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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

Abonncinentspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Psg. excl. Postansschlag.

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Die JnsertionSgebühren betragen für den Raunr einer Spaltzeile 10 Psg., im amtlichen Theile 15 Psg. Reklamen die Zeile 20 Psg.

Bei größeren Austrägen entsprechender Rabatt.

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Gratisbeilagen:Jllnstrirtes Sonntagsblatt" undJllustrirte Landwirtschaftliche Beilage."

Ss Fernsprecher Nr. 8. -gx

Sr. 17. Sieufiag in 9. gebruar 1904.

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 4. Februar 1904.

Vom Kaiserlichen Gesundheitsamt ist die Herstellung einer Ausgabe desAlkoholmerkblattes" in Plakatform veranlaßt worden.

Diese Plakatausgabe, welche sich vorzugsweise zur Verwendung in Fabriken und amtlichen Diensträumen rc. eignet, kann von dem Verlage von Julius Springer in Berlin N. Monbijouplatz 3, zum Preise von 10 Psg. für das einzelne Exemplar, 6 Mark für 100 und 15 Mark für 1000 Exemplare bezogen werden.

I. 687. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierung« Rat.

Hersfeld, den 2. Februar 1904.

Der »us Donnerstag, den 11. Februar 1904 in Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seither be­kannt gegebenen Bestimmungen abgehalten.

Mit dem Auftrieb darf um 7^2 Uhr morgens be- gönnen werden.

I. 647. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierung- Rat.

Nichtamtlicher Teil.

Die Hetze gegen das Heer.

In letzter Zeit hat stch bei uns in Wort und Bild eine Richtung breit gemacht, die es als ihre Aufgabe betrachtet, unser volkstümliches Heer und vor allem sein Osfizieikorps verächtlich zu machen. Das ist kein Ruhm für das deutsche Volk, weil fast alles, was Deutschland in nationaler und politischer Beziehung seit dem Jahre 1864 errungen hat, in erster Linie der Kraft seines Schwertes zu verdanken ist. Ohne die Siege sus dem Schlachtfelds würde selbst Bismarcks Riesenarbeit ver­geblich gewesen sein.

Die Grundlage der heereSfeindlichen literarischen Be« wegung bildet' das Haschen nach Sensation um jeden Preis. Ihre praktischen Ergebnisse decken stch im großen

M veHWiMlles Blatt.

Erzählung von A. v. Liliencron.

(Fortsetzung.)

Der Gras seufzte tief. Ob aus Mitgefühl für den Freund? Ob in herbem Schmerze darüber, daß ihm nie vergönnt sein werde, solch ein Glück in allem Herzeleid zu kosten? Er wußte das selbst nicht. Mechanisch be­stieg er seinen Fuchs und ritt dem Walde zu. Langsam, gesenkten Hauptes, schritt das Tier dahin, und gesenkten Hauptes, in grübelnde Gedanken verloren, saß der Reiter auf seinem Rücken und schreckte erst wieder aus, als nach einer Weile rascher Hufschlag hinter ihm erklang. Noch ein paar Galoppsprünge, und Schreckenstein war an seiner Seite. Pletten raffte sich zusammen.

Nun, Kurt, jetzt ist das Schlimmste Überstunden," ermutigte er.Jetzt ruft das frische Soldatenleben und jagt dir die trüben Wolken von der Stirn."

Kurt legte ihm die Hand auf den Arm. Er sah bleich aus, und die sonst immer so jubelnden Augen blickten schmerzerfüllt.

Hans," sagte tr,ich habe doch nicht geahnt, daß er- so bitter schwer wäre, da« Abschiednehmen. 66 ist mir lieb, daß ich jetzt nicht mutterseelenallein in die Nacht hinauszustürmen brauche, sondern dich neben mir habe. Viel sprechen kann ich aber nicht. Komm, wir wollen die Pferde laufen lassen, ein scharfer Ritt wird mir gut tun, und ich muß außerdem um Mitternacht beim Herzoge sein."

