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Sr. 16.
ZdWghtB 6« 6. Februar
1904.
HesteUunge» auf daS- Hersfelder Kreisblatt
für die Monate Februar und März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträaern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 3. Februar 1904.
Die Königlichen Beschäler werden am 16. Februar d. J. auf Station Philippsthal eintreffen. Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben solches den Züchtern bekannt zu machen mit dem Bemerken, daß für die Benutzung der Landbeschäler die in den öffentlichen Aushängen der Deckstation angegebenen Bedingungen maßgebend finb.
Hierbei mache ich die Herren OrtSvorstände noch besonders darauf aufmerksam, daß
1. die Abfohlungsergebniffe in die f. Zt. übersandt werdenden Deckregister genau einzutragen und letztere bis spätestens 20. Juni an den StationSwärter zurückzusenden finb; die Züchter sind daran zu erinnern, die fälligen Deck- und Füllengelder ungesäumt an den letzteren zu zahlen.
2. etwaige Wünsche wegen Besetzung der Stationen schon im Juli evtl. durch Entsendung einer Kommission bei der Direktion des Heff. Nass. Landgestüls zu Dillenburg vorzubringen sind. Spätestens im Monat August j. I. findet bei Anwesenheit des Herrn OberlandstallmeisterS die Berechnung des Hengstbedarfs für die nächstjährige Stationierung statt; es können daher mit Sicher- heit nur solche Anträge auf Berücksichtigung rechnen, die bis zu diesem Zeitpunkte zur Kenntnis der Gestütdirektion gelangt sind.
I. 641. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 30. Januar 1904.
Der Herr Landwirtschastsminister hat durch Erlaß vom 2. Januar 1904 — I. G. a. 10856 — ange. ordnet, daß bei den Tagebüchern der bei inländischen Schlachtungen tätigen Beschauer (§ 47 der Ausführungi- bestimmungen A zum Fleischbeschaugesetze) die Neu- anlegung für jedes Kalenderjahr zu erfolgen hat.
Der Herr Minister hat dabei bemerkt, daß nichts dagegen einzuwenden sei, wenn solche Bücher, deren noch verfügbarer freier Raum mit Sicherheit auch für die Eintragungen des Kalenderjahres 1904 ausreicht, bis zum 31. Dezember 1904 weiter benutzt werden. Selbstverständlich aber müssen die Eintragungen bet obgelausenen Kalenderjahres abgeschlossen und es muß für das Jahr 1904 mit einer neuen Nummerierung be- gönnen werden.
Die Ortspolizeibehörden haben die Beschauer mit entsprechender Weisung zu versehen mit dem Hinweise, bafi diese Erleichterung sich nur auf die Bücher nach dem durch die Bundesrats - Ausführung-bestimmungen vorgeschriebenen Muster bezieht. Dagegen sind diese neuen Bücher von jetzt an auch da, wo bisher die alten Bücher noch geführt werden, einzurichten und auS- schließlich zu führen.
1- 572. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.
Im Anschluß an meine Verfügung vom 26. Januar
d. Js. — Kreisblatt Nr. 13 — betreff en d die Rechnungslegung der Sterbekassen, benachrichtige ich die Vorstände der letzteren hierdurch, daß nach einem Erlasse des Herrn Ministers des Innern vom 23. Dezember v. Js., I b 1960, der Aufsichtsbehörde der Jahresbericht mit den vorgeschriebenen Rachweisungen — und zwar in 3 Exemplaren, also nicht nur in 1 Exemplar, wie anfänglich bestimmt war, — bis zum 18. März alljährlich einzureichen sind und die Mitglieder nur Anspruch auf den Jahresbericht und die allgemeine Nachweisung der KapitalS- anlage haben.
HerSfeld, den 3. Februar 1904.
I. 573. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs Rat.
Diejenigen Herren Bürgermeister des Kreises, welche meiner Verfügung vom 6. Januar d. Js. — Kreisblatt No. 5 — betr. dte Einrichtung, die Auf- stellung und den Gebrauch der beim Bierausschank zur Anwendung kommenden Druck- und LeitungSvorrichtungen, bis jetzt noch nicht nachgekommen sind, werden hierdurch erneut angewiesen, dem zur Revision fragl. Apparate bestellten Sachverständigen — Herrn Bürkle hier — unverzüglich die angeordnet- Anzeige zu erstatten. Hersfeld, den 3. Februar 1904.
