Der Krieg zwischen Japan «nd Rußland.
Ueber die Beschießung von Wladiwostok liegen mehrere Meldungen vor, die übereinstimmend fest- stellen, daß der von den Japanern verursachte Schaden sehr gering ist. Nach einem Telegramm des Kommandanten des Hafens von Wladiwostok an den Statthalter Alexejew hat das Bombardement im Hafen keine ernsten Verwüstungen angerichtet. Die Festung hat das Feuer des Feindes nicht erwidert. Gestern mittag ist die japanische Flotte wieder in die Ussuri-Bai eingedrungen, hat sich dem Orte genähert, von dem aus sie Tags zuvor das Feuer auf den Hafen eröffnete, und ist dann auf die offene See hinaus gefahren.
Der Statthalter Alexejew hat dem Kaiser aus Mulden vom gestrigen Tage folgendes Telegramm zu- gehen lassen: „In Ergänzung meines Telegramms vom 6. d. melde ich alleruntertänigst, daß um 1 Uhr 25 Minuten Nachmittags von 7 feindlichen Schiffen 5 gegen die Forts Suworow und Minewitsch sowie gegen die Stadt und die Rhede im Tale des Flüßchens ObjaSnenije das Feuer eröffneten. Es dauerte bis 2 Uhr 15 Minuten, worauf das japanische Geschwader nach Süden zu dampfen begann und um 5 Uhr 30 Minuten außer Sicht kam. Auf den Batterieen und in den Befestigungen hatten wir keine Verluste. In der Stadt ist ein Matrose verwundet und eine Frau getötet worden. Nach einer eben eingegangenen Meldung ist ein feindliches Geschwader heut« früh 8 Uhr abermals in Sicht der Festung er, schienen."
Wie dem Standard aus Petersburg von gestern telegraphiert wird, will der dortige Korrespondent des Blattes in Erfahrung gebracht haben, der Kaiser ^habe ein Telegramm erhalten, wonach die japanische Flotte den ganzen Tag über Wladiwostok beschossen, aber nur geringen Schaden angerichtet habe. Wie das Telegramm weiter melde, seien ein oder zwei japanische Kreuzer zum Sinken gebracht worden. Eine Bestätigung dieser Nachricht liegt nicht vor.
London, 8. März. Ein japanisches Geschwader nahm einem Telegramm aus Tokio zufolge Haijangtau, eine der Elliot-Jnseln in Besttz, wo sie jedoch nur Kohlenvorräte und Signalflaggen vorfanden. Die Insel war schon eine Woche vorher von den Russen geräumt worden.
London, 8. März. Aus P i n g j a n g meldet der Kriegtkorrespondent der „Daily Mail", daß die R u s s e n Korea räumen und sich nach dem Jalu zurück- ziehen. 2000 Mann russische Kavallerie mit sieben Kanonen traten Mittwoch über K u s ö n g nach S o u ch o n den Rückzug nach Widschu an und zerstörten die Telegraphendrähte und -Psosten.
Politische Nachrichten.
Berlin, 8. Februar.
Se. Majestät der Kaiser hörte heute vormittag den Vortrag des Reichskanzlers, empfing den schwedischen Militärattache, Hauptmann de Mare, im Beisein des schwedischen Gesandten Grafen Taube und hörte die Vorträge des Chefs des Militärkabinets und des Chefs des Abmiralstabes der Marine. — Zur gestrigen Abendtafel waren geladen Gras Görtz und die Gesandten 8. Wangenheim und Freiherr v. Seckendorff.
S e. Majestät der Kaiser hat die Absicht, sich zur Teilnahme an der Trauerfeier für den Generalfeldmarschall Grafen Waldersee nach Hannover zu begeben, wegen starker Erkältung aufgeben müssen. Se. Majestät wird durch Seine Kaiserliche Hoheit den Kronprinzen vertreten sein, falls der Kronprinz, der ebenfalls stark erkältet ist, bis dahin wieder hergestellt sein sollte; wenn nicht, würde Se. Königliche Hoheit Prinz Eitel- Friedrich die Vertretung Sr. Majestät des Kaisers übernehmen.
Se. Königliche Hoheit Prinz Heinrich von Preußen wird sich zur Teilnahme an der Trauerfeier für den Feldmarschall Grafen Waldersee von Kiel nach Hannover begeben.
