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deutscher AuSwandererschiffe fortan darauf zu achten, ob sich unter ihren Passagieren Personen be, finden, die hinreichend verdächtig erscheinen, junge Mädchen ihrer Begleitung zu unlauteren Zwecken der Heimat entführt zu haben. Sie sollen derartige Mädchenhändler beim Konsul des nächsten An- laushafens zur Anzeige bringen. Weiter sind die Bestimmungen über Auswandererschiffe dahin abgeändert worden, daß diese Schiffe fortan auch feuergefährliche, leicht entzündliche Stoffe, wie Benzin, Benzol und der­gleichen, in Mengen bis zu 500 Litern befördern dürfen.

Aus Provinz nni> NlwtitL

* Ueber die Benutzung von Büchern durch Ge­fangene hat Justizminister Schönstedt eine neue Ver­fügung erlassen, welche in Abänderung der bestehenden Vorschriften folgende Bestimmungen trifft: Gefangene dürfen Bücher und Schriften nur aus der Sammlung des Gefängniffes entnehmen. Ausnahmen, auch die Zulassung einer Zeitung an Gefangene in Einzelhaft, werden von dem Vorsteher in den geeigneten Fällen bewilligt. Gefangene, die einfache Haststrafe verbüßen, sowie Zivilhastgefangene können eigene Bücher und Schriften (Zeitungen) benutzen; doch unterliegt die Aus­wahl der Aufsicht des Vorstehers. Ob UntersuchungS- gefangenen eigene Bücher und Schriften (Zeitungen) zu gestalten sind, bestimmt der Richter (§ 95 Abs. 1 der Gefängnisordnung).

* Ueber die Verausgabung minder­wertiger und falscher Geldstücke macht das Königl. Polizeipräsidium in Berlin folgende Mit­teilungen: In letzter Zeit sind wiederholt im Gewicht vorsätzlich verringerte Doppelkronen und falsche Zwei­markstücke bayrischen Gepräges, mit der Jahreszahl 1902, Münzzeichen D, sowie falsche Dreimarkstücke sächsischen Gepräges, mit der Jahreszahl 1859, in Verkehr gebracht worden. Die Doppelkronen haben ein Mindergewicht von ca. l1/* Gramm, ungeachtet dessen aber einen Klang wie vollwichtige Stücke. Die Zwei- und Dreimarkstücke sind von guter Prägung, die Dreimarkstücke tragen aber statt des richtigen Münzzeichens F das falsche Zeichen B. Die Behörde ersucht, Verausgaber der­artiger Stücke polizeilich feststellen zu lassen.

8 Hersfeld, 8. Februar. Zum Sprechverkehr mit H e r s s e l d sind Halle (Saale) und Ammendors Radewell zugelassen. Die Sprechgebühr beträgt je 1 Mark.

* (P o st p e r s o n a l i e n.) Angenommen ist als Postgehilfe der frühere Schüler Zarges in Cassel. Er­nannt sind zu Postsekretären: der Oberpostassistent Franz L>xer Schmidt und der Postassistent Dersch in Cassel, der Postverwalter Knecht in Trendelburg. Versetzt sind die Postassistenten: Arbogasi von Tann (Rhöngeb.) nach Gelnhausen, Decker von Cassel nach Frielendorf, Breiden. stein von Marburg (Bez Cassel) nach Hanau, Ehle von Hersfeld nach Cassel, Richter von Landeshut (Schlesien) nach Cassel, Witzel von Großalmerode nach Cassel. Gestorben der Postsekretär a. D. Martiny in Fulda.

Cassel, 7. Februar. Kindesmord verübte eine Person, die im Schnellzug Nr. 71 gestern nachmittag von Cassel nach Göttingen fuhr. Der Bahnwärter Thenne, Mielenhausen, fand in der Nähe der soge­nannten Clouse auf dem Bahngleis zwischen Ober- scheden und Volkmarshausen die Leiche eines neuge­borenen Kindes, das durch den Abort des Schnellzuges geworfen sein soll. Von der unnatürlichen Mutter fehlt bis jetzt noch jede Spur. (T)

Cassel, 7. Februar. In einer Bäckerei in der unteren Marktgasse wurde am Sonnabend früh in der Backstube Schmalz zum Kreppelbacken ausgelassen, als die Flamme in die Pfanne schlug und das ganze Fett in Heller Lohe hoch emporloderte. Der in der Backstube gerade weilende Bäckermeister und ein Geselle bemühten sich die Flammen zu ersticken. Dabei beging der Bäcker­meister die Unvorsichtigkeit, einen gerade zur Hand stehenden Eimer Wasser in das brennende Fett hinein zu stülpen. Die Wirkung war geradezu verderblich. Die Lohe schlug dem Mann ins Gesicht, ihm Augen, Haar und Bart versengend. Auch der Geselle trug Brandwunden, namentlich an Armen und Händen davon.

