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St. 12. ^onnerftng i« 28. Januar

1904.

Raisers Geburtstag.

Wieder hat unser Kaiser ein Jahr seiner irdischen Laufbahn vollendet. Zu ganz besonders freudigen Empfindungen gibt der Geburtstag des erhabenen Monarchen in diesem Jahre Anlaß. Ist doch durch Gottes gnädige Huld die Gefahr, die seiner Gesundheit drohte, glücklich abgewandt worden. Völlig genesen waltet Kaiser Wilhelm von neuem in alter Frische und in der ganzen ungebrochenen Kraft seines Wesens des schwierigen, verantwortungsvollen Amtes, das ihm von Gott verliehen.

Wenn es wahr ist, daß mehr als Roß und Reifige die Liebe und Treue des Volkes einen Thron zu schirmen vermag, so dürfen die verflossenen Tage, da die trauervolle Kunde von der Erkrankung des Kaisers rings im Lande erscholl, als ficherste Bürgschaft für die Festigkeit und Unerschütterlichkeit des Hohenzollern- throne» gelten. So weit die deutsche Zunge klingt, hat sich die Liebe des Volkes zu Kaiser Wilhelm in jenen schmerzensreichen Tagen auss herzlichste offenbart. Welch drückender Bann lastete nicht auf allen Gemütern, wie zahlreich waren nicht die Kundgebungen herzlichster, innigster Teilnahme, mit welcher bangen, fieberhaften Erwartung sah nicht alt und jung den amtlichen Kcank- Heitsberichten entgegen! Fürwahr, die Krankheit Kaiser Wilhelms hat die Bande, die Volk und Thron ver­ketten, noch fester geschmiedet, hat dem Volke nahe ge­führt, welcher köstliche, unersetzliche Schatz ihm in seinem LandeSvater beschieden ist, uno hat den Kaiser wiederum die ganze Fülle seligen Frohgesühls durchkosten lassen, das uns bei der Erkenntnis unseres Geliebt- und Ver- ehrtieins ergreift.

Die göttliche Vorsehung, die über den Geschicken der Völker waltet, hat es stets so einzurichten gewußt, daß Deutschland und Preußen zur rechten Zeit der rechte Herrscher gegeben ward. Auch Kaiser Wilhelm versteht wie kein zweiter den Pulsschlag seiner Zeit, besitzt ein feines, durchdringendes Empfinden für die Fragen, die das Leben der Gegenwart in seinen Tiefen bewegen, für die modernen Probleme, die nach ihrer Lösung drängen, für die wichtigsten Zukunstsaufgaben, die Deutschlands harren. Und zu diesem tiefeindringenden Verständnisse des vorausschauenden Genies gesellt sich die freudige Initiative des Mannes der Tat, der das Mögliche be-

An mjiiWWlles Platt.

Erzählung von A. v. L i l i e n c r o n. (Fortsetzung.)

Die beiden waren zu sehr in ihr Gespräch vertieft, um zu bemerken, was sich im Nebensaale abspielte. Dort hatte Berninghaus sich der jungen Frau genähert, als der König sie verlassen hatte, und ein Tabouret an ihre Seite ziehend, ließ er sich neben ihr nieder.

Ein rascher Blick hatte ihn überzeugt, daß er jetzt ungestört mit Gerda sprechen könne, denn die im Zimmer Anwesenden standen und saßen in Gruppen in ziemlicher Entfernung von ihnen. Auch herrschte eine lebhafte Unterhaltung, die jedes Einzelgespräch verschlang.

Teilnehmend beugte er sich näher zu ihr.

»Ich habe den Schatten beobachtet, der sich jetzt stets

Ihr sonniges Antlitz lagert, wenn von den Kriegs- auefidjten die Rede ist," begann er,und ich kann Ihre Gefühle verstehen, denn ich habe mich gewöhnt, Ihnen die Gedanken abzulaufchen."

Gerda» feine Brauen zogen sich zusammen, sie richtete sich stolzer aus.

