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Hersselder MM
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ÄS- Fernsprecher Nr. 8. -^s
«r. N. Sienftna ta 22. März M.
Kestelluuge«
auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen „Mustrirtes Sonntagsblatt" und „Mustürte landwirthschastl. Beilage" für das zweite Quartal 1904 werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, tandbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 18. März 1904.
Nach meiner im Kreisblatt Nr. 33 vom laufenden Jahre veröffentlichten Verfügung vom 10. d. Mls., I. I. Nr. 1403, iß irrtümlicher Weife gesagt worden „der Landwirt Heinrich Groscurth in Unterbaun fei als Ort-schätzer für den Gemeindebezirk Unter« haun widerruflich bestellt und eidlich verpflichtet worden," weshalb hierdurch berichtigend bekannt gegeben wird, daß nicht dieser sondern der Gastwirt Jakob Groscurth in Unterhaun gemeint ist.
1. 1403. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 18. März 1904.
Im Juli d. Js. findet in der Stadt Fulda eine Gewerbe-Ausstellung statt, auf die ich die im hiesigen Kreise bestehenden Handwerker-Innungen aufmerksam zu machen nicht verfehle.
Der Königliche Landrat Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
HerSfeld, den 18. März 1904.
Seitens mehrerer Herren Lehrer des hiestgen Kreises sind die Zinsen von den bei der hiesigen städtischen Spar- lasse angelegten Schulkapitalien für das Kalenderjahr 1903 basier noch nicht abgehoben worden.
in mßWiMes Blatt.
Erzählung von A. v. L i l i e n c r o n.
(Fortsetzung.)
Zwölftes Kapitel.'
Welche Wohltat sie Pletten auch jetzt wieder verdankte, da« empfand Gerda von Monat zu Monat mehr, als ihr wirklich das Glück zu teil wurde, wiederholt zu den kleinen Teeabenden des Kronprinzlichen Paare« herangezogen zu werden.
Ueber ein Jahr hatte sie so in Frieden verlebt, um so ungetrübter, da Graf BerninghauS, dessen Nähe sie stet« mit geheimen Grauen erfüllte, so reiche Zerstreuungen auf seinem neuen Besitze zu finden schien, daß er bis jetzt noch nicht zurückgekehrt war.
Wirklich hatte BerninghauS in der Führerrolle, die er dort übernommen, ein so großes Geschick entfaltet, daß der König ihm seinen entschiedenen Wunsch aussprechen ließ, er möge noch länger dort bleiben und weiter dafür sorgen, daß man in der Gegend gut preußisch werde.
In den ersten Tagen des Januarmonats 1796 machte er sich dennoch auf, um nach Berlin zu fahren. Schon unterwegs erfuhr er, daß am 28. Dezember Prinz Louis, der Bruder des Kronprinzen, der junge Gemahl der mecklenburgischen Prinzessin Friederike, an einem Gallen- sieber gestorben, und der Kronprinz ernstlich erkrankt sei, ebenso daß die Königin-Witwe im Sterben liege.
Die Herren Ortsschulinspektoren des hiesigen Kreises ersuche ich deshalb hierdurch ergebenst, die in Betracht kommenden Herren Lehrer gefälligst recht bald ver- anlassen zu wollen, die dahier befindlichen Zinsbeträge in Kürze entweder persönlich in Empfang zu nehmen oder durch eine gehörig legitimirte Person in Empfang nehmen zu lassen.
Der Königliche Landrat Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Nichtamtlicher Teil.
Zu den Vorgängen in Deutsch-Südwestasrika.
