Einzelbild herunterladen
 

* (Personal-Chronik.) Ernannt: der Pfarrer Wagner zu Verna zum Superintendenten der Diözese Eschwege und zum ersten Pfarrer an der Alt- städter Gemeinde daselbst, unter gleichzeitiger Beauf- tragung mit Versehung der Metropolitansgeschäfte der Klasse Eschwege, der Pfarrer Stockhaus zu Schmalkalden zum Pfarrer in Dalherda, Diözese Fulda.

* Die Wiederausgabe von Talern durch die Reichs­bank wird noch immer fortgesetzt, da der Mangel an Silbergeld noch nicht gehoben ist. Die Geldkalamität ist dadurch entstanden, daß die Einziehung der Taler­stücke zu schnell erfolgte, ohne daß gleichzeitig genügend Ersatz durch Fünf- und Zweimarkstücke geschaffen wurde. Diesem Uebelstande ist nunmehr durch die erhebliche Vermehrung von Zweimarkstücken abgeholfen worden, doch konnte noch immer keine genügende Ausprägung von Fünfmarkstücken stattfinden und so dürfen die alten Talerstücke noch längere Zeit, wenn auch in beschränkter Zahl, im Verkehr bleiben.

) :( HersfelS, 15. Januar. Nächsten Montag den 18. d. M t s. Nachmittags 4 Uhr wird eine Sitzung der Stadtverordneten im Rathaus­saale abgehalten werden. Tagesordnung: Be- schlußfaflung über die Stadtverordneten-Ergänzungs- und Ersatzwahlen. Einsührung und Verpflichtung der neugewählten Stadtverordneten. Neuwahl des Stadtverordneten Vorstehers und dessen Stellvertreter«. Forstkasse-Rechnung für 1901/02. Abänderung der Fleischsteuerordnung. Abgabe von städtischem Grund­eigentum. Ankauf von Grundeigentum. Ver­schiedene».

Hersfeld, 15. Januar. Die Eisenbahn- m a r k e n , die am 1. Februar im Gebiete der Preußisch- Hessischen Eisenbahngemeinschast zur Einführung ge­langen, werden jetzt von der Reichsdruckerei hergestellt. Sie sollen zur Flankierung von Stückgulsendungen im Eil- und Frachtverkehr dienen. Die Marken werden etwa vom 23. d. M. an zu haben sein/ Die Marken sind wesentlich größer als die Briefmarken. Nur 28 mal 22 Millimeter groß, werden je 50 Stück aus einen Bogen vereinigt. Die Bogen sind in der üblichen Weise per­foriert. Das Bild der Marke ist zweckmäßig, da der Wertbetrag besonders deutlich zu erkennen ist. In jeder der vier Ecken befindet sich ein Stern. Ein Band läuft ellipsenförmig um die Mitte der Marke. An seinem unteren Ende sieht man ein geflügeltes Rad. Auf dem Bande liest man: Kgl. Preuß. Slaalseisenbahnen. Der Wert der Marke ist in dunkler Schrift, aber von derselben Farbe der Marke in großen Zahlen auf der Mitte des Bildes ausgedrückt. Es werden neun Sorten hergestellt. Entsprechend dem kleinsten Frachtsatz gehen sie von 30 Pf., um je 10 Pf. steigend, bis zu 1 Mk. aufwärts. Außerdem werden Marken zu 5 Pf. zum Ausgleich von Nachgebühren hergestellt. Die Farben der Marken entsprechen denen des Weltpostvereins nicht. Die Bahnmarken zu 5 Pf. sind rot, die zu 30 Pf. grün, die zu 1 Mk. hellgrau usw.

Eassel, 14. Januar. Gestern Abend etwa gegen 11 Uhr wurde in einem Restaurationslokale der Bahn- Hofsstraße aus einem Vereinszimmer eine Kassette mit Vereinspapieren nnd einem Inhalte von wahrscheinlich mehreren Hundert Mark entwendet, doch wurden die Diebe, drei Männer, bei ihree Arbeit gestört. Sie er» griffe« die Flucht, eilten die BahnhofSstraße hinab und in die Giesbergstraße hinein. Als die Verfolger dort ebenfalls anlangten, fanden sie die Kassette auf der Straße liegen; das Geld war derselben entnommen. (T.)

Cassel, 15. Januar. Die nächste Schwur- gerichtsperiode nimmt voraussichtlich am 15. Februar ihren Anfang. Sie wird wahrscheinlich 14 Tage in Anspruch nehmen.

Fulda, 14. Jan. Heute früh um Va4 Uhr entlud sich über der Rhön und dem Fuldatal unter Sturm und Hagel, Blitz und Donner ein starkes Gewitter, eine seltene Januar-Naturerscheinung.

