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ÄS" Fernsprecher Nr. 8. ^s
Sr. 11
Imerstaz ben 11. Februar
1904.
Nichtamtlicher Teil.
Der Krieg zwischen Japan und Rußland.
Mit einem kühnen und erfolgreichen Angriff auf das vor Port Arthur liegende russische Geschwader haben die japanischen Torpedoboote als Vorhut der Schlacht- flotte in der Nacht vom 8. aus den 9. Februar die Feindseligkeiten eröffnet. Wie wir bereits durch ein Extrablatt mitgeteilt haben, iß es den Japanern gelungen, drei großen russischen Kriegsschiffen Schäden von anscheinend bedeutendem Umfang beizubringen. Folgendes Telegramm bringt die amtliche Meldung von dieser ersten kriegerischen Aktion:
Petersburg, 9. Februar. Hier ist folgende Depesche des Statthalters im fernen Osten, Admirals Alexejew, an den Zaren eingetroffen: „Alleruntertänigsi melde ich Euerer Kaiserlichen Majestät, daß um Mitternacht vom 26. auf den 27. Januar (alten Stils — 8. zum 9. Februar neuen Stils) japanische Torpedoboote einen plötzlichen Minenangriff auf das Geschwader aus- führten, bc6 auf der äußeren Reede der Festung Port Arthur steht, wobei die Panzerschiffe „Retwisan" und „Zesarewitsch" sowie der Kreuzer „Pallada" Beschädigungen erhielten, deren Tragweite sich noch erweisen wird. Einzelheiten übermittle ich noch Euerer Kaiserlichen Majestät ausführlich. General-Adjutant Alexejew."
Zur Erläuterung sei angeführt, daß die Russen den beweglichen Torpedo, der unter Wasser sein Ziel aufsucht, als „Mine" bezeichnen, während wir unter einer Mine ein unbeweglich auf dem Meeresgrund verankertes oder gelagertes Zerstörungswerkzeug verstehen.
Der vom General Alexejew gemeldete Minenangriff iß deshalb als ein nächtlicher Angriff der japanischen Torpedoboote auf die russischen Schiffe aufzusassen, die in oder vor der Einfahrt zum Hafen von Port Arthur vor Anker lagen.
Ueber die ferneren Maßnahmen der japanischen Regierung und Heeresleitung berichtet nachstehende Meldung:
Tokio, 8. Februar. Eine formelle Kriegserklärung
in mßWMlles Blatt.
Erzählung von A. v. L > l i e n c r o n.
(Fortsetzung.)
Berninghaus schwankte einen kurzen Augenblick, aber er überlegte, daß es schließlich gleichgültig sei, ob er sich einige Zoll mehr oder weniger in Franzens Hände gab. Er strich die Haare aus der feuchten Stirn und begann von neuem:
„Es handelt sich um ein Blatt, das ich von einem der französischen Generale erhalten habe, jenen Brief betreffend, der in Szene gesetzt werden soll. Schrecken- stein hat Schreiben abzugeben an die Regimenter Köhler, Wolsrath und Schmettau. Nimm dir dar beste Pferd aus dem Stalle und jage ihm nach. Dann hefte dich an seine Fersen und verschaffe mir das Papier. Wie du das zuwege bringst, ist deine Sache, der Lohn soll dir ungeschmälert zu teil werden."
„Schwierig, — fast unmöglich," murmelte Franz. Er hob den Kopf und sah mit verschleierten Augen spähend zu seinem Gebieter aus.
„Was nützt das Blatt," bemerkte er achselzuckend, „die Geschichte kommt an die große Glocke, solange der Freiherr den Mund auftun kann."
Berninghaus fühlte einen kalten Schauer durch seine Glieder rinnen.
„Was gäbe ich darum, wenn sich jetzt eine feindliche Kugel verirren wollte, um jenem verhaßten Leben ein Ende zu machen!" stieß er leidenschaftlich hervor.
durch die japanische Regierung wird hier für Freitag erwartet, nachdem der russische Gesandte Baron Rosen abgereiß sein wird. Die erste, die zwölste und die Garde-Division sind zunächst mobilisiert. Truppentrans- portschiffe, deren Zahl unbekannt ist, sind bereits unter- wegS, eskortiert von Kriegsfahrzeugen. Das Auswärtige Amt hat eine begründende Darlegung über den Abbruch der diplomatischen Beziehungen veröffentlicht.
