zuNehMen. Zur Beurteilung ihres wirklichen Werte müßt« man genaue Kenntnis von dem Inhalt der von Tokio nach Peking gesandten Depesche haben. __Weitere Telegramme berichten: London, 11. Jan. Dem Neuterschen Bureau wird nochmals von autoritativer Seite versichert, daß Deutschland im Falle des Ausbrechens von Feindseligkeiten zwischen Rußland und Japan eine strikt neutrale Haltung einnehmen und daß dieselbe Haltung auch von den übrigen Mitgliedern des Dreibundes bewahrt werden wird. — Washington, 11. Jan. Dem Staatsdepartement ist die Nachricht zugegangen, daß die Russen ihre Schutzwache in Söul täglich verstärken;' auch Frankreich habe Vorkehrungen getroffen, dort eine Schutzwache zu errichten.
Aus der Negerrepublik San Domingo wird berichtet, Präsident Jimenes von der in Santiago errichteten provisorischen Regierung habe Santo Domingo beschossen. Ein« Granate ist in der amerikanischen Gesandtschaft explodiert.
Die A l b a n e s e n wollen nichts von Reformen wissen. Aus Sarajewo wird telegraphisch nach Wien gemeldet, daß 4000 bewaffnete Miriditen die Straße von Prizrend nach Skutari besetzt hätten, um der Gendarmerie Widerstand entgegenzusetzen.
Aus Prodiliz iiiiii Aachbirnediet.
* Ernannt: Die Landmesser Schwarzkops in Caffel, Ullrich II. in Treysa und Jansen in Hünfeld zu Oberlandmeffern.
* Im Jahre 1903 haben nach abgelegter Prüfung nachbenannte Aerzte das Befähigungszeugnis zur Verwaltung einer Kreisarztstelle erhalten: Dr. Karl Dohrn in Marburg, Dr. Johannes Slockemann in Rotenburg und Dr. Theodor K r an ep u h l in Hanau.
* (W a r n u n g.) — In den Tagesblättern, die sich natürlich nicht erst durch einen Versuchsborg von der Reellität des Angepriesenen überzeugen können, sind oft Anzeigen zu lesen, in denen Darlehne diskret vermittelt werden. So mancher in augenblicklicher Not befindliche Familienvater ergreift hoffnungSfreudig dieses verlockende Angebot. Er übermittelt brieflich seine Wünsche dem unbekannten, meist in Berlin sitzenden Darleiher, von dem er zunächst aufgefordert wird, 10 oder 15 Mk Vorschuß einzusenden. In seiner Not bringt der Bedrängte dieses Geld zusammen und über- sendet es dem Darleiher, der dann regelmäßig schreibt, daß bei den Verhältnißen des GesuchstellerS ein Darlehen nicht gegeben werden könne. Der Vorschuß aber ist fort, und das ist für den Menschenfreund in Berlin die Hauptsache.
Hersseld, 13. Januar. Ueber den Stand der Obstbäume und die Aus sichten der künftigen Obsternte wird der „Neuen Zürcher Zeitung" unterm 27. Dezember 1903 geschrieben: Die milde Witterung des Vorwinters hat unstreitig alle Fruchtbäume recht günstig beeinflußt, und man hört durchweg den Stand aller Obstkäums vorteilhaft beurteilen. Das Fruchlholz hatte die Blätter erst spät fallen gelassen, was zur Folge hatte, daß es gut aus- reifen konnte. Nicht nur das Holz der Bäume ist gut ausgereist und entwickelt, sondern man macht die erfreuliche Wahrnehmung, daß fast überall sehr reichliche Fruchtrulen vorhanden sind, sodaß die Obstaussichten für das folgende Jahr durchweg günstig sind, sofern die Witterung im nächsten Frühling und in der Blütezeit entspricht. Während eine Anzahl Apselbäume, zumeist diejenigen, die vergangenen Herbst befriedigend getragen haben, nur einen mäßigen Bestand an sogenannten Fruchtaugen aufweisen, kann man hingegen eine große Anzahl Bäume beobachten, die sozusagen wegen der Fülle von Fruchtruten geradezu strotzen. Es kommen hier in erster Linie die verschiedenen Lagen und Sorten in Betracht. Sehr viele Ansätze sind bei den beliebten Reinettensorten zu finden. Noch mehr Fruchtaugen als die Apfelbäume weisen im allgemeinen die Birnbäume noch auf. Die Spalier- und Zwergobstbäume in den Gärten und Anlagen stellen ebenfalls gute Ernte in Aussicht.
