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^r Fernsprecher Nr. 8. “^
$r. 142. KHag i« 1. jyfa 1901
Amtlicher Teil.
Saatenstand um die Mitte des Monates November 1903 im Kreise Hersfeld.
Begutachtungsziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = Mittel, 4 = gering, 5 = sehr gering.
(Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirtschaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901 — I B c 9476 M. f. L. — I b 3646 M. d. I. —)
F r u ch t a r t e n
Durchschnittsnoten für den
Anzahl der von den Vertrauensmännern abgegebenen Noten
Staat
Regierungsbezirk Cassel
1
2
3
4
5
1—2
2-3
3—4
4—5
Winterweizen ....
2,5
2,5
1
2
2
2
Sommerweizen . . .
——•
—
Winterspelz ....
2,2
—
Winterroggen....
2,4
2,5
1
2
4
Sommerroggen . . .
—
•—
Sommergerste....
—
--
Hafer......
—
Kartoffeln.....
—
—*
Klee.......
2,4
2,3
' 1
3
1
1
1
Luzerne......
2,7
2,5
1
1
Wiesen......
—
T—
Königliches statistisches Bureau.
Blenk.
Wird veröffentlicht.
Hersfeld, den 24. November 1903. Der Königliche Landrat Freiherr von Sch leini tz, Geheimer Regierungs-Rat
Nichtamtlicher Teil.
Berlin, 29. November.
Se. Majestät derKaifer unternahm vorgestern vom Neuen Palais aus einen Spaziergang und empfing um 2 Uhr den Botschafter in St. Petersburg Grafen v. Alvensleben, sowie darauf den Kommandeur des 1- Garde-UlanenregimentS Obersten und Flügeladjutanten v. Boehn. — Gestern vormittag hörte Se. Majestät die Vortrage des Staatssekretär« des . Reichr-MarineamtS und des Chefs des MarinekabinettS.
Da am nächsten Donnerstag die Eröffnung des Reichstages stattfinden wird, muß die an diesem Tage übliche Sitzung des Bundesrates ausfallen. Sie wird aber auf einen anderen Tag derselben Woche verlegt werden, und zwar auf einen Tag vor dem Zusammentritt des Reichstages. Denn der Bundesrat
Ohne furcht und Tadel.
Erzählung von Lucie I d e l e r. (Fortsetzung.)
Durand nickte. „Es wird geschehen. Soll ich die Nacht bei ihm wachen?"
„Das ist nicht nötig." Sie beugte sich über den fest Schlafenden. „Das Wundfieber wird morgen früh schon gewichen sein. Ich werde für passende Speisen sorgen, und wenn du dann mit ihm gesprochen hast, kann vielleicht Kaschke die wichtigen Briefe, bie dem Kranken so sehr am Herzen liegen, zu den Russen bringen."
„Das dachte ich auch schon. Wa« wir tun können, soll geschehen. So wollen wir ihn nun also schlafen lassen."
Die beiden zogen sich zurück, und Kurt von Branden- stein schlummerte im Hause bes Mannes, den er haßte und verachtete, sanft seiner Genesung entgegen, aber der Baron von Durand verbrachte eine schlaflose Nacht.
Am andern Morgen wurde dem Hausherrn die Meldung gemacht, daß sich der Verwundete den Umständen nach ziemlich 'wohl befinde und sofort verlangt habe, den Baron von Durand zu sprechen.
Es stellte sich heraus, daß auch Herr von Branden- Rein an die Verleumdung über die Bedeutung des Lichts in der Turmstube glaubte und dem Baron nochmals vorwarf, er habe ihn absichtlich in die Falle gelockt.
Es gelang dem Baron indessen, sich so weit zu beherrschen, um dem Verwundeten den Ursprung der Gewohnheit des brennenden Lichts zu erklären, die auf
hat vorher noch verschiedene wichtige Gegenstände zu erledigen, so namentlich die noch ausstehenden Einzel« etats, unter denen sich der ihm nunmehr zugegangene Militäretat befindet. Ferner wird er noch den Entwurf über die Verlängerung des Handelsprovisoriums mit England zu verabschieden haben. Dagegen erscheint eS nach dem gegenwärtigen Stande der Beratungen zweifelhaft, ob es gelingen wird, wie an leitender Stelle beabsichtigt war, auch den Entwurf über die Kaufmannsgerichte so rechtzeitig fertigzustellen, daß er dem Reichstage sofort zugehen könnte. Es hat sich nämlich bei den wiederaufgenommenen Verhandlungen hierüber in den Bundesratsausschüssen ergeben, daß die Fachjuristen ihren Standpunkt bezüglich der An- gliederung dieser neuen Sondergerichte an die Amtsgerichte inzwischen keineswegs aufgegeben haben, sondern ihn nach wie vor sehr nachdrücklich gegenüber der Vorlage vertreten, die bekanntlich die Angliederung an die
einen seiner Vorfahren zurückging, der sich einst im Walde verirrte.
„Und schon mehr als einem Flüchtling," so schloß der Baron, „der elend umherirrte, hat dies Licht gute Dienste geleistet, wie jetzt auch dir, Kurt von Branden- stein!"
Brandenstein aber konnte sich nicht so schnell entschließen, seinen Haß zu überwinden. Trotzdem ihm die Erklärung natürlich genug schien, sagte er daher nur voller Hohn: „Ein wohlgelungenes Märchen, fein ersonnen, um andere zu täuschen!"
