Seite erklärte der Abg. Heyl v. Herrnheim das volle Vertrauen zum Kriegsministerium. Ebenso sprach der konservative Führer v.. Normann das Vertrauen zum Offizierstand aus; „unser Offizierskorps und Unteroffiziers. korpS find die besten der Welt." Die Zerrbilder er- regten Abscheu. Am Sonnabend wurde die Beratung fortgesetzt.
Am Freitage begann im Abgeordnetenhaus« die Beratung des Eisenbahn Etats. Der Finanzminister kündigte eine Sekundärbahn-Vorlage an. Ein Antrag des Abg. Wiemer (srs. Vp.), eine Resorm des Eisen- bahn-PersonentarifS dahin in die Wege zu leiten, daß unter Aushebung der Rückfahrkarten die Preise für die einfache Fahrt auf die Hälfte der Preise der Rückfahrkarten festgesetzt werden, sowie ein Antrag des freikons, Abg. Gamp, die Preisfestsetzung nur für Personenzüge gelten zu lassen und für Schnellzüge entsprechende Zuschläge einzuführen, wurden der Budgetkommission über- wiesen. Hierauf folgte die Beratung eines Antrages der Abgg. v. Zedlitz und Friedberg über den Ausbau des Staalsbahnnetzes und die Herabsetzung der Gütertarife. Minister Budde erklärte, die Beschleunigung des Eisenbahnbaues habe eine Grenze in technischen Erwägungen. Minister Frhr. v. Rheinbaben erwiderte dem Abg. Friedberg, die Tarife seien fortdauernd ermäßigt. Die Regierung lasse sich bei ihren Maßnahmen stets von der Rücksicht auf die Landwirtschaft und Industrie einerseits und die Staatsfinanzen anderseits leiten. Am Sonnabend wurde die Beratung fortgesetzt.
Der Nachtragsetat zum Reichshaus- halt, der dem Bundesrat zugegangen ist, belauft fich auf 39,1 Millionen Mark. Davon kommen an einmaligen Ausgaben auf Südwestafrika 3,19 Millionen Mark.
Im preußischen Herrenhause kam es am Donnerstage bei der Beratung des Gesetzentwurfs über die Begründung neuer Anstedlungen zu einer Polen- debatte. Der Pole Fürst Radziwill bekämpfte die Vorlage, die, wie er behauptet, mit dem Geiste der Staats- Verfassung sowohl als mit dem der Reichsverfassung im Widerspruch stehe. Drei Minister traten ihm entgegen, zunächst der Minister des Innern. Der Kultusminister fügte u. a. hinzu, daß der Vorwurf einer Zurücksetzung des Katholizismus völlig unberechtigt sei, denn man wolle nur verhindern, daß deutsche Katholiken durch die polnische Agitation zu polnischen Katholiken werden. Er betonte ferner, ebenso wie der Landwirtschaftsminister v. Podbielsky, daß man den von den Polen dem deutschen Volke ausgedrängten Kampf mit größter Energie durchfechten werde. Von Herrn von Kos- zielski provoziert, nahm auch Fürst Bismarck das Wort, um die Regierung aufzufordern, mit aller Krast der Staatsraison Geltung zu verschaffen. Die Anlage wurde einer 15er-Kommission überwiesen. Am Freitage nahm das Herrenhaus da» Wildschongesetz mit verschiedenen in der Kommission beantragten Erweiterungen der Schonzeiten an und vertagte fich dann bis zum 14. April, da an eine Erledigung des Etats vor Ostern nicht mehr zu denken ist.
(Zu den Vorgängen in Deutsch- Südwestafrika.) Das Missionshaus in Barmen erhielt, wie die Kölnische Zeitung meldet, aus eine telegraphische Anfrage aus Okahandja folgende Antwort: Missionar Diehl und sämtliche Missionsfamilien
„Die unglücklichen Folgen einer verlorenen Schlacht können nicht verderblicher, nicht ehrenloser sein als dieses Auskneifen vor dem Feinde," rief er, grüßte gemessen und murmelte ein kurzes „ich danke Ihnen, mein Herr General."
Funk war entlassen, und Karl Ferdinand atmete tief und schwer. Es herrschte ein gedrückte« Schweigen. Keiner der anwesenden Offiziere wagte den Herzog aus seinem grübelnden Sinnen zu reißen. Da hob dieser den Kopf.
„Deutlich genug habe ich gesprochen," erklärte er, und ein flüchtiges Lächeln glättete dabei seine Züge. „Wer weiß, vielleicht bleibt das doch nicht ohne Wirkung."