Es ist ein Fehler, den ich quälend empfinde, daß ich so wenig gelernt habe, die Gedanken und Gefühle zu verbergen, die mir durch die Seele ziehen," ant­wortete sie, aber ich meine, wie Diskretion Ehrensache für jeden Kavalier ist, so muß ihm diese Diskretion auch verbieten, sich unberufen in Gedanken einzudrängen, die nicht für ihn bestimmt sind."

herzt beim Schöpse zu fassen und den Dingen den Stempel seines Wesens aufzuprägen weiß. Das ist es, was uns den Kaiser im letzten Grunde so unendlich teuer und wert macht, dieses vollkommene Hinein- geborensein in die Erfordernisse der Zeit, diese Eigen­art vollendeter Anpassung an das, was notwendig und zeitgemäß ist. Nichts anderes als das Gefühl hiervon war es auch, das in jenen trüben Tagen, da die Ge­fahr, wo nicht des Verlustes, so doch einer wesentlichen Beeinträchtigung der Kräfte unseres Kaisers über dem Throne schwebte, zum Ausdruck kam: Wo wird in Zu­kunft die Losung der Zeit vernehmbar sein, wo ist der Steuermann zu finden, der gleich sichern Blickes das Ziel der Fahrt im Auge hat?

Die höchste politische Aufgabe unserer Zeit beruht auf der weisen und richtigen Verschmelzung von Welt­politik und Heimatpolitik. An ihre Lösung hat des­halb Kaiser Wilhelm alle seine reichen Gaben und Kräfte gesetzt. Unablässig ist sein Bemühen darauf gerichtet, unserm Volke seine Stellung im Wettbewerbe der Nationen zu sichern und im Innern des Landes ausgleichende Gerechtigkeit walten zu lassen, die Schärfe der Klassengegensätze zu mildern und der heimischen Arbeit günstige ErwerbS-Bedingungen zu schaffen. Das ist es, was die Zeit von uns verlangt, und diesem Verlangen kommt Kaiser Wilhelms Tun und Walten entgegen.

Gott läßt den Kaiser in erneuter Kraft und Ge­sundheit seinen Geburtstag feiern. Lob, Ehr und Preis fei ihm dafür. Wir aber, des Kaisers treue Untertanen, wollen an diesem Tage wiederum das Ge­lübde unerschütterlicher Anhänglichkeit an den Herrscher- thron ablegen. Wo Herrscher und Volk in Einigkeit zusammenstehen, da werden die Wogen der Zeit sich machtlos brechen. w.

Politische Nachrichten.

Berlin, 27. Januar.

Se. Majestät derKaiser besuchte vorgestern nach, mittag das Atelier bei Bildhauers Kraus in Grune- wald, um daselbst die für die Marineakademie in Kiel bestimmte Büste des Admirals Brommy in Augenschein zu nehmen. Im Anschluß hieran unternahm Se.

Berninghaus biß sich auf die Lippen. Doch er be­herrschte sich und sagte fast unterwürfig:

Ihre Wünsche werden mit Befehl sein, aber zürnen Sie nicht, wenn meine Verehrung für Sie sich nicht da- von losreiben kann, jeden wechselnden Ausdruck aus Ihren beredten Zügen zu studieren. Soll es denn ein Geheimnis bleiben, wenn eine liebende Gattin sich darum sorgt, daß die Kriegsgöttin ihr in dem Eheherrn den Schutz von der Seite reißt?"

Nein," antwortete die junge Frau in dem weichen Tone, der einen so eigentümlichen Zauber auf die Herzen ausübte.Sich von dem Liebsten zu trennen, was man hat, das geht nicht ohne schweren Kampf ab, ich werde das nie leugnen. Aber," fügte sie hastig hinzu,noch ist es nicht so weit, und die Gefahr kann vorüberziehen."

Glauben Sie das nicht," unterbrach er sie, und fein Blick hielt sie dabei wie in einem Banne gefangen.Die Gefahr steht nicht vor der Tür, sie ist da, und schon die nächste Stunde wird Ihnen Klarheit darüber verschaffen. Ich bin gut unterrichtet."

Gerda erbleichte, die weitgeöffneten Augen sahen angstvoll und erschrocken in das Antlitz des Grafen. Zu sprechen vermochte sie nicht, die Kehle war ihr wie zugeschnürt, und ein unsagbares Grauen erfaßte sie bei dem Gedanken einer Trennung von ihrem heißgeliebten Manne.

