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KS* Fernsprecher Nr. 8. -^x

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Lonmküd Den 12. Iezmber

1903.

Erstes Blatt.

Amtlicher Teil.

Hertzfeld, den 10, Dezember 1903.

Die Herren Orlsvorstände erhalten in den nächsten Tagen die 9ietrutirung6ftommrollen von den Jahrgängen 1881, 1882 und 1883 zurück, um dieselben nebst den Anlagen in der Gemeinde-Repositur gemäß § 46 Abs. 12 der W. O. sorgfältigst aufzubewahren.

J. II. 5176. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

Hersfeld, den 9. Dezember 1903.

Der Landwirt Nikolaus Gillmann zu Biedebach ist heute als Leichenbeschauer dieser Gemeinde eidlich ver­pflichtet worden.

I. 8777. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungtz-Ral.

Hersfeld, den 9. Dezember 1903.

Der Landwirt Jakob Apel zu HeeneS ist heute als Leichenbeschauer dieser Gemeinde eidlich verpflichtet worden.

1. 8778. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.

Hersfeld, den 10. Dezember 1903.

Unter der Schafheerde zu Bebra, Kreis Rotenburg, ist die Räude ausgebrochen.

I. 8784. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS Rat.

Buchführurrgs-Kurfe.

Im nächsten Februar soll hier in Cafsel wiederum ein 14tägiger Kursus für einfache Buchführung nach dem von uns aufgestellten Muster in der bereits be­währten Weise durch unseren Sachverständigen für Buchführung, Herrn G. G e r l a n d - Wahlershausen- Cassel, Inhaber der Geschäftsstelle für landwirtschaft­liche Buchführung daselbst, abgehalten werden. Um aber auch denjenigen Landwirten unseres Bezirkes, welche nicht so lange vom Hause abkommen können, Gelegenheit zu geben, eine bewährte einfache Buch­führung kennen zu lernen oder ihre bereits vor­handenen Kenntnisse wieder aufzufrischen, beabsichtigen wir in sämtlichen Kreisstädten unseres Bezirkes ähn­liche Kurse zu veranstalten, welche zu leiten unser ge­nannter Sachverständiger sich erboten hat. Ein solcher Kursus würde bei täglich etwa sechsstündiger Arbeit eine Woche in Anspruch nehmen und das Honorar für jeden Teilnehmer 10 Mk. betrogen, außerdem würde von demselben unsereLandwirtschaftliche Buchführung" kleine Ausgabe, Preis 60 Pfg. und einige vom Leiter des Kursus hergestellte Formulare, Preis zusammen 50 Pfg., zu beschaffen sein. Bedingung für das Zu standekommen eines solchen Kursus ist aber, daß er mindestens 20 Teilnehmer findet. W i r biten daher, die Annieldungen schon jetzt und spätestens bis zum 15 k. Mts. an uns ge­langen zu lassen. Lokal und Zeit der abzu» haltenden Kurse wird an dieser Stelle s. Zt. bekannt gemacht werden. Für solche, welche unsere Buchführung in ihrer Wirtschaft einzuführen beabsichtigen, sei noch mit­geteilt, daß unsere bäuerliche Buchführung, in der kleinen Ausgabe für Landgüter bis ca. 20 sia genügend, bei uns für den erwähnten Preis, für größere Land­güter bei Herrn G. Gerland- Wahlershausen-Cassel für den Preis von 5,20 Mk. zu haben ist. Der

letztere liefert dazu noch, für etwa 5 Jahre ausreichend, das Tagebuch (6 Mk), das Probemelk- und Trächtig- keits-Register (4 Mk.) und das BestellungS- und Ernte- Register (2,50 Mk.)

Der Vorstand

der Landwirtschaftskammer für den Reg.-Bez. Cafsel:

H. E. von Stockhaufen.

Nichtamtlicher Teil.

Berlin, 10. Dezember

Ihre Kaiserlichen Majestäten unter­nahmen mit den Kaiserlichen Kindern und Admiral Hollmann gestern vor der Frühstückötafel einen Spaziergang über die Orangerie und durch Sanssouci. Zur Frühstückstafel war Admiral Hollmann geloben. Heule vormittag von 10 Uhr ab hörte S e. Majestät der Kaiser die Vorträge des Kriegsministers und des Chefs des Generalstabes der Armee.