Cassel, 6. Febr. Eine sehr umfangreiche Verhand­lung, die namentlich unsere Geschäftswelt interessieren dürfte, fand vor dem hiesigen Schöffengericht statt. Unter der Anklage, sich der verleumderischen Beleidigung schuldig gemacht, sowie die Strafbestimmungen des Ge­setzes wegen unlauteren Wettbewerb verletzt zu haben, stand der Kaufmann Karl B. vor den Schranken. Aus dem der Anklage zu Grunde liegenden Tatbestand ist kurz das folgende anzuführen: Der Angeklagte hatte seit Jahren seinem Konkurrenten, dem Kaufmann Oscar Lange, welcher hiesiger Vertreter der Zentrale für Spiritus-Verwertung in Berlin ist, unlauteren Wett­bewerbs und unrichtige, feine Abnehmer benachteiligende Ausführung der ihm gemachten Aufträge vorgeworfen unter gleichzeitiger Verdächtigung preußischer Steuer­beamter, bezeichnender Weise aber diese Vorwürfe auf der Rückseite einer Preisliste seiner eigenen Firma abgedruckt und der Kundschaft hier und außerhalb über- sandt. Insbesondere hatte er seinen Konkurrenten be­schuldigt, daß er die Fastagen der Posener Spiritus- Aktiengesellschaft in Posen mit allen möglichen minder­wertigen Sorten Spiritus habe füllen lassen und dann an seine Kunden abgesetzt habe, und zwar in be­trügerischer Absicht, um seine Abnehmer zu schädigen

und sich selbst einen rechtswidrigen Vermögens-Vorteil zu verschaffen. Nachdem der Angeklagte B. zwei Mal in dem anberaumten Termin nicht erschienen war, wurde er am Abend vor der Verhandlung verhaftet und aus dem Untersuchungsgefängnis vorgeführt. Die Verhand- lung ergab die völlige Unwahrheit der erhobenen Be­schuldigungen. Das Urteil lautete auf zwei Monate Gefängnis wegen verleumderischer Beleidigung und 300 Mark Geldstrafe.

Hourberg, 5. Februar. In dem benachbarten Allmutshausen ereignete sich heute vormittag ein schwerer Unfall. Der eben vom Militär ent­lassene A. Wickert war mit noch drei jungen Männern beschäftigt, Holz zu fällen. Ein Baum blieb in den Aesten eines anderen hängen und W. stieg auf diesen, um den ersteren loszuhauen. Eh« er jedoch sein Ziel erreichte, stürzte der Baum um und begrub W. unter seinen Aesten. Schwer an Brust und Leib verletzt, brächte man ihn seinen betrübten Eltern. Aerztliche Hilfe war bald zur Stelle, doch fürchtet man für das Leben des Verletzten.

Marburg, 5. Februar. Der erst kürzlich van der Strafkammer in Cassel wegen eines in dortiger Gegend begangenen Diebstahls zu 1 Jahr Gefängnis verurteilte Handelsmann Christian S. aus Treysa hatte sich heute vor der hiesigen Strafkammer abermals wegen verschiedener Einbruchsdiebstähle, die er hier in Marburg und in seinem Wohnorte Treysa verübt, zu verantworten. Trotz seines hestigen Leugnens wurde der Mann der Schuld überführt und zu 2 Jahren und 3 Monaten Ge­fängnis, sowie 4 Jahren Ehrverlust verurteilt.

Hanau, 5. Febr. DieHanauer Ztg" schreibt: Der Kapelle des Ins.-RegtS. Hessen- Homburg Nr. 166, dahier, welche mit dem Komitee der Weltausstellung zu St. Louis wegen daselbst zu veranstaltender Konzerte in Unterhandlung stand, ist die Genehmigung des Kaisers hierzu nicht erteilt worden. Es wird auf der Weltausstellung in St. Louis keine deutsche Militärkapelle konzertieren."

Hanau, 5. Februar. Im Kommando des hiesigen Infanterie -RegimentsHessen-Homburg Nr. 166 ist ein Wechsel eingetreten. Der bisherige Kommandeur desselben, Oberst v. Tempsky, wurde mit der Führung der 12 Jnfanteriebrigade (Brandenburg) beauftragt; zum neuen Kommandeur des Regiments wurde Oberst Tülff, bisher Chef des Generalstabs des 16. Armeekorps in Metz, ernannt.