Berninghaus beugte sich noch näher zu ihr.Ich habe Verbindungen, einflußreiche Verbindungen," sagte er in verhaltenem Tone.Ein Wort, ein Wunsch

Majestät mit dem Admiral Freiherrn v. Senden Bibran einen Spaziergang in der Kolonie des Grunewald. Abends empfing Se. Majestät den Großherzog und die Großherzogin von Baden aus dem Anhalter Bahnhof und geleitete dieselben mit dem Prinzen Eitel. Friedrich nach dem Niederländischen Palais; dort blieben die Höchsten und Hohen Herrschaften noch bis gegen Mitternacht vereint. Gestern morgen machte Se. Majestät die gewohnte Promenade im Tiergarten, hatte eine Unterredung mit dem Reichskanzler Grafen v. Bülow in dessen Palais und hörte von 10Va Uhr ab die Vorträge des Chefs de» Mililärkabinetts und des Chefs des Marinekabinetts. Später empfing Se. Majestät den großbritannischen Kapitän Lord Charles Fitzmaurice vom Regiment I Royal Draggons, Adjutanten des Feldmarschalls Lord Roberts.

Die Feier des Geburtstages Sr. Maje - stät des Kaisers und Königs findet heute in der üblichen Weise statt, und zwar: Um 8 Uhr Vor- mittag» bläst das Trompeterkorps des Garde-Kürassier- regiments von der Schloßkuppel einige Choräle; als. dann wird von den Spielleuten der 2. Garde-Jnfanterie- brigade und den Hobisten des 4. Garderegiments zu Fuß, unter Führung eines Adjutanten zu Pferde da» große Wecken ausgeführt. Der Zug bewegt sich vom Schlosse aus bis zum Brandenburger Tor und zurück. Um 10Va Uhr Vormittags findet in der Kapelle des Königlichen Schlosses ein feierlicher Gottes­dienst und unmittelbar nach demselben im Weißen Saale Gratulationscour bei Ihren Kaiser­lichen und Königlichen Majestäten für diejenigen Personen statt, an welche Hofansage er­gangen ist. Wenn die Defiliercour beginnt, werden von der Leibbatterie des 1. Garde-Feldartillerieregiments im Lustgarten 101 Salutschüsse abgegeben; der erste Schuß fällt, sobald Se. Majestät den Weißen Saal betritt. Um 12 Uhr Mittags findet für die Offiziere der Garnison Berlin im Lichthofe des Zeughauses großeParoleausgabe in Gegenwart Sr. Majestät der Kaisers und Königs statt. Das Regiment Kaiser Alexander wird eine Ehrenkompagnie mit Fahne und Regimentsmusik stellen, welche, mit den direkten Vor- ges-tzlen auf dem rechten Flügel, vor dem Zeughause, Front gegen dasselbe, Aufstellung nimmt. Abends um 8 Uhr wird bei Ihren Kaiserlichen und

von Ihnen, und Ihr Gemahl macht den Feldzug nicht mit, er bleibt hier."

Die Hände der jungen Frau falteten sich krampfhaft. Durch ihre Seele wogte ein heißer Kampf. Sie wußte, daß der Mann an ihrer Seite recht hatte, wenn er von seinen einflußreichen Verbindungen sprach, wußte, daß es in seinem Bereiche lag, Dinge durchzusetzen, die, durch Hinterpsorten schlüpfend, sicher ihr Ziel erreichten. Und nun wurde ihr geboten, wonach sie mit wilder Sehnsucht verlangte. Ein Wort von ihr, und Kurt wurde nicht aus ihren liebenden Armen gerissen. Hätte das rasche Blut nicht so wild nach ihrem Hirn und Herzen ge­drängt, um sie gleichsam in einen Taumel zu versetzen, so würde ihr aus den lauernden Augen des Grafen, aus feiner schmeichelnden Stimme das Bild des Ver- suchers entgegengeleuchtet haben, der schlangengleich ihr argloses Herz zu beschleichen versuchte. Nun aber sah und hörte sie nichts anderes als die Möglichkeit, eine Trennung von Kurt zu vermeiden, und leise, träum« verloren flüsterte sie:Was gäbe ich darum, meinen Liebling für mich behalten zu können!"

Berninghaus glühte.

Was gäben Sie darum, schöne Frau?" wiederholte er ihre Worte,ich werde Sie einst daran mahnen. Ihr Wunsch soll erfüllt werden. Ich aber jubele darüber, denn dann weiß ich mir die herrlichste Ihres Geschlechts zu Dank verpflichtet, und das ist wenigsten» ein Tropfen Labung für ein Herz, das zu verschmachten droht, weil Sehnsucht und Bewunderung ihm keine Ruhe lassen."