Der 9. März, der Tag, wo im Jahre 1888, in Deutschlands Trauerjahre, der erste Kaiser, der teure, gottgefegnet« Greis, die liebevollen, milden Augen schloß, wird für das deutsche Volk immerdar ein Tag dankender Treue und innigen Gedenkens sein. Da« Bild des Heimgegangenen wird in der Volksseele nimmer verblassen, sondern leuchtend weiterleben von Geschlecht zu Geschlecht. Im Geiste pilgern wir nach der stillen Gruft in Charlotten- burg, in der Deutschlands großer Kaiser schlummert, im Geiste legen wir wieder einen Kranz treuen Dankes auf seinen Sarkophag, im Geiste geloben wir ihm Dankbar, keit, herzinnige Dankbarkeit in sein stilles, liebeumhegtes Grab. Im Vertrauen blicken wir zu dem Enkel empor, der den Thron bestieg, mit dem Gelöbnisse, dem Großvater zu folgen, die Bahnen zu wandeln, die der Heimgegangene eingeschlagen und vorgezeichnet hatte. Wir sind dessen sicher, daß unser kaiserlicher Herr das Gelöbnis erfüllen wird. Uns allen aber möge der Verblichene ein leuchtendes Vorbild sein in treuer Pflichterfüllung, in schlichter Selbstlosigkeit, in völliger Hingabe an dar Vaterland.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Ein hiesiger Blatt behauptet, der Gouverneur Leutwein habe wiederholt in Berlin angefragt, ob er Friedensverhandlungen mit den aufständischen Hereros einleiten könne; der
Gouverneur feijedoch durch bestimmte Weisungen aurBerlin an der Ausführung dieser Absicht verhindert worden. Diese Darstellung entspricht nicht dem wahren Sachverhalt. Dieser ist vielmehr folgender; Der Gouverneur Leutwein wurde alsbald nach seiner Rückkehr nach Swakopmund, und zwar ohne daß der eine Anfrage nach Berlin gerichtet hatte, mit telegraphischen Weisungen versehen, die davon ausgingen, daß Verhandlungen mit den Hereros völlig ausgeschlossen seien. Darauf antwortete Gouverneur Leulwein, daß er gleichwohl ermächtigt zu sein glaube, sich gegebenen Falles zur Vermeidung unnötigen Blutvergießens auf Scheinverhandlungen einzulassen. Das ist alles, was an zuständiger Stelle in der Angelegenheit bekannt ist.
Im preußischen Abgeordnetenhause er« widerte der Minister Budde am Sonnabend einigen Rednern: Ich bin zu der Ueberzeugung gekommen, daß es schwerer ist, einen Etat mit Ueberschüssen zu vertreten, als einen solchen mit Defizit. Die Kritik ist diesmal viel schärfer. Ich baue zu wenig Nebenbahnen, baue zu wenig Stationsgebäude, und ich soll eine unglaubliche Menge Stiefkinder haben. Es wird mir gesagt, die Leute seien so unzufrieden, daß sie Sozial- demokraten würden. Für die Erfüllung all der hier ge. äußerten Wünsche ist wirklich kein Geld da; es muß doch auch einmal an das Schuldentilgen gedacht werden. Ich bin für eine Reform der Personentarife im Sinne einer Vereinfachung, in Bezug auf die Gütertarife bin ich für Ermäßigung, wo sie aus wirtschaftlichen Gründen notwendig ist. Die preußisch-hessische Eisenbahngemeinschaft ist im großen und ganzen ein durchschlagender Erfolg, bei dem beide Teile ihre Rechnung gesunden haben. Ein Vorredner hat von dem Mißtrauen in Süddeutschland gesprochen. Ich habe den süddeutschen Herren stets gesagt, daß wir nicht an eine Erweiterung denken; wir halten eine Ausdehnung unsers Netzes nicht für nützlich. Am Montage machte der Minister in einer bedeutsamen Rede über die Entwicklung des preußischen Eisenbahnwesens die Mitteilung, daß der Ueberschuß der Eisenbahn-Verwaltung im laufenden Rechnungsjahre gegen den Voranschlag 93 Millionen Mark betragen werde. Die Beratung des Eisenbahn-Etats wurde am Dienstage fortgesetzt.
Nach polnischen Meldungen werden sowohl in Warschau als in Lodz und andern Provinzstädten Rußlands Maffen- verhastungen vorgenommen. Die Petersburger Behörden sollen einer großen revolutionären Bewegung aus die Spur gekommen sein und durch Verrat die Liste aller leitenden Persönlichkeiten der Bewegung erfahren haben.
Der Gemeinderat der Stadt Paris hat 20 000 Franks für die verwundeten Russen und Japaner bewilligt.
Die macedonischen Komitatschis rühren sich wieder in bemerkenswerter Weise. Sie haben zwei hervorragende Griechen, die ihnen verdächtig erschienen, den griechischen Notabeln Antonios Emanuel in Sambora und den Griechen Dimitri Vapka in Wladora, ermordet.
