darf angenommen werden, daß der Plan einer Mittelmeerfahrt des Kaiserpaares in der nächsten Woche aus- geführt werden soll.
Im preußischen Abgeordnetenhause wurde am Montag die zweite Beratung der Forstetats beendet. Der Landwirtschaftsminister, v. Podbielski, dankte für die vielfachen Anregungen, die aus der Mitte des Haufe» der Verwaltung und ihm zugegangen seien. Er ersuchte aber, nicht zu weitgehende Einträge aus Besserstellung der Beamten einzubringen, weil das häufig nur dazu diene, ihre Begehrlichkeit und Unzufriedenheit zu erhöhen. Was in dieser Beziehung für die Angestellten getan werden könne, solle geschehen. Für Auf- forstungSzwecke würde der Minister, wie er weiter aus- führte, gern noch mehr Land ankaufen als bisher, wenn die Besitzer nicht so hohe Preise für ihre Zänkereien forderten. Die darnach begonnene zweite Beratung des Etats der landwirtschaftlichen Verwaltung wurde auf Mittwoch vertagt, weil wegen des katholischen Feiertags am Dienstag die Sitzung ausfiel.
Bei der am Montag vorgenommenen R e i ch t a g s - stichwahl in Osnabrück wurde Wamhoff (nallib.) mit 15 503 Stimmen gewählt. v. Bar (Zentrums- Hospitant) erhielt 15 137 Stimmen.
Ein neues Jagdschongesetz wird für Preußen vorbereitet. Wie Minister v. Podbielski in der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses mitteilte, wird der Entwurf eines solchen Gesetze» dem preußischen Landtage bald zugehen.
Der e h em a l i g e großherz.glich hessische Staatsminister Finger ist in Darmstadt gestorben.
Ein dem H e r r e n h a u s e zugegangener G e - s e tz e n t w u r f betreffend die Wechselprotest- stunden lautet: „§ 1 : Wechselproteste dürfen nur von 9 Uhr vormittags bis 6 Uhr abends, zu einer früheren oder späteren Tageszeit aber nur mit Ein- willigung des Protestaten erhoben werden. § 2 : Dieses Gesetz tritt mit dem 1. Juli 1904 in Kraft." Die Tagesstunden, in welchen Wechselproteste erhoben werden dürfen, sind, wie die Begründung hervorhebt, bisher in Preußen nicht einheitlich festgesetzt. Die Wechselordnung hat darüber keine Bestimmung getroffen, die Regelung vielmehr der Landesgesetzgebung überlassen.
(Zu den Vorgängen inSüdwestafrika.) Ueber die Bewegung der Woermann-Dampfer, die im Dienste der Truppentransportes nach Deutsch- Südwestafrika stehen, liegen folgende Meldungen aus Hamburg vor: Der Dampfer Emilie Woermann ist mit den von Duala gesandten Geschützen und der Munition, sowie 6 Unteroffizieren, am 31. Januar Nachmittags in Swakopmund eingetroffen, — Der Dampfer Adolph Woermann, mit dem ersten Ver- stärkungstranspott für die Schutztruppen in Deutsch- Südwestafrika, hat am 1. Februar früh 3 Uhr Dover passiert. (Der Dampfer dürfte am 28. d. Mt». oder bald darauf in Swakopmund ankommen. Die 75 Munitionskisten, die der Dampfer auf der Rhede von Brunshausen an Bord nahm, enthielten 5,7-Zentimeter- Granatpatronen; jede Kiste wog 125 Kilogramm.) — Der Dampfer Lucie Woermann, der am 6. Februar mit einem zweiten V-rstäikung-tranSport für die Schutztruppen (330 Köpfen) abgehen soll, hat am
Da wirbelte Staub am Waldessaums aus. Ihr scharfes Auge unterschied einen Reiter, der mit ver- hängten Zügeln herongesprengt kam. Ohne sich zu besinnen, eilte Gerda ihm entgegen. Wer konnte e» denn ander» sein als Kurt, ihr Kurt!
Doch bald stockte ihr rascher Schritt, und Enttäuschung malte sich in ihren ausdrucksvollen Zügen, als der Reiter, der sie erreicht hatte, vom- Pferde sprang und ihre Hand ergriff.
„Wenn ich diese Begegnung nicht ils da» Herrlichste Omen annehmen wollte, dann würde ich diese» Glückes nicht wert sein," rief Graf Berninghaus jubelnd. „Heule treffe ich von Berlin in Koblenz ein und will mich dann zu Majestät nach Mainz begeben, der mich in sein Gefolge berufen hat. Vorher aber wollte ich noch die schönste Frau grüßen, deren Blick für mich die Nacht in Tag verwandeln könnte."