„Hast du mich je als Lügner erkannt?" fuhr Maximilian von Durand mit blitzenden Augen empor. „Behaupte das, wenn du es kannst I"
„Nein," sagte Brandenstein und senkte unwillkürlich beschämt die Augen.
Durand atmete tief auf. „Hättest du anders geantwortet, ich wäre dir noch einmal mit der Waffe in der linken Hand gegenüber getreten und hätte dich gezwungen, mich zu töten I" Er blickte finster auf seinen Armstumpf.
„Wir waren Feinde," entgegnete Brandenstein, „mit sind es noch. Und jetzt hast du den wehrlosen Feind in deiner Gewalt und wirst dich an ihm rächen."
Durand streifte mit einem eigentümlichen Blick den Degen des Offiziers, der neben feinem Lager stand, so daß dieser ihn jeden Augenblick ergreifen konnte, um sich zu verteidigen. „Bist du wehrlos?" fragte er dann. „Allerdings führtest du, wie ich gestern abend sah, nur ein einziges Pistol bei dir, und das ist abgeschoffen, wohl
Gewerbegerichte vorsieht. Vorläufig stehen sich diese beiden grundsätzlichen Ansichten über die Organisation der neuen Sondergerichte noch unvermittelt gegenüber, und es ist noch nicht abzusehen, ob und wie es demnächst gelingen wird, entweder der einen oder anderen zum Siege zu verhelfen oder zwischen beiden ein Kompromiß herbeizuführen.
Der Deutsche Kaiser hat zur Linderung der Not der aus Mazedonien nach Bulgarien ge- flüchteten Frauen und Kinder eine Gabe von 2000 Frank gespendet, nachdem solche Zuwendungen u. a. auch vom Sultan, von der Kaiserin-Mutter von Rußland und vom Kaiser Franz Josef gemacht worden waren. Die Spende Kaiser Wilhelms wurde, wie man aus Sofia mitteilt, durch einen Brief der Prinzessin Klementine von Koburg veranlaßt, worin um einen Beitrag zur Unterstützung der Notleidenden gebeten worden war.
Der Bundesrat stimmte in seiner gestrigen Sitzung den Ausschußberichten über die Vorlage, betreffend den § 12, Absatz 3. des Gesetzes, betreffend die Schlachtvieh- und Fleischbeschau vom 3. Juni 1900, und über den Eutwurf des Etats des Reichsheeres zum Reichshaushaltsetat für 1904 zu.
Mit der Ueberschrift ,,D i e Militär-Vorlage" schreibt der „Hamburgische Korrespondent" : „Gegenüber anders lautenden Vermutungen und Behauptungen erfahren wir aus unanfechtbarer Quelle, daß die Verlängerung des Militärquinquennats um ein Jahr, wie sie seitens der Regierung vom Reichstag gefordert werden wird, nicht in politischen Rücksichten begründet ist, sondern auf Wunsch des preußischen Kriegsministers bereits im Frühjahr, also vor den Reichstagswahlen, beschlossen worden ist, und zwar ausschließlich aus mijitärtechnischen Gründen."
Die „Statist. Korr." stellt mit Bezug auf die Ehescheidungen in Preußen fest, daß die Gesamtzahl der Scheidungen, nachdem sie in den beiden ersten Jahren seit dem Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuchs einen starken Rückgang erfahren hatte, im Jahre 1902 beträchtlich gestiegen ist. Es erfolgten nämlich 5278 Ehescheidungen gegen 4675 im Jahre 1901 und 4755 im Jahre 1900. Die Zunahme betrug also 603 ober 12,9 v. H. Die Zahl der Scheidungen steht aber gegen den Jahresdurchschnitt 1895 bis 1899
im Kampf mit den Franzosen. Hier sind neue Waffen für dich, doch möchte ich dich bitten, nur im äußersten Notfall von ihnen Gebrauch zu machen, ein Schuß ist nicht unhörbar, und wir haben jetzt wieder die Ueber» macht der Feinde vor uns." Mit diesen Wc»ten legte er ein Paar vorzüglich gearbeitete geladene Doppel- Pistolen auf das Lager des Kranken.
Erstaunt blickte Brandenstein in das bleiche Gesicht des Mannes, den er überall als einen Vaterlandsverräter hatte nennen hören." „Du — du selbst gibst mir Waffen?" stammelte er. „Du überlieferst mich nicht den Franzosen? Was soll ich davon denken?"
„Denke, was du willst!" antwortete Durand stolz. „Doch nun höre, was ich dir sage. Du Host den Fuß verstaucht, und vor vier Wochen wirst du -nicht fähig sein, ein Pferd zu besteigen."
Brandenstein senkte das Haupt. „Deine Mutter hat es mir schon gesagt. Was soll nun aus meiner Botschaft werden?"
„Ich werde sie übernehmen!" erwiderte Durand ernst.
Der Offizier wollte heftig auffahren, aber es lag ein Ausdruck in Durands Augen, der ihn verstummen ließ; er wurde irre an diesem Mann.
„Von deiner Botschaft nachher," fuhr der Baron in ruhigem, fast müdem Ton fort, „erst das Notwendigste. Du bist preußischer Offizier und ein toter Mann, sobald dich die Franzosen hier entdecken. Natürlich würden sie mit dir zugleich auch mich erschießen, der ich dich ver- berge, während sie mich für ihren Freund halten. Weiß Gott, was mich diese Freundschaft kostet!" setzte er mit