* (Neue Lokomotiven.) Zur Einführung von Schnellzugsmaschinen mit bedeutend höherer Leistungsfähigkeit werden, wie schon gemeldet, seit einiger Zeit auf der Skreck? Cassel - G o t l i ng e n - Hannover Versuchsfahrten unternommen, die demnächst auch auf die Strecke Frankfurt a. M.- Marburg-Cassel ausgedehnt werden sollen. Wie erinnerlich, wurde gemeldet, daß zu diesem Zwecke die Holzschwellen der Gleise durch Eisenschwellen ersetzt und auch sonstige Oberbauveränderungen vorgenommen würden. Nach Erkundigungen der „Fr. Ztg." trifft das nicht zu; die Eisenschienen werden lediglich durch stärkere Stahlschienen ersetzt. Diese Neuerung ist nur eine Folge der allgemeinen eisenbahnlichen Entwicklung. Schon seit sechs oder sieben Jahren werden Stahlschienen gelegt, nach und nach sollen alle Strecken diese dauerhaften Schienen erhalten. Mit den neuen vierzylindrigen Maschinen wird eine Stundengeschwindig- keit von setwa 95 Kilometer erzielt werden. Die Angaben von einer 100 oder 110 Kilometergeschwindigkeit sind übertrieben Um eine Stundengeschwindigkeit von 95 Kilometern einzuführen, muß ferner eine vollständige Aenderung in den Sicherheits- und Vorsichtsmaßregeln eintreten. Diese Fragen werden durch die Versuchsfahrten entschieden. (C. T.)
Gaffel, 12. Jan. (Auch ein Kaufobjekt.) Saßen da vor einigen Tagen in einem Wirtschaft».
lokale zu Crumbach mehrere Herren aus Caffel und auch ein in Crumbach wohnender Musiker zusammen, von denen besonders der letzgenannte sich durch ein wahres Prachtexemplar von Schnurrbart auszeichnete. Rotblond hing derselbe lang über die Lippen seines Besitzers herab; wohlgepflegt und geordnet kräuselten sich die mächtig langen Enden ä la „es ist erreicht" zur Höhe — ein Gegenstand stillen Neides für die mit am Tische sitzenden Bartlosen. „Wenn ich solch einen Schnurrbart hätte, ich gäbe 20 Märklein drum", verlieh endlich einer der Bartlosen, ein hiesiger Geschäftsmann, diesem Neide Worte. „SoU's gelten, wenn ich Ihnen den Bart überlasse?" fragte schlagfertig der Besitzer des rotblonden, „Es bleibt bei dem, was ich gesagt. Uebergeben Sie mir den Bart und ich zahle Ihnen sofort 20 Mark", bestätigte der Bartlose. Zehn Minuten später war ein Barbier zur Stelle, der mit kunstfertiger Hand den rotblonden abnahm und —- feit gestern hängt derselbe, säuberlich zusammengesaßt. hinter Glas und Rahmen im Wirtschaftslokale „Zur Traube" an der Fuldabrücke in Caffel. Ueber dem Barte aber prankt, sauber kalligraphisch ausgeführt, die Inschrift: „Schnurrbart des Herrn W. zu Crumbach, käuflich erworben durch Herrn Gastwirt P. am 8 Januar 1904." (T )
Hanau, 11. Januar. In einem Kehrichthaufen bei Wilhelm-bad wurde gestern die Leiche eines neugeborenen Kindes männlichen Geschlechts gesunden. Wie man annehmen kann, wurde die kleine Leiche hier in einen Mülleimer gepackt. Auf diese Weise kam sie dann bei der Müllabfuhr an den bezeichneten Ort.
Fulda, 11. Jan. Vor der hiesigen Strafkammer wurde heute bei verschlossenen Türen gegen den Kaufmann Joseph Edelmuth wegen Sittlichkeitsverbcechen, begangen an einem noch nicht 16 Jahre alten Mädchen, verhandelt. Das Urteil lautet auf ein Jahr Gefängnis Dem Verurteilten, welcher schon ca. Va Jahr in Untersuchungshaft ist, fallen noch mehrere Straftaten zur Last, wegen MeineidS und Urkundenfälschung und wird sich demnächst vor dem ^anauer Schwurgericht zu verantworten haben.
Hundshausen, 10. Januar. Heute morgen fiel ein dreijähriger Knabe, das einzige Kind einer jungen Witwe, in einen Tops voll kochenden Waffers und starb kurz darauf an den erlittenen Brandwunden.
Mainz, 11. Januar. Im Prozeß gegen den Hauptmann a. D. Mayer-Wülserdingen wegen Beraubung des töllich verunglückten Rennfahrers Albert erkannte die Strafkammer auf Freisprechung.
