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Gratisbeilageu: „Jllustrirtes Sonntagsblatt" und „Jllnsttirte Landwirtschastlichc Beilage".-
SS" Fernsprecher Nr. 8. -^g
Nr. 145.
Sitnüm -es 8. IezemKr
1901
Amtlicher Teil.
Cassel, den 1. Dezember 1903.
Auf Grund ministerieller Ermächtigung habe ich die Polizeibehörden angewiesen, den Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen an den zwei letzten Sonntagen vor Weihnachten, nämlich am 13. und 20. Dezember b. Js. bis 8 Uhr Abends für die Dauer von 10 Stunden unter Wahrung der für den Hauptgottesdienst festge- setzten Pause freizugeben.
Während des übrigen Gottesdienstes dürfen an den
genannten Tagen die Geschäfte geöffnet sein.
Am drittletzten Sonntag vor Weihnachten, am 6. Dezember d. Js., ist nach Bekanntmachung vom 22. August 1892 (AmtSbl. 1892 S. 208) in allen Zweigen des Handelsgewerbes die Beschäftigung von Gehülfen, Lehrlingen und Arbeitern sowie der Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen bis 7 Uhr Abends zulässig. A. II. 15399.
Der Regierungs-Präsident: Trott zu S o l z.
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Vorstehende Bekanntmachung haben die Herren OrtS- vorstände des Kreises alsbald auf ortsübliche Weise zur Kenntnis der Gewerbetreibenden zu bringen.
Hersfeld, den 4. Dezember 1903.
I. 8674. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 4. Dezember 1903.
Unter dem Schweinebestande des Schloffermeisters Heinrich Weiffenbach in Niederaula ist die Rotlausseuche auSgebrochen.
I. 8636. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.
Heröfeld, den 2. Dezember 1903.
Auf Seite 334 des diesjährigen Amtsblatts ist unter Ziffer 939 irrtümlich durch ein Kanzleiversehen der zurückgelegte, nicht vollzogene Entwurf einer Polizeiverordnung Königlicher Regierung, betreffend die mikroskopische Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen und Finnen, veröffentlicht worden.
Ohne furcht und Cadcl.
Erzählung von Lucie Jdeler. (Fortsetzung.)
Der Marschall dachte einen Augenblick nach. „Nein!" sagte er dann, „das dürfen wir nicht, der Baron von Durand gilt als unser Anhänger. Der Verdacht ist zwar sehr stark, daß er doch ein falsches Spiel spielt," — hier warf er einen drohenden Blick auf den Schloßherrn, — „und danach werden wir unsere Maßregeln treffen. Wir müssen jetzt fort, dem glorreichen Kaiser nach, der die russischen Armeen wie Schafherden vor sich hertreibt, aber ich werde auf einige Tage ein Kavallerieregiment von unserer Nachhut nach Schloß Falkenwalde ubkommandieren, die achten Dragoner, ihr Oberst Beauchamp steht durchaus in dem Ruf, auch das Ver- borgendste herauszubringen. Also gardez, Herr Baron von Durand!" Er grüßte mit schlecht verhehltem Hohn, und wie ein Gewitterwind stiebte der Reitertrupp vom Schloßhof herab, in den sich drängenden Haufen der gaffenden Dorfleute mitten hinein, unbekümmert darum, ob die galoppierenden Pferde mit ihren Eisenhufen die Menschen rechts und links niedertraten.
Der Baron und sein getreuer Diener standen allein und blickten einander mit bleichen Gesichtern an. „Woher kommt denn das?" fragte Kaschke endlich, „sie waren doch sonst immer zutraulich, auch die letzten noch, die hier waren."
„Wir müssen irgendwie verraten sein!" seufzte der Baron, „sie traten ja zu bestimmt auf. Vielleicht direkt
Die Polizeiverordnung ist tatsächlich nicht erlassen, auch ist die Zustimmung des Bezirksausschusses zu dem Erlaß nicht eingeholt worden, die irrtümliche Ver- öffentlichung entbehrt somit der Rechtsgültigkeit. In der auf Seite 342 des Amtsblatts unter Nr. 960 veröffentlichen Berichtigung vom 24. v. Mts. ist dieser Sachverhalt auseinandergesetzt und zugleich ausgesprochen, daß die Veröffentlichung der Polizeiverordnung auf Seite 334 des Amtsblatts als nicht erfolgt zu betrachten sei.