Der Kaiser von Japan hat gestern der Gräfin Waldersee den Ausdruck seiner warmen Teilnahme an dem Hinscheiden des von ihm hochgeschätzten Generalfeldmarschalls übermitteln lassen. Der japanische Militärattache in Berlin Oberleutnant Oi hat den Auftrag erhalten, als Vertreter der japanischen Armee den Bei- setzungrseierlichkeiten beizuwohnen.
Aus Provinz unii Achtmebiet.
* Wie der Staatssekretär des Reichspostamts bekannt gibt, werden von jetzt ab Privatpäckereien an die in Deutsch-Südwestafrika befindlichen Truppen und Besatzungen von Kriegsschiffen zur Feldpostbeförderung zugelassen. Die Päckereien müssen folgenden Bedingungen entsprechen: 1. Gewicht der einzelnen Sendung nicht über 2Va kg; 2. Größe nicht erheblich über 35 cm in der Länge, 15 cm in der Breite und 10 cm in der Höhe; 3. Verpackung in Kistchen oder festen Kartons recht dauerhaft, mit äußerer Umhüllung in haltbarer Leinwand oder Wachsleinwand und mit fester Verschnürung;
4. die Aufschrift muß in der Weise hergestellt werden, daß auf die Sendung eine mit der vollständigen Adresse recht genqu und deutlich ausgefüllte Postkarte haltbar aufgehestet oder aufgeklebt wird; auf der Karte ist die Bezeichnung „Postkarte" in „Feldpostkarte zu ändern; außerdem müssen der Absender und der Inhalt der Sendung genau angegeben werden. Der Beifügung von Postpaketadressen und Zollinhaltserklärungen bedarf es nicht. Ausgeschlossen von der Versendung mittels Feldpostpakets sind unbedingt; Flüssigkeiten, Sachen (Lebensmittel), die dem schnellen Verderben unterliegen, zerbrechliche und leicht entzündlichen Sachen, sowie die allgemein von der Postbeförderung ausgeschlossenen Gegenstände. Eine Gewähr für die richtige und pünktliche Ueberkunst der Privatpäckereien kann die Postverwaltung nicht übernehmen.
:: Hersfeld, 8. März. Der gestern Nachmittag 5 Uhr im Rathaussaal« abgehaltenen gemeinschaftlichen Sitzung des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung war um 4 Uhr eine vertrauliche Sitzung dieser Körperschaften vorausgegangen. In dieser handelte es sich um eine Besprechung und Beschlußfassung über die Wiederbesetzung der am 16. November d. Jr. zur Er- ledigung kommenden Stelle des Bürgermeisters der hiesigen Stadt. Wie wir schon in unserer letzten Nummer mitteilten, endigte diese Beschlußfassung mit der einstimmigen Wiederwahl unseres gegenwärtigen
Herrn Bürgermeister« Strauß, ein Ergebnis, welches in unserer Stadt allerseits mit Freuden begrüßt worden ist. — An diese vertrauliche Sitzung schloß sich eine öffentliche Sitzung des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung, welche die Vornahme einer Er- gänzungswahl für den am 8. Mai d. I«. aus dem Amt scheidenden ersten Beigeordneten Herrn Tuchfabrikbesitzer Fr. Braun bezweckte. Bei dieser Wahl wurde in geheimer Stimmabgabe der bisherige Beigeordnete Herr Braun einstimmig wiedergewählt. — Herr Stadtverordneten Vorsteher Becker schloß hierauf die gemeinschaftliche Sitzung und die Stadtverordnetenversammlung trat in die ihr zur Beratung und Beschlußfassung vorliegenden Gegenstände der Tagesordnung ein. Wir be« meiten, daß die Sitzung sehr gut besucht war; außer 7 Magistratsmitgliedern waren 21 Stadtverordnete an- wesend. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende in warmen Worten des seit Abhaltung der letzten Sitzung durch Ableben ausgeschiedenen Stadtverordneten Herrn Schloffermeister Johannes G r e n tz e» b a ch und forderte die Anwesenden auf, das Andenken desselben durch Erheben von den Sitzen zu ehren, was geschah. Im Anschluß hieran beschloß die Stadtverordnetenversammlung, von Vornahme einer Ersatzwahl für den Verstorbenen Abstand zu nehmen, da dessen Amtszeit ohnedies mit dem Jahr 1905 zu Ende gegangen sein würde. — Hierauf wurde der im Monat November v. Js. wiedergewählte Stadtverordnete Herr Kreisarzt Medizinalrat Dr. Karl Victor vom Vorsitzenden, unter Hinweis auf seine frühere Verpflichtung, in