erprobt worden ist und sich bewährt hat. Während seither im Güter- und Tierverkehr der Inhalt jedes Frachtbriefs in eine besondere Frachtkarte übertragen wurde, und diese den Frachtbrief begleitete und die BuchungS- und Verrechnungsunterlage bildete, dient jetzt nur noch der Frachtbrief selbst als Abfertigungs- und Beförderung»- papier. Die Frachtkarte ist vollständig entfallen und damit viel Arbeit für die Eisenbahnverwaltung erspart, die Abfertigung selbst aber bei gleicher Zuverlässigkeit beschleunigt. Die Geschäftswelt wird durch die Neuerung nicht berührt. Der Frachtbrief wird wie seither aus« gefertigt, nur werden eisenbahnseitig auf denselben einige weitere Vermerke über die Verrechnung, die Um« ladestempel, die Leitung und die etwaige Zoll- und Steuerabsertigung gemacht, die früher in der Fracht- karte Aufnahme fanden. Die Frachtbriefe werden zu diesem Zwecke künftig aus der Vorderseite, am oberen Rande der linken Frachtbriefhälste, über der starken, schwarzen Umrahmung mit dem Vordruck versehen werden: „Nach . . . über ... Zur Zoll- und Steuer- abfertigung auf Station . . ." Neben dieser Verein- fachung wird ferner bei Eil- und Frachtstückgutsendungen, bei denen die Gesamtgebühren den Betrag von 1 Mark nicht überschreiten, der erhobene Betrag durch Auskleben und Entwerten von Frachtmarken, wie dies bei der Post geschieht, verrechnet. Es werden zu diesem Zwecke Frachtmarken zu 5, 30, 40, 50, 60, 70, 80, 90 Pfg. und 1 Mk. ausgegeben und gegen Bezahlung verabfolgt. Die Benutzung der Marken zur Frankatur ist den Absendern vollständig überlasten. Ein Zwang zur Markenverwendung besteht nicht. Einer großen Zahl von Geschäften wird vermutlich die Neuerung willkommen sein. Firmen, welche eine große Anzahl Marken verwenden, können diese ebenso wie die Postmarken mit DurchschlagSstempeln kenntlich machen.
):( Hersfeld, 3. Februar. (Frachtfreie B e - sörderungderLiebeSgabensürAalesund.) Nach Anordnung des Herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten werden freiwillige Gaben an Lebensmitteln, Kleidungsstücken, Decken, Betten, Hausgeräte, Handwerks- zeug, Zelten, Baracken und dergl., die zur Linderung der Not in Aalesund bestimmt sind, auf den preußisch- hessischen Staatsbahnen bis zum 30. April d. Js. frachtfrei befördert. Die Sendungen müssen an die mit der Verteilung oder Weiterbeförderung der Liebesgaben betrauten Komites oder Behörden, ober an eine Reederei in Hamburg oder Bremen, insbesondere an die Hamburg- Amerika Linie in Hamburg, Pastagier-Wartehallen (Aalesund), oder an den Norddeutschen Lloyd oder das Königlich Schwedisch-Norwegische Konsulat in Bremen (Hauptbhs.) Lloydschuppen gerichtet sein.
Heringen, 28. Januar. Der Metzger Bommer, welcher sich beim Schlachten eine Ader verletzte, ist nach mehrmaliger Operation gestorben.
Von der Diemel, 1. Febr. Einem raffinier« t e n Gaunerstreich ist der Landwirt O. in Baak im Kreise Brilon, zum Opfer gefallen. Zwei Männer, einer in der Uniform eines Gendarmen, der andere als Gerichtsperson, versehen mit einer von der Staats- anwallschast ausgestellten Legitimation, erschienen bei demselben unter dem Vorgeben, eine Haussuchung vornehmen zu müssen, weil O. im Verdachte siehe falsches Geld in Verkehr gebracht zu haben. Letzterer machte ein ungläubiges Gesicht, aber als die Gauner beharrlich auf ihrem Vorhaben bestanden, holte der Mann aus dem Nebenzimmer eine Kassette mit 3200 Mark Inhalt herbei, um sie vom Gegenteil zu überzeugen. Hierauf wurde das Geld durchsucht und endlich mit dem Bemerken gezählt, daß ihnen eine Entscheidung über diese Angelegenheit nicht zustehe und sie nur der ihnen gegebenen Weisung Folge zu leisten hätten, das Geld zu beschlagnahmen. Nachdem sie alsdann eine Quittung über den Betrag ausgestellt, waren sie mit dem Gelde auf Nimmerwiedersehen verschwunden. (C T.)