Der Königliche Landrat Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs Rat.
Nichtamtlicher Teil.
Politischer Wochenbericht.
Der Reichstag hat in seinen tagelangen sozialpolitischen Debatten wieder einmal leeres Stroh gedroschen; links und rechts und in der Mitte stehende Blätter klagen übereinstimmend über seine Zeitverschwendung. Wer das Wettrennen der Parteien um die Gunst der Arbeitermassen vom Standpunkte des praktischen Politikers ansieht, der muß dem Staatssekretär Grafen Posadowsky zustimmen, daß zur Durchführung der im Reichstage gemachten Vorschläge unser Ver- waltungs-Körper nicht genügen würde. Es wird die Ausführung von zwei bis drei Dutzend sozialpolitischen Gesetz- Entwürfen verlangt, deren Ausarbeitung wahrlich nicht über das Knie gebrochen werden darf. In der Theorie machen sich manche Vorschläge wunderschön; aber in der Praxis ist die Sache anders. Ist aber ein Gesetz erlassen, das in unsere Zustände tief eingreift, so kommen die Klagen über die damit verknüpften Mißstände zu spät. Darum wird man den verbündeten Regierungen dankbar sein, wenn sie sich durch die sozialpolitische Hochflut nicht mitreißen lassen, sondern sie sorgsam in Kanäle ableiten, durch welche daS planmäßige, allmähliche Fortschreiten unserer Sozialreform befruchtet merden kann.
Immerhin braucht der deutsche Reichstag den Vergleich mit den Parlamenten in andern Ländern nicht zu scheuen. In Ungarn beispielsweise dreht sich die ganze Politik seit vielen Monaten lediglich um die Frage der Bewilligung des Rekrutenkontingents. Die im Jahre 1903 auszuhebenden Rekruten sind noch immer nicht eingestellt worden. Der ungarische Ministerpräsident, Graf Tisza, hatte dieser Tage eine Audienz in der Wiener Hofburg. Als ein Ergebnis seiner Unterredung mit dem Kaiser ist die Erklärung zu betrachten, die er am 28. Januar int Abgeordnetenhause abgab. Die Kernpunkte der Erklärung sind erstens die Drohung, daß, wenn alle andern Mittel erschöpft wären, eine Aenderung der Geschäftsordnung Platz greifen würde, und zweitens die Mt- teilung, daß die Regierung die Zustimmung der Krone zu allen ihr erforderlich scheinenden Schritten habe. Graf TiSza hat der Obstruktion drei Wochen Bedenkzeit gelassen, bis die gegenwärtig tagenden Delegationen ihre Arbeit beendet haben werden. Ob die Drohung Erfolg hat, wird die Zukunft lehren.
Auch das Parlament in E n g l a n d ist wieder zusammengetreten. Die Thronrede, mit der es vom König Eduard eröffnet wurde, bleibt die Antwort auf die brennende Frage des Tages schuldig. Sie enthält kein einziges Wort über die handelspolitischen Fragen, die seit Monaten das öffentliche Leben des Vereinigten Königreichs beherrschen, und auch nicht die bescheidenste Andeutung über die Haltung, die daS Kabinett den Plänen des Herrn Chainberlain gegenüber einzunehmen gedenkt. Der Inhalt der Thronrede wurde alsbald wie im
Unterhause so auch in der Kammer der Lords zum Gegenstand der Adreßdebatte gemacht Die Opposition setzte im Oberhause sofort mit einer umfassenden Kritik der Balfourschen Politik ein, und was der Minister des Auswärtigen darauf zu erwidern wußte, wird sie für die kommenden Debatten kaum entwaffnet haben.
Inzwischen hat die Spannung in O st a s i e n ihren Höhepunkt erreicht. Die russische Antwortnote an Japan ist noch immer nicht überreicht; sie soll die endgültige Grenze ziehen zwischen den Forderungen Japans und den Ansprüchen Rußlands. Ihr Inhalt wird die Frage Krieg oder Friede? entscheiden. Die Verzögerung der Antwort Rußlands hat in Japan große Erbitterung erregt. Nach allem, was über die Stimmung des japanischen Volkes bekannt wird, ist ein Verzweiflungskamps Japans nicht ausgeschlossen.