Und wirklich, die energische Sprache des Feldmarschalls brächte Erfolg. General Wurmser erklärte sich bereit, eine Schlacht zu liefern, und der 26. Dezember war dazu auserkoren.
Aus das sorgsamste wurde bet Plan zum Angriff entmorfen. Die Truppen waren bereits im Vorrücken begriffen, da — änderte der General von Wurmser seinen Entschluß, gab Befehl zum Rückzüge seiner Regimenter und entschied sich dahin, daß er keine Schlacht liefern wolle.
Karl Ferdinand ballte das Schreiben, daß ihm diese Botschaft brächte, zu einem Knäuel zusammen und schleuderte es in die Ecke. Doch keinen Augenblick gestattete er dem Zorn, die Herrschaft über das ruhige Nachdenken zu gewinnen. Auch jetzt, da er den Entschlüssen des General» von Wurmser gegenüber machtlos war, versetzte er sich sofort in die Umgestaltung der Lage und ließ den österreichischen Führer dringend ersuchen, wenn er eine Schlacht verweigerte, sich dann nicht in unnütze Scharmützel einzulassen und der Gefahr auszusetzen, einzeln geschlagen zu werden. Aber auch dieser Rat blieb fruchtlos. Etliche österreichische Bataillone und einige Divisionen Kavallerie waren in der Nähe des Feindes in eine fehlerhafte Stellung gekommen und mußten sich vom Geißberge zurückziehen, da sie in das Feuer des Feindes gerieten.
Auf Scherhol hatte bis vor kurzem der Oberst v.
sind gerettet. Vom Missionar Eich in Waterberg und den Missionaren Kremer und Detering in Gaub, westlich von Grootfontein, ist noch nichts bekannt. Die Misstonsstationen sind zum Teil geplündert und die Gemeinden zerstreut. — Gouverneur Leutwein meldet unter dem dem gestrigen Tage, daß Oberst Dürr mit dem Stäbe und dem Verstärkungstransport am 4. in Okahandja eingetroffen ist. Am gleichen Tage hatte Hauptmann Puder mit je einer Kompagnie Schutztruppe und Seebataillone südlich von Klein-Barmen ein Gefecht mit den bereits von Kapitänleutnant Gygas geschlagenen HereroS. Der Feind wurde nach Westen zurückgewoifen und wird, soweit der Pferdemangel er zuläßt, verfolgt; seine Verluste sind unbekannt. Diesseitige Verluste: Tot: Unteroffizier Zöllner, Reiter Mygatta, beide Landwehr, Unteroffizier Saar, Unteroffizier Walcziak, Reiter Amst. Leicht verwundet: Reiter Wegner, rechter Unterarm. Die Leiche der im Gefecht bei Groß-Barmen vom 19. Februar (siehe Telegramm vom 26. Februar) vermißten Reiters Max Müller vom Eisenbahndetachement ist ausgefunden worden.
Dem Reichstag ist eine Uebersicht über die zur Kennt- niS der Gewerbeaufsichtsbeamten gelangten rechtskräftigen Bestrafungen aus dem Jahre 1902 wegen Zuwiderhandlungen gegen die Arbeiterschutzbestimmungen der Gewerbeordnung zugegangen. Da- nach sind im Jahre 1902 insgesamt 5621 rechtskräftige Verurteilungen erfolgt. Es wurden 5943 Personen be- straft, darunter vier mit Gefängnis. Die meisten Verurteilungen weist die Industrie der Nahrung»- und Ge- nußmittel auf, wo in 1532 Fällen 1557 Verurteilungen erfolgten. Die verhängten Strafen schwankten zwischen 3 und 300 Mk., doch sind davon nur 111 Fälle höher bemessen als 20 Mk. Die wenigsten Strafen trafen das Künstlergewerbe, wo nur 8 Strafen und keine über 50 Mk. verhängt wurden.
Nach dreitägiger Verhandlung ist gestern das neue Urteil im Dreyfus-Prozeß gefällt worden. Es lautet dahin: Der Revision des Urteils gegen Dreyfus wird stattgegeben, und er wird die Eröffnung einer ergänzenden Untersuchung angeordnet, die von dem Kas- sationshofe selbst vorzunehmen ist. — Während einer Pause, die dem Urteilsspruche vorherging, wurden im Zuhörerraum laute Erörterungen darüber gepflogen, daß Labori, welcher der Sitzung beigewohnt hatte, plötzlich den Sitzungssaal verließ, als sich der Verteidiger Mornard eben in sehr herzlichen, lobenden Ausdrücken über Dreyfus erging.