Gerda streifte ihn mit einem kühlen Blicke.
„Sie haben Eile, Graf," erinnerte sie. „Wenn Sie auf dem Wege zu Majestät sind, so will ich Sie nicht unnütz aushalten. Herrendienst geht vor Frauendienst."
Er biß sich auf die Lippen. Aber so leicht wollte er sich nicht abweisen lassen. Den Zügel des Pferdes um seinen Arm schlingend, schritt er neben der jungen Frau her dem Pfarrhause zu.
„Wie ich in Koblenz erfahren habe, erwartet man in diesen Tagen den Uebergang der preußischen Armee über den Rhein," hob er an.
Gerda erblaßte, doch blieb sie Herr ihrer Bewegung und bemerkte in gehaltenem Tone: „Es wird viel hin- unb hergeredet. Der Tag, an dem die Armee ihre Stellung verändert, kann morgen kommen, er kann aber auch noch aufWochenundMonatehinausgeschoben werden."
Berninghaus lächelte, aber er verdeckte dieser Lächeln, indem er mit der Hand über sein keckes Schnurrbärtchen strich.
„Unsere eigenen Wünsche malen uns oft Dinge vor, die vollständig in dem Bereiche der Unmöglichkeit liegen," antwortete er.
Gerda erwiderte nichts, sie schritt hastig der Pforte zu. „Ich habe schon einmal gewagt, Ihnen auszusprechen,
1. Februar in Hamburg mit dem Laden begonnen. (Mit diesem Dampfer wird voraussichtlich Oberst Dürr, der Kommandeur des Expeditionskorps, nach Südwestafrika abreisen. Das heutige Militär-Wochenblatt veröffentlicht die Namen der bei seinem Stäbe an- gestellten Offiziere.) — Im Lause dieser Woche dürste in Swakopmund der Dampfer Ernst Woermann mit 4 Offizieren, 1 Stabsarzt und 226 Unteroffizieren und Mannschaften anlangen, die am 6. Januar als Ersatz für die Schutztruppe von Deutsch-Südwest- asrika unter dem Kommando des Oberleutnants v. Winkler von Cuxhaven abgefahren sind. — Zu den Friedensverhandlungen mit den B o n d e l s w a r t s liegt folgende Meldung vor: Berlin, 1. Februar. Der Kaiserliche Generalkonsul telegraphiert aus Kapstadt, daß nach einer Mitteilung der dortigen Regierung die B o n d e l s w a r t - H o t t e n t o t t e n am Oranje unter ihrem Häuptling sich am 28. Januar ergeben haben. Die Uebergabe der in den KaraSbergen wohnenden Aufständischen wird erwartet. — Die Karas- berge, von denen in dem obigen Telegramm die Rede ist, liegen östlich von der Straße von Keetmannshoop nach Warmbad. Sie bilden ein wilder Gebirge, das bis etwa 2000 Meter Höhe ansteigt. In den spärlichen Nachrichten, die über den Aufstand der Bondelswarts vorliegen, besagte eine Meldung vom 16. November v. Js., daß Abteilungen von Witbois und Feldschuhträgern in das Karesgebirge gezogen seien, um die Ausbreitung des Aufstandes unter den dort lebenden Bondelswarts zu verhindern; eine Meldung des Kaiserlichen Generalkonsuls in Kapstadt vom 18. November berichtete, daß das Hauptlager der Bondelswarts in den Karosbergen von deutschen Truppen umzingelt sei. Am 10. Dezember haben die Witbois unter Bezirksamtmann v. Burgsdors den Eingeborenen am Südrand der Karasberge ein siegreiches Gefecht geliefert. In Swakopmund vermutete man damals, daß die geschlagene Horde Bondelswarts gewesen seien, die Verbindung mit den Stammesgenossen in den Karasbergen suchten, und am 26. Dezember langte in Swakopmund die Meldung ein, daß in dem Gebirge ein allgemeiner Ausstand der unter eigenen Unterkapitänen stehenden Bondelswarts au»ge- brocheu sei. Diese Meldung wurde später aber wider- rufen. — Wie der Kommandant von S. M. S. „Habicht" aus Swakopmund meldet, ist der Feind von Oljimbingwe abgezogen, so daß für diesen südlich von Karibib gelegenen Ort keine Gefahr mehr bestehen dürste. Dies ist um so erfreulicher, als man von Oljimbingwe seit dem Beginn des Herero-Aufstandes so gut wie gar keine Nachricht mehr erhalten hatte. Noch am Montag meldete der Kommandant: „Von Oljimbingwe keine Nachricht, wahrscheinlich belagert."