Unter diesen Umständen gewinnen die bulgarischen Umtriebe auf der Balkanhalbinsel, wo Rußland stark interessiert ist, eine größere Bedeutung. Die revolutionäre Propaganda dauert ungeschwächt fort. Jeder Schritt, den Rußland und Oesterreich - Ungarn ' in Macedonien unternehmen, gilt den Sarafow und Genossen nur als eine Abschlagszahlung auf Ansprüche, die sich gegen die Türkei richten. Es ist eine Lüge, wenn behauptet wird, daß es sich um einen Befreiungskampf der christlichen Bevölkerung vom Türkenjoch oder doch mindestens um die Erringung geordneter und erttäglicher Verwaltungs- und Rechtsverhältnisse handle. Es ist ein national-bulgarischer Eroberungszug, der darauf ausgeht, macedonische Serben, Griechen und Walachei! erst staatlich zu gewinnen und dann zu Zwangsbulgaren zu machen. Die Türkei ist durchaus in.' Recht, wenn sie sich gegen diese Pläne wehrt.
Große Freude hat überall die Nachricht aus Südwest- a f r i k a heroorgerufen, daß Windhoek und Okahandja entfett sind. Leider wird die Freude getrübt durch die Bestätigung der Ermordung zahlreicher Pioniere deutscher Kultur durch aufrührerische Wilde. Indeß hat sich die Lage in unserm Schutzgebiet bedeutend gebessert. Der Aufstand der Bondel- zwarts ist niedergeworfen, Major Leutwein auf dem Wasserwege nach Swakopmund. Die Ablösungsmannschaften der Schutztruppe, die am 6. Januar die Ausreise angetreten hatten, sind bereits dort eingetroffen. Nun wird bald die Offensive gegen die Hereros ergriffen werden, um sie für ihre Schandtaten zu bestrafen.
Politische Nachrichten.
Berlin, 4. Februar.
Se. Majestät der Kaiser unternahm heute morgen einen Spaziergang im Tiergarten, sprach beim Reichskanzler Grafen v. Bülow vor, empfing im Königlichen Schlosse im Sternsaal den Baurat Schwechten und hörte von lOVa Uhr ab die Vorträge des Chefs des Generalstabes der Armee und des Chefs des Militär- kabinetts. Nachmittags gedachte Se. Majestät den Königlich sächsischen Geh. Hofrat Dr. Beseler zu empfangen.
Der Reichstag hat am Mittwoch das Friedenspräsenzgesetz in zweiter Lesung angenommen. Darnach begann die erste Beratung des Gesetzentwurfs über die Entschädigung für unschuldig erlittene Untersuchungshaft. Der Staatssekretär des Reichs-Justizamts, Dr. Nieberding, leitete die Diskussion mit einer Rede ein, in der er die Vorlage ähnlich, wie es in den Motiven zum Entwurf geschehen ist, begründete. Der erste Redner, der konservative Abgeordnete Himburg, beantragte die Ueberweisung an eine Kommission von 14 Mitgliedern und stieß mit diesem Vorschläge nirgends aus Widerspruch. Am Donnerstage wurde die Beratung fortgesetzt.
Das preußische Abgeordnetenhaus setzte am Mittwoch die Beratung des Etats der landwirtschaftlichen Verwaltung fort. Es wurde ein Antrag angenommen, wonach die Fleisch- und Trichinenschau auf Hausschlachtungen nur da ausgedehnt werden soll, wo ein dringendes Bedürfnis dafür nachgewiesen ist. Ferner sollen die Gebühren für Trichinenschau möglichst herabgesetzt werden. Ein weiterer Antrag, der die Einführung einer öffentlichen Schlachtviehversicherung fordert, wurde gleichfalls angenommen. Der konservative Abg. Graf Kanitz verbreitete sich über die andauernde Notlage der Landwirtschaft und forderte alSbaldige Inkraftsetzung deS neuen Zolltarifs. Besser fei es, gar keine Handelsverträge als schlechte zu erlangen. Am Donnerstage wurde der Etat der landwirtschaftlichen Verwaltung weiter beraten.