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HersselSer Beiblatt
Gralisbcilagcn: „Jlliisirirles Sonntagsblatt" und „Jllnstrirte Landwirtschastliihe Beilage".
«S-N-rnsprecher Nr. 8. -ss
Sr. 30.
Ännttsigg den 10. Mgrz
1904.
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 25. Februar 1904.
Auf Sonnabend den 19. März d. Js. Vormittags 10 Uhr ist eine Kreistagssitzung in den Sitzungssaal im Landratsamtsgebäude dahier anberaumt worden.
Tagesordnung.
1. Prüfung der Verhandlungen über die im Monat November 1903 erfolgten Neuwahlen zum Kreistage, Beschlußfassung über die Gültigkeit dieser Wahlen und Einführung der neu Gewählten in ihr Amt. (§ 71 der Kreisordnung und § 2 der Geschäftsordnung.)
2. Feststellung des Kreishaushalts-Etats für das Jahr 1/4. 1904/5. (§ 84 der Kreisordnung.)
3. Begutachtung des Projekts zur Verlegung des Landwegs Kirchheim—Kemmerode innerhalb der Gemarkung Kirchheim.
4. Beschlußfassung über Beitritt des Kreises Hersfeld zur Organisation „Soziales Museum" in Frankfurt a/M. als Mitglied.
5. Beauftragung einer Commission aus den Mitgliedern des Kreistags mit Prüfung der demnächst aufzu- stellenden Kreiskommunalkassen - Rechnung für 1/4. 1903/4. (§ 87 der Kreisordnung.)
6. Wahl von je 7 Vertrauensmännern für den Ausschuß bei deu Amtsgerichten Friedewald, Hersfeld, Niederaula und Schenklengsfeld zur Mitwirkung bei der in 1904 stattfindenden Auswahl der Schöffen und Geschworenen für das Jahr 1905. (§ 40 des Gerichtsverfassungsgesetzes vom 27. Januar 1877, Reichsgesetz-Sammlung Seite 49 von 1877 nnd § 35 des Ausführungsgesetzes zum deutschen Gerichtsverfassungsgesetz vom 24. April 1878, Gesetz-Sammlung Seite 237 von 1878.)
7. Wahl zweier Kreisausschußmitglieder an Stelle der mit dem 1. Juli 1904 ausscheidenden Herren Tuch- sabrikant Friedrich Braun in Hersfeld und Bürgermeister August Reinhard in Landershausen für einen sechsjährigen Zeitraum. (§ 91 der Kreisordnung.)
8. Wahl zweier Kreisdepntirten an Stelle der mit dem 1. Juli 1904 ausscheidenden Herren Bürgermeister a. D. Georg Braun in Hersseld nnd Bürgermeister August Reinhard in Landershausen für einen sechsjährigen $ei träum. (§ 25 der Kreisordnung.)
Ar 590. Der Königliche Landrat
Freiherr von S ch l e i n i tz, Geheimer Regieruugs-Rat.
Die Ortspolizeibehörden in denjenigen Ortschaften des Kreises, in denen bei der in den letzten Wochen durch den für den hiesigen Kreis auf Grund der Polizei- Verordnung vom 12. Mai 1903 bestellten Sachverständigen vorgenommenen Prüfung der in d e n B e tri eb en der Gast- und Schaukwirte beim Bierausschank rc. 2c. zur Anwendung k o m m enden Druck- und Leitungsvorrichtungen Mängel rc. festgesteüt wurden, werden hierdurch angewiesen, sür die Beseitigung der fraglichen, in dem bezüglichen Con- trolbuch näher bezeichneten Anstände sofort Sorge zu tragen.
Binnen 4 Wochen ist mir anzuzeigen, daß die gedachten Anstände ordnungsmäßige Erledigung gefunden haben und dem in Betracht kommenden Gast- bezw. Schankwirt horgeschriebene Abnahme-Attest Seitens des Sachverständigen nunmehr erteilt worden ist.
t den 7. März 1904.
