Nr. 2 der englischen Flotte in der Stokes Boy teilnahm, eine interessante Schilderung seiner Erfahrungen dabei: „Dar Gefühl, da» man beim Untertauchen des Bootes hat", erzählt er, „ist ein sehr eigentümliches. Man fühlt deutlich den verstärkten Druck, der durch das Untertauchen verursacht wird. Licht gibt es dabei in Menge; durch die Glas- luten im Kommandoturm stiehlt sich eine Art grünlichen Dämmerlichte» herein in einer Tiefe von zwei Faden. Man kann, wenn man durch eine dieser Pfortenöffnungen hinausblickt, sagen, ob der Himmel bewölkt ist oder ob die Sonne auf die Meeresoberfläche scheint. Da» erste Gefühl, das man unter Wasser hat, ist eine Art Be­täubung ; sie wird durch das Gefühl der völligen Hülf- losigkeit hervorgebracht, das den befällt, der sich in diesem beengten Raum befinbet. Die Bewegungen des Bootes sind nicht wahrnehmbar, selbst wenn es mit feiner vollen Unterseegeschwindigkeit von sieben Knoten fährt. Das Gefühl der Stille ist sehr stark. Ohren­klingen belästigte mich, und ebenso ein schreckliches Ge­fühl von Seekrankheit. Alle, die in den Unterseebooten sind, werden bald sehr bleich. Das ist, wie ich meine, eine Folge der schlechten Gerüche, die sich dort erzeugen."

— (Zwei Dampfer im Hafen gesunken.) Unter merkwürdigen Umständen sanken in den letzten Tagen zwei Schiffe. Der Dampfer „Rapide", eines der schönsten und schnellsten Fahrzeuge der Linie Dover— Ostende, lag am Kai von Ostende befestigt, als die Flut eintrat. Man halte auffälligerweise nicht bemerkt, daß der Dampfer dem Kai so nahelog, daß er sich unter dessen Rand festklemmen mußte, sobald die Flut ihn hob. Da ferner die Luken an den Seiten des Dampfers offen waren, so, füllte sich da» Schiff und sank. Die Hebung des Schiffes macht natürlich keinerlei Schwierigkeiten, aber die kostbare innere Einrichtung dürfte vollständig verdorben fein, und es wird der Gesellschaft viel Geld kosten, das Schiff für den Dienst wieder brauchbar zu machen. — Der zweite ähnliche Unfall ereignete sich im Hafen von Sunderland. Eine halbe Stunde nach der Abfahrt des Dampfers „John Ray" von Sunderland nach London kam ein Matrose zu dem Kapitän und meldete diesem, das Schiff sei im Sinken begriffen. Der Kapitän verlachte diese Meldung, wurde aber von der Mannschaft des Dampfers gezwungen, nach dem Hafen zurückzukehren. Kaum war der Dampfer in dem Hafen- kanal angelangt, als er wirklich sank. Die Mannschaft wurde gerettet.

— Die Ausgaben für die Weltaus­stellung in St. Louis werden sich nach einer offiziellen Aufstellung auf 16 776 108 Dollar belaufen. Die Kosten der sechs Hauptgebäude werden sich ohne innere Einrichtung auf 6 275 172 ToD. stellen. Die Ausgaben für die Heranziehung des Auslandes zur Be­teiligung, die die größte je dagewesene sein wird, be- liefen sich bereits auf 7 017 250 Doll., oder um 1 248 152 Dollar mehr, als bei der Chicagoer Ausstellung. Für Staatsgebäude und staatliche Ausstellungen sind 6 749 986 Dollar oder 1 335 952 Dollar mehr verfügbar, als auf der Chicagoer Ausstellung.

— (F r e ch.) Schusterjunge (zu einem Herrn mit kolossaler Platte): „Sie haben sich wohl mit dem Rasier­messer gekämmt?"

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