Eine überaus schmerzliche Unglücksbotschaft ist am Sonnabend aus Südwestafrika eingetroffen. Die Kolonne bei Majors von Glasenap, die bisher noch kein Gefecht mit den Herero hatte, aber durch die forcierten Nacht- und Gewaltmärsche erst nach dem Osten der Kolonie und bann wieder zurück nach den Onjatibergen ihre Kräfte auf das äußerste anspannen mußte, ist nunmehr auf den Feind gestoßen und hat dabei schwere Verluste erlitten. Nach einem Telegramm des Gouverneurs Leutwein vom Sonnabend stieß Major von Glasenap, dem Tetjo- Stamme von Rehoro über die Okandjesu nach Nordwesten folgend, den Kompagnien vorauseilend, am 13. d. M. bei Owitokorero mit seinem Stäbe, zahlreichen Offizieren, einer berittenen Abteilung von 36 Mann und einem Maschinengewehr aus die Nachhut des Feindes. Diese erhielt unerwartet Verstärkung, so daß Major von Glasenap gezwungen wurde, zurückzugehen. Das Gefecht spielte sich vor der eigentlichen Kolonne ob. Gefallen sind: s i e b e n O s f i z i e r e, 19 Mann, ver- mundet drei Offiziere, zwei Mann. Namen folgen. Vom Feind wurden 20 Tote gesehen. Um den Gegner in seiner j-tzigen Stellung nach Formierung der Hauptabteilung, wennmöglich unter Heranziehung der Kolonne des Majors von Estorff, umfassend anzugreifen, sind Maßnahmen eingeleitet.
Nach einem weiteren Telegramm des Gouverneurs Leutwein sind die Verluste im Gefecht mit Tatjo - Stämmen folgende: T o t Hauptmann vonFrancois, Oberleutnant E g g e r S, Oberleutnant zur See Stempel, 2. Matrosen-Division. Leutnant Dzjobek, 1. See.
Bischoffswerder versicherte ihm bei seiner Ankunft, daß er sowie Wöllner fester als je in der Gunst des Königs ständen, und die Hofpartei eine geschlossene Macht geblieben sei. Er verhehlte dem Grafen aber nicht, daß die Gesundheit des Monarchen gewisse Besorgnisse erwecke, und der Pyrmonter Brunnen, der ihm sonst gute Dienste geleistet habe, jetzt seine Heilwirkung zu versagen schiene.
„Was wir dermaleinst vom Kronprinzen zu erwarten haben, wenn er zur Regierung kommt, das können Sie sich allein sagen," fügte Bischoffswerder seinen weiteren Mitteilungen hinzu. „Jetzt zieht sich der hohe Herr, so viel er kann, vom Hofleben zurück und verfehlt nicht, uns oft in etwas brüsker Weise seine Antipathie zu offenbaren."
BerninghauS dachte an Gerda, von der er durch Tottenberg wußte, daß sie in völliger Zurückgezogenheit lebe und nur feit etwa einem Jahre den Einladungen folge, die an sie vom Kronprinzlichen Hofe ergingen. Jedes größere Fest aber, das hatte er auch durch Tottenberg erfahren, war von ihr abgelehnt worden,
* *
Gerda war bei der Oberhofmeisterin gewesen, um sich persönlich nach dem Befinden des erkrankten Kronprinzen zu erkundigen, und war länger weggeblieben, als e« ihre Absicht gewesen war. Als sie eben raschen Schrittes an ihrer Gartenpforte anlangte, traf sie dort mit einem Herrn zusammen, der eben die Glocke gezogen hatte. Ein Blick, und sie hatte Graf BerninghauS erkannt.
bataillon. Leutnant der Res. T h i e S m e y e r, Leutnant der Reserve Bendix, Marine-Oberassistenzarzt Or. Velten. S. M. S, „Habicht". Von der Schutztruppe: Feldwebel Karl Bach, Feldwebel Hermann R i t s ch k e, Unteroffizier Paul Kiel, Gefreiter Michael Wolf, Gefreiter Friedrich Otten. Vom Januar- ersatz 1904: Reiter Wilhelm Albrecht, Reiter Otto Förster, Reiter Hermann G r a s ch o p p, Hilfstrom- peter W o d r i ch, Reiter Michael Schanz. Von der 2. Matrosendivision: Signalmaat Wrocklage, S. M. S. Habicht, Bootsmannsmaal Heldtke, Obermatrose E l e r s. Sergeant B e n n e w i e s aus Eilbeck, vom Seebataillon, früher im 15. Husaren-Regiment. Außerdem: Ersatzreservist Tierarzt Sepp, Landwehrmann Ahlenberg aus Elbing, Landwehrmann Sebastian S t e g m a n n aus Grunnersbach (Unterfranken), Invalide Oskar B a ch m a n n aus Berlin. Vizefeldwebel der Reserve Bernhard W e l l st e i n aus Mühlheim a. b. Ruhr.