1422. Der Königliche Landrat.
J. V.:
_______ Thamer.
„ L-rsfeld, den 3. Mär, 1904.
Herrn Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreise» werden ersucht, die Zu- und Abgang», Listen über die im II. Halbjahr de» Steuer-
jahres 1903 vorgekommenen Zu - und Abgänge an Einkommen- und Ergänzungssteuer nach Muster XVII. und XVIII. auf Grund des Artikels 80 der Ausführungs-Anweifung vom 6. 7. 1900 zum Einkommensteuergesetz b i s zum 15. d. M t r. hierher vor- zulegen.
Die Formulare zu den Zu- und Abgangslisten find in der Ludwig Funk'schen Buchdruckern hierselbst vorrätig.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer-Veranlagungs-Kommission.
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.
St. III. 477.
Hersfeld, den 7. März 1904.
Die Schulstelle in Kalkobes wird vom 1. April d. Js. ab frei. Das Einkommen derselben besteht neben freier Wohnung in 1000 Mk. Grundgehalt und 150 Mk. Kirchendienstvergütung, bei einem Dienstalterrzulagen- Einheitssätze von 120 Mk.
Bewerber wollen ihre MeldungSgesuche nebst Zeugnissen bis zum 25. d. M t s. bei dem Königlichen Ortsschulinspektor Herrn Pfarrer Schröder dahier oder dem Unterzeichneten einreichen.
Der Königliche Schulvorstand:
I. 1400. I. SB.:
Thamer.
Hersfeld, den 2. März 1904.
Im Monat Februar 1904 find dahier für folgende Herren Jagdscheine ausgestellt worden:
A. Jahresjagdscheine:
a. entgeltliche:
1. am 24./2. für Landwirt Jakob Lehn in Rohrbach ;
b. unentgeltliche:
2. am 20./2. sür den Königlichen Förster Spörer in Meckbach.
B. Tagesjagdscheine:
Keine!
Der Königliche Landrat Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.
Hersfeld, den 1. März 1904.
Unter den Schweinen des Ackermanns Conrad Mohr in Ausbach ist die Rollauffeuche ausgebrochen.
I. 1208. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.
Gefundene Gegenkunde:
Ein Paar Stiefel. Meldung de« Eigentümer» bei dem Ortsvorstand zu Kalkobe».
Der am 24. 3. 1881 zu Röhrig Kreis Gelnhausen geborene und hier Salzstraße Nr. 11 wohnhaft gewesene Schneidergeselle Friedrich Senzel, hat sich nach Angabe seiner dahier wohnenden Verwandten, am 27. Februar d. Js. gegen 9 Uhr abends au» der Wohnung seine« Arbeitgeber» entfernt und ist bis jetzt nicht mehr zurückgekehrt, auch hat er nicht» mehr von sich hören lassen. Derselbe ist etwa 1,64 m groß, von schmaler Statur, hat schwarze Haare, dünne» schwarzes Schnurrbärtchen und war bei seinem Weggange bekleidet mit grünlichem Anzug (Rock, Hose und Weste aus einem Stück), Zug. stiefel und farbigem Hemd, am unteren Brüstende mit F. S. gezeichnet.
Da er in letzter Zeit Spuren von Tiessinn zeigte, so ist anzunehmen, daß ihm ein Leid zugestoben ist, oder daß er Selbstmord begangen hat. Um Mitteilung, fall» über die Person etwa» bekannt werden sollte, wird ersucht. Hanau, den 5. März 1904.
Königliche Polizei-Direktion.
Nichtamtlicher Teil.
Die Militär-Debatte im Reichstage.
Die Sozialdemokratie hat sich im Reichstage bei Beratung des Militär-Etats wiederum eine ganz gewaltige Niederlage geholt. Ihren Höhepunkt erreichte diese Niederlage mit der großartigen, in jeder Beziehung vortrefflichen Rede des Kriegsministers vom Montag. Es waren wahrhaft niederschmetternde Schläge, die, von wuchtiger Hand geführt, auf das Haupt Bebels und feiner Genossen niedersausten.