§ Fulda, 1. Februar. (Gewerbe-Aus- Heilung.) So rege und allgemein das unserer Ausstellung entgegengebrachte Interesse auch ist, und so zahlreich die Einladungen aus allen Gewerben auch eingehen, so scheinen bezüglich des Zweckes dieser für die Sache des Handwerks eminent wichtigen Angelegenheit vielfach noch irrige Auffassungen bei einzelnen Handwerkern zu bestehen. Es sei daher auch an dieser Stelle nochmals ausdrücklich auf den Zweck dieser Veranstaltung hingewiesen. In erster Linie soll die Ausstellung dem einzelnen Handwerker die Möglichkeit und Gelegenheit geben, vor der breiten Oeffentlichkeit seine Arbeiten auszustellen, um dadurch den Nachweis zu führen, daß das Handwerk trotz aller Konkurrenz, die demselben erwachsen ist und trotz aller Vorurteile, die gegen dasselbe bestehen, noch konkurrenzfähig und wohl imstande ist, tüchtiges zu leisten. Die Ausstellung wird hierdurch dazu beitragen, die Stellung der Handwerker zu festigen und denselben neue Absatzgebiete er« öffnen. In zweiter Linie soll die Ausstellung aber auch Lehrzwecke verfolgen. Die Vorführung der Leistungen der gewerblichen Fortbildungsschulen werden dem Handwerker Gelegenheit geben, sich von der Notwendigkeit und Nützlichkeit dieser noch vielfach selbst aus den Kreisen der Handwerker heraus mit Mißtrauen betrachteten Einrichtung zu überzeugen. Der Handwerker soll ferner durch die Ausstellung auf die Neuerungen und Verbefferungen in seinem Handwerke aufmerksam gemacht und insbesondere auf die Anwendung und Vervollkommnung der in seinem Gewerbe gebräuchlichen Motoren, Handmaschinen, Werkzeuge und
Geräte hingewiesen werden. Schließlich wird er auch durch die Ausstellung gute und billige Bezugsquellen für die zur Ausübung feines Handwerks erforderlichen Rohstoffe, Halbfabrikate und Hilfsstoffe kennen lernen. Die Ausstellung der Arbeiten von Lehrlingen wird ben« selben Anregung zu kräftigem Streben und den Meistern einen Ueberblick über den gegenwärtigen Stand der Leistungen der Lehrlings unseres Bezirks geben. Ausdrücklich soll auch noch hervorgehoben werden, daß auch „kunstgewerbliche Erzeugnisse" zur Ausstellung gelangen und hierin schon manches in jeder Beziehung bedeutende Objekt angemeldet ist. Wir laben deshalb zur Beteiligung an der Ausstellung ein und weisen noch ausdrücklch darauf hin, daß eine Anzahl von Preisen für die Prämiirung in sämtlichen Abteilungen und Gruppen zur Verfügung stehen. Es ist Ehrensache eines jeden Hundwerkers zum besten Gelingen dieses lediglich in seinem Interesse veranstalteten Unternehmen sein Bestes beizutragen, sei es durch Selbst- beteiligung oder durch eifriges Werben für den guten Erfolg feiner Sache. Anmeldeformulare, Auskünfte :c. durch den Geschäftsführenden Ausschuß der Gewerbe-Ausstellung zu Fulda.
Marburg, 31. Januar. Die Jahresversammlung deSGesamtvereinsfürhessischeGeschichte und L ndeskunde soll in der Zeit vom 3.-5. August hier in Marburg abgehalten werden.
Marburg- 31. Januar. Herr Professor Friedrich Bernhard F i n i c a hierselbst hat nach etwa einjähriger Arbeit in diesen Tagen eine Untersuchung abgeschloffen, die den Nachweis erbringen soll, daß sich Oxalsäure und Glor übersüßen läßt, daß mithin Glor nicht, wie bisher allgemein angenommen wird, ein Element, sondern eine aus Kohlenstoff, Sauerstoff und Wasserstoff bestehende Verbindung ist. Diese Entdeckung dürfte, falls sie sich bei einer Nachprüfung bestätigt, geeignet sein, ungeheueres Aufsehen zu erregen.