Hanau, 4. Febr. In einem hiesigen Hotel er­schoß sich heute nachmittag der etwa 20 Jahre alte Kaufmann E l s ä s s e r von hier. Der junge Mann hatte sich aus einem hiesigen Krankenhaus entfernt und vorgestern in das Hotel begeben. Als ihm heule nach­mittag der Kaffee gebracht werden sollte, lag er tot im Bette.

Darmstadt. Die Darmstädter Zeitung bringt einen längeren vorläufigen Bericht von Pros. G a f f k y - Gießen in der Vergift ungssache d e r Alice- Kochschule. Danach erscheint nach der Untersuchung der Büchsen und nach mit Tieren angestellten Versuchen es hinreichend begründet, daß es sich um sogenanntes Bakterientoxin handelt. Es ist wohl zweifellos, daß ein sogenannter anakrober (bei Ausschluß der Lust wachsender) Keim als Krankheitserreger in Betracht kommt. Es ist anzunehmen, daß die Keime in Sporen oder in Dauer- form den Bohnen anhafteten, das Kochen der Büchsen überstanden, im Inhalt sich vermehrten und Gift er­zeugen. Die Untersuchung wird fortgesetzt.

Göttingen, 6. Februar. Heute wurde bei einer Probefahrt mit einer neukonstruierten Lokomotive zwischen Göltingen und Kretensen eine Geschwindigkeit von 127 Kilom. erreicht.

Göttittgen, 3 Febr. (S chwere Folgen der Desertion.) Der Soldat, der von seiner hier in Garnison liegenden Truppe desertierte und sich im Walde bei Gronau versteckte, wo er mit erfrorenen Beinen aufgesunden wurde, ist nicht gestorben. D e m Manne wurden beide Beine abgenommen. Die Wunden sind noch nicht geheilt. Sobald die künst­lichen Beine fertig sind, und der Mann fähig ist, die Beine zu tragen, wird er sich vor dem Kriegsgericht wegen Fahnenflucht zu verantworten haben. Zweifellos wird der Unglückliche bestraft werden. (C T)

$ t r m i f 611S.

(Wieder ein Eisenbahnattentat in Westdeutschland.) In der Nähe der ober­rheinischen Station Einzig hatten bisher nicht ermittelte Personen schwere Steine auf die Bahngleise gewälzt, so daß die Maschine des rheinaufwärtsfahrenden süddeutschen Blitzzuges stark beschädigt wurde. Auch bei Nieder- breisig hatte man einen Anschlag auf einen Nachtzug geplant, der glücklicherweise vereitelt wurde.

Dresden, 6. Januar. Das Kriegsgericht verurteilte den Gefreiten Freytag vom Husarenregiment in Grimma, der sein Dienstpferd, daß ihn im Stall geschlagen hatte, aus Wut geprügelt hatte, wegen Tier- Quälerei zu 10 Monaten Gefängnis.

(Strenge Strafe für Steuerhinter- ziehung.) In G l o g a u verurteilte die Straskammer einen Kaufmann wegen Einkommensteuer- Hinterziehung in Höhe von 3690 Mail zu einer Geldstrafe von 36,900 Mark oder sechs Wochen Hast. Bei dem Urteil wurden in den letzten fünf Jahren begangene Hinter- ziehungen berücksichtigt, schon früher erfolgte waren verjährt.

(Der dumme Junge von 80 Jahren.) In dem Vorort Klein-Wittenberg bei Wittenberg starb letzter Tage der 80jährige Auszügler Dietrich, mehr­facher Groß- und Schwiegervater. Sein Alter bewahrte ihn aber nicht davor, daß seine ihn überlebende Mutter, die das 100. Jahr erreicht hat, ihm wenige Wochen vor seinem Tode, auf die Frage, ob sie wohl an ihr Testament gedacht habe, mit der Antwort diente:Dummer Junge, was verstehst Du denn davon?" Die Frau ist, wie die Hall. Ztg. schreibt, noch äußerst rüstig und gut zu Fuß, hat ein wunderbares Gedächtnis und kann not ohne Brille lesen und stricken.

Der kürzlich gemeldete blutige Zusammenstoß zwischen Soldaten unb Zivilisten in der Ortschaft Deuthen bei Allen st ein hat jetzt die Verhaftung der schuldigen Zivilpersonen zur Folge gehabt; es sind dies der Zimmergeselle Freitag und der Arbeiter Freida aus Deuthen.

Hamburg, 5. Febr. Der 26jährige Assistenz­arzt vom allgemeinen Krankenhause Dr. Emil Ahting aus Varel ist an einer Blutvergiftung, welche er sich bei einer Operation zugezogen halte, als Opfer seines Berufes gestorben.