sein Amt eingeführt. — Es folgten Ergänzungs- wahlen für die im Lauf der nächsten Monate aus dem Amt scheidenden Magistratsmitglieder. Es sind dies die Herren Tuchfabrikbesttzer Friedrich R e ch b e r g , Fabrikbesitzer Jacob Seelig und Kaufmann Karl Zickendra ht. Die Wahlhandlung war für jeden gesondert. Es erfolgte einstimmige Wiederwahl der Genannten. — An Stelle des au« dem Amt geschiedenen Stadtverordneten Herrn Wilhelm Braun wurde Herr Färbereibesitzer Daniel Stern in die Sparkasse- kommission und an Stelle des mit Tod abgegangenen Stadtverordneten Herrn Johannes Grentzebach Herr Tuchfabrikant Georg Braun jr. zum Mitglied der Schlachthofkommission gewählt. — Der Magistrat hat beschlossen, von Wetterführung der Rittersgafse Abstand zu nehmen und dementsprechend die Straßenfluchtlinien der verlängerten Rittersgasse von ihrem Anfang an der Obergeis bis zu ihrem Einkauf in die August-Gottlieb- Straße zu kassiren. Die Stadtverordneten genehmigten dies. — Zum Straßenausbau hat der Magistrat eine 48 qm große Fläche des Grundstücks des Spinnmeisters Herrn Ludwig Kirsch n er vor dem Klaustor für den Preis von 5 Mark pro qm käuflich erworben. Die Stadtverordneten stimmten diesem Abkommen zu. — Zur Durchführung der Straßenfluchtlinien hinter bem Siechen und zur Einleitung des Endstranges der städtischen Kanalisation in die Fulda hat der Magistrat einen Grundflächenaustausch mit dem Tuchfabrikbesitzer Herrn Friedrich Rechberg dahier vereinbart, ausweislich dessen die Stadt 32 ar 97 qm Areal von Herrn Rechberg erwirbt und 17 ar 24 qm Areal an Herrn Rechberg abtritt. Es soll Fläche gegen Fläche ausgetauscht und das aberschießende Areal mit 1 Mark 62 Pfg. pro qm bar vergütet werden. Die Stadtverordneten stimmten diesem Vertrage zu. — Zu den Kosten der Unterhaltung der Koch- und Haus- Haltungsschule dahier hat der Magistrat für die Jahre 1904, 1905 und 1906 einen Beitrag aus städtischen Mitteln in Höhe von je 500 Mark, vom Jahre 1907 ab bis auf Weiteres einen solchen von jährlich 300 Mk. unter dem Vorbehalt des Widerrufs bewilligt. Diesem Beschlusse wurde zugestimmt, unter der Voraussetzung, daß die Bewilligung jeder Jahr zu erfolgen hat. — Aus das Gesuch eines städtischen Hilfsarbeiters um Bewilligung von Umzugskosten im Betrage von rund 120 Mark hatte der Magistrat die Hälfte der Summe auf die Stadtkasse übernommen. Die Stadtverordneten bewilligten in Rücksicht auf den besonderen Fall den ganzen Betrag und ersuchten den Magistrat, sich hiermit einverstanden zu erklären. — Zur Straßenverbreiterung am Wendeberg ist vom Magistrat ein schmaler Streifen des Baugrundstücks des Schreinermeisters Herrn Karl Bolz zum Preis von 50 Pfg. pro qm käuflich erworben worden. Die Stadtverordneten genehmigten dieses Abkommen. — Der Magistrat hat zum Vorsitzenden des hiesigen Gewerbegerichts den Herrn Bürgermeister Karl Strauß und zu dessen Stellvertreter den Herrn Stadt- sekretär Karl Beyebach dahier aus eine dreijährige AmtSperiode wiedergewählt. Die Stadtverordneten er- klärten sich hiermit einverstanden. — Der für die Stadt entbehrliche Teil der früher Apsel'schen Besitzung in der Brüderstraße ist vom Magistrat an die angrenzenden Grundbesitzer zum Preis von 4 Mk. 20 Pfg. pro qm verkauft worden. Die Stadtverordneten genehmigten dies. — Die bereits früher von den Stadtverordneten genehmigte Abtretung eines Streifens der städtischen Straße vor dem Johannestor in Größe von 82 qm an den Siebmachermeister Herrn Peter S t e i n w e g kam nochmals zur Vorlage, weil der Bezirksausschuß in Cassel die Einziehung einer Taxe der Ortsschätzer für not- wendig erklärt hatte. Diese Taxe ist eingegangen und lautet auf den Betrag von 9 Mk. pro qm. Die Stadtverordneten erklärten sich mit der verkäuflichen Abtretung der Fläche unter Zugrundelegung dieses Kaufpreises einverstanden. — Herr Stadtverordneten-Vorsteher Becker legte nunmehr die vom Magistrat entworfenen Vor-