Aus der Rhön, 2. Februar. In Franken- h e i m bei Bischofsheim wurde in der vorletzten Nacht ein schweres Verbrechen verübt. Der in den siebziger Jahren stehende Martin Scheunng wurde durch einige Beilhiebe tötlich verletzt und dürfte bei seinem hohen Alter kaum mit dem Leben davonkommen. Als mutmaßlicher Täter- wurde ein gewisser Rahm, Schäferssohn von da, gesanglich eingezogen und hat dieser die Tat bereits eingestanden. — Die Ausgrabungen auf der Stoffelskuppe bei R o ß d o r f, auf der man eine Kapelle vermutete, geweiht dem heiligen Christoph, haben nunmehr ergeben, daß es sich wahrscheinlich um einen wehrhaften Bau handelt. Zwischen größeren Basaltblöcken dürften Gewölbe gestanden haben. Möglicherweise handelt es sich um eine Warte. Gefundene Münzen weisen auf das 13. und 14. Jahrhundert hin. Der Besitzer des Grund und Bodens, StaatSminister v. Berlepsch zu Roßdorf denkt im Frühjahr die Ausgrabungen fortfetzen zu lassen. (C T)
Kassel, 2. Februar. Der am 22. d. zusammentretende Kommunallandtag wird sich vornehmlich mit Etatsberatungen zu befassen haben, so daß die Tagung jedenfalls mit Schluß des Monats Februar zu Ende gehen wird.
Nordhausen, 31. Januar. Ein gräßlicher U n g l ü ck S f a l l ereignete sich gestern nachmittag auf dem hiesigen Bahnhofs. Der Weichensteller Henning aus Vielen war mit dem Rangieren von Güterwagen beschäftigt und trat dabei in ein Nebengleis. In demselben Augenblick kamen auf diesem ebenfalls einige Wagen herabgerollt, welche den Mann Überfuhren. Beide Beine und ein Arm wurden ihm glatt abgeschnitten. Bald nach seiner Einlieferung in das Krankenhaus starb der Unglückliche. Er war verheiratet und Vater von drei Kindern.
Northeim, 1. Februar. Der auf der Station Nordstemmen der Strecke Hannover-Cassel tätige Weichensteller Hartwig ist gestern vom Schnellzug ü b e r f a h r e n worden. Der Tod trat sofort ein.
Darmstadt, 3 Februar. Landgerichtsdirektor Meifel hat sich e r s ch o s s e n. Die Ursache des Selbstmordes ist unaufgeklärt.
Mainz, 1. Februar. Die hiesige Strafkammer verurteilte den 46jährigen Kurpfuscher Otterson wegen drei Fällen, in denen seine Patienten starken, zu einem Jahr Gefängnis, 500 Mark Geldstrafe und verfügte die sofortige Verhaftung.
Beverungen, 31. Januar. Bei einem Fackelzuge aus Anlaß des Geburtstages des Kaisers im benachbarten Bruchhaufen scheuten die Pferde eines Metzgerwagens und rasten in eine Kinderschar. Zahlreiche Kinder wurden schwer verletzt, eins i st t o t. Der Wagenführer wurde verhaftet.
Gisenach, 30. Januar. Gestern nachmittag stürzte ein in der Mühlhäuserstraße bediensteles Mädchen, das mit Fensterputzer, beschäftigt war, aus dem dritten Stock in den Hof hinab. Es erlitt einen Schädelbruch, sowie starke Gehirnerschütterungen und dürfte schwerlich mit dem Leben davonkommen.
Frankfurt a. M., 2. Februar. Die Prinzessin Alexandra von Asenburg und B ü d i n g e n in Wächtersbach, die heute vor der Strafkammer des Landgerichts Frankfurt unter der Anschuldigung stand, bei dem Abschluß des Verkaufs eines ihrer Stammbssitztümer sich der Untreue schuldig gemacht zu haben, wurde auf Antrag des Staatsanwalts von der Anklage der Untreue freigesprochen.
Mühlhaufen L Th», 28. Januar. Das Bezirkskommando Mühlhausen hat auf Grund einer Verfügung
des Kriegsministeriums die Anlegung der Ver - einrabzeichen von Mitgliedern der Kriegervereine bei Kontrollverfammlungen genehmigt.
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— Ein Unglücksfall ereignete sich am Freitag inKüpper, Kreis Sagan. Der 10 Jahre alte Sohn des Zimmermannes Seewald hatte einen Baum erklettert, um einen Starkasten aufzuhängen. Er glitt hierbei von feinem Sitz aus, stürzte herab auf einen Zaun und wurde auf den Latten desselben buchstäblich a u f g e« spießt. Die Angehörigen befreiten das schwer verletzte Kind aus seiner Lage. Das Holz ist dem Kleinen in ben Leib gedrungen, und fast hoffnungslos liegt er nun danieder.
— Die Bestätigung des Todesurteils gegen den Matrosen Köhler, der den Unteroffizier Biedritzki am 15. November 1902 an Bord des auf der Rhede von Athen liegenden Stationsschiffes „Loreley" ermordet hat, ist nunmehr erfolgt. Wie dem L. A. aus Wilhelmshaven gemeldet wird, wird die Hinrichtung Köhlers in den nächsten Tagen, voraussichtlich in Aurich, stattfinden.
