Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
Abonnementspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Psg. exel. Postaufschlag.
Nntrlm -eil 17. Zezmier
Amtlicher Teil
Nichtamtlicher Teil
Gratlsbeilagkn: „Jlliistrirtcs Sonutagsblatt" und „Jllustrirte Landwirtschaftliche Beilage Ä^ Fernsprecher Nr. 8. -53g
Hersfeld, den 11. Dezember 1903.
Der Herr Regierungs-Präsident hat auf ein Gesuch des Vorsitzenden des Mitteldeutschen Gastwirte Verbandes angeordnet, daß unter allgemeiner Anwendung des . § 17 Absatz 3 der Polizei-Verordnung vom 12. Mai L b. I«. (Amtsblatt S. 48) die von den Polizeibehörden R vorzunehmenden ersten Revisionen der Apparate und Bierdruckvorrichtungen erst nach dem 1. Februar k. Js. erfolgen sollen, damit die erforderlichen Er- is gänzungsarbeiten erst vollständig zur Ausführung gebracht werden können.
In Abänderung meiner Verfügung vom 24. Juli I b. Js. J. I. 4680 (Kreisblatt No. 88) werden die Ortspolizeibehörden des Kreises veranlaßt, mir nunmehr bis zum 1. März 1904 zu berichten, daß die Prüfung der Bier-Druck- und Leitungsvorrichtungen i durch den Sachverständigen erfolgt ist und die hierbei etwa vorgefundenen Mängel beseitigt worden sind. Hierbei teile ich den Ortspolizeibehörden zugleich noch . Folgendes mit:
Die Kosten der ersten Prüfung neuer oder wieder ^ausgestellter gebrauchter Apparate und Einrichtungen, für welche eine amtliche Prüfungsbescheinigung nicht : nachgewiesen werden kann, oder an denen wesentliche, . U die Betriebssicherheit beeinflussende Aenderungen der Einrichtung getroffen worden, sind nach dem § 14 der Verordnung dem Betnebsinhaber auferlegt worden, während die Kosten der Nachprüfung der voihandenen, vor der Veröffentlichung im Amtsblatt Nr. 30 vom | 22. Juli d. Js. im Betriebe gewesenen und vor - diesem Zeitpunkte polizeilich angemeldeten Bierdruckvorrichtungen ebenso wie die regelmäßig wiederkehrenden Untersuchungen von den Polizeibehörden getragen werden.
* I 8805. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.
Hersseld, den 10. Dezember 1903.
Der Schreiner Georg L o tz in Leggers ist heute als Bürgermeister dieser Gemeinde eidlich verpflichtet
; worden.
A. 3727.
Der Königliche Landrat Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Ohne furcht und Cadcl. *
Erzählung von Lucie Jdeler.
(Fortsetzung.)
„Denken Sie daran, daß ich diese alten Kasten von I Schlössern genau kenne!" fuhr Beauchamp grimmig fort. „Sie sind mehr oder minder alle ähnlich erbaut, und ich habe in der Vendse schon manchen Edelmann aus seinem letzten Versteck hervorgezogen, wenn die RevolutionS- truppen das Schloß erstürmt halten!" Ein brutales Lächeln flog dabei über feine widerlichen Züge.
„Sie werden uns auf unserer Rundreise durch Ihr Schloß begleiten, mein Herr Baron," fuhr Beauchamp fort, „und uns nicht von der Seite weichen. Außerdem laffe ich Sie durch meine Leute genau beobachten, damit Sie nicht etwa ein Zeichen geben können, um den versteckten Spion zu warnen."
„Ich weiß gar nicht, wie ich eigentlich in diesen Verdacht komme," erwiderte der Baron kühl, im Gefühl vollkommener Sicherheit, da Brandenstein längst auf und davon war.
„Sie einem Verhör zu unterwerfen," fuhr Beauchamp fort, „würde ja doch nichts nützen. Darin sind sich alle Edelleute gleich, daß sie solche Familiengeheimnisse," — er lachte roh auf — „niemals anderen preiSgeben, und ich verlasse mich mehr auf meine guten Augen, als auf Ihre Aussagen. Vorwärts also, ich werde mir nun erst einmal das Schloß von außen ansehen."
Bekanntmachung.