Aus dem Kreise Frankenberg, 12. Jan. In Ernsthausen mußte die ganze wehrsähige Mannschaft Aufgeboten werden, um eine aus über 60 Köpfen be- stehende Ztgeunerbande, die dort Diebstähle und Be­trügereien verübten, weiter zu transportieren. (C. T.)

Blickershausen, 13. Jan. Heute Nachmittag gegen 5 Uhr brach in nächster Nähe der Brandstätte vom 29. November v. I«. abermals Feuer au«, das von der Vellmer'schen Scheune ausgehend, alsbald das Wohn­haus des Gastwirtes Ellendt ergriff. Bei dem heftigen Winde war trotz des reichlich vorhandenen Wassers und der vier anwesenden Spritzen an ein Löschen der einmal brennenden Gebäude nicht zu denken, jedoch gelang es, die Nebengebäude zu sichern. Wenn auch manches von dem Mobiliar des Wohnhauses gerettet ist, so ist doch der Schaden ein recht erheblicher, da die nahezu vollendete Aussteuer der ältesten Tochter der Familie Ellendt, deren Hochzeit in vierzehn Tagen gefeiert werden sollte, nicht versichert war. Da man Brandstiftung aus Rache vermutete, wurde ein Verdächtiger verhaftet und von der Brandstätte hinweg in das Amtsgerichtsgefängnis Witzenhausen abgeführt.

LaaSphe, 12. Jan. In Feudingen wurde gestern der Schornsteinfeger Limper von hier von der Bahn Marburg-Kreuztal überfahren und getötet.

Hanau, 13. Jan. Das Reichsgericht verwarf die Revision der wegen Landfriedensbruchs und Totschlags in Lütter (Rhön) vom hiesigen Schwurgericht Verurteilten.

Nentershausen, 13. Januar. Dem Landwirt P. in NichelSdors Halteten Nacht» einige Diebe einen Besuch

ab. Er gelang ihnen, dem Geldspinb einige hundert Mark zu entnehmen und damit das Weite zu suchen.

Gaffel» 13. Januar. (Getreide-, Futter- und Düngermarkt.) Der Markt war gut besucht, die Tendenz preishallend. Weizen blieb in guter Frage, Roggen und Hafer begegneten geringerem Interesse; Futtermittel hatten mäßigen Handel. Wir notieren: Weizen 15,80, Roggen 13,3013,60, Hafer 12,00 bis 13,00, Gerste 14,0015,00 Mk., alles per l00 Kilo ab ober Parität hier für Ladungen von 10 000 Kilo.

Mainz, 14. Januar. Seit dem frühen Morgen wütet in Mainz und dessen Umgebung ein orkanartiger Sturm, vermischt mit Hagel und Schneeschauer«, der großen Schaden an den Häusern und auf dem Felde anrichtet.

Bon der Diemel, 12. Jan. In Brilon wurde gestern der Detonom Becker von einem beim Betrieb abgeschleuderten Stück Eisen schwer am Kopfe verletzt und der Oberkiefer furchtbar zerschmettert. Beim Flachsdörren neben dem Ofen entstand in der Wohnstube des Tagelöhners R. zuDringenberg ein B r a n d , bei dem zwei Kinder schwere Brand­wunden erlitten und eins bereits den Wunden erlegen ist.

Heiligenstadt, 10. Jan. Die Strafkammer ver­urteilte gestern den Dachdecker Armbrecht von hier wegen wissentlich falscher Anschuldigung zu 1 Jahr Gefängnis und 2 Jahren Ehrverlust. Der Angeklagte hatte, um sich an einem hiesigen Einwohner zu rächen, diesen bei der Staatsanwaltschaft eines schweren Ver­brechens an einem Kinde bezichtigt und diese» zum falschen Zeugnis gegen den Betreffenden zu verleiten versucht. Wie die Aussage des Kindes ergab, war die Anzeige des A. völlig erfunden, ja es stellte sich heraus, daß er selbst die verbrecherische Tat verübt hatte, die er dem andern zuzuschieben versucht hatte.

Göttingen, 13. Januar. Der Buchhalter S. Levy bei der Firma S. S. Eichenberg hier ist flüchtig. Es wird ihm zur Last gelegt, einen Chek über 6000 Mark fälschlich angefertigt und bei der hiesigen Reichsbank­nebenstelle verwertet zu haben. Auf die Ergreifung des Flüchtigen ist dem Vernehmen nach eine hohe Be­lohnung ausgesetzt worden.

Erfurt, 11. Januar. In voriger Nacht kurz nach 1 Uhr brach in der Cichorienfabrik der Firma Teich­mann zwischen Jlversgehosen und Gispeisleben G r o ß - feuer aus. Die Fabrikgebäude, darunter auch die Neubauten, brannten aus.