HagtN (Westfalen), 12. Januar. Aus der Straße von Priorei nach Breckerseld stürzte infolge Glatteise- ein Postwagen von einer hohen Böschung in Exscheid. Drei Insassen wurden schwer, der Kutscher leicht verletzt.
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— Berlin, 11. Januar. Eine Reihe schwerer U n g l ü ck s f ä l l e auf dem E i s e hat sich am gestrigen Sonntag ereignet. Trotz des Tauwetters waren die Berliner zu Tausenden auf die natürlichen Eisbahnen in der Umgebung hinausgezogen. Da das Eis seine Tragfähigkeit noch nicht eingebüßt hatte, so ist wohl die Mehrzahl der Unglückssälle, denen fünf Menschenleben zum Opfer fielen, auf Unvorsichtigkeit der Verunglückten zurückzuführen, die nicht vorsichtig genug gefährliche, erst vor kurzem vereiste Stellen mieden. Das schwerste Unglück hat sich gestern mittag aus der Havel zwischen Sakrow und Moorlake ereignet, wo fünf Personen beim Schlittschuhlaufen ein- brachen. Eine Dame, die Tochter des Kunstverlegers Kirmse aus Berlin, und zweiHerren sind ertrunken. Die beiden anderen Herren, Brüder der genannten Dame, wurden gerettet. — Ein anderer Un- glückssall ereignete sich Nachmittags kurz nach 5 Uhr auf dem Wannsee. An der Dampferstation befindet sich eine Schlittschuhlaufbahn, auf der sich eine große Zrhl Läufer belustigte. Plötzlich erschallten an der Stelle, an der ein Graben den Wannsee mit dem Stolper Loch verbindet, unmittelbar vor den Elektrizitätswerken, Hülferuse; zwei junge Leute waren in der Dunkelheit außerhalb der Bahn auf eine Stelle geraten, die tage- vorher erst greift war, die nur eine dünne Eisschicht trug. DaS Eis brach, und beide sanken in das Wasser. Während der eine sich an der feSen Eisdecke so lange halten konnt», bis Hülfe kam, erfaßte der andere unglückseliger Weise das dünne Eis, das fortwährend nach- brach. Eine ungeheure Erregung bemächtigte sich der nicht helfen könnenden Zuschauer. Als in aller Eile Stangen herbeigeschafft waren, war es zu spät; der junge Mann war in die Tiefe gesunken. — Auf der Oberspree ertrank ein Frl. Schneider, die Tochter eines Bahnbeamten aus Nuinmelsburg. Das Mädchen war in Ober-Schönweide bei Verwandten zu Besuch und wagte sich, trotz vorheriger Warnungen, heimlich auf das dünne Spreeeis. Bald brach das Eis unter ihr zusammen, und die Unglückliche ertrank, ehe Hülfe zur Stelle war. Die Leiche konnte noch nicht geborgen werden.
— Berlin, 12. Januar. Beim Überschreiten des Dammes bei Grünau brach der hier zu Besuch weilende Königsberger Kaufmann Großkopf ein und ertrank.
— (E i n streitbarer Nachtwächter.) In dem elsässischen Orte RumerSheim im Landkreise Straß, bürg wurde infolge zahlreicher gegen ihn erhobener Klagen der biedere Waibel und Nachtwächter sein s Amtes enthoben. Sein Dienst war ihm aber so lieb
geworden, daß er sich ganz entschieden weigerte, die Dienstmütze und die Schlüssel zum Wachtlokal auszu- liefern. Er suchte sich einige tüchtige Gesinnungsgenossen aus, und als bet Bürgermeister die erwähnten Dienstgegenstände abholen wollte, fand er das Wachtlokal in eine „uneinnehmbare Burg" umgewandelt. Aller Zureden half nichts, die Verteidiger schienen zum Aeußersten entschlossen zu sein, und der Bürgermeister mußte unverrichteter Dinge abziehen. Nun begab er sich zum Polizeikommissar, und dieser riet ihm, die Tür des Wachtlokales, wenn nötig, mit Gewalt sprengen zu lassen und den bisherigen Wächter für den etwaigen Schaden haftbar zu machen. Die Schlüssel und die Dienstmütze ließ der Polizeikommissar selbst holen. Jetzt wurde die Sache der „Besatzung" aber doch etwas un« heimlich, als sie sah, daß der Bürgermeister die Polizei als Bundesgenossen hatte, und sie streckte daher die Waffen. Die Geschichte, die an und für sich ja recht drollig ist, dürfte wohl für die „Rebellen" noch unangenehme Folgen nach sich ziehen.