Auf Grund des rechtskräftigen Planfeststellungsbe- schlusfes des hiesigen Bezirksausschusses vom 13. Oktober ds. Js. — B. A. 3562 — soll zum Bau der Nebenbahn Treysa—Hersfeld von dem Grundstück des Herrn Ludwig von Baumbach und dreier Miteigentümer Gemarkung Heddersdorf Kartenblatt 3 Parzelle 27, Acker, „Im Ried" eine Fläche von 18 ar 72 qm enteignet werden.
Von dem Herrn Regiernngs-Präsidenten zum Enteignungskommissar ernannt, habe ich zur kommissarischen Verhandlung mit den Beteiligten zwecks Feststellung der Entschädigung für die zu enteignende Grundfläche gemäß § 25 Abs. 1 des Enteignungsgesetzes vom 11. Juni 1874 Termin auf
Dienstag, den 22. Dezember ds. Js.,
vormittags IOV2 Uhr
— Zusammenkunft im Bürgermeisteramt zu Heddersdorf — anberaumt.
Zu diesem Termin werden alle Beteiligten gemäß § 25 Absatz 4 a. a. O. mit der Aufforderung geladen, ihre Rechte im Termin wahrzunehmen.
Diese Ladung erfolgt unter der Verwarnung, daß beim Ausbleiben der Geladenen ohne deren Zutun die Entschädigung festgestellt und wegen Auszahlung oder Hinterlegung derselben verfügt werden wird.
In dem Termin ist jeder an dem zu enteignenden Grundstück Berechtigte befugt zu erscheinen und sein Interesse an der Feststellung der Entschädigung, sowie ihrer Auszahlung und Hinjerlegung wahrzunehmen.
Auch ein etwaiger Antrag auf vollständige Uebernahme des teilweise in Anspruch genommenen Grundstücks ist von den Grundeigentümern in dem Termin anzubringen. Spätere Anträge dieser Art sind unzulässig.
Ueber den Besitztitel haben sich die Beteiligten in dem Termin auszuweisen.
Im Falle der Notwendigkeit einer örtlichen Besichtigung der zu enteignenden Fläche wird diese sofort vom Terminlokale aus vorgenommen werden.
Cassel, den 14. Dezember 1903.
Der Enteignungs-Kommissar
S ch u m a n n,
Regierung - Rat.
A. II. 16582.
Durand zuckte leicht zusammen, die Sache war doch nicht ungefährlich. Der Franzose taxierte erst die Dicke der Mauern, die Lage der Fenster.
Mit Besorgnis bemerkte er, daß sich Beauchamp bei feinem langsamen Rundgang rings um das Schloß her. um verschiedene Aufzeichnungen auf seiner Brieftafel machte. Endlich klappte der Oberst das Buch zusammen, steckte es in die Brusttasche und wandte sich zu den ihn begleitenden Offizieren: „Wenn ein geheime« Gemach in diesem alten Gemäuer ist, so kann es nur in diesem dicken Turm da sein!" sagte er und wie« mit der Hand auf den richtigen Punkt. „Für den koloffalen Umfang ist ein Fenster auffallend wenig. Da« ist ja wohl da« Fenster, in dem Nachts das Licht von Falkenwalde brennt?" fragte er plötzlich den Baron.
Durand bejahte, der Franzose war gut unterrichtet.
„Außerdem sehe ich daneben ein kleine« Schießloch!" fuhr Beauchamp fort, „also können Lust und Licht zu dem Raum Zutritt haben, und der Versteckte braucht nicht zu ersticken."
„Es sind aber mehrere solcher Schießscharten hier, die noch aus den Polenkämpfen herrühren, und die später, als die Zeiten ruhiger wurden, von innen mit einem Stein geschloffen wurden," bemerkte Kaschke ehr« erbietig. „Sehen der Herr Oberst hier!" — Er stieß mit dem Stock, den er in der Hand hielt, in eine derartige Oeffnung, die sich in Manneshöhe über dem Erdboden befand, der Stock stieß auf Stein.
Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzekl«
10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Psg.
Reklamen die Zeile 20 Psg. Bei größeren Aufträgen entsprechender
Rabatt.
Berlin, 15. Dezember.