$ t m i f ii 11 §.

Königssee (Thür.), 10. Januar. (Selt­samer U n g l ü ck s f a l l.) In einem Nachbarort wurde eine Familie durch einen Unglücksfall in tiefe Trauer versetzt. Das zehn Wochen alte Kind wurde in seinem Wagenbett früh erstickt aufgefunben, da sich die alte Hauskatze in der Nacht über das Gesicht des Kindes gelegt und so den Erstickungstod herbeigeführt hat.

EinemHundertjährigen, dem Schreiner Josef Fröhly zu Winkel im Oberelsaß, sandte vorgestern zum Geburtstage Kaiser Wilhelm ein Glückwunsch­schreiben, 300 Mark sowie eine prächtige Kaffeetasse mit seinem Reliesbildnis und Monogramm. Aus Straß- bürg trafen vom Statthalter eine Gratulation und ein Geldgeschenk von 100 Mark bei dem alten Herrn in Winkel ein.

Die Zunahme der Blinddarment­zündungen, die in den letzten Jahren wohl überall beobachtet worden ist, hat zu einer gewissen Beunruhigung des Publikums gesührt, die sich beispielsweise in der Gründung von Versicherungen gegen das Leiden und seine Folgen kundgetan hat. Natürlich wurde auch die Frage, welche Ursachen denn wohl dieser eigentümlichen Erscheinung zu Grunde liegen könnten, aufgeworfen und vor einiger Zeit von irgend einem findigen Kopfe dahin beantwortet, es seien dafür kleine von emaillierten Koch­geschirren abgesprungene Splitter verantwortlich zu machen, die in den Wurmsortsatz, dieses für den Körperhaushalt völlig zwecklose Anhängsel des Blinddarms, hineingerieten und hier eine häufig lebensgefährliche Entzündung und Eiterung verursachten. In wissenschaftlichen Kreisen ist diese Hypothese, die für Ausnahmefälle zutreffen mag, in ihrer Verallgemeinerung wohl schwerlich ernst genommen worden, denn ihre Unhaltbarkeit ergibt sich eigentlich für denjenigen, der mit den nötigen Fachkenntnissen an ihre Prüfung Herantritt, von selbst; immerhin aber ist es ein verdienstliches Werk des Generalarztes Dr. Villaret, in der Deutschen medizinischen Wochenschrift dieser Mär mit der modernen Waffe der Statistik das schwache Lebenslicht ausgeblasen zu haben. Villaret beweist an der Hand der amtlichen Berichte des Kriegsministeriums über die Krankenbewegung in unserm Heer, daß ent­sprechend der Zunahme der Häufigkeit der Blinddarm­entzündung die Bauchfellentzündungen, Leberleiden und Magenkrankheiten abgenommen haben, ja, sogar in noch höherm Grade, als zum Ausgleich der erster« nötig wäre. Das heißt mit andern Worten, vieles, was man vor zehn und zwanzig Jahren unter der »«sichern und viel- heutigen Diagnose Bauchfellentzündung oder Leberaffektion zusammenfaßte, wird von den Aerzten heutzutage richtig al» eine Entzündung des Wurmfortsatzes erkannt und demgemäß in die Statistik eingesetzt. Diese sicherere Diagnosestellung, die augenblicklich ein Gemeingut der Aerzte bildet, ist erst ermöglicht worden durch das Ein- greifen der Chirurgie in die Behandlung des Leidens und durch das Studium der so gewissermaßen am Lebenden gewonnenen anatomischen Präparate, die über den Ur­

sprungsherd der Krankheit Klarheit brachten und nun zu einer gründlichen Revision der ganzen Lehre von der Blinddarmentzündung führten. Die unbestimmten Symptome, mit denen die Erkrankung des Wurmfortsatzes in vielen Fällen beginnt, werden demgemäß jetzt häufiger richtig gedeutet und veranlassen den Chirurgen zu früh­zeitigem Einschreiten; diese mehr aktive Behandlung«. Methode verhütet dann in einer großen Anzahl von Fällen einen Durchbruch des Eiterherdes in die Bauch, höhle und damit die meist unter so schweren Erscheinungen verlaufende, häufig zum Tode führende Bauchfellent- zündung. Das beweisen mit völliger Sicherheit auch Villaret» Zahlen, die für die letztere Krankheit eine Abnahme von über 70 pCt. ergeben. Betrachtet man aus diesen Gesichtspunkten die aufgeführte Statistik, so gewinnt man die trostreiche Ueberzeugung, daß die Zu- nähme der Blinddarmentzündungen nur scheinbar ist und daß in Wirklichkeit für da« Publikum gar kein Grund zur Beängstigung vorliegt, zumal die Technik der Operation in den letzten Jahren zu einem bewundernswert hohen Grade der Vervollkommnung gediehen ist.

