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«S* Fernsprecher Nr. 8. *$s

Sr. 10.

Smmbenh den 23. Snnuor

1904.

Amtlicher Leil.

Hersfeld, den 18. Januar 1904.

Nach einer Milteilung des Landesbauamts dahier be- finden sich die den Gemeinden und Privaten an Land, straßen und Landwegen gehörigen Obstbaumpflanzungen, insofern in Unordnung, indem Beste zu tief hängen und den Fuhrverkehr belästigen; andererseits müssen die dürren Beste von den grünenden Bäumen entfernt werden. Da die Polizeiverordnung vom 30. März 1887 in § 5 eine Ladehöhe für Fuhrwerke bis zu 4,2 m vorschreibt, so müssen die zu lief hängenden Beste auf diese Höhe, ab Steinbahnoberkante gerechnet, abgeschnitten und nach § 1 und § 2 der Polizeiverordnung vom 4. Oktober 1883 dürre Beste enfernl werden.

Die Herren OctSvorstände des Kreises haben dafür Sorge zu tragen, daß die Beseitigung der fraglichen Beste bis spätestens z u m 15. M ä r z d. Js. er­folgt ist.

I. I. 349. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

Hersfeld, den 18. Januar 1904.

Die 2. Schulstelle in Obergeis, deren Einkommen bei einem Dienstalterszulageneinheitssatze von 120 Mk. neben freier Wohnung in 1000 Mk. Grundgehalt be­steht, wird infolge Beisetzung des Inhabers derselben vom 1. Februar d. Js ab frei. Bewerber um dieselbe wollen ihre Meldungsgesuche nebst Zeugnissen bis zum 12. Februar b. Js. bei dem Königlichen Ortsschul- inspektor Herrn Pfarrer Gamb in Obergeis oder dem Unterzeichneten einreichen.

I. 277. Namens des Schulvorstandes von Overgeis.

Freiherr von Schleinitz, Landrat, Geheimer Regierungs Rat.

Hersseld, den 19. Januar 1904.

Die unter dem . Schweinebestande des Gastwirts Schmidt zu Wallenstein, Kreis Homberg, ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen.

I. 369. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs Rat.

Ausschreiben zur Neubesetzung der Stelle eines Fohlenverwalters auf der Fohlenweide im Tier­garten bei Bieberstein.

Die Stelle des Fohlenverwalters auf der Fohlen- Hute zu Bieberstein soll sofort besetzt werden; der Fohlenverwalter bezieht einen jährlichen baren Gehalt von 600 Mk.

Außerdem hat derselbe freie Wohnung, freie Be­nutzung eines Gartenstücks, sowie einiger Obstbäume nach näherer Bestimmung.

Ferner erhält derselbe ungefähr ßVi Acker Dienst- land, sowie die Erlaubnis zur Haltung von drei Kühen und einer Anzahl Schweine nach Maßgabe der vor­handenen Ställe.

Endlich wird demselben die Führung der Gastwirt­schaft auf der Fohlenweide auf seine Rechnung über­tragen.

Die Stelle ist nicht pensionsberechtigt.

Näheres im Bureau der Landwirtschaftskammer zu Gaffel, Schomburgstraße 3, wohin auch etwaige Mel­dungen zu richten sind. I 370.

Der Vorstand der Landwirtschaflskammec für den R'g.-Bez. Gaffel:

H. E. von Stockhausen.

Die Königliche Maschinenbau und Htttten- Schule zu Duisburg eröffnet am 6. April b. Js in ihren beiden Abteilungen: 1. Maschinenbauschule für Schlaffer, Schmiede, Maschinenbauer, Keffelschmiede und ähnliche Gewerbetreibende; 2. Hüttenschule für Eisen-

und Metallhüttenleute und-Gießer, Arbeiter von Kokereien, Glashütten, Gementfabriten und der chemischen Groß­industrie einen neuen Lehrgang. Das Programm der Anstalt wird aus Verlangen lastenfrei zugesandt.