Inzwischen haben auch die kriegerischen Maßregeln Japans gegen den russischen Seehandel begonnen. Hierüber wird folgendes gemeldet:
London, 9. Februar. Die Nachricht von der Kaperung russischer Kauffahrteischiffe durch die Japaner wird mehreren Blättern bestätigt. Einer Depesche des Daily Telegraph aus Nagasaki zufolge geschah die Weg- nähme vor Masampho. Unter den gekaperten Schiffen befanden sich die „Schilka", die, wie demselben Blatt aus Tokio gemeldet wird, mit Reis und Kohlen nach Port Arthur unterwegs war, ferner die „Mandschuria", endlich ein ungenanntes Fahrzeug, das von der russischen Regierung zu Transportzwecken gechartert worden und im Begriff war, eine für Port Arthur bestimmte Ladung von Kohlen und Vorräten an Bord zu nehmen. Die Schiffe leisteten keinen Widerstand und wurden von den Japanern unter sichere Bedeckung gebracht. Zwei weitere Fahrzeuge wurden angeblich nach Sascho geschleppt. Die Daily Mail erfährt dagegen aus Tschifu, es handle sich bei der Wegnahme um sogenannte Walfischfänger, die zwischen Korea und Japan Spionagedienst taten und außerdem Auftrag hatten, die Kabel zu zerstören. Die Daily Mail meldet ferner aus Tschifu, 60 Transportschiffe mit japanischen Truppen seien behufs Landung an verschiedenen Punkten Koreas in See gegangen.
Durch die „Associated Preß" war gestern abend die Nachricht über ein Seegefecht bei Port Arthur verbreitet worden. Die von uns durch Extrablatt bekannt gegebene Depesche iß bald daraus von dem „Neuter'schen Bureau" dementiert worden, und wir haben auch von diesem Dementi bereits durch Verbreitung von Extrablättern Kenntnis gegeben. Heute früh liegen nunmehr nähere Einzelheiten des Torpedo angriffes der Japaner vor und wenn man einer allerdings bislang noch nicht bestätigten über Paris ge« kommenen Depesche trauen darf, so ist dieser Torpedo-
„Wer weiß," zischelte Silierte, „die Wege sind unsicher, Feinde lauern überall. Da kann eine Kugel unversehens geflogen kommen. Woher? Wer wills sagen. Sie macht den Mund stumm, der sonst geplaudert hätte."
Berninghaus fühlte, wie die Eiseskälte, die ihn schüttelte, gleichsam immer näher an sein Herz heran, kroch. Ihm graute vor dem „Vorwärts", das Franz zeichnete, aber ein „Zurück" gab es nicht mehr. —
Litterke schien auf eine Antwort gewartet zu haben. Da sie ihm aber nicht wurde, fuhr er fort:
„Wenn der Ueberbringer jener Brieftasche zugleich die Botschaft verbürgt, daß der Freiherr von Schrecken- stein von einer Kugel getroffen und nicht mehr am Leben iß, erhält er dann dar Vorwerk Mariental zum unantastbaren Besitze?"
Der Graf nickte mechanisch. Er handelte wie unter einem Banne. Hätte Litterke eines feiner Rittergüter verlangt, er hätte es auch bewilligt. Mit bebenden Fingern schrieb er über diese Schenkung ein paar Worte in sein Notizbuch, riß das Blatt heraus und gab es Franz.
„Jetzt aber zu Pferde und weg, so schnell der Gaul laufen kann," drängte er.