Die große Zahl von Konkursen in der Berliner T e x t i l i n d u st r i e , ' die sich in jüngster Zeit ereigneten, hat eine gewisse Beunruhigung hervorgerufen. In der ersten Hälfte des Januar sind nicht weniger als 6 große Firmen in Konkurs geraten. Die Passiven betragen zusammen gegen 650 000 Mk. Darunter befindet sich eine Konfektionsfirma mit 196 000, eine andere mit 162 000 Mk. Das jüngste Fallissement ist das einer Schürzenfabrik, beten Passiven 40 000 Mk. betragen. Jedensalls ist die Lage der Berliner Konfektion zur Zeit durchaus nicht rosig.

(Aus Habgier die eigene Tochter vergiftet.) In der Krumauer Vorstadt zu Budweis in Böhmeu wohnte der 72jährige Häusler Tomandl mit feiner 42jährigen Tochter Katharina. Diese, die ein kleines Vermögen von 3000 Kronen besaß, starb in der Nacht zum 2. b. M. und wurde einige Tage darauf begraben. Bald entstanden Gerüchte in Budweis, daß die Tomandl keines natürlichen Todes gestorben fei. Das Gericht bekam hiervon Kenntnis, ließ die Leiche exhumieren und untersuchen, und es wurde festgestellt, daß die Verstorbene mit Arsenik vergiftet worden war. Um in den Genuß des Geldes zu kommen, hatte der alte Tomandl feiner Tochter das Gift beigebracht; er wurde sofort verhaftet.

M i t einem Walfisch kollidiert ist vor einigen Tagen auf hoher See der Geestemünder FischdampferWürttemberg". Als sich da» Schiff 61 Grad nördlicher Breite und 16 Grad 45 Min. west­licher Länge befand, stieß nach Angabe des ersten Steuermanns der Vordersteven des Dampfers derart auf einen schlafenden Wal auf, daß das Fahrzeug sofort leck sprang. Nach der Kollision färbte sich die See um das Schiff herum blutrot, der erwachte Wal arbeitete furchtbar und warf große Wassermassen an Deck, verschwand dann aber bald. Der Dampfer liegt zurzeit in Geestemünde in Dock, um einer gründlichen Reparatur unterzogen zu werden.

(Im Ballon über den Atlantischen Ozean.) Aus Paris wird berichtet: Prof. Berget von der Srobonne setzte bei einem Interview mit einem Vertreter von La Presse seine Pläne für eine Reise aus- einander, die er im Ballon über den Atlantischen Ozean zu unternehmen beabsichtigt, und zwar in Begleitung des belgischen Aeronauten Capazza und des bedeutenden Geographen Reclus. Berget meint, daß der Plan weder Schwierigkeiten noch Gefahr bietet. Von den Azoren zum Golf von Mexiko ist die Richtung der Passat­winde beständig, und ihre Stärke bleibt das ganze Jahr hindurch dieselbe. Die Luftschiffer hätten sich also nur vorwärts treiben zu lassen. Die gewöhnliche Form der Gondel soll durch ein Rettungsboot, da» nicht unter­gehen kann, ersetzt werden; es soll eine genügende Menge Proviant enthalten. Die Expedition wird mindestens 400 000 Mk. kosten.

(Mensch ärgcreDich nicht am Tele­phon !) Vor der Nürnberger Straskammer hatte sich am 9. Januar eine Gastwirtsfrau wegen Beleidigung einer Telephonistin zu verantworten. Es lag ihr zur Last, daß sie ärgerlich darüber, daß sie nicht sofort einen Anschluß erhalten, sondern erst die Nummer des An- gerufenen angeben mußte, während sie zuerst nur den Namen de» Betreffenden angegeben hatte, die Worte: .Dumme» Luder!" durch da» Telephon zugerufen hatte. Es wurde eine Geldstrafe von 50 Mk. aus­gesprochen.

Kirchliche Nachrichten.

Kvangelkscher KottesdieuA.

Sonntag den 17. Januar.

Vormittags: Herr Pfarrer Schröder. Nachmittags: Herr Pfarrer Feyerabend. Mittwoch den 20. Januar Abend« 8 Uhr:

Gottesdienst in der Sladtkirche. Donnerstag den 21. Januar Abends 8 Uhr: Gottesdienst in der Hospitalskapelle.

Der heutigen Nummer liegt ein Märkte-Ber- zeichuis für das Jahr 1904 bei.

W Hierzu eine Beilage sowie Nr. 3 des Illustrierten Sonntagsbluttes".