Die Anstalt gehört nach Ziffer 3 der Autführungs- bestimmungen zur Prüfungsordnung für die mittleren und untern StaatSeisenbahnbeamten zu denanerkannten Fachschulen", deren Reifezeugnisse für die Annahme zum Werkmeisterdienst folgende Vergünstigungen gewähren: Nur die Reifeprüfungen der von der StaatS-Eisenbahn- Verwaltung anerkannten Fachschulen gelten als Nach­weis der erforderlichen theoretischen Kenntnisse. (§ 37,4 der Prüfungsordnung.) Solange Bewerber mit solchen Zeugnissen vorhanden sind, dürfen andere Bewerber nicht angenommen werden. Die Letzteren haben ein­tretendenfalls eine besondere Prüfung abzulegen und zwar auch dann, wenn sie das Reifezeugnis einer nicht anerkannten Fachschule besitzen. Min. Erlaß vom 23. Mai 1900.

Duisburg, den 16. Januar 1904.

Der Direktor B a r t h e l.

Gefundene Gegenstände:

Eine Pflugschar. Meldung des Eigentümers beim Ortsvorstand zu Asbach.

Nichtamtlicher Teil.

Politischer Wochenbericht.

In gewohnter, feierlicher Weise ist der preußische Landtag eröffnet worden, Eine große Freude wurde allen Patrioten dadurch bereitet, daß der König die Thronrede selbst verlas, denn das ist der beste Beweis, daß chie Krankheit, die ihn an der Eröffnung des Reichstages hinderte, spurlos verschwunden ist. Erfreulich ist auch der Inhalt der Thron­rede. Aus allen Parteilägern klingt die Befriedigung heraus, daß sich die Finanzen des Staates in aufsteigender Linie be­finden und daß das Rückgrat des Etats, die Staatseisen­bahnen, erhebliche Ueberschüsse abwerfen. Die meisten gesetz­geberischen Aufgaben sind von vornherein der Zustimmung des Landtags sicher.

Das hat schon die Aufnahme gezeigt, die die Etats­rede des Finanzministers, Frhrn. v. Rhein- baben, im Abgeordnetenhause fand. Die Rede war voll­endet nach Form und Inhalt. Der Minister beleuchtete auch die kleinsten Einzelheiten des Etats in lichtvoller Weise und wußte die unendlichen Zahlenreiben zu beleben und zu packen­den Bildern zu gestalten. Ueberall kam es zum Ausdruck, daß er da, wo es nötig ist, eine offene Hand hat: vor allem für die Kulturaufgaben und für die nationale Politik in den Ostmarken. Einen tiefen Eindruck machte auch das, was der Minister über das Verhältnis der Industrie zur Landwirtschaft sagte: der inländische Markt sei für die Industrie der sicherste; es müßten daher alle strafte angespannt werden, um die Landwirtschaft existenzfähig zu erhalten und ihr den Schutz durch Zölle zu gewähren, dessen sie bedarf.

Noch mehr als der preußische Landtag nahm der Reich s- t a g das Interesse in Anspruch. Die Darlegungen des Grafen v. Bülow über den H e r c r o - A u f st a n d haben den Ernst der Lage in Südwest-Afrika enthüllt. Es war unter diesen Verhältnissen die Pflicht der Regierung, so schnell wie möglich Hülfe zu bringen. Mit Tatkraft und Entschlossenheit ist sie dieser Pflicht nachgelommen. Schon ist ein Marine-Expe­ditionskorps auf dem Dampfer .Darmstadt" unterwegs ein Beweis für die Umsicht und die Schlagfertigkeit unseres Heeres. Weitere Truppen werden bald folgen.' Hoffentlich kommt die Hülfe rechtzeitig, um viele Hunderte von Weißen und die mühsam erkämpften Früchte der Arbeit zweier Jahr­zehnte vor dem Untergänge zu bewahren. Mit seltener Ein- müttgteit hat der Reichstag die Mittel bewilligt. Eine Aus­nahme machten nur die Sozialdemokraten. Wie vor 34 Jahren sie allein im Reichstage den frevelhaften Mut hatten, ihre Zustimmung zu verweigern, als int Kampfe gegen Frankreich die Kriegskosten gefordert wurden, so empfahl jetzt der Abg. Bebel Stimm-Enthalkung, wo eS sich darum handelt, unsere

Angehörigen im schwarzen Erdteil Schutz und Hülfe gegen raub- und mordlustige Wilde zu gewähren.