Aus Königsberg i. Pr. wird unterm 2. Febr. gemeldet: Am 27. v. M. befanden sich mehrere Musiker vom Infanterieregiment Nr. 150 im Wirtshause Hohen- zollern zu Deuthen bei Alleinstein. Gegen 9 Uhr abends stürzten mehrere Soldaten sowohl vom Regiment Nr. 150 als vom Regiment Nr. 151 herein und baten um Hülfe, da sie von Zivilpersonen von einem Gehöft aus beschossen worden feien. Die Soldaten verließen hieraus da» Lokal, um die geforderte Unterstützung zu gewähren, und gingen auf das Gehöft los, in welches sich die Personen zurückgezogen haben sollten. Als sie sich diesem Gehöste näherten, fiel ein Schuß, welcher den Mus-
daß mein Herz jeden flüchtigen Gedanken errät, der durch Ihren Sinn zieht," versuchte er wieder die Unterhaltung zu beginnen. „Ich verstehe, wie Sie der Trennungsgedanke quält, und trotzdem Sie schon einmal meine Hülfe in dieser Angelegenheit zurückgewiesen haben, frage ich dennoch, ob Sie mir wenigstens gestalten wollen, Ihnen das unabwendbar Bittere zu erleichtern?"
Die junge Frau sah ihn verwundert an.
„Ich wüßte nicht, wie Sie das machen wollten," entgegnete sie zögernd und doch mit einem gewissen Ver- langen, zu erfahren, was er meinte.
Er verstand dieses Empfinden und triumphierte heimlich, daß es ihm gelungen war, sie aus ihrer ganz, ltch ablehnenden Haltung herauszureißen. Vorsichtig wollte er weiter gehen und nichts durch Uebereilung ver- j derben. I
„Da ich im Hauptquartiere der König» bleibe und zu feinem Gefolge gehöre, so werde ich dadurch freier in meinen Bewegungen fein, als Ihr Herr Gemahl, den der Herzog stark in Anspruch nimmt," erklärte er. „Ich biete mich, soviel es der Dienst mir erlauben wird, zum Boten an, um die schriftlichen Grüße zwischen Ihnen beiden leichter zu vermitteln. Aller Wahrscheinlichkeit nach bleibt der König doch noch längere Zeit hier in nächster Nähe, und von dort aus ist immer Gelegenheit, Briefe schnell und sicher in das Hauptquartier des Herzogs gelangen zu lassen."
Gerdas Augen strahlten, die Aussicht wenigsten», noch während der ersten Zeit auf einen sicheren schriftlichen Verkehr mit dem Geliebten rechnen zu können, war für sie ein Lichtblick in der Sorgenzeit.
»Und Sie wollten sich wirklich solcher Mühe unterziehen ?“ fragte sie etwa» zaghast.
„Um dem Schicksale einige Minuten abringen zu können, die mich mit Ihnen zusammenführen, scheue ich kein Opfer," rief er leidenschaftlich. „Auch solche Bettler- gaben, die man dem Glücke mühsam entreißt, können zum Hochgenüsse werden!"
Er hatte sich unbedacht von seinen Gefühlen fort» reißen lassen. Mehr noch als aus den Worten sprachen sie aus dem Tone feiner Stimme.
ketier Lüdke der 5. Kompagnie an beiden Beinen ver. letzte. Auch andere bei dem Vorfall anwesende Mannschaften wurden durch Schläge mit Zaunlatten verletzt, haben jedoch nur leichte Quetschungen davongetragen. Es ist nicht gelungen, die Täter festzustellen. Gerichtliche Untersuchung ist eingeleitet.
Zur ostasiatischen Krisis meldet die „Köln. Ztg." aus London, daß Japan die Mobilmachung angeorbnet habe, weil es schon ungefähr den Inhalt der russischen Antwort kenne. — Aus San Francisco wird berichtet, Japan und Rußland hätten Kontrakte abgeschlossen, wegen der Lieferung großer Mengen Rindfleisches in Cincinatti, Chicago, Omaha und Kansas City. — Dem Agenten der Nippon Ausen Kaisha (Japanischen DampfschiffahrlS - Gesellschaft in San Francisco) ist gemeldet worden, die japanische Regierung habe vier ihrer schnellsten Dampfer zur Umwandlung in Hülfskreuzer erworben.