Der Kriegsminister war zunächst in der Lage, eine ganze Reihe unwahrer Behauptungen Bebels zurückweisen zu _ können. Von dem genannten Abgeordneten war beispielsweise eine Geschichte vorgebracht worden, wonach ein Divisions-Kommandeur in Allenstein Unannehmlichkeiten wegen seiner sozial nicht gleichstehenden Verwandtschaft gehabt haben sollte. Weder in Allenstein noch sonst in einer Garnison des Ostens ist ein derartiger Fall vor- gekvnimen. Ferner hatte Bebel von angeblichen Mißhandlungen, die sich der Kommandierende des 7. Armeekorps habe zu schulden kommen lassen, zu berichten gewußt. Auch diese Geschichte hat sich als Erfindung erwiesen. Eine treffliche Erwiderung hat übrigens der verleumdete General selber dem Verleumder gegeben, indem er an den Kriegsminister schrieb: „Der Angriff des Abgeordneten Bebel auf mich ist, wie aus den Akten zu ersehen, ohne jede tatsächliche Grundlage. Wenn mich ein solcher Angriff auch im allgemeinen nur ehren kann, es jedenfalls ehrenvoller ist, als wenn der Abg. Bebel mit meiner Person sich freundschaftlich beschäftigt hätte, so glaube ich, Euer Exzellenz schon deshalb das Material zur Verfügung stellen zu müssen, weil auch von anderer Seite ähnliche Gerüchte verbreitet worden sind, und da der Angriff mich doppelt verletzt, weil wohl kaum ein kommandierender General in Wort und Schrift mit solcher Energie den Mißhandlungen entgegentritt, wie idj."
Mit treffender Ironie fertigte der Kriegsminister sodann im weitem Verlaufe seiner Rede die pathetischen Versicherungen der sozialdemokratischen Abgeordneten Bebel und Gradnauer ab, auch die Sozialdemokraten würden im Falle eines Krieges Mann für Mann ihre Pflicht tun. „Die Botschaft hört' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Denn wie stimmen solche Worte zu dem, was in der Reichstags-Sitzung vom 9. März 1893 der Abgeordnete Grillenberger gesprochen hat: ,So werden wir uns eines Tages mit der Frage befassen, ob wir uns im Falle eines Ausstandes oder eines Krieges weigern sollen, zu marschieren.'" In der Tat konnte das heuchlerische Gebaren der sozial- demokratischen Redner nicht wirksamer als mit diesem Zitat abgcfertigt werden.
Ferner kam der Kriegsminister auch in äußerst wirkungsvoller Weise aus die militärische Disziplin zu sprechen. Er bemerkte, daß auch die Sozialdemokraten, wenn es ihnen gelänge, ihren Zuknnftsstaat und ihre Miliz einzu- führen, die Disziplin nicht anders aufrechterhalten könnten als durch Erziehung und Drill. Mit treffendem Spotte geißelte er sodann die sozialdemokratische Empfehlung der Notwehr für den Soldaten. In einem aus lauter Sozialdemokraten formierten Truppenteil müßte es lustig hergehen. „Gegenseitige Keilereien" würden an der Tagesordnung sein. „Der eine befiehlt, und der andere gehorcht nicht und lehnt sich auf. Ich bin überzeugt, meine Herren, es würde die großartigsten Resultate geben."
Die Rede des Kriegsministers bedeutete einen durchschlagenden Erfolg und wurde von der überwältigenden Mehrheit des Hauses mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Es ist mit Sicherheit zu erhoffen, daß sie auch im Lande ihre Wirkung tun und die böswilligen und ungerechtfertigten Angriffe auf unser treffliches Heer eindämmen helfen mirb.