Silierte ließ sich nicht weiter mahnen. Sein schlaues Gesicht leuchtete in teuflischer Freude. „Mariental soll mir nicht entgehen," rief er, und dann gleich wieder die Dienerrolle annehmend, setzte er mit unterwürfiger Miene hinzu: „Der Herr Graf haben nur zu befehlen; ich stehe jederzeit zu Diensten."
angtiff doch die Einleitung zu einer Seeschlacht und zur Beschießung von Port Arthur gewesen. Jedenfalls sind die Japaner bereits an verschiedenen Punkten zur Offensive übergegangen. Es gelang ihnen bisher 2 russische Kreuzer und verschiedene russische Kauffartei- und Transportschiffe wegzunehmen. Folgende Nachrichten sind bis heule früh eingetroffen:
Tschifu, 9. Februar. Der Dampfer der Columbia aus Port Arthur befand sich aus der Rhede von Port Arthur, als Montag Abend der erste Knall einer Torpedoexplosion verspürt wurde. Der Scheinwerfer der Russen trat in Tätigkeit, die Russen feuerten. Der Angriff dauerte die ganze Nacht fort. Bei Tagesanbruch wurde gesehen, daß zwei russische Schlachtschiffe und ein Kreuzer erster Klasse manöverierungrunsähig auf den Strand gesetzt waren. Der Kreuzer lag stark auf der Seite. Kein Schiff ist oberhalb der Wasser- linie beschädigt. Morgens feuerten die russischen Forts auf die Japaner, auch die russischen Kreuzer kamen heraus. Die Japaner kamen auf drei Meilen heran, beschädigten aber die Schiffe der Russen wenig. Die Russen erreichten die Japaner nicht. Später fuhren die Japaner anscheinend unbeschädigt nach Daln.j. Die Slreitkräfte der Japaner bestehen aus sechs Schlachtschiffen, vier erstklassigen Kreuzern und sechs anderen Schiffen. Die beschädigten russischen Fahrzeuge sind die Panzerschiffe Poltawa, Zessarevitsch, der Kreuzer Bojarin. Sie versperren die Hafeneinfahrt. Kanonenboote können Port Arthur nicht verlassen, Schlachtschiffe und Kreuzer nicht zum Kohlenholen einfahren.
Petersburg, 9. Februar. (Fernsprechmeldung.) Nach einem Telegramm des Statthalters Alexejew halten sich die bei dem nächtlichen Torpedoangriff beschädigten 3 russischen Kriegsschiffe über Wasser. Kessel und Maschinen sind unbeschädigt. Russischerseils wurden 2 Soldaten getötet, 5 sind ertrunken und 8 wurden verwundet.
Petersburg, 9. Februar. (Fernsprechmeldung.) Ein Telegramm des russischen Admirals meldet: Am 9. Februar beschossen 15 japanische Kriegsschiffe Port Arthur. Die Festung antwortete, das russische Geschwader lichtete die Anker und nahm am Kampfe teil. Nach einstündigem Gefechte stellten
Unterdessen war Schreckenstein mit verhängten Zügeln davongestürmt, hatte bei den verschiedenen Regimentern die Briefe abgegeben und entledigte sich nun noch in Massiges der persönlichen Aufträge, die der Herzog ihm für den Kommandeur der Husaren-Regiments mitge» geben hatte.
Der Erbprinz zu Hohenlohe, der noch mit der Rekognoszierung bei Vienne le Chateau beschäftigt gewesen war, hatte um 3 Uhr nachmittags den Befehl erhalten, augenblicklich mit seinem Korps auszubrechen und rechts abzumarschieren bis zur Höhe beim Dorfe Somme- bionne. Dort sollten sich die Leute beim Gewehr nieber« legen und den Anbruch des Tages erwarten. Die Armee des Königs erhielt Weisung, auf den Höhen am linken Ufer der Tourbe bis Somme tourbe zu marschieren. Das Regiment Köhler traf sofort Anstalten zu dem Nachtmarsche. Schreckenstein gesellte sich ihm zu, um am nächsten Morgen bei Somme-tourbe, wohin die Spitze der Hauptarmee dirigiert war, mit dieser zusammen- zutreffen.
Schweigend ritt der junge Offizier neben den ersten Zügen der Husaren. Bald war das Flußtal erreicht, und nun wand sich die Straße zwischen Höhenzügen immer im Tal entlang. Der Sturm hatte sich gelegt, aber die Nacht war so finster, daß man kaum die Hand vor Augen sehen konnte.
„Genau so sternenlos wie die politische und strategische Finsternis, in der wir in letzter Zeit umherlappen," spottete einer der Kameraden. „Heute werden ja große Anstalten getroffen, aber wenn er zum Klappen kommen