Ueber das Befinden Sr. Majestät des Kaisers erfährt dieFranks. Zeitung" aus einer Quelle, die sie als unanfechtbar bezeichnet, daß die Heilung der Operationswunde in durchaus normaler Weise verlausen ist. Es bestehe volle Sicherheit dafür, daß der Kaiser in etwa 14 Tagen bis drei Wochen wieder in ungehindertem Besitz seiner Stimme sein werde. Der Zeitpunkt hängt davon ab, wie die von Dr. Spieß vorzunehmenden Uebungen fortschreiten. Es unterliege nicht dem geringsten Zweifel, daß der Kaiser in der Lage sein wird, den Landtag persönlich zu er­öffnen. Ebenso sei der gutartige Charakter der Er­krankung mit aller wissenschaftlichen Sicherheit festgestellt worden. Der entfernte Polyp war zum Zweck dieser Untersuchungen in 73 Schnitte zerlegt worden. Der gutartige Charakter der Wucherung erhelle übrigens auch daraus, daß die Operation nach Feststellung des Polypen noch zwei Monate bis nach dem Zaren­besuch hinausgeschoben werden konnte.

Die erste Lesung des Etats im Reichs­tag e hat dem neuen Staatssekretär im Reichsschatzamt, Frhrn. v. Stengel, die Gelegenheit gegeben, sich dem Hause vorzustellen. Was der Nachfolger des Frhrn. v. Thielmann über die Finanzlage sagte, ist nicht er­freulich: die Ausgaben des Reiches wachsen schneller als Einnahmen, und es muß zur Deckung der Schulden eine Anleihe ausgenommen werden; aber Frhr. v. Stengel will durch die Finanzreform bessere Zustände schaffen. Das Schicksal derkleinen Reichsfinanz­reform", deren Zustandekommen als Brücke zu der end­gültigen Regelung der Frage wünschenswert und not­wendig ist, hängt im Reichstage vom Zentrum ab. Konservative und Nationale sind dafür, Sozialdemokratie und Freisinn dagegen, baS Centrum bildet also das Zünglein an der Wage. Nach der Rede des Abg. Dr. Schädler ist zu erwarten, daß das Zentrum trotz mancher Einwände der Borlage schließlich zur An­nahme verhelfen werde.

Der Seniorenkonvent hielt gestern vor der Plenarsitzung eine kurze Besprechung ab. Der Präsident Graf Ballestrem begüßt die Erschienenen und teilt mit, daß er auf höchstens neun Sitzungstage vor Weihnachten noch rechne; als spätesten Schlußtag der Verhandlungen bezeichnete er Freitag, den 18. Dezember. Bis dahin wären zu erledigen die erste Lesung des Etats und das Handelsprovisorium aus England. Für diese letztere Vorlage ist die erste und zweite Lesung am Sonnabend, die dritte am Montag in Aussicht genommen. Nach Schluß der ersten Etatsberatung würden die Weihnachtsferien beginnen.

Ein Antrag MüllerFulda, von allen anwesenden Mitgliedern des Zentrums unterzeichnet, fordert Ab­änderung des Gesetzes betreffend die Schlachtvieh- und Fleischbeschau vom 3. Juni 1900, und zwar: i 1. Der § 23 des Gesetzes betreffend die Schlachtvieh- i

und Fleischbeschau wird abgeändert wie folgt:Die Kosten der amtlichen Untersuchung (§ 1) fallen den Bundesstaaten zur Last. Gebühren dürfen hierfür von den nach § 1 Verpflichteten nicht erhoben werden."

2. Dieses Gesetz tritt mit dem Tage der Verkündigung in Kraft. Wir sind, überzeugt, bemerkt die Germania", daß die Landwirtschaft diesen Antrag als freundliche Nikolausgabe freudig begrüßen wird. Er bedeute für die Landwirte eine, bare Ersparnis von je 3 Mk. für jedes Stück Großvieh und von 12 Mk. für jedes Stück Kleinvieh.