S e. Majestät der Kaiser empfing gestern vormittag noch den Prof. Röchling. Nach der Früh- stückstafel unternahm Se. Majestät einen Spaziergng. — Heute vormittag hörte Allerhöchstderselbe die Vorträge des Chefs des Militärkabinetts und des Chefs des Marinekabinetts.
Zur Hofjagd in der Göhrde gedenkt S e. Majestät der Kaiser Donnerstag vormittag von der Wildparkstation abzureisen, um gegen Mittag in dem Jagdgebiet einzutreffen. Dort findet im Laufe des Nachmittags eine Jagd auf Schwarzwild und am Freitag eine Jagd auf Rotwild statt. Nach Besichtigung der Strecke verläßt der Kaiser Göhrde, um nach Hannover weiterzu- reisen zur Teilnahme an der dreifachen Regimentsfeier; die Ankunft auf dem dortigen Bahnhöfe wird am Freitag, 18. d. Mt«., abends UV2 Uhr, erfolgen. — Zur Teilnahme an den Kaiserjagden in der Göhrde hat auch Großfürst Wladimir von Rußland eine Einladung erhalten. Der Großfürst begibt sich von Paris, wo er sich zurzeit aufhält, zunächst nach dem Neuen Palais, wo die Ankunft morgen (Mittwoch) abend erfolgt und am andern morgen nach der Göhrde.
Im Reichstage machte am Montag Graf Ballesirem zunächst Mitteilungen über den Empfang des Reichstagspräsidiums durch den Kaiser. Bei der Fortsetzung der Etatsberatung erhielt alsdann Bebel das Wort, der sich eine noch schwächere Rede, als seine erste Etatsrede eS war, leistete. Der Reichskanzler hatte daher leichte Mühe, dem Sozialistenhäuptling eine neue gründliche Abfuhr zuteil werden zu laffen. Er schloß mit einem warmherzigen Appell an das Bürgertum zu einmütigem, festem und energischem Zusammenschluß gegenüber der sozialistischen Gefahr. Nach einigen treffenden Ausführungen des Kriegsministers von Einem fpr»4 als letzter Redner des Tages Slöcker, der Gottesfurcht und Religiosität als das wirksamste Mittel zur Bekämpfung der Sozialdemokratie empfahl. — Auf der Tagesordnung der heutigen Reichstagssitzung stand die dritte Lesung des Handelsprovisoriums mit England. Abg. Liebermann v. Sonnenberg (Wirtsch. Vgg.) verzichtete darauf, die Auszählung zu beantragen, da das Provisorium bereits zweimal von einem gutbesetzten Hause angenommen sei. Seine Freunde
Beauchamp runzelte die Stirn, dieser Umstand war sehr fatal und erschwerte das Suchen gewaltig. „Was ist das für ein Kerl?" fuhr er den Baron an.
„Mein Bedienter, er ist schon lange in meinem Haufe und kennt jeden Winkel."
„Nun, wir werden ja sehen. Einstweilen soll kein Winkel in Ihrem Hause undurchsucht bleiben."
Durand blieb stehen. „Auch die Gemächer meiner Mutter nicht?"
„Auch diese nicht. Wir setzen eben Zweifel in Ihre Loyalität, Herr Baron."
„Das ist rücksichtslos, und ich weiß nicht, ob Marschall Macdonald dies Vorgehen billigen würde."
„Jetzt habe ich hier zu befehlen. Meinetwegen benachrichtigen Sie Ihre Mutter, daß sie ihre Zimmer verlaffen könne, solange wir sie durchsuchen, in der Kleidertasche kann sie schließlich den Spion nicht mit hinausnehmen." Wieder lachte er in der gemeinsten Weise.
Der Baron wurde bleich vor Zorn, Kaschke ballte heimlich die Faust. Dann aber klopfte Durand an die Tür seiner Mutter. Die alte Dame öffnete und trat auf die Schwelle. „Was willst du, Max?" fragte sie.
Ehe Durand antworten konnte, trat Beauchamp vor. „Wir haben Befehl, die« Schloß von oben bis unten zu durchsuchen, und möchten bei Ihren Räumen den Anfang machen, Madame. Vielleicht haben sie ihn gerade hier versteckt?" flüsterte er seinem Adjutanten zu.