—Ein« Klage auf Herausgabe von Liebesbriefen beschäftigt gegenwärtig das Bezirksgericht der Josesstadt in Wien. Kläger ist der frühere Oberleutnant Geza Mattazich, der, wie noch erinnerlich sein dürfte, wegen angeblicher Fälschung von Wechseln auf den Namen der Prinzessin Luise von Koburg vom Kriegsgericht zu mehrjähriger schwerer Keikerstrafe ver- urteilt, später aber vom Kaiser Franz Josef begnadigt worden war. Jetzt hat er die österreichische Militärverwaltung aus Herausgabe der Liebesbriefe verklagt, die ihm seinerzeit die Prinzessin Luise geschrieben hatte, und die bei seiner Verhastung mit Beschlag belegt worden waren.
— Hildburghausen, 11. Januar. Hier starb der Maler Herzoglicher Rat Heinrich Vogel. Nach dem Willen des Verstorbenen soll, wie die Dorfzeitung meldet, fein auf eine Million Mark geschätzter Nachlaß für Kunstzwecke verwandt werden.
— München, 1l. Januar. Der vor kurzem wegen Wechsilfälschung verurteilte ehemalige ReichStagsab- geordnete für Eschwege-Schmalkalden, Seyboth, der vorläufig gegen Kaution aus freiem Fuß belassen war, ist wegen Fluchtverdachtes verhaftet und über sein Vermögen Konkurs verhängt worden.
— (Unfall im Münchener Zentral- b a h n h o f.) Am Montag morgen kurz nach 8 Uhr Überfuhr ein von Lindau kommender Zug, der anscheinend nicht genügend gebremst worden war, bei der Ankunft im Zentralbahnhof zu München einen Prellbock. Darauf geriet der Zug auf den Bahnsteig und drang bis zur Perronsperre vor. Dort wurde ein Reisender von der Maschine des entgleisten Zuges erfaßt und schwer verletzt; eine Dame erlitt leichtere Kontusionen. Der bayrische Verkehrsminister von Frauendorfer erschien nach kurzer Zeit mit dem Staatsrat Ebermayer an der Unglücksstelle.
— (Diebe durch X-Strahlen über, führt.) Aus St. Petersburg wird berichtet: Ein gut gekleideter Mann wurde kürzlich in betrunkenem Zustande in K i e w verhaftet und nach der Polizeiwache gebracht. Als er wieder zum Bewußtsein kam, behauptete er, daß ihm 1220 Mk., die er bei sich gehabt hätte, abhanden gekommen wären. Im Gefängnis befanden sich fünf andere Gefangene, die man nun untersuchte. Man fand bei ihnen auch 780 Mk. Wo waren aber die noch fehlenden 440 Mk. geblieben? Mit Hülse der X Strahlen fanden sie sich auch, und zwar — im Innern der fünf Diebe. Sie hatten die Goldstücke verschluckt, weil sie hofften, auf diese Weise den Diebstahl zu verbergen.
— (StrengerWinter in Spanien) Aus Madrid, 9 Januar, meldet man: Der jetzige Winter ist einer der furchtbarsten, Deren Spanien sich erinnert. In den Provinzen Soria, BurgoS, Teruel und Leon zeigt das Thermometer 16 Grad Rsaumur unter Null. Die Stadt Segovia, 70 Kilometer von Madrid entfernt, ist infolge gewaltiger Schneemassen feit vier Tagen von der Außenwelt abgeschnitten. Die Züge nach verschiedenen Richtungen werden vor Ablauf von vier Tagen nicht fahren können. Das Meer ist furchtbar aufgeregt, viele Fischer sind ertrunken.
— (Wieder ein Unglück im Löwen- käsig) Eine schreckliche Szene spielte sich vor den Augen zahlreicher Zuschauer in der Menagerie von Droxler zu Paris ab. Droxler, ein bekannter Tierbändiger, wurde von einer Löwin angefallen und sehr schwer verletzt, auch seine Frau, die ehemalige Tänzerin La Goulue, welche ihm zu Hülfe eilte, erlitt mehrere Wunden. Die rasende Löwin wurde von einem an- Wesenheit Schutzmann durch mehrere Revolverschüsse getötet. Der ganze Vorgang dauerte zwei Minuten lang.
Eingesandt.
(Unter Verantwortlichkeit des Einsenders.)
Auf Ehrenwort verlobt.
Nicht im „Rausch e" war's geschehen, Nicht „in der Sylv e st er nacht",
Als sein Liebchen er gesehen,
Als der Bund zu Stand gebracht!
Nicht berauscht, nein, klar bei Sinnen, Unb vor Zeugen, Ehrenwort!
Erst nach reiflichem Besinnen!--
Doch, wenn Ehre, Alles fort! —
Denn das Wort, das er verpfändet, Warf er schnöde über Bord, lind das Spiel ist nun beendet: Denn, wenn Ehre, Alles fort —