Den größten Teil der heutigen Reichstags-Sitzung füllte Bebel mit seiner großen Etatsrede aus. Er sprach von der Rednertribüne aus. Die ersten anderthalb Stunden gingen recht ruhig hin. Bebel kritisierte mit gewohnter Leb­haftigkeit, aber doch in gleichmäßigem Redefluß die Finanz­novelle, die ostasiatischen Verhältnisse, das Geschütz von 1896, die Kavallerie-Attacken, die Schützenschnüre, die Parade bei Erfurt, deren Feld ein Jahr lang planiert worden sei, die besitzenden Klassen, die die Lasten auf das Volk abwälzte (hier kommen einige Oho's rechts), die Wehrsteuer, das Schutz­zollsystem, die drohenden Stromschiffahrtsabgaben, die neuen sozialpolitischen Initiativanträge und einiges andrre. Arbeiter­entlassungen in Krimmitschau gaben ihm Anlaß, das Ver­halten der Arbeitgeber gemein, niederträchtig und ehrlos und das der sächsischen Regierungsorgane empörend und, als höchster Tadel, recht sächsisch zu'' nennen. Der Empfang Vanderbilt's in Westpreußen wurde scharf verurteilt, vor Rußland rutschten wir auf dem Bauch. Etwas unvermutet schloß er nach 2x/4 Stunden. Graf Bülow folgte. Er sprach wie immer klar, laut, gut disponierend und stilisierend, un- beirret durch Zwischenrufe. Seine einstündigen Ausführungen, die sich ausschließlich gegen die Sozialdemokratie richteten, fesselten die'Aufmerksamkeit aller Parteien, zahlreiche Pointen erregten zum Teil unbändige Heiterkeit, zum Teil lauten Lärm und wütende Protestkundgebungen bei den Sozialdemo- kraten. Mehrfach während der Rede und besonders am Schluß wurde starker Beifall laut. Die Rede Bebels, eine Schrift Kauts- ky's und vor allem der Dresdner Parteitag boten dem Gra­fen Bülow das Material, um dem Sozialismus Mangel an Logik, Zügellosigkeit der Kritik, Unduldsamkeit, Engherzig­keit und Ketzerrichterei vorzuwerfen. Der schlimmste Byzan­tinismus sei der nach unten: derjenige der Volksschranzen, die dem Jnstiukt der Massen schmeichelten. Wie die Dresdner Kakophonie wieder gezeigt, wie es die Tyrannei der Sozial- demokraten auf den Bauplätzen, in den Werkstätten, in den Krankenkassen lehrte, gäbe es nirgends weniger Freiheit, als bei den Genossen, wo es heiße: Willst du nicht mein Bruder sein, so schlag' ich dir den Schädel ein! Die Soziat- demokraten wüßten nur zu negieren, sie erschwerten auch der Regierung die Aufrechterhaltung guter Beziehungen zu aus­wärtigen Staaten, die in wohlverstandenem Interesse Deutsch- lands lägen, und das, was sie bis jetzt Positives in Aussicht stellten, der sogenannte Zukunftsstaat, sei eine unklare Utopie. Die Regierung würde die Bestrebungen zum Wohl der Arbeiter fortsetzen, obwohl diese gerade von den Sozial- demokraten erschwert würden durch die Verquickung mit antimonarchischen Tendenzen. Mit Stromschiffahrtsabgaben sei es übrigens nichts. Nach der Rede des Kanzlers wurde es still im Haus. Sodann setzte Graf Stolberg den Stand­punkt der Konservativen zum Etat und Finanzgesetz, der im allgemeinen wohlwollend ist, in Ruhe auseinander. Graf Ballestrem vertagte gegen 6 Uhr die Sitzung.

Aus Kiel, 8. Dezember, wird geschrieben: Mit dem KreuzerA l e x a n d r i n e", für den der Marine­etat 1904 die ersten Mittel eines Ersatzbaues fordert, scheidet ein Schiff aus der Marine, das wie kaum ein anderes auf einer sechsjährigen Auslandsreise, von 1889 bis 1895, die Meere durchquert und in vielen Fällen gefährdeten deutschen Interessen wirksamen Schutz ge­boten hat.Alexandrine" ging zuerst nach Australien, dann nach Ostasien, von hier durch den Großen Ozean noch Chile und um Kap Horn nach Kaptstadt und Sansibar. Von dort ging die Fahrt wieder nach Ost- asien, dann um das Kap der guten Hoffnung nach Brasilien, wieder um Kap Horn nach Peru, von dort

abermals durch den Stillen Ozean nach Ostasien und dann in die Heimat zurück. Der Kreuzer hat also zweimal die Erde umfahren, einmal nach Osten und ein­mal nach Westen zu. In China warAlexandrine" zur Zeit der Christenverfolgungen, in Chile bei Ausbruch einer Empörung, in Brasilien gelegentlich des von Admiral de Mello angestifleten Bürgerkrieges, und schließ­lich nach Ausbruch des chinesisch japanischen Krieges in Ostasien. Das Schiff hat den Handelsinteressen Deutsch­lands bei diesen Gelegenheiten große Dienste geleistet