Zur Vermeidung unliebsamer Mißverständnisse haben die Ortspolizeibehörden die Trichinenschauer des Kreises sofort von diesem Sachverhalt in Kenntnis zu setzen.
I. 8522. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 5. Dezember 1903.
Unter den Schafheerden zu Schwarzenhasel und Weißenhasel, Kreis Rotenburg, ist die Räude ausgebrochen. I. 8680 u. 8681. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Nichtamtlicher Teil.
Berlin, 6. Dezember.
Se. Majestät der Kaiser hörte am Sonnabend vormittag im Neuen Palais die Vorträge des Staatssekretärs des Reichsmarineamts und des Chefs des Marinekabinetts. — S e. Majestät der Kaiser wird nach den bisherigen Disposttionen bestimmt an der Hofjagd in der Göhrde am 17. und 18. d. M. teil- nehmen. Von Göhrde wird sich der Monarch mit seiner Umgebung nach Hannover begeben, um dort am 19. an der Hunderjahrfeier des KönigS-Ulanen-RegimentS teil- zunehmen. Die Rückreise von Hannover nach Wildpark wird an demselben Tage abends erfolgen.
Die „Kölnische Zeitung" schreibt über das Befinden des Kaisers: Obgleich in der Reichstags- Thronrede in der denkbar amtlichsten Weise festgestellt worden ist, daß die Heilung des Kaisers in durchaus erfreulicher Weise fortschreitet, sind im Auslande und
durch den verwundeten Franzosen, von dem der Marschall sprach, er hat sich wohl auch nach Falkenwalde geschleppt und mag es gesehen haben, daß ich den preußischen Offizier aufnahm. Den Oberst Beauchamp kenne ich, und mir wird bange bei dieser Aussicht. Er ist ein älterer Mann und war während der Schreckenszeit einer der eifrigsten Diener der Revolution, er hat schon Hunderte von Menschen auf das Schaffst gebracht."
„Wir müssen die Feder der Geheimtür entzwei schlagen, damit sie sich nicht öffnen läßt," antwortete der Förster nach einigem Besinnen, „werden die Waffen noch gebraucht, so brechen wir nachher die Tür auf."
„Daran habe ich auch schon gedacht, und das ginge, wenn Herr von Brandenstein nicht wäre! Wir können ihn doch unmöglich ohne Nahrung lassen, und wer weiß, wie lange sich die Franzosen hier dann aufzuhalten belieben."
„Herr von Brandenstein muß fort!" sagte der Förster entschieden.
„Er kann noch nicht reisen!"
„Er muß! Bleibt er hier, so entdecken sie ihn sicher. Und zwar muß er gleich fort, heute abend noch! Wir wollen sofort zu ihm gehen, Herr Baron, und mit ihm sprechen."
Die beiden Männer stiegen die Treppe zum Turm- zimmer empor, und Kaschke, der vorher in der ver- abredeten Weise angeklopst hatte, öffnete zum zweitenmal. Kurt von Brandenstein trat ihnen entgegen, er sah sehr bleich aus. „Die Entdeckung schwebte heute an einem seidenen Faden über mir," sagte er erregt.