Die Pforte hat sich in einer Mitteilung an die Botschafter der Ententemächte über die Vergewaltigung von Mohammedanern inBul. garien durch Komitatschis beschwert; sie führt einzelne Fälle von Brandstiftungen, Mord, Raub, Erpressung u. s. w. an, sowie die Profanierung der Moschee in Slimir.
Der Krieg zwischen Japan und Rußland.
Ueber positive Fortschritte in den Kriegsoperationen liegen keine Meldungen vor. Wie den Times gestern aus Tokio telegraphiert wurde, sollen die russischen Truppen, die bisher südlich vom Jaluflusse standen,
Goetz die preußischen Truppen kommandiert. Er war aber schwer verwundet worden, und der Herzog begab sich nun selbst aus diesen wichtigen Posten.
Schwere Nebel lagerten gleich undurchdringlichen Schleiern um Tal und Hügel und machten jede Fernsicht unmöglich. Beunruhigt horchte Karl Ferdinand auf den heftigen, sich mehr verstärkenden Kanonendonner, der aus der Gegend herüberscholl, wo der eine Kaiserliche Flügel Ausstellung genommen hatte. Immer gespannter wurde der Ausdruck in den Zügen des Feld- marschalls, immer tiefer furchte sich seine Stirn, dann wandle er sich mit einer Bewegung zu seinem Adjutanten.
„Nach dem Schalle zu urteilen, muß sich bas Feuer jetzt Weißenburg nähern," sagte er, „die Franzosen werden möglicherweise die Oesterreicher zurückdrängen. Herr v. Wedell, Ihre jüngeren Ohren müssen schärfer hören als die meinen, was sagen Sie?"
„Ich kann mich nur der Ansicht von Euer Durch- taucht anschlirßen," lautete die Antwort, „auch ich befürchte, daß die» Schießen Unheil verkündet."
Karl Ferdinand ließ ihn kaum aursprechen. Er übergab da» Kommando auf Scherhol einem der älteren Offiziere und jagte, gefolgt von ein paar Adjutanten, nach dem linken Flügel der österreichischen Armee. — Welch ein Anblick erwartete ihn! Da» war schlimmer als am Tage von Liebfrauenberg.
Die feindlichen Schützen befanden sich schon auf der Höhe, über die der Weg nach Weißenburg führte, und die französische Kavallerie war im Begriff, sich zwischen Weißenburg und die österreichische Armee zu werfen, die in planloser Flucht zurückging.
Karl Ferdinand gedachte mit keiner Silbe der Kränkungen, die ihm von österreichischer Seite zu teil geworden waren, ihn durchströmte nur ein Gefühl, der heiße Drang, zu retten, war noch zu retten war. Wie vier Tage vorher, so stellte er sich auch jetzt persönlich an die Spitze einiger österreichischen Bataillone, die sich hinter ihm formierten, sobald der allbekannte und verehrte Feldmarschall sich sehen ließ. Mit Hurra ging es gerade auf den Feind lo», der von der Höhe heruntergeworfen wurde. (Forts, folgt.)
sich sämtlich in der Richtung auf b e it Ialu zurück- gezogen haben. Eine Reutersche Meldung aus Niut- schwang äußert sich über die Lage wie folgt: „Die russisch-chinesische Bank hat ihre Vorbereitungen, nach Mulden zu gehen, abgeschlossen. Frauen und Kinder bereiten sich auf ein Verlassen des Ort» vor in der Annahme, daß die japanische Flotte sobald der Fluß in ungefähr 14 Tagen eisfrei wird, zu erwarten ist. Angesichts der Unmöglichkeit, die Küste hier zu verteidigen, bis die Witterung den Bau von Gräben und Befestigungen gestattet, sind die Russen darauf vorbereitet, sich a u f d i e Haupteifenbahnliniezurückzuziehen und sich darauf zu beschränken, im Innern des Landes einen Vorstoß der Japaner durch ein Gefecht aufzuhalten. Es verlautet, daß die Absicht vorliegt, die schwer zu verteidigende Ebene westlich von Taschi-Kian, wen» möglich, zu halten wegen der Eisenbahn, die Mulden mit Port Arthur verbindet, und daß die Linie Hai-tschöng—Liaujang die äußerste Grenze des Zurückweichen» sein solle. Es scheint indes, daß wegen der exponierten Lage der Eisenbahn an diesem Punkt und des fast sicheren Erscheinens der Japaner, ehe die Witterung das Anlegen von Verteidigungswerken gestaltet, die Russrn ganz darauf gefaßt sind, daß P o r t A r t h u r abgeschnitten und belagert wirb."