und ganzen mit den Bestrebungen der Sozialdemokratie, unser Heer herabzusetzen. Deshalb werden auch nirgends derartige literarische Erzeugnisse mit größerm Behagen breit getreten und agitatorisch gehässiger ausgeschlachtet, wie von der Sozialdemokratie. Das ist begreiflich bei einer Partei, über deren revolutionäre, staats- und volksverderbende Ziele nur die im Zweifel sind, die nicht alle werden. Aus ihrem revolutionären Wege würde die Sozialdemokratie nur einem einzigen wirklichen Hindernis begegnen der Armee. Folgerichtig muß es ihre Hauptaufgabe sein, die Armee in ihrem innersten Wesen zu desorganisieren, das heißt: in der Mannszucht zu erschüttern. Die hauptsächlichsten Träger der Manns­zucht stnb und bleiben aber die Offiziere und Unter­offiziere. Deshalb wird Tag für Tag in der sozial- demokratischen Presse gegen sie gehetzt.

Bei dieser, in ein System gebrachten Wühlarbeit leisten mittelbar alle Organe der bürgerlichen Prefle Helfersdienste, die jene Machwerke für ernst und sogar woglgemeint nehmen. Wenn das so weiter geht, dann werden wir in Deutschland bald ein Spezialitäten- literatur haben, die die Schmähung der Osfiziere als geschäftsmäßigen Sport betreibt. Die Anfänge hierzu sind schon vorhanden, und es beweist wenig gesunden Sinn und Geschmack in gewissen gebildeten Kreisen, daß solche gehässige und verlogene Stimmungsmacherei frucht­baren Boden findet.

In der Hetze gegen das Heer liegt eine große Ge­fahr. Es kann nicht ausbleiben, daß die Wehrpflichtigen sich ungern dem Heeresdienste unterziehen. Sie bringen schon von Hause aus ein festgewurzeltes Mißtrauen gegen die Ehrenhaftigkeit, Tüchtigkeit und GerechtigkeitS- liebe ihrer Vorgesetzten mit zur Fahne alles auf Grund vereinzelter betrübenden Geschehnisse, die in der HeereSfeindlichen Literatur verallgemeinert und in raffi­nierter Weise zur Hetzerei ausgebeutet werden. Die unbedingt notwendige Strenge des militärischen Dienstes, die unter allen Umständen im Interesse der Armee und des Landes aufrecht zu erhaltende Mannszucht werden den mit Vorurteilen und Verdächtigungen gefütterten Elementen schließlich als Ausflüsse der Willkür oder mangelnden Einsicht der Vorgesetzten erscheinen.

Daß Leute, die so auf den Heeresdienst vorbereitet sind, den Hauptbestandteil der innerlich aufsässigen Mannschaften bilden, liegt in der Natur der Sache.

Schweigend jagten die beiden auf der Landstraße ent­lang. Der Nachtwind hatte sich aufgemacht, er zog rauschend durch die Kronen der Bäume und umflatterte die einsamen Reiter. Er mühte sich vergebens, Schrecken­stein aus seinem starren Brüten zu wecken, und ebenso nutzlos war der Versuch, das heiße Antlitz des Grafen zu kühlen. ES flammte jedesmal von neuem auf, wenn der neckische Wind den Dust der welkenden Centisolie, die den Freund schmückte, zu ihm hinüber trug.

Fünftes Kapitel.

Ein Nachtmarsch sollte die Preußen über die Linien des französischen Heeres hinausbringen und dieses vom Wege nach Chalons abschneiden.

Am 19. September war Schreckenstein auf dampfen­dem Gaule in Mouron, dem Quartiere des König«, an» gelangt, um ein Schreiben des Herzogs zu überbringen. Er harrte ungeduldig auf die Antwort, denn er sollte sofort das Husarenregiment Köhler aussuchen und dem Kommandeur desselben des Königs weitere Bestimmungen übermitteln. Das Antlitz des jungen Offiziers sah, im Gegensatz zu seiner gewöhnlichen Offenheit, heute um. mölkt und verschlossen aus. Er hatte eben mit Berning- haus verhandelt, der ihm das Schreiben abgenommen Halle und damit zum Könige gegangen war. Jede Be­gegnung aber mit dem Grafen glich für ihn der Be­rührung mit einem giftigen Reptil, und unverhohlen zeigte er stets dem Günstlinge des Hofe» feinen kräftigen Widerwillen. So war es auch heute gewesen, und Berninghaut hatte ihm mit gleicher Münze gedient.