Noch in anderer Weise hat die Sozialdemokratie im Reichs­tage gezeigt, daß sie aller patriotischen Gedanken und Em­pfindungen bar ist. Wieder war der Abg. Bebel der Führer der vaterlandslosen Sippe. Die russischen Anarchisten stellt er alssehr harmlose Leute" hin, und daß sie trotzdem von der Regierung in Deutschland nicht geduldet werden, nannte er eine Barbarei, eine Schmach und Schande vor der ganzen Kulturwelt. Den Ausländern, die hier friedlich ihr Brod suchen, legen die Behörden nichts in den Weg, wohl aber suchen sie solche Elemente von uns abzuschütteln, die das Gastrecht mißbrauchen, indem sie revolutionäre Pläne und Mordanschläge vorbereiten. Jeder vernünftige Mensch muß es billigen, daß solche verdächtigen Individuen sorgsam über­wacht und in dem Augenblick, wo sie sich als lästig erweisen, über die Grenze geschoben werden. Mit vollem Recht er­innerte der Staatssekretär des Auswärtigen daran, daß alle zivilisierten Staaten ein gemeinsames Interesse daran hätten, die anarchistische Gefahr zu unterdrücken.

In O st a si e n scheint durch die Worte, die der Zar beim Neujahrs-Empfang an die Vertreter des Kaisers von Japan gerichtet hat, eine entscheidende Wendung herbeigeführt zu sein. Die aus russischen Quellen stammenden Berichte atmen Friedenszuoerficht, die durch englische Meldungen über den angeblich zweifelhaften Wert der russischen Zugeständnisse an Japan nicht erschüttert werden kann. **

Politische Nachrichten.

Berlin, 21. Januar.

Se. Majestät derKaiser machte gestern nach­mittag einen Spaziergang im Tiergarten. Nach der Gaur sah Se. Majestät noch bei Sich die Generalobersten Graf Schliessen und Hahnke, die Generaladjutanten v. Kessel, Graf Hülsen-Haeseler, v. Moltke und Fregatten­kapitän v. Grumme. Heute morgen um 8 Uhr 25 Minuten begab Se. Majestät Sich nach Potsdam, traf dort um 9 Uhr ein und begab Sich zu Wagen nach dem großen Exerzierschuppen, wo Allerhöchstderselbe die 2., 7. und 12. Kompagnie des 1. Garderegiments besichtigte. Sodann fand ein zweimaliger Vorbeimarsch statt, an dem alle 12 Kompagnieen des Regiments teilnahmen. Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz führte als Hauptmann die 2. Kompagnie. Der Schau­stellung wohnten bei Prinz Friedrich Leopold, Prinz E i t e l - F r i e d r i ch , die Generalität, das Hauptquartier und die fremdherrlichen Offiziers. Um 11 Uhr begab Sich S e. Majestät zu Fuß nach dem Regimentshaus des Offizierkorps und nahm dort das Frühstück ein. Um 12Vi Uhr fuhr Se. Majestät nach dem Stadtschloß, zog hier Jagdunisorm an und fuhr dann zur Fasanen- und Kaninchenjagd nach Enten- fänger. Der Kronprinz und Prinz Eitel- Friedrich fuhren in einem Schlitten ebenfalls zur Jagd, wobei der Kronprinz persönlich die Pferde lenkte.

Im Reichstage fand am Mittwoch die General- diskusston des Gesetzentwurfs betreffend die Kaufmanns- gerichte in Verbindung mit der ersten Beratung des von den Abgg. Lattmann, Liebermann v. Sonnenberg und Graf v. Reventlow eingebrachten, denselben Gegen­stand betreffenden Gesetzentwurf» statt. Alle Redner aus dem Hause mit Ausnahme der Sozialdemokratie stellten sich im großen und ganzen freundlich zu der Regierungsvorlage und schlugen nur einzelne Ab­änderungen vor. Nur die Sozialdemokraten traten der­selben feindlich gegenüber und suchten sie in bekannter Weise durch unerfüllbare Forderungen zu übertrumpfen. Es fand Vertagung des Gegenstandes statt.

Die heutige Sitzung des Reichstags eröffnete Graf Ballestrem um iVr Uhr. Der Präsident erbat die Ermächtigung, Sr. Majestät dem Kaiser zu seinem Geburtstage die Glückwünsche des Reichstages dar­bringen zu dürfen. Die Ermächtigung wurde erteilt und sodann die erste Lesung des Gesetzentwurfs über die Kaufmannsgerichte fortgesetzt. Abg. Dr. Dove (greif. Vgg.) stimmte namens seiner Freunde der Vorlage zu, wenn er sich auch nicht verhehle, daß sie noch starker Durcharbeitung und Verbesserung bedürfe. Es fei viel darüber gestritten worden, ob man die