Die gereizten bulgarisch-türkischen Aus- einandersetzungen werden noch immer forgefetzt. Eine Mitteilung der Pforte sagt, Sarasow habe in Oesterreich große Quantitäten Fe» angekaust die zusammen mit türkischen Uniformen an Bulgaren in den europäischen Wilajets verteilt werden sollen, damit die von diesen verübten Attentate türkischen Soldaten zugeschoben würden. Es hat nichts Ueberraschendes, wenn einer Blätter-Meldung zufolge man im Wiener Aus- wärtigen Amt mit steigender Besorgnis die Gestaltung der Lage auf der Balkanhalbinsel verfolgt, und es als zweifellos gilt, daß beim Nachlassen des Winters der Ausstand in Macedonien mit verstärkter Gewalt los- brechen werde.
W Provinz mit Pvchbvrgcbiti.
* (D i e n ä ch st e F e l d p o st.) Die nächste Feldpost nach Deutsch-Südwestafrika geht am Sonnabend den 6. Februar 2 Uhr Nachmittag von Hamburg mit dem Dampfer der Woermann-Linie Lucie Woermann ab. Der Dampfer trifft am 28. Februar in Swakopmund ein. Wertpostsendungen sind demnach so zeitig einer beliebigen Postanstalt zu übergeben, daß sie wenigstens Freitag abend dem Marinepostbureau in Berlin vorliegen können. Sie müssen die Bezeichnung der Feldpost und die genaue Angabe beS Empfängers nach Truppenteil und Zugehörigkeit zum Marineexpeditionskorps oder Feldkompagnieen tragen. Weitere Verbindungen nach DeutschSüdwestafrika gehen im Februar am 13. von Southampton und Hamburg, am 29. wieder von Hamburg. Die Schlußzeiten für das Marine-Postbureau sind für Southampton zwei Tage vorher, für Hamburg der Abend vorher. Der englische Dampfer geht nach Kapstadt, wo er die deutsche Post der Ostasrikalinie übergibt. Sie trifft etwa am 9. März in Swakr^Münd ein. Der Dampfer ab Hamburg am 13. Februar trifft etwa am 20. März in Swakopmund ein. Der ebenfalls der Woermann-Linie angehöcige Dampfer vom 29. Februar trifft Ende März in Afrika ein.
(§) Hersfeld, 3. Februar. (Vereinfachtes Absertigungsverfahren i m Eisenbahngüterverkehr.) Am 1. Februar ist im Ab- sertigungSwesen der preußisch-hessischen Siaatsbahnen allgemein eine wesentliche Vereinfachung eingetreten, die bei 6 Direktionen bereits seit 1. September v. I«'
Wie vor einem giftigen Reptil, so scheu wich diese jetzt vor dem Manne zurück, dem verzehrende Ungeduld aus den Zügen sprach.
„Ich danke Ihnen, Graf," sagte sie mit scheinbarer Ruhe, „ich warte, welchen Boten mein Mann zu unserem schriftlichen Verkehr bestimmt."
Berninghaus hatte sich bereits wieder in der Gewalt. Er erkannte seine Unvorsichtigkeit, und in demütig einlenkendem Tone antwortete er:
„Sie haben, wie immer, nur zu befehlen, gnädigste Frau, ich werde mich ganz nach ihren Wünschen richten. Aber," fügte er bittend hinzu, als Gerda die Pforte öffnete und sich anschickte, in den Garten zu treten, „heute werden Sie nicht grausam sein, heute werden Sie mir gestatten, Ihnen zu folgen und den Abend mit Ihnen unter demselben Dache zubringen zu dürfen!"
„Auch da bebaute ich. Ihnen abschlägig antworten zu müssen," lautete ihre Erwiderung. „Ich erwarte noch heute abend meinen Mann und . . ."
„Möchte nicht gestört sein," schnitt er ihr heftig das Wort ab. „Freilich, bei solcher Zwiesprache ist ein Dritter wohl zu viel."
Er erwartete keine Antwort. Er sah nur, wie baS blonde Haupt ihm gegenüber sich zustimmend neigte, und das ließ ihn jede Vorsicht vergessen. Nur von seinen leidenschaftlichen Gefühlen beherrscht, brauste er auf:
„Für jeden haben Sie ein freundliches Wort, nur mir begegnen Sie mit Kälte I Mir, der sich huldigend vor Ihnen beugte. Ist das Gerechtigkeit?'
Gerda senkte nicht den Blick vor den zürnenden Augen, die sie anblitzten.
„Was mein Handeln bestimmt, das ist nicht« anderes als das Wort, das ich Ihnen schon in Berlin sagte: „Meines Mannes Freund, mein Freund! — wer meinem Manne nicht wohl gesinnt ist, der könnte mir alle Schätze feines Herzens und Geistes bieten, ich hätte doch feine andere Antwort als eine stumme Ablehnung."
(Fortsetzung folgt.)