Ebenso sicher ist, daß dieser »schlechte Geist" vielfach die mittelbare Ursache bildet für die Ausschreitungen der durch die Widerhaarigkeit der Untergebenen gereizten Vorgesetzten. Diese Ausschreitungen sind natürlich stets zu verurteilen und strafbar. Aber als ungleich ver. werflicher müssen die Auswüchse auf dem Gebiete der Literatur und Presse bezeichnet werden, die bezwecken, den guten Ruf des deutschen Heeres im In- und Aus­lande zu untergraben. Den schlimmsten Schaden davon hat das deutsche Volk selbst. **

lieber be» Abbruch der bi-lWatische« Bezickv Wischen Mlmiii unü Wn liegen folgende Meldungen vor:

Petersburg, 7. Februar. DerRegierungsbote" veröffentlicht folgende Zirkulardepesche des Ministers des Aeußern an die russischen Vertreter im Auslande vom 6. Februar: Im Auftrage seiner Regierung übergab der japanische Gesandte am Allerhöchsten Hofe eine Note, welche die kaiserliche Regierung von der Entscheidung Japans in Kenntnis setzt, weitere Verhandlungen einzustellen und den Gesandten und das ganze Gesandcschastspersonal aus Peters­burg abzuberufen. Infolgedessen beliebte es Seiner Majestät dem Kaiser Allerhöchst zu befehlen, daß der russische Ge­sandte in Tokio mit dem gesamten Personal der kaiserlichen Mission unverzüglich die, Hauptstadt JapansLverlasse. Eine derartige Handlungsweise der Tokioer Regierung, welche nicht einmal das Eintreffen der dieser Tage abgesandten Antwort der kaiserlichen Regierung abwartete, wälzt Japan die ganze Verantwortung für die Folgen zu, welche'durch den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Regierungen entstehen können.

Petersburg, 7. Februar. Eiu Extrablatt der Nowoje Wremja äußert Folgendes: Drei-Monate bemühte sich die russische Diplomatie, die japanischen Vorschläge friedliebend zu prüfen unb alle möglichen Zugeständnisse zu machen, ivelche zulässig sind, ohne die Würde Rußlands zu schädigen. Rußland wurde beschuldigt, daß es die Ber- Handlungen zum Zwecke kriegerischer Vorbereitungen hinziehe. Ohne sich durch niedrige Verleumdungen beirren zu lassen, erfüllte Rußland seine Pflicht gewissenhaft im Vertrauen auf die Gewissenhaftigkeit des Gegners. Wie es sich er­weist, war der ganze Notenwechsel eine

Die Abneigung der beiden Männer, wuchs bei jedem neuen Zusammenkommen, und nur das Bewußtsein, daß jetzt nicht der Augenblick fei, um persönliche Gefühle auszutragen, legte Schreckenstein einen heilsamen Zügel an.

Jetzt kam Berninghaus zurück. Seine Brieftasche in der Hand haltend, trat er dicht an das Fenster, um dort noch das letzte spärliche Tageslicht zu erhäschen.

Majestät wünschen, daß zugleich mit dem Auftrage an das Husarenregiment Köhler noch diese Briefe an das Husarenregiment von Wolfrath und an das Dragoner- regiment von Schmettau abgegeben werden," berichtete er und reichte Schreckenstein drei Schreiben.Die Sache hat die größte Eile. Sie müssen reiten, als wenn ber Teufel Ihnen auf dem Nacken säße, oder als ob Sie einem Zusammensein mit mir ausweichen wollten, was wohl ziemlich gleichbedeutend ist," fügte er kurz auflachend hinzu.

Schreckenstein steckte die Briefe in feine Brusttasche.

»Ich werde in dem Bewußtsein reiten, daß Majestät mir Eile anempfohlen hat, das genügt, um meine Kräfte auf das äußerste anzuspornen."

Noch einen verächtlichen Blick warf er auf feinen Gegner, der, die geöffnete Brieftasche in der Hand, ihm gegenüber stand, dann wandle er sich zum Gehen.

Der Wind, der heulend das Haus umzog, stieß in diesem Augenblicke so heftig gegen das nur leicht ge­schlossene Fenster, daß der eine Flügel jäh aussprang und gegen die Brieftasche schlug, die zur Erde fiel und ihren Inhalt verstreute.

Mit einer Verwünschung beugte sich der Graf rasch