Leicht verwundet: Major von Glasenapp, Streifschuß am Hinterkopf, Adjutant Leutnant Schäfer, Oberleutnant z. S. H e r r m a n n, (S. M. S. „Habicht"), Gefreiter der Landwehr Wilhelm Schmidt, geb. 14. 8. 68 zu Gollendorf (Osterburg), Gefreiter der Lanv^ehr Johanne« Senn, geb. 29. 1. 70 zu Friedrichsfeld.
Von den drei am 25. und 30. März sowie am 7. April hinausgehenden Transporten mit Verstärkungen für Südwest-Afrika wird der erste bestehen aus einem Dampfer mit 400 Mann, der zweite aus zwei Dampfern mit 250 Artilleristen und 1200 Pferden, der dritte aus einem Dampfer mit 400 Mann. Von den Pferden sind 900 kleine mafurische Klepper, der Rest bessere oß« preußische Reitpferde. Mit den sogenannten Kleppern — einem kleinen aber abgehärteten Pferdeschlage — sind bereits vor längerer Zeit entsprechende Versuche beim 1. Dragoner-Regiment in Tilsit gemacht worden; sechs dieser Tiere sind schon mit dem vom Obersten Dürr begleiteten Transport nach Swakopmund abgegangen. Als Bespannung für die Artillerie sollen die in Argentinien angekauften Maultiere benutzt werden: die Klepper wären für diesen Dienst zu leicht.
Die Nordd. Allg. Ztg. schreibt: In allen patriotischen Kreisen unseres Volkes wird die Kunde von dem schweren Verluste, den die für Deutschlands Ansehen in Sudwestafrika kämpsenden Truppen bei dem jüngsten Ueberfall erlitten haben, mit tiefer Teilnahme aufge.
! Der schnelle Gang und diese unerwartete Begegnung erhöhten die Farbe ihrer Wangen. Ueber Und über mit Schneeflocken bedeckt, glich sie einer reizenden Winterkönigin. In der weißen Umhüllung sah das schöne Gesicht heute so jugendsrisch au«, daß der Graf sich plötzlich wieder seiner früheren Leidenschaft für sie bewußt wurde und unwillkürlich dem BegrüßungSworte hin- zusügte:
„Wahrhaftig, gnädige Frau, Ihr Anblick versetzt mich völlig in die Zeit zurück, als ich Ihnen hier zuerst bei Hofe begegnete. Sie sind unverändert geblieben. Freilich, an so viel Liebreiz wagt auch die Zeit nicht die Hand zu legen."
„Sie irren," unterbrach sie ihn, und in der Bewegung des Kopfes lag wieder jene unnachahmliche Hoheit, mit der sie ihn früher zurückzuweisen pflegte. „Ich bin sehr verändert. Von der freudestrahlenden Frau, der das Herz oft zu klein schien, um da« reine Glück zu fassen, das das Leben ihr bot, ist nur noch die liebende Mutter zurückgeblieben, die allein für ihre Kinder lebt."
„Sie ist noch immer dieselbe," dachte der Graf und schalt sich einen Toren, der sich von seinen Gefühlen hatte fortreißen lassen.
Der jungen Frau blieb nicht» andere« übrig, al« den Gast hereinzunöttgen.
BerninghauS folgte ihr in den kleinen, traulichen Raum. Geschickt brächte er daS Gespräch auf den Knaben, den er — wie er erzählte — bei feinem