Ein Einbruch verbunden mit einem Akt empörender Tierquälerei wurde tn Borken i. W. in dem Sägewerk der Firma Theodor Küster zu Müllen begangen. Die Täter drangen in die Maschinen­halle und zerstörten die dort befindliche elektrische Licht­anlage. Der treue Wächter des Werkes, ein wertvoller Bernhardinerhund, mußte seine Wachsamkeit mit dem Leben bezahlen, offenbar hat er gegen eine Uebermacht kämpfen müssen. Weithin hat man das Klagegeschrei des Hundes inmitten der Nacht vernommen. Nachdem der Hund wehrlos gemacht, wurden ihm die Augen aus­gestochen, die Zunge aus dem Maule geschnitten und schwere Verletzungen am Hinterleib beigebracht. Schließ­lich trieb man noch eine Stange durch den Körper des armen Tieres. Wie der Münst. Anz. ersährt, ist man den Tätern bereits auf der Spur.

Ein gräßlicher Unfall im Zirkus ereignete sich in Tunis. Dort machte der Artist Macetti eine Fahrt im sogenanntenTodesring", der über der Manege in die Höhe gezogen wurde. Um die an sich schon aufregende Produktion noch grausiger zu gestalten, hatte man unter denTodesring" einen oben offenen Käfig mit einem Löwenpaar postiert. Macetti stürzte nun bei der Vorstellung aus dem Ring und fiel in den Löwenkäfig hinab. Während der Löwe von dem un­freiwilligen Besucher keine Notiz nahm, sprang die Löwin auf den Artisten zu und zerfleischte ihm den rechten Oberarm. Sofort eilte die Frau des Zirkus­besitzers Masserini in den Käfig und trieb das Tier von dem unglücklichen Macetti fort, der nun zwar in Sicher­heit gebracht wurde, aber infolge der Todesangst Spuren von Geistesstörung zeigt.

(Eine Tragödie in de r Wüste.) Ein Telegramm aus Phönix (Arizona) berichtet, daß in der Nähe von Deadmans Well in der Wüste von Nevada die Leichen von 30 Männern von einer Gesellschaft von Eisenbahnlandmessern gesunden wurden, die einen Weg für eine neue Linie absteckten. Die Opfer sind Eisen­bahnarbeiter, die eine Wanderung durch die Wüste be­gonnen hatten, um Kalifornien zu erreichen. Obgleich man sie gewarnt hatte, da das Land, das sie durch­queren mußten, absolut wüst ist, machten sich die der Gefahren unkundigen Leute auf den Weg. Sie waren für die gefährliche Reise mangelhaft ausgestaltet und starben entweder infolge des Durstes, ober weil sie aus einem Brunnen tranken, dem einzigen Wasser in vier Meilen in der Runde, das sehr giftig ist; es heißt, daß alle, die daraus trinken, wahnsinnig werden. Es sind schon viele Reisende, die sich zum Durchqueren der Wüste aufmachten, nicht zurückgekehrt; doch ist dies die größte Anzahl, die gleichzeitig umgekommen ist. Die Leichen wurden auf der Erde gefunden; einige waren zum Teil von Wölfen und Geiern zerfleischt, und ihre Knochen bleichten in der heißen Sonne. Einer hatte seine Kameraden zum Teil im Sande begraben, aber er starb, bevor er die Arbeit zu Ende führen konnte, und sein Leichnam lag in der Nähe. Die Wüste kann zu einigen Jahreszeiten ohne Gefahr durchquert werden; aber oft führen heiße Winde Sandwolken mit sich, die Reffende begraben, bevor sie ein Obdach finden können.

(Entsetzlicher Aberglaube.) Die Be­wohner des fiebenbürgischen Hochlands glauben noch immer fest daran, daß man dem Toten das Herz durch­stechen müsse, wenn man verhindern wolle, daß der Dahingeschiedene nach dem Todeumgehe". Dieser Tage starb nun in der Umgegend von Abrudbänya eine alte Bäuerin, die allgemein für eine Hexe gehalten wurde. Die Bauern durchstachen die Leiche mit einem glühenden Spieß, füllten den Mund der Toten mit Eisenstücken und legten schließlich den^verstümmelten Körper verkehrt in den Sarg. Der Stuhlrichter, der von der Leichenschändung Kenntnis erhielt, ordnete sofort eine strenge Untersuchung an.

Diedenhofen, 5. Februar. Heute früh wurde der vor dem hiesigen Pulverschuppen stehende Posten, Musketier Eichhorn von der 10. Kompagnie des 3. Lothringischen Infanterieregiments Nr. 135, e r - schössen ausgefunden. Ob Mord oder Selbstmord vorliegt, ist noch nicht festgestellt; im geladenen Gewehr des Postens fanden sich die Patronen vollständig, nicht abgeschossen, vor.