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SS" Fernsprecher Nr. 8. *^x
«r. 131.
Sornitrüao hn 5. Nudmitr
1963.
Amtlicher Teil.
Saatenstand um die Mitte des Monates Oktober 1903 im Kreise Hersfeld.
Begutachtungszisfern (Noten): 1 ----- sehr gut, 2 = gut, 3 — Mittel, 4 = gering, 5 = sehr gering.
(Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirtschaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901 — I B c 9476 M. f. L. — I b 3646 M. d. J. —)
F r u ch t a r t e n
Durchschnittsnoten für den
Anzahl der von den Vertrauensmännern abgegebenen Noten
Staat
Regierungsbezirk Cassel
1
2
3
4
5
1—2
2-3
3—4
4—5
Winterweizen ....
2,6
2,6
1
2
1
Sommerweizen . . .
—
—
Winterspelz ....
2,1
—
Winterroggen ....
2,5
2,5
1
1
1
1
Sommerroggen . . .
——
—
Sommergerste....
—
—
Hafer......
—
—
Kartoffeln.....
—
—
Klee.......
2,3
2,1
2
3
2
Luzerne......
2,5
2,4
1
Wiesen......
—
—
Königliches statistisches Bureau. Blenk.
Der bei der Königlichen Staatsanwaltschaft zu Frankfurt a/M. wegen Einbruchsdiebstahls in Untersuchung stehende Buchdrucker August Badsching, geb. am 4. Juli 1880 zu Karlsruhe, ist in der Nacht vom 1. zum 2. November 1903 aus dem hiesigen Polizei- gefängnis, woselbst er als Transportgefangener unter- gebracht war, auSgebrochen. nur mit buntgestreiftem Hemd und melierter Hose bekleidet. Beschreibung: Aller 23 Jahre, Größe 1,75 bis 1,80 m, Statur schlank aber kräftig, Haare blond, kurzaehaltener Voll- bart. Um Anstellung der eingehendsten Recherchen, Festnahme des Badsching im BetretungSfalle und Ab- lieferung an die Königlich« Staatsanwaltschaft zu Frankfurt a/M. bei Nachricht anher wird ergebenst ersucht.
Hanau, am 2. November 1903.
Königl. Polizei-Direktion.
W# und WckeMrg.
Roman von G. König-Liebthal.
(Fortsetzung.)
„Der böse Kurt!" schalt Lucie — „Er kommt heute nicht mehr," setzte sie traurig hinzu und lief nun schnell nach dem Schloß zurück, wo Tante Ottilie auf ihr Kommen bereits gewartet hatte.
Schon von ferne schallte den beiden Damen lustige Musik aus dem Zigeunerlager entgegen und bald hatten sie dieses erreicht. Sie stellten sich auf einen kleinen Hügel, um besser sehen zu können; näher wagten sie sich nicht heran, denn von den Zigeunern hatte sie nie Gutes gehört.
„Sieh dort die Alte, Tante, wie sie zu uns herüber- schaut. Die scheint Lust zu haben, mit uns zu plaudern."
Kaum hatte Lucie diese Worte gesprochen, da erhob sich auch schon das alte Zigeunerweib, brächte eiligst ihre wunderbare Kleidung in Ordnung, und näherte sich langsam den beiden Damen, freundlich mit der Hand winkend, doch näher zu kommen.
„Laufen Sie nicht fort!" rief die Alte, als sie bemerkte, daß die Damen einige Fuß zurücktraten, „ich tue Ihnen ja nichts."
Als Lucie und Tante Ottilie sahen, daß die Alte ihnen schon nahe war, blieben sie stehen und waren nun neugierig, was diese ihnen wohl zu erzählen habe.
„Gott gebe Ihnen Glück, viel Glück," murmelte die
Nichtamtlicher Teil.
Berlin, 3. November.
Seine Majestät der Kaiser ist gestern abend 9V2 Uhr von Wildpark nach Homburg v. d. H. abgereist. Dort traf Allerhöchstderselbe heute vormittag kurz vor 9 Uhr ein und begrüßt« auf dem Bahnhöfe den zum Empfang erschienenen Oberbürgermeister Marx, mit dem «r sich längere Zeit unterhielt. Darauf fuhr Se. Majestät mit dem Reichskanzler Grafen v. Bülow und dem Gefolge nach der Saalburg.
Aus Wiesbaden wird unterm 3. November berichtet : Aus Anlaß der Zusammenkunft Ihrer Majestäten des K a i s e r Wilhelm und Nikolaus hat die Stadt Flaggenfchmuck angelegt. Wie zur Zeit der Festspiele im Frühjahr ziehen sich die Wilhelmstrabe entlang mit Girlanden umwundene Masten, welche Fahnen in deutschen, russischen und Wiesbadener Farben tragen. Vor dem Königlichen Theater ist eine Ehrenpforte und
Alte, indem sie versuchte, die Hand der jüngeren Dame zu erhäschen, die diese aber schnell zurückzog.
„Sie brauchen sich nicht zu fürchten, schönstes, gnädiges Fräulein," fuhr die Zigeunerin fort, „geben Sie mir mal Ihre Hand her, ich werde Ihnen auch etwas Gute« weissagen."
Lucie konnte sich jedoch nicht dazu entschließen, ihre Hand in die der Zigeunerin zu legen. Tante Ottilie war mutiger und erfüllte das Begehren der Alten.
„Sie werden viel Freude haben in ihrem Leben, schönstes, gnädiges Fräulein," sagte sie, indem sie sich nun an die ältere Dame wandle. „Ein schöner Mann wird bald kommen und sie werden seine Braut werden und ihn heiraten."