leider auch im Jnlande vielfach entgegenstehende beunruhigende Mitteilungen verbreitet. Demgegenüber ist festzustellen, daß die behandelnden Aerzte nach wie vor über den gutartigen Charakter der Erkrankung keinen Augenblick im Zweifel sind, daß die Heilung normal verläuft und das Gesamtbefinden des Kaisers, wenn ihm auch die erzwungene Schonung naturgemäß unbeqeum ist, nichts zu wünschen übrig läßt. Als zur Operation geschritten werden mußte, hat der Kaiser seine ausdrückliche Willensmeinung den zugezogenen Aerzten nicht nur dahin ausgesprochen, daß sie ihrer wissenschaftlichen Ueberzeugung rückhaltlos ihm gegenüber Ausdruck geben sollten, sondern auch dahin, daß der Oeffentlichkeit gegenüber keinerlei Ver« tuschungS- oder BeschönigungSversuche gemacht werden sollten. Diesem Befehl entsprechend ist verfahren worden, und es ist jederzeit der wirkliche Tatbestand der Wahrheit gemäß dargestellt worden. Wenn dann später die Berichte eingestellt wurden, so hat das offenbar seinen Grund darin, daß der normale Verlauf der Erkrankung eine weitere Berichterstattung unnötig erscheinen ließ. Dieser Zustand dauert auch jetzt noch an, und die öffentliche Meinung hat keinen Grund, stch durch pessimistische oder sensationelle Nachrichten in Unruhe versetzen zu lassen.
Im Interesse bedürftiger Kriegsinvaliden hat der konservative Abgeordnete Nißler mit Unterstützung verschiedener Mitglieder der konservativen Partei sowie Angehöriger des bayerischen Bauernbundes, des Bundes der Landwirte sowie des Deutsch- Sozialen Liebermann von Sonnenberg folgenden Antrag im Reichstage eingebracht: „Der Reichstag wolle beschließen, die verbündeten Regierungen um Vorlegung eines Gesetzentwurfs zu ersuchen, durch welchen unter Abänderung des Artikels If Ziffer 3 des Gesetzes vom 22. Mai 1895, betreffend die Verwaltung des Reichs- Jnvalidenfonds aus allgemeinen Reichsmitteln Beträge zur Verfügung gestellt werden behufs sofortiger Gewährung von Beihülfen an solche Personen des Unteroffizier- und Mannschaftsbestandes des Heere» und der Marine, welche an denjFeldzügen 1870/71 oder an den von deutschen Staaten vor 1870 geführten Kriegen ehrenvollen Anteil genommen haben und deren Erwerbsfähigkeit infolge von Alter und Krankheit oder anderen Gebrechen dauernd auf weniger als ein Drittel hinab-
„Sie ist nicht vorüber!" eutgegnete Durand traurig und berichtete seine Unterredung mit dem Marschall.
»Was nun?" fragte Kurt von Brandenstein und senkte mutlos das Haupt. „O! Max, für deine edle Hülfe ziehe gerade ich dich nun in das Verderben!"
„Noch ist nichts verloren!" fiel der Förster rasch ein, „wenn wir Sie gleich fortschaffen können in das Innere des Landes wieder zurück. Ihre Botschaft ist au»ge- richtet, und der Feind sammelt sich jetzt jenseits der Grenze, im Lande sind Sie am sichersten."
„Aber noch kann ich kein Pferd besteigen, es ist unmöglich, mit dem noch nicht geheilten Fuße!" entgegnete Brandenstein.
„Sie werden doch fahren können. Ich komme heute abend nach Dunkelwerden mit meinem Planwagen als Löb Freudental aus Wilna auf den Hof, das geschieht wer weiß wie oft und fällt niemandem auf. Sie werden hinten in den Wagen gelegt, und wir machen es Ihnen mit Decken und Kissen so weich und bequem wie möglich. Ich fahre mit meinem kleinen Pferdchen ruhig zum Dorf hinaus, den Weg, der am Schloßpark vorbeiführt; dort erwartet uns der Herr Baron mit seinen besten Kutschpferden, es sind ein paar prächtige Rappen edelster ostpreußischer Zucht, die etwa» leisten können. Sie werden mit dem leichten Gefährt förmlich davon fliegen. Anna wird Ihnen helfen, Herr Baron, wenn Sie mit der einen Hand die feurigen Tiere nicht bändigen können. Und nun, Herr von Brandenstein, wohin soll ich Sie fahren? Haben Sie keinen Verwandten in der ganzen Provinz, keinen Ort, wo Sie Aufnahme finden können"