— Krimmitschau, 29. Januar. Bis auf 1800 Arbeiter und Arbeiterinnen sind sämtliche an dem Aus- stand beteiligt Gewesenen in den Fabriken wieder untergebracht. Diese gehören zum größten Teil der Weberbranche an, in der, dem Krimm. Anz. zufolge, wegen mangelnder Aufträge der Betrieb nicht sofort im früheren Umfange wieder ausgenommen werden kann. Die Spinnereiarbeiter haben zum größten Teil wieder Arbeit gesunden. Für die 1800 Arbeitslosen tritt nun zunächst die Organisation der Textilarbeiter ein, die ein Vierteljahr den vollen Wochenlohn zu zahlen hat. Bis dahin hofft man dem größten Teil der Beschäftigungslosen wieder Arbeit geben zu können. Aber Hunderte bürsten auch dann noch ohne Verdienst und auf Unterstützungen angewiesen sein, und viele werden sich schließlich von der heimatlichen Scholle trennen müssen. Die Textilfabrikanten wollen mit dem Bau von Arbeiterwohnungen beginnen. Dies wäre der erste Schritt zur sozialen Versöhnung, die allein im stande ist, die tiefeinschneidenden Spuren des großen Streiks in absehbarer Zeit zu verwischen.
— Ueber den z w i e f a ch e n R a u bm o r d , der an den 85 bezw. 81 Jahre alten Eheleuten Erich in Kiel verübt ist, wird bekannt, daß nach der ärztlichen Untersuchung die beiden alten Leute mit einem Dolche erstochen sind. Erich, der noch bis in sein hohes Alter die Gärtnerei betrieb, hatte sein an der äußersten Peripherie der Stadt belegenes Häuschen mit der Bedingung verkauft, daß es bis zu seinem Lebensende zu seiner Verfügung stehen solle. Die gerichtliche Durchsuchung des Hauses hat 26 000 Mk. an Hypothekenbriefen, ein Sparkassenbuch über 4000 Mk. und 100 Mk bares Geld zu Tage gefördert. Vermißt wird das Testament des Erich, das sich noch vor kurzem in der Wohnung befunden haben soll. Daß die Mörder es auf Beraubung abgesehen haben, geht daraus hervor, daß alles, sogar die Asche im Ofen, durchwühlt ist. Da die Lampe am Sonnabend früh in der Wohnung brannte, so nimmt man an, daß das Verbrechen am Freitag abend ausgeführt wurde. Ein Sohn der Ermordeten ist Kontrolleur bei der Straßenbahn, eine Tochter Wäscherin. Als des Mordes verdächtig wurde der Schwiegersohn Erichs, der Tischler Kcahl, verhaftet.
— (Ein austrocknendes Meer.) Das schnelle Austrocknen des Asowschen Meeres findet jetzt an offiziellen Stellen in Rußland Beachtung. Im Laufe von fünf Jahren ist das Wasser in solchem Maße zurückgetreten, daß gegen 1 200 000 Hektar, die früher Meeresboden waren, jetzt ein Sumpf sind. Viele früher blühende Häfen, besonders Rostow und Taganrog, leiden ernstlichen Schaden. Der Minister der öffentlichen Arbeiten billigt, nach englischen Berichten, einen Plan, die Straße, die das Asowsche mit dem Schwarzen Meer verbindet und ungefähr 3 Kilometer breit ist, mit einem riesigen Damm, der von Schleusen durchbrochen ist, um das Durchfahren der Schiffe zu gestatten, abzudämmen. Man hofft, so die Meeresoberfläche um 10 Fuß zu heben und den Mo-ast mit schiffbarem Wasser zu bedecken. Die Kosten sollen 20 000 000 Mark betragen.
— Das kleinste Bild der Welt hat, wie eine englische Zeitschrift berichtet, ein flämischer Künstler gemalt. Es ist das Bild von einem Müller, der die Treppe seiner Mühle hinaufsteigt und einen Sack Getreide auf dem Rücken trägt. Die Mühle steht in der Nähe einer Terrasse. Dicht dabei sieht man Pferd und Wagen und eine Gruppe von Bauern, die auf der Landstraße müßig umherstehen. Alles dies ist auf die Seite eines gewöhnlichen Weizenkornes gemalt; man muß ein Mikroskop nehmen, um zu sehen, wie genau die Ausführung ist. Das Bild ist noch nicht einen halbe» Quadratzoll groß.
Fernspvechmeldmtg.
Nach einem über Oukiar beförderten Telegramm des Majors Leutwein haben sich in Bestätigung der bereits gebrachten Meldung die Bondelswarts durch Abgabe der Waffen, Auslieferung der Schuldigen und Abtretung von Kronland am 27. v. M. unterworfen. Leutwein hat sich sofort eingr- schifft und wird am 5. d. M. in Swalopmnnd erwartet.