Nach einem Telegramm des Generals Pflug ist in Port Arthur und Jnkou (Niutschwang) alles ruhig. Nach dem Berichte von Augenzeugen befindet sich bei Tschemulpo zwischen den Inseln das Wrack eines vor einiger Zeit gesunkenen japanischen Kreuzers mit drei Schornsteinen.
Der Agenze Hava» wird aus Schanghai gemeldet, die Japaner hätten in Tschemulpo alle zur Ausschiffung der Truppen errichteten Anlagen abgebrochen und ihre Ausschiffungen dort eingestellt. Die allgemeine Annahme ginge dahin, daß nunmehr Tschinampho mit seinem seit einigen Tagen eisfreien Hasen der Hauptlandungsplatz geworden ist. Tschinampho, der Hafen von Phjöngjang, liegt in gerader Linie etwa 200 Kilom. nordwestlich von Söul und Tschemulpo.
London, 4. März. Das Reutersche Bureau berichtet seine heutige Meldung aus Tokio dahin, daß nicht in Tokio, sondern in Söul in die Wohnungen des Ministers des Auswärtigen und feines Sekretärs Bomben geschleudert sind.
Söul, 3. März. Ein unbekannter Koreaner hat die Bombe in das Gebäude des Auswärtigen Amts geworfen. Die Verletzungen des Sekretärs und zweier anderer Beamten sind nicht schwer.
Wladiwostok, 6. März. Heute Nachmittag von 1 Uhr 5 Minuten ab bombardierten 5 japanische Schisse 55 Minuten lang b i e Stadt.
Petersburg, 6. März. Der Russischen Tele- graphen-Agentur geht aus Wladiwostok folgende ausführlichere Meldung über das Bombardement der Stadt zu: Heute Nachmittag 1 Uhr 25 Minuten näherten sich fünf feindliche Panzerschiffe und zwei Kreuzer von der Askold-Jnsel her der Küste des Uffuri- Golfes gegenüber der PatrokloS- und der Sobol-Bucht. Die Schiffe nahmen Gefechtsstellung ein und eröffneten aus allen weittragenden Geschützen ein gut nnterhaltenes Feuer. Das feindliche Geschwader richtete sein Feuer aus einer Entfernung von acht Werst von der Küste auf die
— Hamburg, 4. März. Ein am Vurstah wohnender Kaufmann, geriet in finanzielle Schwierigkeiten. Er hoffte in Monaco mit einer geborgten größeren Summe eine Schicksalswendung zu erzielen, verlor aber alles und erschoß fich.
— (Ein Schwert am Himmel.) Ein seltsamer Vorfall wird aus der sibirischen Hauptstadt Tomsk berichtet: Seit dem Ausbruch des Krieges befinden sich die Dörfer in der Umgebung in einem Zustand religiöser Aufregung. Eine Anzahl Mushiks (Bauern), die nicht dar Geld für die Eisenbahn bezahlen können, ziehen täglich durch die Straßen der Stadt und erklären, sie wollten nach dem großen Troitzky Kloster bei Moskau gehen, um dort für den Erfolg der russischen Waffen zu beten. Auf Befragen erklären sie, in vielen Teilen Westsibiriens sei am Himmel eine blutige Hand gesehen worden, die ein Schwert mit einem Kreuzgriff faßt; und sie glauben, dies sei die Hand des hl. Georg, des Siegbringers, des in Rußland besonders verehrten Heiligen. Ein Priester namens, Athanastus hat die Mushiks davon in Kenntnis gesetzt, daß in drei Monaten die ganze Figur des hl. Georg aus einem Flammenpfeid über Sibirien ziehen, am Meere ankommen und die Herzen der heidnischen Japaner mit Schrecken erfüllen wird. Die Heere der Zaren würden einen großen Sieg gewinnen, und das japanische Meer würde, wie das Rote Meer vor den Jsraeliten, austrocknen, so daß die Russen siegreich nach Tokio marschieren können.
— (Kühner Schluß.) Hausierer (der die Stiege hinabgeworfen wurde, als er bemerkt, daß der Hausherr, der aus der Treppe ausgerutscht, ihm nachgepurzelt kommt): .Na, er überlegt stch's!"
— (Ein guter Magen.) Doktor: „Habt Ihr die Schachtel Pillen genommen?" Patient: „Jo, Herr Doktor, aber i’ spür halt no’ keine Mikung; vielleicht ist der Deckel von der Schachtel nit aus'gangen I’
— (Schändlich.) „Warum so verdrießlich, Herr Huber V — „ „Ja, denken Sie sich, schenkt mir meine Alte zu meinem Geburtstag den Hausschlüssel, und wie ich ihn probiere, paßt er nicht!""