Lachend hatte Tante Ottilie die Alte reden lassen und warf ihr dann ein Geldstück zu, worauf es natürlich nur abgesehen war.
„Siehst Du, Tante!" rief Lucie heiter aus, „was Dir nicht noch bevorsteht? Du wirst nun auch noch eine glückliche Braut werden, wie ich es jetzt schon bin. Was wird Papa sagen, wenn ich ihm das erzähle!"
Auch sie schenkte der Alten eine Münze, worauf diese dankend von bannen zog und nach ihrem Wagen eilte.
„Wer kann bloß so etwas glauben, war die Alte sagt," schallt Tante, als die Zigeunerin gegangen war, „wie soll ich denn noch heiraten! Dazu bin ich schon viel zu alt und verständig."
„Zum Heiraten ist man nie zu alt," widersprach Lucie energisch. „Ich glaube daran, was Dir die Zigeunerin geweissagt hat."
ein Laubengang errichtet. Se. Majestät der Kaiser traf um 1 Uhr 15 Minuten hier ein und begab sich, von der Bevölkerung lebhaft begrüßt, nach dem Königlichen Schloß. Zum Empfange war auf dem Bahnhof der Minister des Innern Freiherr von Hammerstein anwesend. Mit Sr. Majestät dem Kaiser trafen ein der Reichskanzler, die Herren des Gefolges sowie Generaladjutant v. Plefsen und Oberstallmeister Graf v. Wedel.
Dem Präsidenten der preußischen Generalsynode, Grafen v. Zieten-Schwerin, ist folgendes Schreiben der Kaiserin zugegangen: „Ich bitte Sie, verehrter Herr Graf, der Generalsynode für die mir zu meinem Geburtstage dargebrachten Segenswünsche meinen herzliches Dank auszusprechen. Ich hege den innigsten Wunsch und habe die frohe Hoffnung, daß die Generalsynode durch ihre Verhand. lungen dazu beitragen möge, alle treuen Kräfte in unserer teuern evangelischen Kirche in gegenseitiger Liebe und Geduld zu freudigem Wirken zusammenzu- fassen, um in ernster, gärender Zeit den Glauben in unserm Volke auf dem einzigen festen, unveränderlichen Grunde Jesus Christus hochzuhalten, zu festigen und zu fördern. Dann wird die Generalsynode ihre hohe, verantwortungsvolle Aufgabe zu einem Segens- und Friedenswerk für unsere Kirche und unser ganzes Volk gestalten, gez. Auguste Viktoria."
Die Versuche der Eisenbahnverwaltung zur Vereinfachung des Abfertigungsverfahrens im Güterverkehr werden fortgesetzt. Die kürzlich eingeführte Neuerung der Frachtkarten hat sich nach der „Korr. der Zentralstelle der Preußischen Landwirtschaftskammern" nicht bewährt und ist wieder eingestellt worden. Die Eisenbahndirektionen wenden seit einigen Tagen ein neues System an, nach welchem die Kartierung der Frachtbriefe in Fortfall kommt. Als Ersatz desselben wird die Wegrichtung der Sendung gleich auf dem Frachtbriefe vermerkt. Es wird ferner in Erwägung gezogen, die Flankierung der Gütersendung durch Freimarken einzuführen.
In D e u t sch - S ü d w e st a f r i k a ist, nach einer bei den Angehörigen eingetroffenen Mitteilung des Ober- kommandos der Kaiserlichen Schutztruppe, Leutnant Walter I 0 bst , ein Sohn des in Eberswalde lebenden Oberleutnants a. D. Jobst, bei in Warmbad aus« gebrochenen Unruhen im Kampfe gefallen. Der junge
Es machte Lucie Vergnügen, ihre Tante zu necken, was diese ruhig über sich ergehen ließ.
Kaum halten die beiden Damen das Schloß ver« lassen, um sich nach dem Zigeunerlager zu begeben, da erschien Kurt von Hardenfels in Waldenburg. Von einem Diener erfuhr er, daß die Damen nicht anwesend seien, Herr Raven sich aber im Parke befände."
„Guten Tag, Papa!" begrüßte Kurt Herrn Raven. „Du bist allein, wie ich hörte."
„Ja," rief Raven, und streckte seine Hand dem Ankommenden entgegen. „Lucie und Tante Ottilie sind vor wenigen Minuten inS Dorf gegangen. Wie wird sich Lucie freuen, wenn sie Dich heute noch hier sieht. Sie glaubten nicht, daß Du noch kommen würdest."
„Ich konnte nicht eher, Papa", erwiderte Kurt und zündele sich eine Zigarre an, die ihm Raven eben ge. reicht hatte. „Aber wenn Du erlaubst, gehe ich ihnen nach, vielleicht hole ich Sie noch ein."
„Tue das, Kurt; aber vorher möchte ich mit Dir noch einige Sachen besprechen und erledigen; wenn es Dir recht ist, gehen wir ins Schloß, wir sind dort ungestörter."
Kurt war damit einverstanden und folgte Herrn Raven in dessen Zimmer.
„Wie ich gehört habe," begann Herr Raven, als beide Platz genommen, „hatte Dein Vater die Absicht, Waldenburg zu erwerben, als sich Herr von Lofchwitz hier nicht mehr halten konnte. Ich wundere mich eigentlich immer noch, daß Lofchwitz nicht Deinem Vater Waiden- bürg zum Kauf angeboten hat, sondern mir. Ich kaufte